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  1. Moderation Avatar von lythande
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    AW: Und plötzlich ist man krank...

    Liebe Kathikind
    auch ein herzliches Willkommen von mir, wenn Du auch sicher lieber zu einem anderen Thema geschrieben hättest.
    Dass Googlen nicht unbedingt gut tut, hast Du ja vielleicht schon mitbekommen. Man darf aber nie vergessen. Statistische Wahrscheinlichkeiten sind eben nur Wahrscheinlichkeiten und sagen nichts über Dich als Person aus und wie es bei Dir wirklich weiter geht. Auf welcher Seite der Statistik Du stehst wird Dir keiner sagen können. Ich wollte auch nie genau wissen, wie hoch meine Chance in Prozent ist. Ich unterscheide bei der Frage: Will ich das wissen ? immer danach, ob ich etwas ändern könnte. Ich kann die Faktoren für das Risiko vielleicht beeinflussen, aber die Info über Prozentzahlen als solche bringt mir nichts. Mir hat genügt zu wissen, dass ich jedenfalls eine Chance zum Überleben habe trotz des Umstandes, dass mein Tumor sehr groß und aggressiv war und auch Lymphknoten befallen - die Diagnose ist jetzt acht Jahre her - und das ist bei Brustkrebs ja GsD so.
    Was die Chemo anbetrifft. Ich hatte so ein Mittelding, keine Chemo im Brustzentrum, weil das zu klein ist und deshalb nur die OP macht, aber einen Onko mit 5 Sesseln im Kreis. Wir haben da auch gelacht und gescherzt und eigentlich war es auch ganz hilfreich zu hören, dass andere ähnliche Nebenwirkungen haben oder beim ersten Mal zu erfahren, dass die schon Erfahreneren bisher ganz gut zurecht kommen. Ich gebe allerdings auch zu, dass ich damals auch schon eher in den Omabereich gehörte mit 55 im Vergleich zu Deinem Alter. Und natürlich kann es einem auch passieren, dass man eine Panikmacherin dabei hat. Ich denke, so eine individuelle Betreuung ist schon besser als im Krankenhaus.
    Liebe Grüße Lythande
    Wenn Du in die Sonne siehst, liegt der Schatten hinter Dir
    Es gibt keinen Fahrstuhl zum Glück, Du musst die Treppe nehmen (Werner Bethmann). ▬|████|▬



  2. Registriert seit
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    AW: Und plötzlich ist man krank...

    Ach, schon wieder so viel netter Zuspruch. Vielen Dank dafür 🌷

    Hatte eben den Beratungstermin in der onkologischem Ambulanz im Krankenhaus. Ärztin super nett, hat sich fast 1,5 Stunden Gesprächszeit mit uns gegönnt.
    Hab mir die Räumlichkeiten ansehen können. Dort wird die Behandlung in zweier-Zimmern angeboten (Bett oder Sessel). Die sind natürlich nicht halb so schön, wie das wohnliche Einzelzimmer beim Frauenarzt. Aber dafür gäbe es die Möglichkeit, kostenlos mit einer elektronischen Kühlkappe zu versuchen, die blonde Haarpracht so gut es geht zu erhalten. Der FA hat hingegen ein eher einfacheres Kühlsystem mit Kühlkissen und hat selbst zugegeben, dass das etwas weniger effektiv ist, als das elektronische. Aber gut, die Haare sollten eine eher zweitrangige Sorge sein. Wichtiger ist es, schnell gesund zu werden und es auch zu bleiben. Egal ob mit oder ohne Haare. Die Onkologin hat einem natürlich ans Herz gelegt, die Behandlung lieber dort zu machen (spezialisierter, immer jemand erreichbar, Zusammenarbeit verschiedener Abteilungen möglich usw). Der FA hingegen hat natürlich seine Praxis agepriesen. Ich werde da am Wochenende mal meinen privaten "Krisenstab" zu befragen und dann eine Entscheidung fällen 😉

    Ansonsten steht der Fahrplan: 4 x alle 3 Wochen Chemo, danach 12 Wochen lang wöchentlich Chemo.
    Dann OP.

    Vorher soll jetzt noch ein Gentest gemacht werden, damit die Behandlung noch besser angepasst werden kanm, die OP besser geplant wird und auch die Sache mit dem Kinderwunsch passend angegangen werden kann. Denn was nützen teuer eingefrorene Eizellen, wenn ggf die Eierstöcke raus müssen?... Und da niemand in meiner ganzen Familie sonst mit irgendeiner Krebsform was am Hut hat, möchte man schon wissen, woher der Mist jetzt kommt und ob ich vllt die erste in der Kette der verkorksten Gene bin, oder doch wirklich gigantisches Pech und purer Zufall dahinter stecken.

