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  1. Registriert seit
    22.06.2017
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    Und plötzlich ist man krank...

    Guten Abend ihr lieben,
    gestern habe ich, mitte 20, die Diagnose Brustkrebs bekommen. Bereits seit Oktober letzen Jahres konnte ich einen großen Knoten in der linken Brust fühlen. Auch meine Frauenärztin konnte den Knoten ertasten. Mehrere Ultraschalls zeigten aber (wahrscheinlich auch aufgrund des dichten Gewebes) nichts weiteres. Vorletzete Woche konnte man das immerhin bis zu 3,5 cm große Ungetüm dann doch erkennen, es folgten Stanzbiopsoe und Mammographie.
    Ja, und hier bin ich nun. Ohne jegliche erbliche Vorbelastung (niemand in meinem familiären Umfeld hat irgendeine Krebsform), rauche nicht, trinke nicht und betreibe regelmäßig Sport. Woher der Mist kommt? Pures Pech, vielleicht ein spontan mutiertes Gen (Tests sollen folgen), man weiß es nicht genau.
    Metastasen wurden bei Röntgen-, Blut- und weiteren Ultraschalluntersuchungen soweit keine gefunden. Ein Lymphknoten der Achselhöhle hat wohl ein paar wenige Zellen abbekommen, laut der guten Frau im Brustzentrum wäre für sowas aber ein Lymphknoten auch nunmal da. Der furchtbar unsympathische Klinikleiter (der die "tollen" Neuigkeiten überbringen durfte) warf ein paar Mal "aggressiv" und irgendwas mit "hormonunabhängig" in den Raum. Laut der Leute im Brustzentrum und auch der Meinung meines nun neuen Frauenarztes (denn 1. Macht er in meiner Gemeinschaftspraxis die onkologischen Behandlungen und 2. frage ich mich, ob meine Ärztin wirklich 7 Monate hat warten müssen, bis mal was passiert) sieht der Fahrplan so aus: Chemo vorweg (um den Tumor klein zu kriegen und eventuell umherschwirrende Zellen am "Andocken" zu hindern", Bestrahlung + Op (Tumor raus, Lymphknoten raus).
    Es fehlen noch ein paar Daten zur genauen Tumorbeschaffenheit, aber mir hat das alles echt Angst gemacht. Das was man im Internet so findet (ja, man darf sich nicht verrückt machen lassen. Aber irgendwie macht man doch den Fehler und googelt) klingt eher nach einem schwierigen Tumor. Und mir fällt es wirklich schwer, positiv zu denken. Bis auf den Knubbel hab ich mich bis gestern gefühlt, als könnte ich Bäume ausreißen. Ich war bis Montag noch im Wanderurlaub und bin mit 10kg Rucksack mehr als 100km zufuß umhergezogen. Zwei Tage später ist man schwer krank und liest im Internet nur noch Sachen wie "schwer heilbar", "hohe Rückfallquote" usw.
    Ich glaub das alles irgendwie noch gar nicht so wirklich 😥

    Mein Frauenarzt meinte, die Heilungschanxen seien heute mit mehr als 80% ausgesprochen gut. Wie die Prognose im Einzelfall aussieht, hängt aber von noch ein paar ausstehenden Werten ab. Und soll ich euch was sagen? Ich will es gar nicht wissen. Mein Bauchgefühl ist unterirdisch schlecht und auch, wenn ich mir ganz ganz fest vornehme und wünsche, schnell gesund zu werden, mag ich nicht dran glauben. Ich möchte nicht hören, dass die Chance vielleicht nur bei 40% liegt. Das würde glaube ich meinen Kampfgeist brechen.
    Ich möchte gesund werden. Für mich, meine Freunde, meine Familie und meinen Freund, der seit vier Jahren leider an einer unheilbaren Erkrankunng des Zentralen Nervensystems erkrankt ist. Ich möchte unnedingt gesund werden und bete und hoffe, aber wage nicht wirklich daran zu glauben, aus Angst vor bitterer Enttäuschung 😔 Denn das wsr jetzt das zweite Mal, dass uns das Schicksal richtig böse eins mitgegeben hat...

    So, das war jetzt ganz schön viel - tut mir leid. Aber ich bin grade ziemlich aufgewühlt und viel zu nah am Wasser gebaut. So bin ich sonst eigentlich nicht. Aber das gehört jetzt vielleicht erstmal dazu zwischen all den bizarren Gesprächen über Kinderwünsche, Haarausfall und Brustaufbau-Methoden 😟

    Ich wünsche euch allen eine gute Nacht und uns allen gute und schnelle Besserung 😘


  2. Registriert seit
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    165

    AW: Und plötzlich ist man krank...

