Hallo Ihr alle,
ich wurde in einem Seminar einmal gefragt, ob die Krankheit mir nicht auch Vorteile brächte. Ich musste mit "ja" antworten.
So komisch es klingt, ich freu mich morgen auf meine Herceptingabe. Freue mich auf die Geborgenheit dort. Das Wissen um die Dinge. Vielleicht treffe ich Mitpatientinnen und ein Blick genügt...
Exclusiver Club hier, aber nur für die, die um die Krankheit wissen und es wertschätzen, dass es das hier gibt. Abenteuer und Schutzraum zugleich und doch furchteinflössend.
Plötzlich dort aufgehoben, wo ich mich niemals im Leben vorher wähnte und trotzdem der einzige Ort, wo ich sein könnte, im Netz. Schon komisch, dass sich die Welt trotzdem noch dreht...
Habe mich noch nie soviel, wie in dem letzten Jahr mit mir selbst beschäftigt. Habe niemals zuvor so viel Energie entwickelt (jetzt erst recht), soviel Verzweifelung und Hoffnungslosigkeit gespürt und auch unendlich viel Mut und Nähe zu mir selbst.
Habe nie zuvor so viele mutige und taffe Frauen kennen gelernt.
Bin froh, dass ich hier unter Euch sein kann.
Alles Liebe wünscht
Jean![]()
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Thema: In der Krankheit zuhause?
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30.01.2013, 23:33Inaktiver User
In der Krankheit zuhause?
Geändert von Inaktiver User (30.01.2013 um 23:49 Uhr)
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31.01.2013, 07:48
AW: In der Krankheit zuhause?
Liebe Jean,
für Außenstehende und Nicht-Kranke klingt das wahrscheinlich seltsam, aber mir gehts wie dir. Obwohl es mir jedes Mal vor der Chemo an sich graut, freue ich mich jedes Mal auch auf die Ruhe, im Bett liegen, umsorgt werden, nette Gespräche. Ist irgendwie ein Schutzraum.
Und auch so habe ich viele wunderbare Frauen kennen gelernt, die ich sonst nie getroffen hätte!Viele Grüße, Inselfreundin
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31.01.2013, 20:33
AW: In der Krankheit zuhause?
Auch ich habe hier tolle Menschen kennengelernt.
Allerdings, wenn ich die Wahl gehabt hätte, dann wäre ich lieber gesund geblieben und hätte auf diese tollen Frauen hier verzichtet!
Hätte euch lieber in einem Forum für Babys, Hunde und und und kennengelernt.
Ich bin ja der Meinung, alles im Leben hat seinen Sinn, zwar hab ich diesen hier noch nicht gefunden, aber ich arbeite daran
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01.02.2013, 10:01
AW: In der Krankheit zuhause?
Ich weiß genau, was ihr meint, Jean und insel und Hope,
Ich hatte schon sehr bald nach der Diagnose "Brustkrebs" ein Bild vor Augen -
diess Bild gibt es bis heute. Ich beschreibe es mal:
Ich war in "meinem" Haus in einen Raum geraten,
den ich vorher noch nie entdeckt hatte.
Ein schwarzer Raum, in dem es nicht gut roch,
ioch konnte kaum etwas sehen,
er war sehr fremd eingerichtet.
Ich kannte mich hier nicht aus.
Ich hatte Angst. Ich hörte Stimmen,
die ich nicht kannte.
Ich war nicht darauf eingestellt. Ich war völlig unvorbereitet.
Ich hatte nichts dabei - gar nichts.
Nicht mal etwas zu schreiben
(für mich schlimm,
bin Journalistin und hasse es, unvorbereitet in ein Interview zu geraten)
Zunächst hatte ich über Wochen das Gefühl:
in diesem Raum steckst du nun fest,
die Tür zurück ist nicht nur verschlossen -
es gibt sie gar nicht mehr.
Nach einigen Monaten hatte ich immer noch diesen Ein-Raum-Alptraum ...
aber er wurde sanfter -
ich hatte in diesem Raum nämlich andere Frauen entdeckt,
die sich hier schon besser auskannten, mir die Hand reichten,
ich entdeckte einen schön gedeckten Tisch, es gab sogar Fenster,
es wurde heller, ich merkte, in diesem Raum ist es aushaltbar.
