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    Das Leben "danach" und die Sache mit der Angst

    Hallo ihr Lieben,

    ich wende mich interessehalber mit einem für mich stets aktuellen Thema an euch und bin gespannt auf ein paar Meinungen und Erfahrungsberichten von den "alten Häsinnen" unter euch.

    Zur Erinnerung:
    Ich habe Ende 2012 die Diagnose Brustkrebs erhalten (multizentrisches ductal-invasives Mamma-Ca, G3, hormonpositiv und Her2neu+++), zeitgleich mit Hautkrebs, und nach der neoadjuvanten Chemo, die hervorragend anschlug, wurde ich im Februar 2013 operiert (Mastektomie), danach bestrahlt und erhielt 1 Jahr lang Herceptin.
    Aktuell mache ich immer noch Anti-Hormon-Therapie mit Tamoxifen und Zoladex (noch bis Mai 2018).
    Ich bin auf einem guten Weg mit guter Prognose, die Nebenwirkungen sind aushaltbar (bzw. habe ich mich damit arrangiert) und ich habe bisher einige klare und teils mutige Entscheidungen für die Zukunft getroffen und in die Tat umgesetzt, wie z.B. die Mastektomie der anderen Brust und der Entschluss, keinen Wiederaufbau durchführen zu lassen. Außerdem werde ich seit fast 4 Monaten in einem völlig anderen, frauenuntypischen Beruf ausgebildet.
    Es gibt keinen Grund zu klagen, sollte man meinen.

    Aber da sind immer noch meine inneren Dämonen, die die eine oder andere von euch vielleicht ebenfalls flüchtig oder intensiver kennt.
    Das sind diese hässlichen Viecher, die sich gewissermaßen von den Erfahrungswerten der Vergangenheit "ernähren", sich manchmal in die Gedanken schleichen, wenn es mal hier zwickt, mal da zwickt, oder wenn man zufällig irgendwas ertastet oder sieht, das einem "komisch" vorkommt...
    ... und dann ist die Saat gesät, denn dann verschaffen sich die kleinen Dämonchen Gehör und wispern dir mit schmirgerliger Stimme ins Ohr...


    "... Und was, wenn der Krebs zurück ist?"


    Zugegeben - das war jetzt arg plakativ, aber die Beschreibung trifft es eigentlich am besten.
    Noch höre ich freilich keine Stimmen.

    Was ich damit sagen will:
    Dieser Weg "danach", nachdem alles so ziemlich vorbei sein soll, der ist doch steiniger, als ich das am Anfang gedacht hätte.
    Es soll mich bitte niemand falsch verstehen - ich bin sehr dankbar, dass ich bis dato eine sehr gute Entwicklung hatte, aber ich muss auch gestehen, dass mir die Angst immer noch zu schaffen macht.
    Keine Angst in Form von Panikattacken oder Depressionen, sondern in "schleichender" Form
    ... eine Angst, die mich ständig begleitet und sich mal mehr oder weniger blicken lässt.
    Eine Angst, die mich und mein Leben viele Monate im Griff hatte... und nicht umgekehrt. (Das ist mittlerweile besser geworden. Sagen wir - es herrscht jetzt eine Art "Unentschieden".)
    Eine Angst, die mich oft daran hindert, einfach "frei" mein Leben zu leben.
    Eine Angst, bei der ich gar nicht die Intention habe, sie ganz und gar loszulassen, da das eh nicht geht und nicht mein Ziel ist - aber ich würde sie gerne auf die hinteren Plätze verweisen, weil sie vorne nichts verloren hat und dort lange genug rumgefläzt ist.

    Es ging damit los, dass ich die anfänglichen Symptome der AHT mit jenen möglicher Knochenmetas verglich, und seitdem ist es ein ewiger Kreislauf von mal mehr, mal weniger Ängsten, Selbstbeobachtung und Selbstkontrolle. Es war dabei schon eine ganze Riege an Organen "betroffen", auf die ich meine Ängste projizierte. Nicht immer war ich gleich davon überzeugt, dass der Krebs wieder zurück ist und/oder metastasiert hat, aber es geht doch meistens in diese Richtung oder ganz einfach auch mit der Inakzeptanz körperlicher "Missstände".
    Ich, die während der ganzen Chemozeit mit mentaler Stärke und "Hand in Hand" mit Körper/Geist/Seele alles bravorös durchgeboxt hat - genau dieselbe Reef hat das Vertrauen in den eigenen Körper (das damals ganz stark da war) verloren.