    Auch wenn das alles gruselig ist, nimmt es wenigstens langsam Form an, sodass es in ein paar Wochen auch schon los gehen wird.

    Haltet die Öhrchen steif, ihr lieben 💖

  3. Avatar von Neugierde11
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    AW: Und plötzlich ist man krank...

    Darf ich dir einen Rat geben wegen Entscheidung Chemo wo machen: ich habe meine in einer Onkologischer Praxis gemacht und das war super , weil die ja ausschließlich solche Behandlungen machen und da topp drauf sind grade wenn eine Nebenwirkung aufschlägt, hatten die sofort Rat und auch das entsprechende Medi das half. Die Praxis machte leider 14 Tage Urlaub und ich musste woanders hingehen für diese Zeit. Habe mir leider auch die Frauenartzpraxis ausgesucht die einen Chemoraum hatten und angeblich da auch fit sind. Aber der Unterschied war riesig!!!! Und die Kühlung an Füßen und Händen war super schlecht und ich behaupte das war der Auslöser für meine noch anhaltenden Probleme.
    Diese Frauenärzte machen das einfach nicht sooo oft und sind da ganz klar keine Fachleute! Ich würde dir raten geh in die spezialisiertere Praxis!
    am morgen ein Joint und der Tag ist dein Freund
    Neugierde11

  4. Avatar von cocolin
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    AW: Und plötzlich ist man krank...

    Hallo Kathikind,

    Ich bin auch so eine. Habe mit 28J. das große Los gezogen.

    Also, es wurde ja schon viel geschrieben und Du liest dich tapfer. Bleib mutig und stark und hau dem Krebs eins auf die Mütze!

    Zum Einen ist es nichts außergewöhnliches, dass dein Tumor aggressiv ist. Ehrlich gesagt habe ich noch nie was anderes von einer U30 jährigen Betroffenen gehört. In dem Alter ist die Zellteilung einfach schneller als bei älteren Menschen. Es ist also "normal", dass dein Tumor schnell wächst. Das Gute am schnellen Wachstum ist, dass diese Tumore meist besser auf die Chemo ansprechen. Ich habe mir die Krebszellen immer wie gierige kleine Monster vorgestellt, die erst mein gesundes Gewebe fressen und als es dann chemodurchtränkt war, eben auch ganz viel Gift gefressen haben.

    Es hört sich an wie ein triple negativer Tumor, sprich keine Hormon oder Her2neu Rezeptoren. Das ist erstmal doof. Ich hatte auch einen Tn. Man googled so blöde Sachen darüber weil er im Gegensatz zu hormonpositiven oder Her2neu-Positiven Tumoren weniger Therapien bietet. Man bekommt Chemo, Op und Bestrahlung. Bei den anderen Tumoren kann man noch eine Antihormontherapie oder eine Therapie mit Herceptin anschließen. Das geht dann bei uns nicht. Spricht er aber auf die Chemo gut an, wovon wir mal ausgehen wollen, dann hat der Tn die selben Heilungschancen wie andere Brustkrebse.

    Es stimmt, dass man in onkologischen Praxen als junge Erwachsene manchmal ziemlich einsam ist und sich fragt, was man dort eigentlich verloren hat. Ich kann dir zwei Seiten für junge Erwachsene empfehlen. Aber ich weiß gar nicht, ob ich hier einen Link reinstellen darf..
    Auf jedenfall könnten diese Seiten vielleicht für dich interessant sein:

    Die Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs
    https://www.junge-erwachsene-mit-krebs.de/

    Und viel schöner als Perücke ist das Echthaarband von "Weil du schön bist" für den Herbst/Winter. Man kann versuchen es von der Krankenkasse zu bekommen.

    [edit: sorry, den Link musste ich leider rausnehmen, weil er auf eine Shop führt, aber google mal einfach "Echhaarband" und Perücke (Lythande)]


    Die Kühlung der Haarwurzeln ist nicht unumstritten. Zum Einen wird darüber gestritten ob Krebszellen die dort sitzen so die Chemo überleben können, zum Anderen ist der Effekt unklar und es soll sehr unangenehm sein. Korrigiert mich wenn ich quatsch erzähle. Mir hat man damals deutlich davon abgeraten und ich glaube nicht, dass man dadurch seine Haare wirklich behält. Du bist jung, du wirst die volle Chemodröhnung bekommen. Sorge lieber mit einer schönen Alternative vor.