    Liebe Kathi,

    ich komme hier gerade mit dem Zitieren nicht klar.

    Es tut mir sehr leid, dass du mit Mitte 20 mit so einem Scheixx zu tun hast.
    Aber ich finde, dass du schon sehr viel selbst gesagt hast, wie du mit der Situation umgehen kannst.

    (Jetzt kämen die Zitate)

    "Bis auf den Knubbel hab ich mich bis gestern gefühlt, als könnte ich Bäume ausreißen. Ich war bis Montag noch im Wanderurlaub und bin mit 10kg Rucksack mehr als 100km zufuß umhergezogen."

    Heißt für mich: Taffe junge Frau, die ihren Weg kennt und sich nicht die Butter vom Brot nehmen lässt. Kämpferin! Ergo: zeig dem Schalentier Breitseite. Das kannst du!

    "Mein Frauenarzt meinte, die Heilungschanxen seien heute mit mehr als 80% ausgesprochen gut. Wie die Prognose im Einzelfall aussieht, hängt aber von noch ein paar ausstehenden Werten ab. Und soll ich euch was sagen? Ich will es gar nicht wissen. "

    Auch gut, dass du keine Prognose willst. Was nützt die dir tatsächlich, wenn es um dein Leben geht?

    " Ich möchte gesund werden. Für mich, meine Freunde, meine Familie und meinen Freund, Ich möchte unnedingt gesund werden".

    Das sind doch die besten Voraussetzungen!

    Ach, und eins versuche ich gerade zu lernen: "Radikale Akzeptanz" und das heißt nicht aufgeben!
    Ich bin in Gedanken bei dir, ich kann mir vorstellen, was du im Moment durchmachst.
    Liebe Grüße

    Jean
    Geändert von Jeandreatti1 (23.06.2017 um 00:09 Uhr)


  3. Registriert seit
    22.06.2017
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    AW: Und plötzlich ist man krank...

    Ich weiss es seit heute. Versuch nach vorne zu schauen. Ich werde siegen! Und Du kannst das auch. Ich bin gespannt, wie lange es dauert, bis ich in das erste Loch falle..


  4. Registriert seit
    22.06.2017
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    711

    AW: Und plötzlich ist man krank...

    Danke ihr Lieben für die Unterstützung,
    ich kenn mich eigentlich auch nicht so negativ. Und zum Glück ist es auch nicht den ganzen Tag so. Aber ich war noch nie ein großer Freund des Unbekannten und Ungewohnten, das ist mir immer etwas suspekt und macht mir schnell Angst. Egal, worum es geht, ab und an bin ich halt eine Schissbuchse...

    Ich hoffe, dass wir alle das beste für uns rausholen können. Egal wie, das muss einfach klappen.
    Schlaft gut und toi toi toi für euch beide :)


  5. Registriert seit
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    758

    AW: Und plötzlich ist man krank...

    Hallo Kathikind,

    Ich bin jedesmal betroffen, wenn sich hier jemand neues anmeldet, noch mehr so wenn es in so jungen Jahren kommt. Es scheint recht oft ein triple negativ zu sein, wenn es so jung eintrifft, und auch wieder recht oft erblich bedingt.

    Falls du noch die Zeit hast vor der Chemo, es gibt Möglichkeiten Eizellen einzufrieren, wobei das wieder ein ganz neues Thema aufreißt, nämlich Kinder kriegen. Die Chemo wird da erstmal ganz schön was durcheinander bringen, daher möglicherweise sollte dieser Gedanke vorrangig sein, wenn auch schwer sich auf noch eine Sache voll zu konzentrieren.

    Dass du so jung bist, gibt dir allerdings die Chance die Chemo relativ 'locker' wegzustecken, wenn du noch sportlich bist umso mehr denke ich.

    Aber sei gewiss, so wie dir ging es schon vielen vor dir, mit einem Male, von einem Tag auf den anderen schwer krank, und dann die ganze Behandlung vor dir. Aber es geht vorbei, Stück für Stück. Tag für Tag.

