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  1. Avatar von Nocturna
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    AW: Jetzt bin ich mal dran

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Warum empfindest du diese These als unzulässig? Weil sie Selbstverantwortung einfordert und es unmöglich macht, sich als Opfer der Umstände zu sehen?
    Das ist die nette Umschreibung. Man könnte allerdings auch sagen, dass es eine Portion Egoismus fordert, sein Leben zu leben wie man will.

    Was wäre, wenn du einen Job hast, der es zuließe, dass du dich um deine pflegebedürftigen Eltern kümmern könntest? Sagst du, tut mir leid, ich muss mich entspannen und mein Mann will mich auch noch sehen und überlässt deine Eltern dem Krankenpflegedienst? Vielleicht haben deine Eltern aber dein Studium unter Entbehrungen finanziert und dir auch sonst ein wenig unter die Arme gegriffen, als du es am Notwendigsten gebraucht hast? Und nun?

    War bei dir ganz anders? Glück gehabt. Wenn ich Victoria richtig verstehe, ist sie aber in der Tretmühle gefangen. Oft ist es unmöglich aus Liebe, moralischen oder finanziellen Gründen, Verantwortung abzuwälzen oder auszulagern, wenn unvorhergesehene Situationen eintreffen.
    "Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”


  2. Registriert seit
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    AW: Jetzt bin ich mal dran

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Warum empfindest du diese These als unzulässig? Weil sie Selbstverantwortung einfordert und es unmöglich macht, sich als Opfer der Umstände zu sehen?
    Was bringt es, wenn frau unzufrieden ist und alles auf die Umstände schiebt, ohne sie konkret zu ändern? Macht sie damit sich selbst und die anderen glücklich?
    Liebe Pia, ich bin völlig deiner Meinung, wenn du sagst, frau muss alles versuchen, was ihr möglich ist, um so zu leben, dass sie zufrieden ist mit dem, was sie erreicht hat. Ist frau nicht zufrieden, sollte sie tätig werden. Aber leider gibt es gibt Dinge im Leben, auf die hat man keinen Einfluss und frau muss darauf reagieren und das Beste daraus machen. Und dabei kann es sein, dass dieses Bestmögliche doch ein Kompromiss ist, den sie nicht eingegangen wäre, wenn sie gewusst hätte, wie sich ihr Leben entwickeln würde.
    In diesem Fall hat die Frau nicht geklagt und gejammert und war zu faul ihr Leben zu ändern, sondern sie müht sich intensiv und
    muss doch hinnehmen, dass für manche Dinge der Zug abgefahren ist. Ich zum Beispiel hätte keine drei Kinder bekommen, wenn ich gewusst hätte, dass die Bedingungen zum Kindergroßziehen sich so verschlechtern würden. Nach der Wende war ich plötzlich ganz allein mit den Kindern und mein Mann kam nur noch am Wochenende nach Hause - ich war aber voll berufstätig und unsere Familienplanung sah gleichberechtige Kinderbetreuung vor. Da gingen wir aber davon aus, dass wir beide am Wohnort arbeiteten...Würde jetzt zu weit führen.
    Dann denke ich da auch an die Frauen, die alles perfekt durchgeplant haben und dann kommt ihr Kind behindert auf die Welt. Nun kannst du sagen, das sind alles Einzelfälle - aber ich wage zu behaupten, es gibt mannigfaltige Umstände im Leben, die die Gestaltung weiblicher Lebensläufe beeinflussen.
    Ich habe also lediglich etwas dagegen, Frauen, die etwas wehmütig bekennen, dass sie doch manchmal das Gefühl haben, sie "könnten auch mal dran sein", pauschal vorzuwerfen, sie hätten doch schon immer "dran sein können", wenn sie es nur richtig angestellt hätten.
    Liebe Grüße
    Victoria

  3. Inaktiver User

    AW: Jetzt bin ich mal dran

    Zitat Zitat von Nocturna
    Das ist die nette Umschreibung. Man könnte allerdings auch sagen, dass es eine Portion Egoismus fordert, sein Leben zu leben wie man will.
    Natürlich, das bestreitet keiner

    Zitat Zitat von Nocturna
    Was wäre, wenn du einen Job hast, der es zuließe, dass du dich um deine pflegebedürftigen Eltern kümmern könntest? Sagst du, tut mir leid, ich muss mich entspannen und mein Mann will mich auch noch sehen und überlässt deine Eltern dem Krankenpflegedienst? Vielleicht haben deine Eltern aber dein Studium unter Entbehrungen finanziert und dir auch sonst ein wenig unter die Arme gegriffen, als du es am Notwendigsten gebraucht hast? Und nun?
    Entspannen ist ein schlechtes Beispiel. Angenommen, du wärst eine aufstrebende Pianistin oder sowas, würdest du deine Karriere aufgeben, um deine Eltern zu pflegen, weil sie dein Studium finanziert haben?

