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Thema: Zukunftsangst


  1. Registriert seit
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    Zukunftsangst

    Liebe Mamas oder zukünftige Mamas,

    Ich bin sehr verzweifelt. Schon in der Schwangerschaft habe ich nicht sehr optimistisch in die Zukunft geschaut. Die Nachrichten sind ja voll von Horrornews. Ich habe da schon angefangen keine Nachrichten mehr zu hören und mich in meine Seifenblase zurück gezogen.
    Nun ist das Baby da und es scheint, dass meine Ängste noch größer werden. Ich verzweifle, weil ich dem armen Kind nichts garantieren kann. Vor allem das Thema Klimawandel macht mir riesige Angst. In welcher Welt wird mein Kind leben müssen? War es egoistisch, ein Baby zu bekommen, damit ich glücklich bin und wäre es gnadenvoller gewesen, selbst zu verzichten, um dem Kind eventuelles Leid zu ersparen? Ich bin tatsächlich wegen meiner Ängste in Therapie und die sagte, der Weg ginge über Akzeptanz. Aber wie soll ich akzeptieren, dass wir den Planeten aufheizen und wie verrückt Ressourcen verbrauchen. Jedes Jahr die Nachricht von neuen Hitzerekorden, Dürre, Waldbränden, Überschwemmungen und die Tatsache, dass der weltweite CO2-Ausstoß immer mehr wird.
    Dann liege ich neben dem Baby und muss weinen, weil ich ihm so gerne eine gute und heile Welt zeigen möchte.

    Habt ihr ähnliche Gedanken oder blickt ihr mutiger in die Zukunft?

  2. VIP Avatar von xanidae
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    AW: Zukunftsangst

    Es ist gut, dass du schon in Therapie bist.
    Ich finde deine Ängste im Bezug auf dein Kind und seine Entwicklung bedenklicher als die Klimasituation. Wie soll dein Kind selbst mutig in die Zukunft blicken lernen, wenn es eine Mutter hat, die Angst hat?

    Ich weiß nicht was die Zukunft bringt und ich kann sie auch nicht kontrollieren. Aber ich kann mein Kind befähigen, mit der Zukunft die kommt, umzugehen. Das kann ich nicht, wenn ich mir ständig Sorgen mache.

    Bitte gehe weiter zur Therapie.
    Was ich über's Leben weiß, weiß ich aus Stand by Me
    Ich hab' einen Hund der Cujo heißt, und mein Auto heißt Christine
    Wenn du schreiben kannst, dann schreibe,
    wenn du singen kannst, dann sing
    Und wenn du nicht mehr weiterweißt, frag
    Stephen King


    Thees Uhlmann "Danke für die Angst"

  3. Avatar von guerteltier
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    AW: Zukunftsangst

    Liebe EvaFeli,

    mir ging es während der Schwangerschaft und nach der Geburt genauso – ich konnte keine Zeitung lesen/Nachrichten hören/Gespräche führen ohne dass mich bei ansatzweise kritischen Themen die Angst überwältigt hat. Ich habe damals wenn meine Kleine geschlafen hat zum Teil stundenweise zwanghaft Online-Nachrichten gelesen und mich immer mehr in die krankhafte Angstspirale reingesteigert.

    Ich hatte schon eine Vorgeschichte von Angststörung und Depressionen, und ich denke dass sich das zum einen durch die veränderte Situation, zum anderen aber auch durch die hormonelle Umstellung drastisch verschlechtert hat. Stillst du?
    Bei mir hat nach dem Abstillen eine deutliche Besserung eingesetzt. Ich werden wohl immer zu Ängsten/Grübeln neigen, aber ich kann heute wieder ein normales Leben führen.

    Dass du in Therapie bist finde ich sehr gut, leider habe ich damals viel zu lange gewartet bis ich das Thema vernünftig angegangen bin. Evtl. gibt es auch Medikamente, die man trotz Stillen nehmen kann? Bist du bei einem Psychiater in Behandlung und kannst das Thema dort ansprechen?

  4. Avatar von Kitty_Snicket
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    AW: Zukunftsangst

    Ich hatte damals eher Ängst von wegen, was ist, wenn mein Kind entführt wird/verunglückt etc.
    Teilweise auch extrem.

    Als ich damals ein Forum befragt habe , kamen viele hilfreiche Antworten - die, die mir seltsamerweise am meisten geholfen hat, war: Das ist die Kehrseite der Medaille - quasi der 'Preis', den man für die viele Liebe zahlt, die man fürs Kind empfindet (und auch zurückbekommt).
    Was für mich Hand in Hand geht mit dem Ansatz der Akzeptanz, den deine Therapie empfiehlt.
    (Und die Angst ist wesentlich weniger geworden - man kann ja nicht ständig so leben.)

    Von einem eventuellen Klimawandel werden wir wohl alle betroffen sein. Vielleicht ist es besser, zu diesem Zeitpunkt jung zu sein, und aus einer Katastrophe gestärkt herauszugehen (vor allem mit Verantwortungsbewusstsein, es nicht nochmal so weit kommen zu lassen).

    Und der schlimmste Fall? Tja, was ist dann? Was sind deine Phantasien/Ängste?

    Ansonsten spricht xanidae einen wichtigen Punkt an. Es ist nicht ausschlaggebend, was passiert - sondern wie man ihm begegnet!
    Whatever happened until now only served to deliver this moment.

