Für mich - wohlgemerkt für mich - zählt Lesen nicht als Hobby, es ist eine Mischung aus Interesse und "Notwendigkeit".
Ich lese wie ich esse und trinke - mit sehr viel Genuss, offen für Neues, manchmal zu vielund immer nur, was ich mag. Ich quäle mich nicht durch Bücher, ebenso wenig wie ich etwas essen würde, das mir nicht schmeckt.
Lesen ist für mich Entspannung, manchmal Herausforderung, oft auch Konfrontation, Lesen ist für mich vor allem "Geistes- und Herzens-Bildung" und eher selten Ablenkung und Unterhaltung.
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Thema: Lesen als legitimes Hobby?
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27.09.2009, 13:14Inaktiver User
AW: Lesen als legitimes Hobby?
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27.09.2009, 16:16
AW: Lesen als legitimes Hobby?
Das ist dann wahrscheinlich auch ein Unterschied zwischen uns. Von 10 Büchern sind 8 bei mir meistens Sach- oder gut geschriebene Fachbücher. Schlecht geschriebene/schwer zu lesende Fachbücher lese ich auch nur, wenn ich muß, und das ist dann auch Arbeit. D.h. ein Mathebuch oder ein schlecht geschriebenes Medizin-Buch würde ich natürlich niemals einfach so in meiner Freizeit lesen. Aber ich hatte neulich mal wieder ein gutes Medizinbuch über das Gehirn, das wirklich toll und inspirierend war (und ich habe mit Medizin beruflich leider gar nichts zu tun).
2 von 10 Büchern sind dann bei mir wirklich nur Romane oder pure Literatur. Und da gibt es gelegentlich sogar auch mal Science Fiction oder "chick literature". Letzteres lieber auf englisch. Aber meine ganze lesende Freizeit nur Romane zu lesen, wäre nichts für mich. Da wäre mein "Macher"- und "Lerner"-Drang total vernachlässigt und würde sich beschweren.
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28.09.2009, 11:11
AW: Lesen als legitimes Hobby?
Weißt du was, Cella? Aus meinem weltfremden Elfenbeinturm heraus sage ich ganz naserümpfend und abgehoben: das sind Dumpfbacken
!
Mir hat mal ein Mann, den ich vor Jahren in einer SB kennengelernt und "gedatet" habe, gesagt, ich sähe gar nicht aus,wie eine Frau, die gern liest....sollte wohl ein Kompliment sein, ich fand es sowas von
Abgehakt unter Dumpfbacke
!
Du musst sagen, dass du fremdsprachlich liest, damit kannst du dann wieder punkten – bei den DumpfbackenAber sonderlich "punkten" kann man damit nicht,erwähne ich mal mein Cellospiel, merken alle auf, "Was ,du musizierst!?" usw,
spreche ich das Lesen an, nimmt kaum jemand Notiz...aber das ist mir auch sowas von
- für andere ist es selbstverständlich, Bücher im Original zu lesen.
Rezensionen lese ich auch, warum denn nicht!PS. bei mir ist es so schlimm,dass ich mich schon in Rezensionen
festgelesen habe (bei Amazon z.B.), um zu erfahren, wie andere "mein Buch" finden, normal ist das ja nicht mehr
Gott sei’s gelobt bin ich jetzt endgültig im Alter der Narrenfreiheit angekommen, ich mache nur noch das, was mich bereichert und wie andere glauben, das bewerten zu müssen, geht mir echt am Ärschli vorbei
!
Punkten will ich auch nicht, ich will mein Leben auskosten, Freude haben und mich wohlfühlen.
Wie kostbar das Leben ist und wie wichtig, es im Einklang mit den eigenen Bedürfnissen zu verbringen, das wird mir immer bewusster, je älter ich werde.
Lesen und mehr und mehr schreiben gehört unabdingbar zu meiner Lebensqualität.