    Ich habe mich gegen Kinderwunschmaßnahmen aus den verschiedensten Gründen entschieden. In meinem Strang "Coco auf dem Weg zum Wunschkind" habe ich schon viel darüber berichtet wie es mir seither ergeht. Ich bin seit drei Jahren gesund und seit 2 Jahren versuchen wir ein Kind zu bekommen. Erfolglos bisher. Ich weiß nicht ob meine Entscheidungen damals richtig waren. Sie erschienen mir jedenfalls richtig. Die Eizellentnahme funktioniert nur mit hormoneller Stimulation über, ich meine mehrere Wochen. Die Zeit hatte ich einfach nicht. Die Entnahme von Eierstockgewebe war mir noch zu experimentell, soll aber sehr vielversprechend sein. Dann gibt es noch eine Spritze die man zum Schutz während der Chemo bekommen kann. Zoladex oder Enantone. Davon wurde mir leider erst erzählt als ich die Hälfte der Chemo schon rum hatte. Ich habe also nix gemacht. Jetzt bin ich im KiWu-Zentrum in Behandlung. Angeblich habe ich noch viele Eizellreserven. Und sonst ist auch alles gut. Trotzdem klappt es nicht.

    Achso, und warum du jetzt Krebs hast? Manchmal habe ich das Gefühl es gibt eben zwei Kategorien von Menschen. Den einen scheint die aus dem A... und den anderen nicht. Das Schicksal ist ein mieser Verräter! Es kommt mir manchmal so vor als wenn sich das Schicksal denkt: "Och, die hat doch schon so viel Mist abbekommen, da macht das doch jetzt auch nichts mehr aus..."

    Ein Jahr nach meinem Krebs, brach mein Vater zusammen. Hirnblutungen, 6 Monate Wachkoma bevor er starb. Jetzt bin ich 32 J., Papa ist tot, ich hab ständig Angst ein Rezidiv zu bekommen und Kinder kriegen scheint mir auch nicht gegönnt, während unsere Freunde schon alle Eltern sind und inzwischen sechs meiner Arbeitskolleginnen gleichzeitig gerade ihr Schwangerschaftsglück erleben. Mit meinen Problemen können die gar nichts anfangen. Was ich für mich aus all dem Mist habe gewinnen können? Ich schätze das Leben so viel mehr als andere in meinem Alter und nehme mir das Recht heraus, meine Familie, meine Gesundheit und mein Wohlbefinden vor den Job zu stellen. Ich kenne viele die zu dieser Art der Selbstfürsorge gar nicht fähig sind.

    xoxo
    cocolin

    Aus: Was es ist

    "Es ist Unglück
    sagt die Berechnung
    Es ist nichts als Schmerz
    sagt die Angst
    Es ist aussichtslos
    sagt die Einsicht
    Es ist was es ist
    sagt die Liebe"

    (Erich Fried)
    Geändert von lythande (23.06.2017 um 17:18 Uhr) Grund: Link entfernt, siehe aber [edit]


  5. Registriert seit
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    AW: Und plötzlich ist man krank...

    Danke für die vielen tollen Ratschläge ihr zwei :)

    @Neugierde11:
    Da ist was dran. Und das meinte auch die Onkologin vom Krankenhaus eben: die Leute von der Onko-Ambulanz machen nichts anderes, Tag für Tag. Der Frauenarzt, der seit immerhin 15 Jahren auch auf dem Gebiet agiert, verbringt einen Teil seines Alltags noch mit vielen anderen Dingen überhalb und unterhalb der Gürtellinie. Im Schnitt wird er also weniger "Krebserfahrung" haben, als die aus der Onko-Ambulanz...

    Ich muss am Wochenende nochmal gründlich drüber schlafen, denke ich.


    @cocolin:
    Was für ein absoluter M*st. Es tut mir leid, dass du die volle Breitseite abbekommst. Sowas ist absolut nicht fair. Aber vielleicht hat das alles ja irgendeinen klugen Sinn, den nur der liebe Gott, das Universum oder wer auch immer die Fäden in der Hand halten mag kennt. Und eines Tages bekommt man, irgendwie, irgendwann und irgendwo, die dicke Entschädigung dafür. Fühl dich in jedem Fall besonders gedrückt.