    Zitat Zitat von Nocturna
    War bei dir ganz anders? Glück gehabt. Wenn ich Victoria richtig verstehe, ist sie aber in der Tretmühle gefangen. Oft ist es unmöglich aus Liebe, moralischen oder finanziellen Gründen, Verantwortung abzuwälzen oder auszulagern, wenn unvorhergesehene Situationen eintreffen.
    Richtig. Das bestreitet auch keiner.
    Aber ist das ein Grund, unzufrieden zu sein? Die Zufriedendenheit von Menschen hängt viel weniger von ihren Lebensumständen ab, als wir oft glauben. Es gibt Menschen, die unter schrecklichen Umständen durchhalten und andere, die in den besten Verhältnissen unzufrieden sind. Es ist alles eine Sache der Einstellung: ich kann meine Eltern pflegen aber total unzufrieden damit sein, weil ich meine, etwas zu versäumen. Ich kann aber auch Befriedigung aus der Tatsache ziehen, dass ich eben nicht so egoistisch bin, sie alleine zu lassen und stolz auf mich sein, dass ich so ein liebe- und rücksichtsvoller Mensch bin. Dann mache ich zwar nicht die große Karriere - oder ich mache sie später, falls es dann noch möglich ist - aber ich bin zufrieden mit meinem Leben.

    Die Tatsache, wie zufrieden jemand ist, hängt vor allem damit zusammen, dass er sieht, welche Optionen möglich sind und welche nicht und dass er entsprechend handelt. Unzufriedenheit kann eine Zwischenstation zur Zielerreichung sein - vorausgesetzt, man hat ein klares Ziel. Die pauschale Unzufriedenheit, die manche Frauen umtreibt, ist allerdings weit davon entfernt, sie ist eher ein "sekundärer Krankheitsgewinn" der Opferrolle, die man nicht aufgeben mag. Seine eigenen Träume zu verwirklichen heißt ja auch, sich ihnen zu stellen und in einer realen Konkurrenzsituation möglicherweise zu scheitern. Sich dieser Realtität erst gar nicht stellen zu müssen - weil die Verhältnisse ja so sind - schont die kindlichen Allmachtsphantasien, die da lauten: ich kann alles, wenn ich nur will, ich bin die Beste, die Tollste - wenn man mich nur ließe


  4. Registriert seit
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    AW: Jetzt bin ich mal dran

    Ja Nocturna, du hast es getroffen: Ich habe mir weder ausgesucht, dass meine Eltern so lange und wirklich auch qualvoll sterben (mein Vater ist schon gestorben vor einem halben Jahr) - man denkt ja naiverweise, wenn es soweit ist, legt man sich ins Bett und schläft ein - noch hätte ich es fertig gebracht, sie im Stich zu lassen. Für meine berufliche Entwicklung bedeutete das, ich habe verzichten müssen. Natürlich geht das Leben weiter und die Kinder entwickeln sich auch weiter , genauso wie ich mich mühe, wieder in Tritt zu kommen...aber ich wehre mich doch dagegen, dass ich entweder absolut zufrieden sein soll, weil ich das ja alles selber so wollte oder ich selber die Schuld trage, dass es mir nicht besser geht - weil ich ja nichts ändere.


  5. Registriert seit
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    AW: Jetzt bin ich mal dran

    Liebe Pia, du argumentierst von einem sehr theoretischen Standpunkt.
    Ich verabschiede mich aus der Diskussion.
    Liebe Grüße
    Victoria

  6. Inaktiver User

    AW: Jetzt bin ich mal dran

    Liebe Victoria,
    ich habe sechzehn Jahre lang eine Wochenendehe geführt - auch wegen der Wende (Distanz: 450 km) . Allerdings nur mit einem Kind.
    Man sieht die Zukunft nie voraus und kann nie völlig planen. Aber man trifft in jedem Augenblick, in dem man lebt, Entscheidungen. Und ob man hinter denen steht oder immer das Gefühl hat, zu kurz zu kommen, hängt sehr stark davon ab, in wie weit man sich als Opfer der Verhältnisse oder als deren Gestalterin erlebt. Nicht alles, was man für sich umsetzen möchte, läßt sich gleich verwirklichen. Aber wenn man sich nicht als Spielball der Ereignisse empfindet, sind die Chancen sehr viel besser, auch unter geänderten Verhältnissen eine Lebenssituation zu erreichen, mit der man zufrieden ist.

