Mir ist bei zwei kürzlich gelesenen Büchern ('Einfach so' von Lilly Brett und 'Das Familientreffen' von Anne Enright) aufgefallen, dass zum Teil sehr profane Sprache (ich muß das jetzt hier glaube ich nicht ausschreiben - es geht um die 'üblichen' Wörter beginnend mit f, p und sch) verwendet wird.
Solche Ausdrücke haben in manchen Geschichten bzw. bei bestimmten Charakteren sicherlich eine Berechtigung.
Aber bei den beiden genannten Romanen ist mir die im Überfluß verwendete Vulgärsprache unangenehm aufgestoßen. Beide Bücher werden aus der Perspektive einer Frau um die vierzig erzählt. Beide Protagonistinnnen sind gebildet und leben ein eher durchschnittliches Leben (sind Mutter, Ehefrau, halten sich in einem bürgerlichen Umfeld auf).
Die Verwendung der Vulgärsprache in der Gedankenwelt dieser Frauen passt für mich da überhaupt nicht ins Bild. Für mich erscheint es wie ein gezielter 'Tabubruch', der aber nichts mit der im Roman beschriebenen Person zu tun hat und daher wenig authentisch wirkt.
Was meint ihr dazu? Ist dies auch anderen schon negativ aufgefallen?
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28.12.2008, 14:49Inaktiver User
Vulgärsprache in Romanen - warum?
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31.12.2008, 13:15
AW: Vulgärsprache in Romanen - warum?
Nicht bei den von Dir genannten Romanen, die ich nicht kenne. Aber zum Beispiel beim "Medicus". Und auch wenn es vielleicht nicht hier her gehört, es stört mich auch bei Filmen wie z. B. "Keinohrhasen". Da wird für meinen Geschmack zu viel beschimpft und zu vulgär über Sex geredet. Und ausgerechnet das soll der erfolgreichste deutsche Film der letzten Monate gewesen sein. Kurz gesagt, das stört mich zuweilen auch ganz gewaltig, vor allem, wenn es nichts mit der Geschichte und den Personen zu tun hat und die Story auch ohne den Gebrauch dieser Sprache genau so gut erzählt werden könnte.
Ich bleibe auf dem Teppich meiner Möglichkeiten und hoffe, dass er fliegen kann.
Ralf Hoburg
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31.12.2008, 16:20Inaktiver User
AW: Vulgärsprache in Romanen - warum?
Ja, in gewissen Filmen und Serien ist mir auch das schon aufgefallen. Es scheint so, als meinen gewisse (Drehbuch)Autoren meinen, dass sie damit dem Zeitgeist folgen oder eine gewisse 'lockere' Haltung demonstrieren.
Bei mir kommt sowas aber als irgendwie deplatziert und gewollt an. Ein bißchen wie bei einem kleinen Kind, dass Schimpfwörter aufgreift, um zu provozieren und seine Grenzen auszutesten.
Ich halte mich eigentlich nicht für prüde (vielleicht liege ich da aber auch falsch
?), aber ich finde es gibt einen Unterschied, ob man z.B. offen und unverklemmt über Sex reden kann oder ob man sich dabei anhört, als wäre man Hauptakteur in einem Pornofilm.
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04.01.2009, 20:48
AW: Vulgärsprache in Romanen - warum?
ich sehe das wie canislupa.
vor jahren hatte ich einmal einen roman gelesen, wo diese "vulgaersprache" der person zugeordnet war, die sich im demensprechendem umfeld aufhielt, wohingegen "gebildetere" figuren eine andere ausdrucksweise hatten.
ich finde, dass macht sinn.
ein uebermaessiger gebrauch von "unanstaendigen" woertern stoesst mich auch sehr ab.
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05.01.2009, 19:35
AW: Vulgärsprache in Romanen - warum?
Man muss nicht prüde sein um dergleichen abzulehnen. Manchmal habe ich sogar den Verdacht, dass es genau umgekehrt ist
, warum hat man es sonst nötig in Porno- und Fäkalsprache daherzureden (bzw. zu schreiben)? Wahrscheinlicher aber ist, dass manche Autoren glauben, das Buch, der Roman würde sich besser verkaufen und das zieht dann eine Welle nach sich, weil andere ihre Werke auch verkaufen wollen.
Ich gehe mal davon aus, dass ernst zu nehmende Autoren und Filmemacher dergleichen nicht nötig haben und den entsprechenden Sprachgebrauch nur dann anwenden, wenn sie eine Person, eine Figur charakterisieren, die sich im entsprechenden Milieu bewegt. Dann wirkt dies authentisch und ist auch goutierbar. Natürlich kann diese Art Sprache auch anders eingesetzt werden, aber sie darf (in meinem Sinne, wenn ich etwas ernst nehmen will) niemals Selbstzweck sein. Leider läuft es aber immer wieder einmal genau darauf hinaus. Der Rest ist Schweigen................
AnitraMein Avatar zeigt Charlotte Gainsbourg.
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06.01.2009, 10:31
AW: Vulgärsprache in Romanen - warum?
Ich kenne "Das Familientreffen" nicht, aber "Einfach so" von Lily Brett habe ich vor Jahren sehr gerne gelesen. Ok - Lily Bretts Protagonitin beschäftigt sich mit ihren Körperfunktionen und schildert das zum Teil plakativ. Es ist auch Thema in ihrer Therapie. Aber es ist doch Teil ihrer Figur, es hat offensichtlich für sie etwas Befreiendes SCH*** und F*** zu sagen...
Insofern ist es für ich so wie Anitra hier schreibt:
nur das sich Lily Bretts Figur nicht im "entsprechenden Milieu" bewegt.....den entsprechenden Sprachgebrauch nur dann anwenden, wenn sie eine Person, eine Figur charakterisieren, die sich im entsprechenden Milieu bewegt...asa nisi masa
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06.01.2009, 14:11Inaktiver User
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07.01.2009, 11:07Inaktiver User
AW: Vulgärsprache in Romanen - warum?
Keine Ahung, ob Lily Brett auf deutsch oder US-englisch schreibt/denkt - in letzterem Fall ist fuck einfach ein Wort, das man 500x am Tag sagt, ohne dass es irgendwie anstößig wäre (das isses nur im Fernsehen
)
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14.01.2009, 18:13
AW: Vulgärsprache in Romanen - warum?
Hallo!
Aus lauter Langeweile (und ein wenig Neugier....
) hab ich "feuchtgebiete" gelesen. Die Autorin schreibt, wie sie denkt....da wird die Vulgärsprache ja teilweise auch verniedlicht. Die ganze Weihnachtszeit über konnt ich nicht einmal das Wort "Vanillekipferl" hören, ohne an was komplett anderes zu denken. Bei "Hahnenkämme" gehts mir ähnlich.....
Liebe Grüße


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