    Dass ich mir das Leben manchmal selbst schwer mache, das weiß ich. Mit diesem ewigen verzweifelten Klammern an eine Krankheit, die in meiner Gegenwart keinen Platz mehr hat und auch nicht mehr haben muss. Ich lasse zu, dass sich oft Symptome an Symptome reihen. Ich lasse zu, dass mein Kopf immer was zu denken und Sorgen zu machen hat... nur ja keine Pause... nur ja kein Abwenden, denn wenn ich mich abwende... dem Leben zu, der Freude, dem Glücklichsein (diese Dinge stecken ohne Zweifel in mir)... dann passiert etwas. Dann ist er vielleicht wieder da.
    (Das nennt man magisches Denken, hab ich mir sagen lassen.)

    Woher es kommt?
    Die Diagnosestellung Krebs ist für viele viele Frauen ein traumatisches Erlebnis.
    Nein, nein, ich behaupte jetzt nicht, dass es für mich schlimmer war als für jede andere, aber in meinem Fall war es zumindest in der Hinsicht etwas "spezieller", da ich erst die Diagnose Hautkrebs bekam und wenige Tage später von meinem Brustkrebs erfuhr. Eine Psychoonkologin, die mich von Anfang an begleitete, sagte etwas von "Re-Traumatisierung"... dass ich noch nicht mal ansatzweise die erste Diagnose begriffen oder zu verarbeiten begonnen hatte, da kam die zweite Keule.
    Ja, da ist schon was dran. Aber ich vergesse auch nicht, dass ich schon immer dazu neigte, in meinen Körper hineinzuhorchen und besorgt zu sein. Das hat der Krebs verstärkt.

    Habe ich bisher Fortschritte gemacht?
    Ich sage mal so: Es reißt mich nicht mehr so um wie am Anfang. Ich würde schon behaupten, dass ich in einigen Punkten Fortschritte mache. Ich mache jetzt seit einem Jahr Psychotherapie mit fast wöchentlichen Terminen. Es geht dennoch sehr langsam vorwärts.

    Ich könnte wohl noch viel mehr schreiben, über meine Gedanken... die Symptomatik usw. aber ich möchte meinen Post nicht unendlich ausdehnen. Für's erste ist es genug.

    Ich hoffe, dass ich niemandem zu nahe getreten oder jemanden verletzt habe, vor allem jene Frauen mit fortgeschrittener Erkrankung. Mir ist bewusst, dass es für manche so aussehen mag, als würde hier eine gesunde "Ex-Kranke" über ihre Mini-Problemchen (die zumeist keine sind) rumheulen, anstatt froh zu sein.
    Auch hoffe ich, dass ich keine allgemeinen Zukunftsängste heraufbeschworen habe bei jenen Frauen, bei denen die Erkrankung noch nicht so lange her ist.
    Es ist schwer, in einem Forum, das ein so sensibles Thema behandelt, immer die richtigen Worte zu finden und alle Seiten zu bedenken.

    Es grüßt euch herzlich,
    Reef

  2. User Info Menu

    AW: Das Leben "danach" und die Sache mit der Angst

    Hallo Reef,

    habe leider nur kurz Zeit. Danke für deinen Post, den ich mit großem Interesse gelesen habe, weil ich mich sehr darin wiederfinde. Ich "feiere" bald mein 6. Jahr nach Diagnose und bin ohne Rückfall, aber doch mit einigen Beschwerden, verursacht durch die AHT, die ich mit 5 Jahren Femara und jetzt mit Tam "praktiziere". Auch ich dachte, als sich die Knochen- und Gelenkschmerzen einstellten, unweigerlich an Knochenmetastasen, habe diesen Gedanken aber immer wieder verdrängt und mich an den Nebenwirkungskatalog "geklammert".