LG
Lalique
Do what makes your heart sing
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28.09.2009, 13:07Inaktiver User
AW: Lesen als legitimes Hobby?
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28.09.2009, 14:03
AW: Lesen als legitimes Hobby?
@Elinborg
Ich glaube, wir können davon ausgehen, dass hier mit "lesen" nicht der ausschließliche Konsum der Bildzeitung gemeint ist
Das mal am Rande!
In einigen Postings klingt an, entweder deutlich oder durch die Blume, dass Vielleser am „echten“ Leben vorübergingen und aus zweiter Hand lebten oder noch abwertender, dass sie sich das Hirn mit Fremdgedanken voll stopften und nicht selber denken.
Ersteres mag in vielen Fällen so sein, wobei auch das legitim ist - es liegt schließlich im Ermessen des Einzelnen, wie er sein Leben gestaltet.
Die zweite Behauptung ist schlichtweg falsch.
Ich kann hier keine Quellen angeben, aber ich weiß, dass es aus der Hirnforschung die klare Erkenntnis gibt, dass lesen die Hirnkapazität des Lesenden antriggert und erweitert.
Alles, was der Mensch liest, wird nicht nur gespeichert, sondern ganz automatisch gefiltert durch die eigene Erkenntnisfähigkeit und den Gedankenprozess, der dadurch ausgelöst wird.
Es findet immer eine Interaktion statt, die auf das konkrete Leben Einfluss nimmt, denn alles ist miteinander vernetzt.
Beim Fernsehen brennt diese Hirnfunktion auf Sparflamme, es sei denn, es handelt sich um Sendungen, die Wissen anbieten.
Auch hier muss natürlich, wie immer, differenziert werden!
Das ist auch der Grund, weshalb Kinder nicht so viel fernsehen sollen, es stoppt die eigene Hirnaktivität.
Das alles ist messbar.
Aber ich will hier gar nicht das Lesen anbieten wie saures Bier – jeder entscheidet selbst, wie viel er liest oder ob er überhaupt liest.
Ich schalte mich nur ein, wenn das Lesen abgewertet wird.
Ich werte auch niemanden ab, der jeden Tag ins Fitness Center geht.
Jeder hat seine Prioritäten und das „richtige“ Leben ist immer das, wobei der Mensch sich wohl fühlt in seiner Haut, das kann ihm kein anderer vorschreiben und sei es auch ausnahmsweise mal gut gemeint
!
Meist ist es ja belehrend...
LG
Lalique
Do what makes your heart sing
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28.09.2009, 14:45Inaktiver User
AW: Lesen als legitimes Hobby?
Trotzdem musst du auch beim billigsten Schundroman imaginieren und deine Phantasie einsetzen, das geschieht ja ganz unwillkürlich und ist eben an sich schon eine Hirnleistung. Deshalb gibt es ja sog. Funktionelle Analphabeten, die zwar technisch lesen können, d.h. die Buchstaben identifizieren, aber nicht den Sinn eines Textes erfassen können, weil sie es einfach nicht gelernt haben. Fernsehen kann jeder, lesen nicht.
Vor der Glotze kann man sich berieseln lassen und muss dem gar nicht folgen, beim Lesen musst du die Sätze ja schon verarbeiten, sonst kommst du ja nicht vorwärts.
Für mich persönlich ist daher Lesen immer eine aktive Tätigkeit, eine geistige Leistung, Fernsehen per se nicht.Geändert von Inaktiver User (28.09.2009 um 14:53 Uhr)
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28.09.2009, 19:27Inaktiver User
AW: Lesen als legitimes Hobby?
Diese Einschätzungen kann ich auch nicht so richtig nachvollziehen.
Es stellt sich doch die Frage, was das "echte" Leben ist.
Wie gesagt, ich lese auch nicht 24/7 und begebe mich durchaus gerne mal in menschliche Gesellschaft oder tue aktiv etwas (also physisch aktiv).
Aber für mich zählt eben auch Lesen zum echten Leben, manchmal sogar mehr als diverse andere Dinge.