    Danke auch für deine links. Ich werd mir das alles in Ruhe ansehen. Priorität-Nr. 1 ist selbstverständlich gesund zu werden. Auf hübsche Haare kann man da nur bedingt Rücksicht nehmen. Das lustige: bis vor ein paar Tagen hab ich meinen Haaren eher wenig Beachtung zukommen lassen. Ich hab lange gebraucht, bis so so lang sind wie jetzt. Aber ob beim Friseur 3 oder 7 cm ab mussten, da war ich völlig leidenschaftslos. Mehr als einen Zopf gibt mein Frisiertalent eh nicht her. Sie baumeln meistens umher und versuchen halt halbwegs und gesund dabei auszusehen 😂 Aber irgendwie wird man sich mehr und mehr bewusst, man grade, dass man doch dran hängt. Verrückt. Man merkt manchmal erst was man hat, wenn einem klar wird, dass man es nicht halten kann.
    Sowohl die Onkologin als auch der Frauenarzt meinten, die Kühlung könnte helfen (aber auch unangenehm sein). Die Onkologin war aber deutlich zuversichtlicher, was das betrifft. Mit diesem komischen Elektrogerät soll die Chance bei 50% liegen, dass die Haare halbwegs ordentlich bleiben. Der Frauenarzt sprach allerdings eher von 25% (und meinte auch, dass es auf der hohen Dosierung bei mir eher mau aussehen könnte). Über sonstige Nebenwirkungen wurde nichts berichtet. Vielleicht sollte ich da mal nochmal nachfragen 🤔 Denn das letzte, was ich möchte, ist das da auch nur irgendeine Zelle übrig bleibt und der ganze Spaß von vorne los geht.

    Zu dem Kinderwunsch sag ich dir: mir wurde diese Spritze zur Unterdrückung des Eisprungs (damit die Eizellen nicht angegriffen werden) als eine Methode empfohlen. Ich könnte vom zeitlichen Rahmen auch eine Eizellenentnahme bekommen. Einer der wenigen Vorteile bei unserer Tumorart: die benötigte Hormonbehandlung kann gemacht werden, da der ungebetene Gast in der Brust darauf ja nicht reagiert. Wir haben am Montag einen Beratungstermin im Kinderwunschzentrum. Hab eben Infomaterial geschickt bekommen: Eizellenentnahme mit 6 Jahren Lagerdauer kostet tutti kompletti 5900€. Was die PKV davon trägt, muss ich noch abklären. Mal sehen, ob und was wir machen lassen. Hängt auch stark vom Gentest-Ergebnis ab. Sollte dabei rauskommen, dass ggf die Gefahr von Eierstockkrebs usw. deutlich erhöht ist und im worst-case "Großräumung" im Unterleib angesagt sein, fallen viele Methoden ja weg und man kann sich das Geld getrost sparen...

    Ich wünsche dir und deiner besseren Hälfte, dass das mit der Familienplanung noch klappt. Verdient hättet ihr es. Vielleicht braucht der Körper einfach noch Zeit, die letzten Jahre waren anstrengend für ihn. Stresst euch nicht, auch wenn es schwer fällt. Denn unter Druck klappt das selbst bei kerngesumden Menschen kaum. Zwei Mutmacher-Kurzgeschichten für dich:
    Die Mutter meines Freundes hatte als Kind einen Unfall, bei dem Eierstöcke und Gebärmutter stark geschädigt wurden. Sie galt als unfruchtbar. Mit 28 hat sie dann die Pille abgesetzt, in der Annahme, das wäre ja eh unnütz (hatte die Pille eigentlich wegen Regelbeschwerden usw eingenommen). Dad Ergebnis dieser Entscheidung ist heute 25 Jahre alt, sitzt grade auf unserem Sofa und spielt fleißig mit seiner Playstation 😁
    Die Eltern einer guten Freznden haben es 10 Jahre versucht und sich anschließend zu einer Adoption entschieden. 2 Monate nachdem meine Baby-Freundin bei ihren neuen Eltern einziehen durfte war Mutti plötzlich schwanger. Und so haben sie und ihre Schwester sogar im selben Jahr Geburtstag 😄

    Verliert nicht den Mut, aber macht euch auch keinen Druck. Ihr habt das getan, was ihr konntet. Manche Dinge liegen nicht in unserer Hand. Es gibt die besten und tollsten Leute, denen das Kinderglück ewig verwehrt bleibt, während manchmal die ungeeignetesten und unsozialsten Menschen ganze Fußballmannschaften gründen. Manche Dinge, so unfair sie sind, wird man einfach nie verstehen.

