Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Den Abschluss haben sie in der Tasche, doch einen Job bekommen junge Leute deshalb noch lange nicht. In der neuen BRIGITTE WOMAN lesen Sie, wie eine Familie damit umgeht, dass die bestens ausgebildete Tochter auch zwei Jahre nach dem Examen noch immer keine Berufsperspektive hat.
Wie sind Ihre Erfahrungen? Wie lange sollen Eltern ihre erwachsenen Kinder unterstützen?
Eine interessante Diskussion wünscht
Ihr Brigitte.de-Team
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07.12.2007, 17:07
Tochter in der Warteschleife - Generation Praktikum und die Folgen
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26.12.2007, 17:17
AW: Tochter in der Warteschleife - Generation Praktikum und die Folgen
Also ich finde, wenn Eltern es sich finanziell leisten können und die Kinder trotz gutem Willen und viel Einsatz keinen ordentlich bezahlten Job finden können, dann sollten die Eltern sie unbedingt unterstützen.
Es ist ja so, dass Kinder für ihre Eltern einspringen müssen, wenn diese in Not sind, obwohl sie ja nicht gefragt wurden, ob sie geboren werden wollten. Wenn also Eltern sich dafür entscheiden, Kinder zu bekommen, dann sollten sie sich auch bewusst sein, dass sie ihr Leben lang für diese verantwortlich sind.
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02.01.2008, 12:15
AW: Tochter in der Warteschleife - Generation Praktikum und die Folgen
Bei allem Respekt und Mitgefühl für die geschilderte Familie, realistische Vorstellungen über die zukünftigen Berufsaussichten waren bei Anke m.E. schon im Studium kaum vorhanden.
Werbung und Journalismus als Ziel wegen der festen Anstellung? Gerade in diesen Berufen sind schon seit eh und jeh die mehr oder weniger freiwilligen Freiberufler üblich. Teilweise von Projekt zu Projekt an der langen Leine geführt.
Hat sich Carmen Thomas nicht bereits vor 20+ Jahren in den WDR eingeklagt?
Wie viele Aufträge vergibt die Brigitte-Redaktion p.a. an Freiberufler? Wie viele Praktika werden im Jahr vergeben? Wie viele Praktikanten werden tatsächlich fest eingestellt?
Bestens ausgebildete Tochter?
Die Tochter ist mit ihrer Studienwahl das Risiko eingegangen, dass am Ende des Studiums kein identifizierbarter Beruf steht, anders als in Lehramtsstudiengängen oder Jura, BWL, Medizin.
Nun stellt sie fest, dass sie für interessante Tätigkeiten nicht einschlägig ausgebildet ist, und für die anderen Tätigkeiten sehen sie und ihre Eltern sie als überqualifiziert an.
Berechtigt?
In vielen Unternehmen kann man sich trotz nicht einschlägiger Vorbildung nach einer Einstiegsphase, die oft nicht sonderlich anspruchsvoll ist, und bei Bewährung an interessantere Tätigkeiten heranarbeiten. Aber das versprechen wird nicht schon bei der Einstellung gemacht.
Eltern sind gesetzlich verpflichtet, ihre Kinder auch nach der Ausbildung bei Bedarf finanziell zu unterstützen, Allerdings nicht auf dem Zielniveau der Ausbildung ("Akademiker-like") sondern nur, soweit auch trotz Bemühungen um schlichteste Tätigkeiten kein eigenes Einkommen erreicht werden kann. Und dann auf Hartz-Niveau.
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02.01.2008, 18:44
AW: Tochter in der Warteschleife - Generation Praktikum und die Folgen
Keine Frage, ich denke die meisten Eltern werden ihre Kinder unterstützen so gut es geht.
Aber das geht an die Substanz, finanziell und psychisch.
Es ist schrecklich mitansehen zu müssen, wie sehr die jungen Leute unter dem Gefühl leiden nicht gebraucht zu werden! Oder noch schlimmer, als billiger Mitarbeiter ausgebeutet zu werden.
Die Politik schreit nach Kindern und dann?