    Ja, irgendwie bin ich stolz und froh, es so weit geschafft zu haben, wovon ich bei Diagnose und anschließend überhaupt nicht überzeugt war. Angst und Verzagtheit waren meine ständigen Begleiter, wenn ich das auch immer mal wieder vergessen oder verdrängen konnte. Immer wieder frage ich mich, ob da nicht irgendetwas in meinem Körper "brodelt", versuche dann aber "vernünftig" zu sein, vielleicht ist die Frau, die mir da gegenüber in der Bahn sitzt, sich gesund wähnt, viel kränker als ich und weiß es nur noch nicht?

    Eine Zeitlang habe ich auch AD genommen, bin aber jetzt wegen Tam davon abgekommen und stelle fest, dass es mir ohne viel besser geht (???). Ja, ich kann meinen Alltag leben, ohne dass ich ständig in tiefe Löcher falle. Es könnte ja durchaus sein, dass ich diesem Monster Bk nie wieder begegne.

    Ich versuche mir mein Leben so schön wie möglich zu machen, in einem kleinen Rahmen, denn zu allem Überfluss ist meine Mutter an Demenz erkrankt - ich bin die Einzige, die sich um sie kümmert, und Single. Die Demenz bestand schon zur Zeit meiner Diagnose, und da ich meine Krankheit ziemlich geheim gehalten habe, habe ich die ganze Situation ziemlich allein durchgestanden, denn meine Mutter begriff nicht mehr, dass ich da einen ganz schweren Kampf zu führen hatte. Das war öfter ziemlich unerfreulich, weil man ja doch einmal etwas Zuwendung braucht, besonders in einer solchen Situation, aber ich habe es allein geschafft und bin jetzt einigermaßen stabil, nehme die Dinge, wie sie kommen, versuche mein Leben zu genießen - jetzt habe ich auch Hilfe für meine Mutter.

    Das ist mein Weg gewesen, der ja glücklicherweise noch nicht zu Ende ist. Ich weiß - ein sehr untypischer und individueller. Will sagen, irgendwie müssen wir versuchen "da durch zu kommen". Mir ist jetzt auch klar, dass ich mit psychoonkologischer Unterstützung es vielleicht etwas einfacher gehabt hätte. Aber damals wollte ich nicht, denn ich sagte mir, dass ich so viel reden kann, wie ich will, die Psychologin kann mir die Krankheit auch nicht nehmen. Wie gesagt - mein Weg.

    Das Leben jetzt ist ein anderes, aber ich bin mir jetzt viel bewusster, dass ich sorgfältiger damit umgehen muss und dass es schön ist. Und es gibt nicht mehr viel Angst...
    Liebe Grüße!

    Diandra

  3. Inaktiver User

    AW: Das Leben "danach" und die Sache mit der Angst

    Hallo Reef,
    da gibt es für mich nichts mehr dazu zu sagen. Das ist als wenn du mir aus dem Herzen geschrieben hättest.
    Danke dir für die offenen Worte. Ich kann es nur bestätigen.
    Immer diese schleichenden Ängste. Man kann sie nicht verdrängen. Sie nehmen sich einfach den Raum in meinem Leben.
    Trotz immer noch psychoonkologischer Behandlung bin ich da noch nicht weiter.

    Ich lebe bewußter, achte mehr auf mich, mehr kann man glaube ich nicht machen.

    LG
    Kaffeechen

  4. Inaktiver User

    AW: Das Leben "danach" und die Sache mit der Angst

    Hallo Reef,

    fairerweise muss ich sagen, ich hatte eine andere Diagnose, meine Mastektomie war "nur" wegen DCIS - aber natürlich ist das auch keine Garantie dass nicht doch...

    Es ist vielleicht auch Typsache, mir hilft es anzunehmen, dass wir alle sterblich sind. Und wenn mich mal wieder wer bedauert hat von wegen, wie schlimm das doch jetzt alles ist, dann dachte ich nur - niemand weiß ob er morgen noch am Leben ist.

    Ich seh es so, ich hatte jetzt den Gong - aber trotzdem kann ich damit viele überleben, die sich momentan keinen Kopf um ihre Gesundheit machen, und morgen schon tot sein können.

    Das kann einen noch mehr ängstigen, mich befreit das eher. Wir wissen es alle nicht, wie lang wir noch haben.