  7. Avatar von Nocturna
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    AW: Jetzt bin ich mal dran

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Es ist alles eine Sache der Einstellung: ich kann meine Eltern pflegen aber total unzufrieden damit sein, weil ich meine, etwas zu versäumen. Ich kann aber auch Befriedigung aus der Tatsache ziehen, dass ich eben nicht so egoistisch bin, sie alleine zu lassen und stolz auf mich sein, dass ich so ein liebe- und rücksichtsvoller Mensch bin.
    ...
    Die Tatsache, wie zufrieden jemand ist, hängt vor allem damit zusammen, dass er sieht, welche Optionen möglich sind und welche nicht und dass er entsprechend handelt.
    Pia, sehr schön formuliert.

    Ich hoffe mal, ich schaffe es, diese Sichtweise zu übernehmen, wenn es soweit sein wird, Erfahrungen mit der Pflegebedürftigkeit meiner Eltern zu machen.
    "Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”

  8. Inaktiver User

    AW: Jetzt bin ich mal dran

    Zitat Zitat von Nocturna
    Pia, sehr schön formuliert.

    Ich hoffe mal, ich schaffe es, diese Sichtweise zu übernehmen, wenn es soweit sein wird, Erfahrungen mit der Pflegebedürftigkeit meiner Eltern zu machen.
    Und falls sie nicht pflegebedürftig werden, hast du dir wenigstens im Voraus schon mal ordentlich Sorgen gemacht :-)

  9. Inaktiver User

    AW: Jetzt bin ich mal dran

    ...in diesem Austausch klingen kontrastreiche Lebensabläufe aufeinander, die m.E. nichts mit selbstverantwortlicher Planung zu tun haben, sondern mit der Tatsache, dass das Leben uns schreibt.

    Diese theoretisierte Sprücheklopperei, wenn man seinen Lebenslauf Revue passieren läßt und diesen als einzig wahren Sinninhalt zu propagieren, ist zunehmend abtörnend.

    Eine Frau plant nicht, dass die selbstverantwortete Entscheidung für eine Familie nicht mehr "ihr Ding" ist, weil jetzt auch noch mitten in der Pubertät die Elternpflege Raum einnimmt.

    Wenn eine Frau so taff und unumstößlich fast zwei Jahrzehnte lang von einer Fernbeziehung lebt und ihrem Berufsleben zwecks existentieller Versorgung als Alleinerziehende Raum gibt, so hat sie das vermutlich nicht geplant.

    Es passiert im Grunde genommen bei beiden gegenläufigen Alltagssituationen nichts anderes, als das eine reale Aufgabe mehr Raum einnimmt und das gesamte Gleichgewicht zwischen An- und Entspannung einseitig kippt.

    Und dann entsteht das dringende Bedürfnis zur entspannenden Lebensseite, das hier "jetzt bin ich mal dran" zurecht aufzeigt.

    Yin -und Yang ist überall. Es muss nicht jeden Tag 50:50 alles perfekt aufgehen.

    Es nützt auch nichts, in westlicher Gesundheitslehre eine Schwächephase als Krankheit zu fokossieren.

    Besser ist die östliche Sicht, die Balance zur Gesundung und Ausgeglichenheit wieder zu bestärken, bevor "es knallt".

    Wenn der Alltag eine einseitige Schieflage über einen langen Zeitraum fordert, kann man in kleinen Schritten im Lot zu bleiben.

    Jedoch nützen moralischen Zeigefinger nichts, wie man es hätte planen sollen. Wer so einseitig "hart" Selbstdisziplin lebt, hat scheinbar ein hohes Defizit an Sensibilität auszugleichen...

  10. Inaktiver User

    AW: Jetzt bin ich mal dran

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    .

    Diese theoretisierte Sprücheklopperei, wenn man seinen Lebenslauf Revue passieren läßt und diesen als einzig wahren Sinninhalt zu propagieren, ist zunehmend abtörnend.
    Yin -und Yang ist überall. Es muss nicht jeden Tag 50:50 alles perfekt aufgehen.

    Es nützt auch nichts, in westlicher Gesundheitslehre eine Schwächephase als Krankheit zu fokossieren.

    Besser ist die östliche Sicht, die Balance zur Gesundung und Ausgeglichenheit wieder zu bestärken, bevor "es knallt".

    Wenn der Alltag eine einseitige Schieflage über einen langen Zeitraum fordert, kann man in kleinen Schritten im Lot zu bleiben.
    Und das ist keine Sprücheklopferei?

    Jedoch nützen moralischen Zeigefinger nichts, wie man es hätte planen sollen. Wer so einseitig "hart" Selbstdisziplin lebt, hat scheinbar ein hohes Defizit an Sensibilität auszugleichen...
    Und dafür jetzt ein bisschen küchenpsychologische Unterstellung?

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