Die richtige Schule, Zusatzunterricht, die richtige Ausbildung oder das richtige Studium, Auslandsaufenthalt wenn möglich!
Das alles kostet Geld und Nerven, der Eltern! Dafür verzichten Eltern.
Natürlich machen wir das gern, immer in der Hoffnung dass die Kinder dann einen guten Start ins Berufsleben haben.
Und dann haben alle was davon, auch Leute ohne Kinder! Denn eigentlich fehlen doch gut ausgebildete Fachkräfte, die unser aller Rente garantieren. Oder?
Ach ja Rente, die Anrechnung der Kindererziehungszeiten (bei mir von drei Kindern) sowie die Tatsache, dass ich nicht voll arbeiten konnte (keine Betreuungsmöglichkeiten) lassen meine Rente jetzt schon extrem mager aussehen. Da werde ich bei dem Satz " Eltern sind gesetzlich verpflichtet, ihre Kinder ..." richtig sauer.
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02.01.2008, 19:23Inaktiver User
AW: Tochter in der Warteschleife - Generation Praktikum und die Folgen
Zitat von Chris2008
Sorry, das stimmt so nicht
nach geltendem Recht sind die Eltern "nur" bis zum Abschluss der Erstausbildung unterhaltspflichtig. Ist die Tochter danach arbeitslos bzw. verdient sie nicht genug, hat sie einen Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung, ohne dass dies von den Eltern zurückgefordert wird. Sie muß dann allerdings jede Arbeit annehmen, die ihr die Arbeitsagentur zuweist, auch wenn diese nicht ihrem Studienabschluss entspricht.
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02.01.2008, 19:51
AW: Tochter in der Warteschleife - Generation Praktikum und die Folgen
Zitat von caria
ich kann dich schon verstehen, aber andererseits wirst du ja auch vom Staat unterstützt, wenn du im hohen Alter kein Geld mehr hast.
du bekommst dann in einem Altenheim genau dieselbe Pflege (Zimmergrösse usw.) wie ein anderer Insasse der seinen Aufenthalt dort bezahlt.
so ist es jedenfalls nachweislich in meinem Geburtsort.
und im übrigen darf ich dir die Frage stellen, wer soll denn für die Kinder aufkommen, wenn nicht die Eltern ?
sollen das auch noch die Kinderlosen tun, die sowieso eine Menge mehr Steuern bezahlen müssen (Geld, das dann als Kindergeld usw. wieder ausgeschüttet wird) ?
es ist natürlich schön, wenn Kinder einen kreativen Beruf erlernen. denn das ist eine gesellschaftliche Bereicherung.
aber man sollte schon einen Blick darauf behalten, dass der Abschluss später beruflich Sinn macht.
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02.01.2008, 19:56Inaktiver User
AW: Tochter in der Warteschleife - Generation Praktikum und die Folgen
Zitat von trambahn100
Das sehe ich genauso
Das Problem ist leider oft, dies dem Kind zu vermitteln
denn das "Kind" ist zu Beginn des Studiums bzw. der Ausbildung ja schon ein Erwachsener, der "rein rechtlich" einen Ausbildungsgang wählen kann, egal was die Eltern davon halten.
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03.01.2008, 11:15
AW: Tochter in der Warteschleife - Generation Praktikum und die Folgen
Arbeitslosengeld bekommt aber nur der, der vorher regelmäßig in die Kasse eingezahlt hat und da fallen Studenten schon mal raus.
Zitat von Inaktiver User
Wie es bei Hartz4 ist, d.h. inwieweit sich das Sozialamt das Geld von den Eltern wiederholt, weiß ich nicht genau, weil ich Gottlob nicht in dieser Situation stecke.
Chris2008 hat schonungslose Worte gesprochen, sie ist realistisch. Trotzdem finde auch ich es traurig, wie wenig sich die jungen Leute heute etwas aussuchen können.
Es stehen ihnen zwar die Ausbildungswege beinahe grenzenlos offen, aber danach wird es eng.