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    AW: Das Leben "danach" und die Sache mit der Angst

    Liebe Reef

    ich kann dich so gut verstehen. Gerade wenn die Nachsorgen anstehen kommen in mir wieder Ängste hoch. Bis die Entwarnung kommt. Aber wehe irgend etwas am Körper ist ungewöhnlich. Früher - vor dem ersten Krebs - hätte ich es wahrscheinlich gar nicht wahrgenommen. Ich habe ja mein Leben völlig umgekrempelt und denke, dass es richtig so ist.
    Ich bin auch schon seit Jahren in psychiatrischer und psychologischer Therapie, allerdings gibt es da auch Vorgeschichten. Mir haben die Therapien - ich bin aktuell in einer tiefenpsychologischen Gruppentherapie - immer wieder geholfen aus einem Tief raus zu kommen. Auch der Austausch hier im Forum hat mir unglaublich geholfen.

    ich kann mir nicht vorstellen, dass du mit deinem Posting irgendjemandem zu Nahe oder auf die Füße getreten bist. Ich glaube, dass deine Gedanken von jeder hier verstanden werden.

    Ein Drückerle für Dich
    Liebe Grüssle Sybille

    ----------------------

    Leben heißt nicht zu warten, dass der Sturm vorbei zieht.
    Leben bedeutet zu lernen im Regen zu tanzen.

  6. User Info Menu

    AW: Das Leben "danach" und die Sache mit der Angst

    Hallo Reef, ich bin zwar in meinen Augen noch immer nicht durch mit dem Mist. Der Doc meint ich bin gesund. Meine Definition ist da aber anders, da mich die Polyneuropathien an Füßen und Fingern sehr beeinträchtigen und ich sicher immer noch nicht arbeitsfähig bin. Aber die Gedanken sind auch bei mir ständig da. Erst habe ich einen kleinen Knubbel (sieht aus wie ein Mückenstich) am Handrücken entdeckt und schon läuft ein Film! Hab's dann bei der Lymphdrainage der Physio gezeigt und die hatte gleich eine gute Erklärung. Da war mal so eine Dauernadel im KH an der Stelle. Logisch . Jetzt läuft der Kopf wieder rund , bis zum nächsten Knubbel. Grrrrrr

    Auch ich ändere grade mein Leben in dem ich beschlossen habe nicht mehr zu arbeiten und das Leben etwas mehr zu genießen , falls meine Füße und Finger wieder besser werden. Ich seh auch alles wesentlich cooler und stress mich nicht mehr.

    Für die Nachsorgen hab ich meinen Plan bereits gefasst, falls wieder was aufschlägt und das hilft mir auch das eher gelassen anzugehen.

    Liebe Grüße
    am morgen ein Joint und der Tag ist dein Freund
    Neugierde11

  7. User Info Menu

    AW: Das Leben "danach" und die Sache mit der Angst

    Ihr Lieben,

    danke für eure Antworten! Es ist beruhigend, wenn ich so sagen darf, dass mein Thread wohl richtig verstanden wird und es nicht nur mir so geht.

    Wir kämpfen auch danach noch weiter unseren Kampf, der alles andere als einfach ist. Die Chemo und anderen Therapien habe ich wohl als eine Art "Schutzblase" betrachtet, aber irgendwann soll/muss/darf das Leben wieder ein Stück "normaler" werden und hier beginnen oft die Schwierigkeiten. Ich wurde sogar davor gewarnt, aber man denkt halt immer, der Kelch zieht vorüber (oder man muss nur nippen... nicht draus trinken).
    Aber wie gesagt... wir kämpfen weiter, auch wenn es oft sehr erschwert wird, wie dir, Diandra, mit der Erkrankung deiner Mutter... und dir, Sybille, die auch soviele "Nebenschauplätze" hat. Es gibt wohl Beispiele genug.