    Ich wünsch dir von Herzen nur das Beste und hoffe, dass irgendwann, wenn ihr vielleicht gar nicht (mehr) damit rechnet, der Storch doch noch bei euch ins Haus flattert 😍

  6. Avatar von Kathamarie
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    AW: Und plötzlich ist man krank...

    Was den Haarverlust angeht gibt es noch die Alternative 'abwarten und Tee trinken' würde ich heute im Rückblick sagen. Wenn ich meinen Schädel nicht rasiert hätte, wäre ich auch mit einer Kurzhaarfrisur davon gekommen. So weiß ich wenigstens dass mir eine Glatze supergut steht.

    Ich hätte aber auch die 500 € Zuzahlung für die Perücke und die dazugehörigen Produkte sparen können...
    Ich denke heute, dass meine Angst vor dem Haarverlust ziemlich irrational war - allerdings: wann sollte ich denn irre werden, wenn nicht in so einer Situation?
    Grüße von Kathamarie


  7. Registriert seit
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    AW: Und plötzlich ist man krank...

    Kathamarie, du hast schon Recht, dass man wahrscheinlich einfach sehen muss, was passiert. Die Onkologin hatte es mir halt mit der Kältehaube angeboten, da es völlig gratis wäre, weil die Ambulanz dieses Teil gespendet bekommen hat. Normalerweise würde jede Sitzung damit was kosten (zwischen 30 umd 100€, hab ich mal gelesen). Bei 16 Einheiten wäre das ne Stange Holz gewesen. Deswegen überlege ich das halt, zu versuchen. Wenns zu unangenehm ist oder nichts bringt, dann lässt man es eben.

    Wegen mir, meinem Freund, unseren besten Freunden und unseren Eltern brauch ich mir keine Gedanken machen. Uns ist das momentan völlig wurscht, wie die Haare aussehen. Denn es gibt grsde echt wichtigeres. Es ist schade, aber was nicht sein soll, das soll nicht sein. Es ist viel mehr so, dass ich mir Gedanken mache, was andere so sagen. Ich möchte niemanden unnötig "erschrecken". Oma hat so schon nen halben Herzkasper bekommen wehen der Geschichte. Die fällt ohnmöchtig vom Stuhl, wenn ich "oben ohne" vor der Türe stehe. Ausserdem ist es einfach so: man sieht es dir an. Auch die Leute, denen man vielleicht nicht unbedingt alles erzählen möchte. Und das nervt mich mit am meisten daran. Ich möchte relativ offen damit umgehen. Aber es gibt nunmal Leute, die geht das nichts an.
    Ausserdem muss ich sagen, dass es wohl auch einfach etwas mit meinem Ego zutun hat. Als Kind wurde ich im Kimdergarten ganz böse wegen meinem Segelohr gemobbt. Mit 5 Jahren hab ich entschieden, mir das anlegen zu lassen. Das hat dan n sogar die Krankenkasse gezahlt, die mich gemeinsam mit dem Chefarzt ganz alleine zu dem Thema befragt hat. Ich war wohl überzeugend 😉Das Ohr sieht seitdem besser aus als vorher, aber ich sehe halt noch immer, dass es das "böse Ohr" ist. Auch, wenn das sonst nie jemandem auffällt (selbst bei Nachfrage nicht). In der Grundschule kam die Brille. Und Dumbo verwandelte sich zu Vierauge und es ging wieder von vorne los. Dass ich recht klein und mopsig bin (trotz 3-6 Mal die Woche Mannschaftssport, Wandern, Kraftübungen, usw., aber meine Schilddrüse ist leider erblich bedingt hinüber) war dann das nächste grandiose gefundene Fressen auf der weiterführenden Schule. Es wurde mit den Jahren besser und hat dann einfach aufgehört. Und jetzt könnte es wieder los gehen, dass ich "anders" bin, als die anderen. Anders aussehe. Dass Leute gucken, wenn man Pech hat sogar ein beschissener Spruch kommt. Das ist echt hart für mich. Ich weiss, dass ich mir wohl ein sehr viel dickeres Fell werde zulegen müssen. Aber das wächst nunmal nur langsam. Und wenn das genau so langsam wächst, wie die Haare auf meinem Kopf, dann hab ich ein dickes Problem

  8. Avatar von Tirza
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    AW: Und plötzlich ist man krank...

    Hallo Kathi!
    Auch von mir "Herzlich Willkommen" - auch wenn der Ort gerne ein anderer hätte sein können.
    Ich bin Tirza, 41 Jahre mit 2 Kindern (5 und 8J). Ich hatte vor 3 Jahren Lymphdrüsenkrebs und die netten Mädels hier haben mich hier "artfremd" aufgenommen und ich fühle mich sehr wohl hier.