Der Arbeitsmarkt gibt nicht mehr allzuviel her außer in einigen Berufen, die immer gefragt sind, aber meist sind das nicht die Traumberufe.
Was ist da zu tun?
Die Jugend muss ja auch beraten werden, aber wie!
Was rät man einer Tochter, die kreativ ist und sich einen solchen Beruf wünscht und nicht den Job einer Sachbearbeiterin in irgendeiner Firma? Erstickt man von Anfang an ihren "Höhenflug", sagt man ihr, sie dürfe nicht ihren Begabungen folgen, nur, weil ihre Eltern nicht prominent sind?
Denn so ist es dochm - Kinder von Prominenten kommen mit allem durch, sie werden, wenn sie nicht völlig ungeeignet sind, überall mit offenen Armen empfangen.
Aber gut, so ist das nun mal, man muss das akzeptieren.
Trotzdem würde das Herz bluten als Mutter!
Have a nice day,
LaliqueDo what makes your heart sing
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03.01.2008, 12:03
AW: Tochter in der Warteschleife - Generation Praktikum und die Folgen
Lalique, du fasst ziemlich genau zusammen, was ich auch denke... ich bin zwar aus der "Generation Praktikum" lange raus, arbeite inzwischen in einem Beruf, der mit meinem Studium und meinen kreativen Neigungen ziemlich wenig bis gar nichts zu tun hat.
Ich hab mich mit den Notwendigkeiten abgefunden, was aber nichts daran ändert, daß mich die Aussicht, dieses Leben so noch weitere 20 Jahre führen zu müssen schon mal ziemlich depressiv macht - psychosomatische Magenbeschwerden inclusive.
Vor etwa 1-2 Jahren hab ich mich - eben wegen dieser Magenbeschwerden - nach etwas Neuem umgesehen. War DAS deprimierend. Was heute gesucht wird (außerhalb der Ingenieurfächer) sind hauptsächlich BWLer (Spezialgebiet Controlling) und Verkäufer/Sales.
In unserer Berufswelt haben die Zahlenfuchser und Verkäufer wohl das Sagen übernommen, für Kreative und Träumer ist kein Platz mehr.
Die Vorstellung, soetwas einem Kind beibringen zu müssen, finde ich ganz, ganz schrecklich!*lost in the woods*
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03.01.2008, 14:22
AW: Tochter in der Warteschleife - Generation Praktikum und die Folgen
Hallo Kammolch,
schau mal in §§ 1601, 1602 BGB rein: Verwandte in gerader Linie sind verpflichtet, einander Unterhalt zu gewähren.... Das gilt für Eltern und Kinder.
Wenn das volljährige Kind selbst Hartz- oder anderes Einkommen hat, ist es nicht mehr bedürftig i.S. v. § 1602 Abs.1.
Wenn der Staat Sozialhilfe zahlt, z.B. weil kein Hartz-Anspruch besteht, holt er sich das Geld von zahlungskräftigen Eltern zurück.
Schließlich müssen später u.U. die Kinder bei entsprechendem eigenen Einkommen auch für ihre Eltern Unterhalt als Erstattung an den Sozialhilfeträger zahlen - bei Heimaufenthalt kann das länger dauern als die Kinder früher selbst Unterhalt bekommen haben...
Das deckt natürlich nur den rechtlichen Aspegt der Frage "Wie lange sollen Eltern..." ab.
Bei entsprechendem Einkommen würde ich natürlich auch nach der Ausbildung meinen Kindern auf den Weg helfen. Allerdings würde ich auch erwarten, das die Ziele und Ideale dem Machbaren angenähert werden, wenn sie nicht realisiert werden können. Schließlich gibt es nicht nur schwarz und weiss, den kreativen Träumer und den Zahlenknecht / Verkäufer. In den meisten Berufen bracht man beide Komponenten. Ich denke an den freiberuflichen Journalisten, der sich selbst knallhart an Redaktionen verkaufen muss oder an den Künstler bei seiner Galerie / Agentur.
ChrisGeändert von Chris2008 (03.01.2008 um 14:38 Uhr)


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