    Neugierde, dein Beispiel mit dem Knubbel hat mich grinsen lassen... denn das hätte echt ich sein können.
    Ich darf euch auch ein Beispiel nennen.
    Ich bin ja beidseitig mastektomiert (obwohl nur rechts erkrankt), und es ist schon mehrmals vorgekommen, dass ich sicherheitshalber in meiner Klinik eine Sono habe durchführen lassen, weil ich etwas Kugeliges oder Knubbeliges ertastet hatte. Ich bin nicht schmächtig und habe im Brustwandbereich viele Narbenverwachsungen, Fettknubbelchen und dergleichen.
    Anfang der Woche habe ich wieder mal etwas ertastet - nicht betroffene Seite, unterhalb der Narbe. Ich bin zwar nicht in Panik verfallen, aber ich hab's halt doch nicht aus dem Kopf bekommen. Fast 5 Tage habe ich mir möglichst viel innere Ruhe "erarbeitet", und das war hart. Aber heute gegen Mittag ist innerhalb von 5 Minuten das Kartenhaus zusammengestürzt, als ich beim x-ten Mal Drübertasten halt doch das Gefühl hatte: Okay, das ist eindeutig knotenförmig und nein - ich will mich übers Wochenende nicht damit rumquälen.
    Ich bin also gefahren, und zum Glück hat man es mir wieder mal leicht gemacht im Krankenhaus, trotz Beinahe-schon-im-Wochenende-Betrieb der Brustambulanz.
    Natürlich war es wieder nix... und das war auch das Wahrscheinlichste. Es hätte aber auch was anderes sein können. Hätte hätte Fahrradkette.
    Nun habe ich Ruhe und weiß sogar mehr, als ich wollte, denn es wurde beidseitig geschallt plus Axilla. Alles in Ordnung. Nun ja.

    Nein, ich bin kein Arztpraxen- und Krankenhaus-Suchti. Wenn es nur irgendwie geht, dann sehe ich diese Räumlichkeiten nicht von innen. Aber wenn der Druck zu groß wird, wenn die Angst zu laut "schreit", wenn ich immer noch kein Mittel gefunden habe, sie zum Schweigen zu bringen, oder manchmal einfach nur, damit die Gedanken still stehen... dann fahr ich und lasse abklären.
    Die wochenlangen ziehenden Schmerzen in der Brustwirbelsäule, die sich als massive Verspannungen entpuppten.
    Den doofen erhöhten LDH-Wert bei der Hautkrebsnachsorge, der dann doch auf kein krankhaftes Zellsterben hinwies, sondern offenbar nur auf wenig sorgfältige Blutabnahme.
    Dieses oder jenes Muttermal, das irgendwie komisch aussieht... war das immer schon da? Und anscheinend war es das.
    Oder eben Fettknubbelchen in der Brustwand, die halt doch kein Rezidiv sind, sondern nur - Fettknubbel.

    Aber es gibt auch Dinge, die ich nicht abklären lasse, auch wenn sie mir manchmal Angst machen. Das sind dann die Dinge, die ich ziemlich deutlich als psychosomatisches Phänomen entlarven kann.
    Vor Jahren litt ich an immer wiederkehrenden Drehschwindelattacken. Nicht schlimm, nur kurz. Es wurde alles abgecheckt - sogar bis zur Lumbalpunktion ging das. Es kam nix bei raus. Bestenfalls psychische Ursache, evtl. Mitbeteiligung eines Lagerungsschwindels (Ohrkristalle). Ich war zu der Zeit wegen privater Angelegenheiten sehr "instabil".
    Nun, dieser Schwindel - der übrigens immer gleich ablief und der mich im Alltag nicht beeinträchtigte, wohl aber Erwartungsängste auslöste - hörte dann plötzlich auf. Nämlich, als ich Krebs bekam.
    Warum? Das war mir klar. Ich hatte einfach keine Zeit mehr, an das Karussell in meinem Kopf zu denken - schließlich gab es nun Dringenderes.
    Vor ein paar Wochen dann, als mein Ausbildungsstress gerade am größten war (es wird sehr viel gefordert) - zack, Drehschwindel. Knappe 2 Wochen später wieder. Und bald darauf wieder.
    Er ist wieder da. Der Schwindel.
    Ja.. na klar habe ich an Hirnmetastasen gedacht, aber in diesem Fall: Nix da. Denn gesetzt den Fall, mein Krebs würde zuallererst ausgerechnet gleich ins Hirn streuen, dann verschafft sich diese doofe Metastase ausgerechnet durch exakt den selben "Überforderungsschwindel" in exakt den selben Facetten bzgl. Ablauf Gehör? Während ich ansonsten neurologisch und sonst auch völlig unauffällig bin?
    Das ist selbst mir zu krass.
    Aber ich werde auf den Schwindel hören, wieder mit Qi Gong anfangen, Möglichkeiten mit Stress umzugehen lernen, und ich werde die Krankheitsängste in den Griff kriegen.
    Ich weiß nur noch nicht wie.