Und es gibt Menschen, für die ist Lesen ein echter fast gänzlicher ausfüllender Lebensinhalt, wenn sie glücklich sind, ist das doch OK.
Genauso wie es Menschen gibt, die in einer Höhle in den Bergen leben ohne jeglichen menschlichen Kontakt und das als absolut erfüllendes Leben empfinden.
Was das "eigene" Denken angeht: jeder Mensch braucht Input, um zu denken. Zumindest wenn das Denken über eine simple bildliche Vorstellung hinausgehen soll.
Der Input kann natürlich auch durch Aktivitäten, Gespräche, Fernsehen etc. kommen, aber auch durchs Lesen.
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28.09.2009, 19:55
AW: Lesen als legitimes Hobby?
Zitat von Inaktiver User
Da hinkt der Vergleich. Es geht ja nicht um die menschliche Gesellschaft, sondern das "Erleben". Wie viele tausende Eindrücke wird der haben, der in einer Höhle in den Bergen lebt? Unglaublich viele. Kein Wunder, das das erfüllen kann.Genauso wie es Menschen gibt, die in einer Höhle in den Bergen leben ohne jeglichen menschlichen Kontakt und das als absolut erfüllendes Leben empfinden.
Wer davon liest, kann es in der Phantasie vorstellen, aber die sinnlichen Eindrücke fehlen.
Ich hab Hape Kerkelings "ich bin dann mal weg" gelesen. Es war toll und ich hab viel Spaß und Emotionen beim Lesen gehabt. Aber was ist das dagegen, diesen Weg selber erleben zu dürfen?Wenn man einen Fehler gemacht hat, kommt manchmal etwas ganz Wunderbares dabei heraus.
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28.09.2009, 20:01Inaktiver User
AW: Lesen als legitimes Hobby?
Ich finde, da hinkt dein Vergleich!

Für mich ist das Tolle am Lesen gerade, dass es mir Zugang zu Welten, Erfahrungen, Zeiten, Situationen gewährt die ich gar nicht alle real nachvollziehen kann.
Gut, Jakobsweg wär theoretisch machbar, wenn ich das Geld und die Zeit hätte und die Kinder groß wären - vieles andere aber nicht, bei mir vor allem nicht das Leben in vergangenen Zeiten. Das kann ich nur nachleben, wenn ich mich dem über Literatur nähere.
Ich staune ja eher immer über die, die total im Hier und Jetzt verhaftet sind und gar nicht mehr wollen und brauchen an geistigen Dimensionen außer Job, Familie, Fitness und Pauschalurlaub.
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28.09.2009, 20:12
AW: Lesen als legitimes Hobby?
Ich meinte ja auch den Vergleich "Leben = menschliche Gesellschaft", den Bootsfrau beschrieb und den ich auch zitiert hab.
Ich bin ja auch Vielleserin. Aber was Du da schreibst, mag mir trotzdem nicht gefallen. Es hört sich so negativ an. Vor allem der "Pauschalurlaub".Ich staune ja eher immer über die, die total im Hier und Jetzt verhaftet sind und gar nicht mehr wollen und brauchen an geistigen Dimensionen außer Job, Familie, Fitness und Pauschalurlaub
Warum muss es so sein, dass Nicht/Wenig-Leser intellektuell minderbemittelt sind? Ich hab eine Tochter, die sehr klug ist, sehr (tiefstapel) gut in der Schule. Sie liest aber nicht. Hm. Dafür hat sie ein großes Empfinden für die Natur, für Temperaturen, sie ist von morgends bis abends auf 100 Wahrnehmungsprozent. Interessiert sich für alles. Nur nicht für Bücher.
Ich möchte ja nur eine Lanze für die brechen, die eben nicht gerne lesen und die dafür schräg angesehen werden.Wenn man einen Fehler gemacht hat, kommt manchmal etwas ganz Wunderbares dabei heraus.


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