Ja bisweilen sogar recht gemütlich.
Sämtliche Verpflichtungen aus meinem bisherigen Haus galten hier nicht.
Ich konnte einfach nur "sein" - es gab eigentlich gar nicht viel zu tun hier
und das war manchmal recht angenehm und komfortabel - zumindeste an den Tagen,
an denen ich einigermaßen zuversichtlich war.
Und dann entdeckte ich, dass die Tür zurück gar nicht verschwunden war,
ich hatte sie nur nicht gesehen.
Es gab sie.
Sie war geöffnet.
Ich konnte hindurch gehen. In mein altes Haus.
Das ging anfangs nur für sehr kurze Zeit,
ich war schnell wieder im Raum,
aber mit der Zeit wurde der Raum für mich ...
wie ein weiteres Zimmer in "meinem" Haus.
Ich kann dort hineingehen - und wieder heraustreten.
Der Raum ist nicht mehr dunkel - es ist recht freundlich eingerichtet,
kein 5 Sterne-Appartment, aber ok.
Ich bin inzwischen selber eine,
die den Tisch deckt und die Hand reicht und Trost spenden kann.
Das tue ich aber nicht oft
und würde es nicht als meinen neuen Lebensinhalt bezeichnen.
Aber ... als Bereicherung! Ja.
In diesem Raum treffe ich auf andere,
die neu in einer Krankheit angekommen sind,
hier kann ich unbefangen auf sie zugehen,
ihnen die Hand reichen.
Das konnte ich so vor drei Jahren noch nicht.
Bis ich das Wort "Bereicherung" dafür finden konnte,
sollten drei Jahre vergehen.
Letzte Woche war der 3. Jahrestag meiner ersten OP.
Ich bin dankbar, dass es mir heute gut geht.
Ich weiß,
das ist nicht selbstverständlich.
findus
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01.02.2013, 10:18Inaktiver User
AW: In der Krankheit zuhause?
Liebe findus,
das hast du ganz toll geschrieben, da kann einem direkt ein Tränchen kullern!
Absolut getroffen, ich gehöre auch wieder zu den "Tischdeckern" und ich bin sehr dankbar dafür.
DANKE findus!
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01.02.2013, 13:53
AW: In der Krankheit zuhause?
All Ihr Lieben,
liebe Jean,
ja, ich verstehe!
Findus hat es sehr interessant formuliert (mal wieder...)
Der Schutzraum - von aussen - nach nun fast 4 Jahren seit Diagnose
ist weg... "Du bist ja wieder gesund!"
Ja, vermutlich bin ich das im Moment, und dafür bin auch ich unendlich
dankbar. Ich habe keine körperlichen Beschwerden und ich kann mich
auf eine aussergewöhnliche Reise im März mit einer besonderen
Freundin freuen!
Tief in mir stecken schlimme Ängste, die mich jeden Tag lähmen,
die die meisten Stunden des Tages zur Qual werden lassen.
Wem könnte ich das erklären?
Ich brauche meinen Schutzraum weiterhin,
ich muss selber dafür sorgen,
hier habe ich auch einen, wo ich mich verstanden fühle.
Ansonsten....
soll ich wieder nett und fröhlich sein....
"Dir geht es doch gut!!!!"
Schwierig alles,
findet
Klippi▬|████|▬
Es gibt nur einen Weg zum Glück,
und der ist: aufzuhören mit der Sorge
um Dinge, die jenseits der Grenzen
unseres Einflussvermögens liegen.
Epiktet
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01.02.2013, 13:53
AW: In der Krankheit zuhause?
Findus,
du schreibst mir aus der Seele.


LG von
froschi 🐸
Die Kunst des Lebens besteht darin,
das Nichtstun genießen zu können.
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01.02.2013, 15:08
AW: In der Krankheit zuhause?
Sag mal, Klippi - diese Freudin, kennst Du sie nicht seit der Erkrankung?