    Versuch deine Doktoren weniger auf Sympathisch, sondern auf ihr Können einzuschätzen, Sympathie ist zwar nett, aber in einem solchen Fall ist ein A-Loch mit Können immer besser als ein Sympathischer Nichts-Könner :)

    Es ist gut, dass du ein Frauenarzt mit Onkologischem Schwerpunkt hast, da auch die Nachsorge später natürlich immer anders als bislang.

    Wünsche Dir ein Kopf Hoch, es scheint so manche Leute zu geben die sind Auserwählt für Großes, und wiederum andere die den Scheißdreck ertragen müssen. Dir und Deinem Freund erstmal alles Gute, die erste Zeit ist einfach extrem stressig, wenn die Behandlungen anfangen wird es etwas besser da eine Linie da ist, der man einfach folgt.

  6. Avatar von Kathamarie
    Registriert seit
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    764

    AW: Und plötzlich ist man krank...

    Guten Morgen KathiKind,

    die ersten Tage und Wochen gehören der Erschütterung.
    Da ist nix positives dran die Grenze des Lebens durch eine Kebsdiagnose zu erfahren. Mich hat es erstmal umgenietet. Gleichzeitig war da eine stille Entschlossenheit allesallesalles zu tun um zu überleben.
    Damit habe ich es zumindest schon mal durch die fünfviertel Jahr der Behandlung geschafft . . . und bin in einem neuen Land angekommen. Manchmal denke ich ich lebe erst jetzt.

    Du bist mutig und stark und Du hast Menschen für die Du leben möchtest - das sind verlässliche Grundlagen für das Überstehen dieser großen Aufgabe.
    Hole Dir alle Unterstützung, die Dir gut tut. Sorg für Dich und lasse für Dich sorgen - hier im Forum wirst Du viele Gesprächspartnerinnen finden, in allen Tonlagen sozusagen.
    Ich denke an Dich!
    Grüße von Kathamarie


  7. Registriert seit
    22.06.2017
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    711

    AW: Und plötzlich ist man krank...

    Guten Morgen zusammen,
    danke füe die lieben Rückmeldungen. Im Gegensatz zu gestern hab ich diese Nacht geschlafen wie ein Mumeltier und fühle mich heute auch direkt etwas besser.

    @Vael: mein Frauenarzt bietet sogar die Chemo an. Wir haben uns gestern die Räumlichkeiten dafür angesehen. Die Ärztin im Brustzentrum hatte das so vorgeschlagen, weil bei meinem Doc die Behandlung in Einzelzimmern erfolgt und sie das als angenehmer empfindet. Zitat: "Im Krankenhaus werden Sie gemeinschaftlich behandelt. Mehrere Leute in einem Saal. Das werden vorwiegend ältere Damen sein. Frauen, die es ganz schwer getroffen hat. Die können ganz schön hart sein und haben dazu einen hohen Gesprächsbedarf. Ich glaube, Sie möchten sich nicht stundenlang Horrorgeschichten von älteren, gebeutelten Damen anhören".
    Die Chemo wäre wohl an beiden Orten die selbe (wo man den Infusionsbeutel aufhängt, ist ja schlussendlich auch egal). Dafür hätte man nur einen Ansprechpartner - meinen Frauenarzt. Im KH bei der Onkologie wären das bis zu 15 verschiedene Leute. Je nach Schichtplan immer wer anderes. Wir gucken uns heute trotzdem mal die Möglichkeiten dort vor Ort an und hören, was die Leute vom Krankenhaus zu sagen haben.

    Thema Kinderwunsch: die Frau von meinem Arzt arbeitete in einer Kinderwunschklinik. Ich hab Montag (allerdings in einer anderen Klinik) erstmal einen Beratungstermin. Schließlich ist die Sache mit den Eizellen usw auch mit Kosten verbunden. Und das will gut überlegt sein, da ja auch mein Freund gesundheitlich eher angeschlagen ist. Wir sind jetzt 11 Jahre zusammen, deswegen gehe ich jetzt mal eher von ihm als potentiellem Vater aus 😉 Aber was nützt die beste Vorsorge bei mir was das Kinderkriegen betrifft, wenn es dann bei ihm nicht klappt? Kinderwunsch war für uns noch sooo weit weg. Sich jetzt darüber Gedanken zu machen, ist schwierig. Und irgendwie hat man das Gefühl, dass man bei jeder Entscheidung nur verlieren kann. Man kann viel Geld in den Sand setzen (weil es am Ende doch nicht klappt oder weil man es gar nicht gebraucht hätte), man kann sich ärgern und Vorwürfe machen, weil man es nicht getan hat. Wir müssen uns da noch einen Masterplan austüfteln...

