Nie zuvor gab es in Deutschland so viel Geld an die Nachkommen weiterzugeben - Vermögen, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor allem in Westdeutschland aufgebaut wurden. Das meiste davon wird vererbt - und nicht noch zu Lebzeiten an die Familie verschenkt.
Da drängt sich doch die Frage auf: Sollten Eltern ihren Kindern von ihrem Vermögen vorzeitig etwas abgeben? Wie denken Sie darüber?
Herzliche Grüße
Ihr Brigitte.de-Team
Hier lesen Sie, welche Gedanken sich Familie S. zu diesem Thema in BRIGITTE WOMAN gemacht hat.
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Ergebnis 1 bis 10 von 21
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13.10.2006, 16:31
Schenken, vererben, verprassen?
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14.10.2006, 23:34
AW: Schenken, vererben, verprassen?
Das meiste davon wird vererbt - und nicht noch zu Lebzeiten an die Familie verschenkt.
Weiß Jemand, wie das mit dem Verschenken und damit die Erbschaftssteuer umgehen, vor sich geht?
L.G.
Maitschi
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15.10.2006, 11:26
AW: Schenken, vererben, verprassen?
Wie das funktioniert, steht in oben erwähnten Artikel beschrieben auf Seite 4.
Meine Eltern haben ihren Grundbesitz bereits an mich weitergegeben. Die zehn Jahre Frist sind verstrichen. Ätsch, liebe Bundesregierung, daran wirst du schon mal nichts verdienen.
Man kann die Übergabe so gestalten, dass es für beide Parteien weiterläuft wie bisher. Meine Eltern haben notarielles lebenslanges Wohnrecht. Wenn sie mal ausziehen werden, stehen ihnen die Einnahmen zu, die eine Vermietung erbringen wird. So haben sie finanzielle Sicherheit.
Letztendlich hat sich für meine Eltern und mich nichts verändert, außer dass wir der zu erwartenden Erbschaftssteuer ein Schnippchen geschlagen haben. Ich finde das eine sehr gelungene Lösung.
Voraussetzung dafür ist eine gute Eltern-Kind Beziehung und eine ebenso gute notarielle Beratung. Außerdem täten die Eltern gut daran, ihr Vermögen wirklich nur ihrem Kind zu schenken und nicht der Lebensgemeinschaft/Ehe ihrer Kinder. Beziehungen können zerbrechen, rosarote Scheuklappen sind hier nicht angebracht.
Meine Eltern hatten diesbezüglich einen Passus im Schenkungsvertrag, dass bei einem frühem Tod meinerseits und wenn kein gemeinsames Kind vorhanden wäre, ihr Haus wieder an sie zurückfallen würde und nicht an den überlebenden Ehepartner geht. Das wurde von allen Beteiligten und meinen damaligen Freund/späteren Ehemann anstandslos akzeptiert und für gut befunden."Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
(John D. Rockefeller)
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19.10.2006, 10:29Inaktiver User
AW: Schenken, vererben, verprassen?
Mein Vater hat mir zum Hausbau eine größere Summe geliehen, zu einem Zinssatz, der etwas günstiger liegt als der günstigste, den mir eine Bank geboten hätte. Seither zahle ich monatlich etwa 500 Euro zurück. Sollte mein Vater sterben, wird der Restbetrag von der Erbsumme abgezogen (meine Eltern besitzen noch eine Eigentumswohnung), ebenfalls verzinst, glaube ich. Auf diese Weise haben sie mich effektiv, aber nicht unmäßig unterstützt, und mein Bruder wird nicht benachteiligt.
Trotz dieser Unterstützung bieten meine Eltern mir regelmäßig Geld an. Sie wissen, dass der Bau eine große finanzielle Belastung war. Sie wissen auch, dass ich genug verdiene und keine Schwierigkeiten habe - aber sie wollen, dass ich mir auch mal was leisten kann. Manchmal lehne ich ab, weil ich genau wie die Frau aus dem Beispiel nicht abhängig sein möchte. Manchmal nehme ich auch etwas an, weil ich weiß, dass es sie freut und es ihnen an nichts fehlt. Man muss sich das Leben auch nicht schwieriger machen, als es sowieso ist.
Die Nachkriegsgeneration war überhaupt die einzie Generation, die je so unbelastet von finanziellen Risiken blieb. Dafür hat das Wirtschaftswunder gesorgt, Arbeitslosigkeit war kein Thema, wer einmal in einer Firma arbeitete, konnte praktisch sicher sein, den Job bis zur Rente zu behalten. Und nicht wenige profitierten dann noch von den großzügigen Vorruhestandsregelungen, als die Unternehmen anfingen, Stellen abzubauen. Gerade was Immobilien anging, hatte es diese Generation leichter als je eine vor ihr - und in absehbarer Zeit auch nach ihr. Sich den Kopf darüber zu zerbrechen, warum wir das heute nicht so hinkriegen, ist also ziemlich unsinnig.
Grüße, Cariad
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19.10.2006, 11:18Inaktiver User
AW: Schenken, vererben, verprassen?
Das ist richtig. Allerdings bedeutet das auch, dass der Partner, der nicht im Grundbuch eingetragen ist, das Geld, das er ev. in eine Renovierung / Instandhaltung mit eingebracht hat, größtenteils vergessen kann. Er bekommt im Scheidungsfall nur die Hälfte des Zugewinnes. Aber was ist überhaut als Zugewinn zu bezeichnen, wenn einer Alleineigentümer einer Immobilie ist? Weiß das jemand?