Was ich meine, ich habe diesen Raum nicht so dunkel gehabt, weil ich durch die Panikattacken jahrelang die Ängste anders verpackt habe und mit der Krebserkrankung ja was reales hatte, mit dem ich umgehen konnte - besser umgehen konnte, als mit den fiktiven Erkrankungen die mich notfallmäßig immer wieder ins KH geschickt haben.
Aber diesen Raum möchte ich nicht mehr hergeben, er bedeutet die Sicherheit, die mir sehr wichtig ist - Ich bin nicht alleine, ich bin Du, ich bin Ihr und wir hier und auch mit meinen anderen Freundinnen, die ich aus KK Zeiten jetzt bei FB pflege. Ich kann so herrlich lachen und auch genauso weinen. Neverever möchte ich diese Zeit löschen und 2012 war ein hartes Jahr, aber auch ein erfolgreiches im Hinblick auf mein Sein, ich möchte es nicht missen!
Wer hat solche Freunde?Liebe Grüße
Momo
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01.02.2013, 15:47
AW: In der Krankheit zuhause?
Boah Mädels,
jetzt sitz ich hier und hab Tränen in den Augen. Ich weiß nicht ob ich dafür die richtigen Worte finde, ob ich verstanden werde oder ob ich anecke, bin sehr unsicher geworden nach meiner Erkrankung. Allerdings interessanterweise erst nach den ganzen Therapien seit dem ich wieder arbeite....
Findus, du hast die Zeit der Endeckung, der Therapien sooo gut beschrieben. So gut das ich hier sitze (bin auf der Arbeit und hab Stallwache) und denke, wow, die meint dich... dabei kennst sie dich gar nicht
Ich habe durch die Erkrankung einiges gelernt. Weiß was ich nicht will, kann es aber nicht äußern, weiß was ich will und kann es auch nicht äußern. Ich bin ein anderer Mensch geworden. Ich mag nicht mehr diesen Small-Talk auf belanglosen Treffen, habe Bekannte denen die eigenen Sorgen wichtiger vorkommen als meine Erklärung ich habe nen unklaren Befund am Pankreas oder bei Mailkontakt wenn ich schreibe ich hatte ne schxx Woche stumm drüber hinweggehen und schaffe es trotzdem nicht den Kontakt zu unterbinden. Ich höre immer wieder wie Taff ich doch rüberkomme und bin selbst das heulende Elend. Auf der anderen Seite das Unverständnis ich bin doch fertig mit den Therapien, ich bin doch gesund. Jaaaa, bin ich, ist ok, aber ich mach noch die AHT (kann ja so schlimm nicht sein...), weiß jetzt warum Schlafentzug im Mittelalter als Foltermethode galt. Funktioniert heute noch.
Ach schxxx, irgendwie komm ich im Moment nicht wirklich klar und bin einfach fertiger als mir lieb ist...
Kadira
die jetzt weiterarbeitet um sich abzulenken.
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01.02.2013, 16:21
AW: In der Krankheit zuhause?
Och Liebes,
virtuell umärmel........ das ist auch eine schwierige Phase, in der Du da gerade bist - wie viele nach den ganzen Therapien. Frau will dieses Leben nicht mehr und möchte sich gerne auf ein anderes, mehr Ich-bezogenes Leben aufmachen und sich nicht dauernd für andere Menschen aufgeben, sich wichtiger nehmen.
Ich kann das ja gut und ich sage auch, wenn ich etwas nicht mehr möchte. Allerdings musst Du dann auch in Kauf nehmen, von Deiner Beliebtheit einzubüßen. Nein - sagen, Kadira - ganz wichtig. Stop - sagen, auch ganz wichtig. Setze Grenzen und Deine Freunde werden verstehen, wenn Du mal nicht so tickst wie Du sollst und sie nehmen Dich in den Arm, wenn Du Sorgen hast. Nur solche Menschen, die auch ein Ohr für Dich haben sollten sich Deine Freunde nennen, alles andere ist oberflächlich und kostet nur unnötig Zeit.
Du hast den tollsten Mann der Welt, den besten Freund der Welt - da wirst Du auf die verzichten können, die Dich nicht wahrnehmen.
Ich bin froh Dich zu haben
! Du hast mir immer sehr zur Seite gestanden und dafür danke ich Dir! Nimm Dich wichtig!
Liebe Grüße
Momo


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