    Deine Texte wirken sehr reflektiert und planvoll. Ich bin total beeindruckt. - ich war damals nur panisch.

    Toll, dass du so engagierte Ärzte hast und auch eine Familie, die dich unterstützt.
    Wo du deine Chemo machst, würde ich zum einen vom Bauchgefühl abhängig machen und ggf von der Erfahrung der Praxis, bzw der Klinik.
    Ich hätte kein Einzelzimmer haben wollen. Ich fand Ablenkung super. Klar, musste ich auch lernen, mit bestimmten Geschichten klar zukommen, meist waren sie aber eher hilfreich für mich. Und "Geschichten" und Tipps wirst du eine Menge an anderer Stelle bekommen. Auch ungefragt.

    Hier von mir auch einer ;-) An vielen Kliniken gibt es Schmink-Seminare für Frauen mir Krebs. Das fand ich super. Es war lustig und es gab eine große Tasche mit Kosmetik.

    Ich wünsche dir eine nebenwirkungsarme Therapie-Zeit, viele Grüße, Tirza
    Da es sehr förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen glücklich zu sein!

    Voltaire

  9. Avatar von Neugierde11
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    1.922

    AW: Und plötzlich ist man krank...

    Also ich bin ganz kahl zuhause rumgelaufen und hatte draußen immer nur Mützchen auf. Aber dumme Sprüche kamen nie!!! Denn heute weiß jeder was Sache ist wenn du oben ohne dastehst und da kommt nix doofes. Die Leute sind eher betroffen und bei mir haben alle Hilfe angeboten. Sogar die Postboten und und und. Da denke ich mußt du null Angst davor haben!! Kinder reagieren brutal. Erwachsene denken nach und da kommt eher Hilfe. Ich fand dass man Perücke auch sieht und das eher komisch kommen würde. Du bist krank und dafür braucht sich niemand schämen . Wer da blöd reagiert , der darf sich schämen !!
    am morgen ein Joint und der Tag ist dein Freund
    Neugierde11


  10. Registriert seit
    22.06.2017
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    AW: Und plötzlich ist man krank...

    @Tirza:
    Danke für die lieben Worte. Dein Hinweis mit dem Schminkkurs ist echt lustig, denn da hat mich die Onkologin bereits gestern angemeldet. Sie meinte: "Ist zwar noch sehr früh, aber die Kurse sind nicht so häufig. Aber alleine für die tollen Gratisprodukte lohnt dich die Teilnahme schon" 😁
    Der Kurs ist am kommenden Mittwoch, ich bin mal gespannt.

    Ja, das mit der Auswahl des Behandlungsortes ist so eine Sache. Es hat alles Vor- und Nachteile. Eine Kombination aus Ambiente der Arztpraxis und Service der Krebsambulanz wäre wohl das perfekte Paket für mich. Aber das steht hier vor Ort nunmal leider nicht zur Auswahl 😥


    @Neugierde11:
    Du hast völlig Recht, dass man sich dafür nicht schämen sollte. Mein Kopf weiss das auch. Aber Menschen sind von Natur aus neugierig, manche dazu noch unsensibel und ggf etwas doof. Die machen das vielleicht gar nicht extra. Starren, mitleidig gucken oder ggf. einen unpassenden Spruch klopfen. Aber in schlechten Momenten trifft sowas dann doch. Wenn Jungs die Haare ausfallen, stört das die wenigsten. Untereinander mal ein flapsiger oder lustiger Kommentar vielleicht. Bei Frauen gucken dann doch schon mehr Leute erstaunt hin.
    Dass viele es schlussendlich dann doch mit der Perücke lassen, hab ich schon mehrfach gelesen. Und rein vom Bauchgefühl kann ich mir das auch noch kaum vorstellen. Irgendwie denke ich dabei ganz automatisch immer an die Synthetik-Teile aus dem Karnevalsshop, obwohl es ja durchaus hochwertige Exemplare gibt.
    Durch Cocolin bin ich auf die sog. Echthaarbänder aufmerksam geworden. Vielleicht wäre das etwas, womit zumindest die Besuche bei Oma überbrückt werden können, damit die sich nicht zu sehr aufregt. Ich hoffe zwar, dass ich irgendwie Glück hab und die Haare das überstehen, aber man muss sich für den worst-case ja schonmal Gedanken machen.

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