  8. User Info Menu

    AW: Das Leben "danach" und die Sache mit der Angst

    Hallo Reef,
    ja ich kann Euch allen nur zustimmen. Obwohl es mir in den letzten 4 1/2 Jahren eigentlich recht gut ergangen ist, taucht doch immer wieder die selbe Frage in meinem Kopf auf. Was ist wenn ich im nächsten Jahr meine Antihormon-Therapie beendet habe? Mir wurde gesagt das es keinen Sinn macht Anastrozole länger als 5 Jahre zu nehmen. Ich würde aber gerne trotz einiger Nebenwirkungen weiter ein Antihormon nehmen. Ich würde mich einfach besser fühlen.
    Danke Reef das Du das Thema mal aufgebracht hast. Im normalen Leben kann man mit niemandem darüber reden. Die können das einfach nicht verstehen. So nach dem Motto: Ich kann auch morgen vom Bus überfahren werden.

    Ich versuche auch wie Kaffeechen viel bewusster zu leben und in jedem Tag etwas schönes zu sehen.

    Liebe Gruesse
    Linedancer


    " Being happy doesn`t mean that everything is perfect. It means that your`ve decided
    to look beyond the imperfection"

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    AW: Das Leben "danach" und die Sache mit der Angst

    Hei Linedancer, erst mal die Frage wegen Anastrozol, wie ging's oder geht's dir damit? Ich stell morgen darauf um! Aber warum sollst du nach 5 Jahren aufhören ? Bei mir ist die Ansage ich soll insgesamt 10 Jahre das Zeug nehmen.
    am morgen ein Joint und der Tag ist dein Freund
    Neugierde11

  10. Inaktiver User

    AW: Das Leben "danach" und die Sache mit der Angst

    Guten Abend liebe Reef und alle anderen Mitlesenden.

    Bin jetzt 2,5 Jahre nach Diagnose. Ziemlich aggressiv gewesen mein Krebsvieh. ...

    Ich hatte mit einem Fatigue-Syndrom danach zu kämpfen und natürlich auch, mit Ängsten, mit großen Ängsten.

    Komme zwar aus einer der Rheinländer-Hochburgen, uns Kölle, aber meine Eltern haben eher preußische Adern, bei uns galt von eh her... arbeite und alles wird gut. Nein, so ging das nicht. Und ein Fatigue-Syndrom, huch, was ist das denn für eine neue Psycho-Kacke, da konnte ich zig Diagnosen und Fachberichte vorlegen...

    Meine eigenen Ängste habe ich dennoch in alter Familien-Manier in den Griff bekommen. Ich habe mich auf Leben gestürzt, auf Arbeit, ein Projekt (das nach langen Jahren jetzt Früchte trägt, sogar hier in der Bri an anderer Stelle entstanden...). Hatte nochmals einen Rückfall, nicht krebsbedingt, aber einen schweren Brandunfall, ich war plötzlich "zu sehr im run".
    Schmerzhaft, aber gute Erkenntnis, ich achte jetzt besser auf mich.

    Jedem, der solche Ängste hat, die so blockieren, rate ich: holt Euch Hilfe, es gibt da gute Psycho-Onkologen.

    Mein Leben ist gerade sehr bewegt und ich sehe nicht so oft hier rein, habe auch eine Mammo ausfallen lassen, die nächste Sono nicht. Mein Körper spricht: ich habe keinen Krebs.

    Ich bin geneigt, ihm (wieder) zu glauben .

    Viele liebe Grüße an alle,

    mir hat dieses Forum unendlich viel Kraft gegeben, und tut es heute noch ,

    danke,

    narrare.

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