    @Kathamarie:
    Danke. Bereits jetzt bin ich von den aufbauenden Worten von euch und anderen hier im Forum sehr positiv überrascht. Aber irgendwie sitzen wir ja leider alle auch im selben unschönen Boot 😉

    Ich wünsche euch allen schonmal einen guten Start ins Wochenende :)

  8. Avatar von Penny62
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    2.346

    AW: Und plötzlich ist man krank...

    Hallo Kathikind. Ich kann dich auch sehr gut verstehen. Es tut mir leid für dich.
    Ich bin, in der Mittagspause, mal schnell zur Mammographie gegangen. Habe nichts ertastet, nichts gemerkt. .... 2 Tage später änderte sich mein Leben radikal. Ich war immer voll arbeiten, nie krank oder Hausfrau. Für mich brach eine Welt zusammen. Zum Glück war mein Tumor 1,9 cm groß. Ich wurde operiert, bekam Chemo, Bestrahlungen, zur Zeit noch Herceptin Spritzen (meiner war hormonabhänig) und muss Hormontabletten nehmen. Leider war mein Krebs sehr aggressiv. Daran denken darf ich auch nicht. Manchmal dachte ich, ich bin im falschen Film. Aber, zum Glück wurde der Tumor rechtzeitig entdeckt. Ich bin auch sportlich, rauche nicht, trinke nicht, ernähre mich schon immer bewusst gesund...... Ich darf nicht daran denken, wenn ich nicht (routinemäßig) zur Mamo gemußt hätte. ......
    Das du mit Mitte 20 das erleben musst, verstehe ich auch nicht. So jung????

    Gerade da, denke immer daran, dass du jung bist. Du hast die Kraft es zu schaffen. Aber du musst gegen das Ars........ kämpfen. Es wird eine harte Zeit. Die vergeht aber auch und dann wirst du das Ding los. Nach einem Jahr sieht es besser aus. Ich habe mir gesagt, was ist ein Jahr gegen ca. 80 Jahre Leben.
    Manchmal war es sehr schwer. Aber ich will LEBEN. Ich liebe meinen Mann, meine Tochter, mein Zuhause, meine Freunde, mein Leben, das LEBEN. .......Ich will noch nicht gehen. Ich bin zwar viel älter wie du (ich könnte deine Mutti sein) habe auch eine Tochter, und kann es mir vorstellen wie es dir und deiner Familie geht.
    Kämpfe Kathikind und denke daran, nächstes Jahr hast du die Therapien überstanden. Es wird auch eine Herausforderung für deinen Freund. Aber, es schweißt auch zusammen!

    Ich wünsche dir alles, alles Gute.
    Und......... wenn du Hilfe brauchst oder Probleme hast, hier sind SO viele im Forum, die das Gleiche durchgemacht haben und die dir Antworten oder Ratschläge geben können. Aber kämpfen musst du!
    Ich denke, dass du das schaffst. Nimm es an und werde gesund. Alles Gute für dich und berichte uns.
    Liebe Grüße von Petra
    LG Penny62

  9. Avatar von Penny62
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    2.346

    AW: Und plötzlich ist man krank...

    Ach nochwas, wenn du in einer "Gruppe" von Chemo Leuten bist, kann es auch lustig sein. So war es bei mir. Wir waren eine lustige Gruppe im Alter von Anfang 30 bis 70 Jahre. Das ändert sich machmal. Aber 70 war nur eine Omi, und die war froh ,dass sie uns hatte. Ganz alleine zu sein ist bestimmt nicht gut für die Psyche.

    Ach und mit dem Kinderwunsch? Wenn ihr Kinder möchtet, würde ich dir auch raten Eizellen einfrieren zu lassen. Ich weiß nicht was das kostet, aber wenn ihr - irgendwann - mal so ein kleines Leben im Arm haltet, dass ist unbeschreiblich schön.
    Überlegt es euch, auch mit dem Gedanken, dass dein Freund krank ist.....
    Entscheidet das gemeinsam
    LG Penny62


  10. Registriert seit
    19.08.2016
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    936

    AW: Und plötzlich ist man krank...

    Ja, wir sitzen alle im gleichem Boot und das Boot ist leider ziemlich voll. Aber wir helfen uns gegenseitig und das macht die Reise leichter. Frag hier ungeniert alles was dich verunsichert. Wir sind keine Ärzte, aber viele von uns haben (leider) viel Erfahrung

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