Zitat von Nocturna
Es ist sicher richtig, dass es heute kaum noch möglich ist, einen Hausbau finanziell allein zu stemmen. Die Banken sind viel vorsichtiger mit der Geldvergabe und die Grundstückspreise sind regional enorm gestiegen. In Gegenden, in denen man vor ein, zwei Generationen Grundstücke für einen Appel und ein Ei bekam, sind gute Baugrundstücke oft nur noch für mehrere hundert Euro zu haben (auch auf dem Land).
Große Geldsummen an die Kinder verschenken sollte man nur dann, wenn so viel vorhanden ist, dass es den Lebensstil der Eltern nicht tangiert bzw. wenn die Kinder wirklich in Not geraten. Die Überschreibung von Immobilien, so wie Nocturna sie beschrieben hat, kann sinnvoll sein. Aber ich halte nichts davon, Kindern einen Lebensstil zu finanzieren, den sie sich selbst nicht leisten könnten.
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19.10.2006, 13:23
AW: Schenken, vererben, verprassen?
Es haengt auch immer von der Hoehe der zu erwarteten Erbschaft ab. Wir haben uns mit Notar und Steuerberater zusammen gesetzt und alles besprochen, in unserem Fall ist eine Schenkung nicht noetig, da der Wert des zu vermachenden Hauses auf 2 Kinder verteilt unter der Erbschaftssteuergrenze liegt.
Prinzipiell bin ich bin der Meinung, dass jeder fuer sein eigenes Leben aufkommen sollte und die Kinder sich nicht auf dem Vermoegen der Eltern ausruhen sollten.
Zusaetzlich kommen auf die Kinder die nicht zu unterschaetzenden Kosten der Pflege der alten Eltern zu, da ist es sehr gut, wenn die Eltern nicht ihr gesamtes Vermoegen bereits den Kindern vermacht haben sondern finanziell unabhaengig sind. Diese Kosten darf man nicht unterschaetzen, wenn die Eltern im Alter den Lebensstandard halten oder angemessen versorgt werden wollen.
Pflege in Deutschland ist richtig teuer, betreutes Wohnen beginnt bei 1800 euro/Monat und nach oben gibt es wenig Grenzen. Pflege im Altenheim kostet je nach Schwere locker 3000 Euro/Monat Eigenanteil nachdem der Pflegeversicherungszuschuss bereits abgezogen wurde. Auch Pflege zu Hause kostet viel Geld.
Kurzum, als Eltern sollte man sich erst um seine eigene finanzielle Versorgung kuemmern und wenn dann noch was uebrig ist freuen sich die Kinder immer noch.
lg, Sam (Kind)
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20.10.2006, 10:57
AW: Schenken, vererben, verprassen?
Eure Sorgen möcht´ich haben.
Komme aus einer kinderreichen Familie im Osten.
Kein Haus, nichts. Höchstens mal eine Oma, die nach den Enkeln sieht.
Zur Währungsreform wurden die Ersparnisse noch einmal abgewertet; auch die Dienstjahre und die Erziehungsjahre für die Frauen.
Meine Tante hat in einer 2-Zimmer-Wohnung mit Kohleheizung ohne Telefon 15 Jahre lang die alten Eltern gepflegt und das Haus nur zum Einkaufen verlassen.
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20.10.2006, 12:13Inaktiver User
AW: Schenken, vererben, verprassen?
Welche "Währungsreform" meinst du? Die von 1948?
Zitat von Kaempferin
Mir ist auch nicht ganz klar, warum du dir Gedanken über "unsere Sorgen" machst. Können wir was für den Steinzeitsozialismus in der DDR, der dafür sorgte, dass es allen gleich besch.... ging?
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20.10.2006, 12:55
AW: Schenken, vererben, verprassen?
Meine Sorgen? Ich habe keine Sorgen, außer dass ich nicht möchte, dass zu sämtlichen Steuern, die meine Eltern bereits auf ihr Vermögen gelöhnt haben, noch die Abkassiersteuer vom Staat dazukommt.
Übrigens, toll ging es meinen Leuten auch nicht. Mein Vater war Kriegsteilnehmer und stand nach der Entlassung aus der russischen Gefangenschaft mit dem da, was er auf dem Leib trug. Meine Mutter war ein uneheliches Kind, zu der damaligen Zeit eine Schande im katholischen Bayern. Sie hatte auch nichts außer ihr tägliches Essen, Unterkunft beim Bauern war frei.
Meine Eltern haben für ihr Vermögen hart gearbeitet, ich bin mit ihrer Sparsamkeit aufgewachsen. Ich habe zwar geerbt, aber meinen Teil dazu beigetragen, damit es gewachsen ist. So what?"Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
(John D. Rockefeller)
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20.10.2006, 13:13
AW: Schenken, vererben, verprassen?
Warum ???
Zitat von Nocturna
Ich wuerde wissen wollen, dass mein Mann wenigstens sein Zuhause oder eine gewisse Sicherheit nicht verliert, falls ich sterben sollte !!!
Eine Idee waere hoechstens noch, einzusetzen, dass im Fall einer Trennung/Scheidung, der Partner kein Recht auf das Haus, bzw. Vermoegen hat.
Gruesse,Eure Lotte


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