  5. gesperrt
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    AW: Zukunftsangst

    Zitat Zitat von EvaFeli Beitrag anzeigen
    Habt ihr ähnliche Gedanken oder blickt ihr mutiger in die Zukunft?
    Die Gedanken sind ähnlich, ich mache mir auch Sorgen was aus meinem Kind mal werden soll.
    Dabei geht es mir weniger um den Klimawandel sondern eher um Gewalt, was er später mal arbeiten soll (bauen ja alle ab) und solche Dinge.


  6. Registriert seit
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    AW: Zukunftsangst

    Mir hat es geholfen, mir das Beispiel meiner gleichaltrigen Cousine vor Augen zu halten : Mit Anfang 20, im Studium befindend, mit zwei jüngeren Schwestern vor dem Bürgerkrieg geflohen, dann wieder zurück gegangen in ein chaotisches, kaputtes Land, in den Ruinen des Elternhauses zusammen mit den Eltern eine Art "Baumarkt und Handwerkerdienst" betrieben, obwohl weder sie noch ihre Eltern wirklich was davon verstanden - aber es reichte zum über die Runden kommen - später einen Handel mit Weissgeräten und danach eine Videothek betrieben.
    Heute ist sie 50 und Lehrerin. Was sie eigentlich machen wollte.

    Wenn man muss, kann man viel... Und man kann auch viel "aushalten".

  7. gesperrt
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    AW: Zukunftsangst

    Zitat Zitat von Sasapi Beitrag anzeigen
    Wenn man muss, kann man viel... Und man kann auch viel "aushalten".
    Vorallem muss man auch mal sehen, bei allem Mist der so vor sich geht leben wir in Deutschland doch super.
    Wenn ich das ganze genörgel sehe denke ich mir das die Leute kaum Lebenserfahrung im Ausland gesammelt haben.
    Wirklich besser als in Deutschland lebt man so gut wie nirgends.
    Aber auch hier, was hätten denn meine Eltern sagen sollen? "Kinder? Nä der Atomschlag vom "bösen Russen" kommt ja morgen! DAS WALDSTERBEN(riesen Thema in den 80ern) usw usw usw"
    Oder noch besser unsere Großeltern wo Kriege noch an der Tagesordnung waren.
    Sorgen wie das mit meinem Sohn (und auch mir) weiter geht mache ich mir auch wenn ich sehe in welche Richtung unser Land steuert aber Angst? Nicht wirklich dazu ist das Leben einfach viel zu schön und ich genieße die Zeit mit meinem Junior in vollen Zügen. Ich erwische mich derzeit öfter bei dem Gedanken"Die Zeit muss JETZT stehen blieben" Es kann im grunde nur schlechter werden da ich mir nicht vorstellen kann was noch besser werden sollte.


  8. Registriert seit
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    AW: Zukunftsangst

    Hallo EvaFell,

    erst einmal tut es mir sehr leid, dass Dich die Sorgen um den Zustand der Welt gerade in dieser Phase so sehr umtreiben. Ich kann sie und Dich verstehen und die durchaus berechtigten Sorgen nicht wegreden. Die Sorgenverursacher sind nun einmal da und jetzt schon zu bestaunen.

    Aber meinst Du es hilft Dir, wenn Du dir der Grenzen deiner Beschützerfähigkeit bewusst wirst? Ganz pragmatisch. Du kannst nur Schutz für das nähere Umfeld Deines Kindes garantieren, aber nicht Schutz vor allen konkreten und abstrakten Gefahren in der großen weiten Welt. Was Du aber tun kannst ist, ihr das notwendige Rüstzeug in die Hand zu geben: Selbstbewusstsein, Zuversicht, Vertrauen, Flexibilität. Dir fallen bestimmt noch einige andere Dinge ein 

    Dein Einfluss auf den Zustand in der Welt ist nur sehr gering, aber Du hast einen nicht zu unterschätzenden auf die Persönlichkeit Deines Kindes. Fokussiere mehr das Schöne. Akzeptiere mehr das Unveränderliche. Ganz pragmatisch.

    LG
    Nathalie


  9. Avatar von Sprachlos
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    AW: Zukunftsangst

    Hallo Eva, meine Mutter hatte auch sehr große Ängste, eigentlich wollte sie überhaupt kein Kind, weil sie Angst vor einem weiteren Krieg hatte, man konnte es ihr ja auch nicht verdenken, sie hatte einen miterlebt und es war damals die Zeit des kalten Krieges. Mittlerweile gehe ich auf die 60 zu. Ich glaube, dass die Menschheit auch mit dem Klimawandel umgehen kann.
    Kreativität kommt von der Freiheit zu scheitern. Und die Freiheit zu scheitern kommt vom Experiment. (Peter Gabriel)


  10. Registriert seit
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    AW: Zukunftsangst

    Hallo Eva,

    den Menschen- so wie er heute ist- gibt es seit 300.000 Jahren.
    Und ich glaube, es gab niemals eine Zeit, in der es keine Sorgen um die Zukunft des Kindes gab.
    Wie war das in Kriegszeiten, Zeiten von Pest und Cholera, in den Weltkriegen.....?

    Ja- man kann ganz sicher vor Angst verzweifeln- das Geheimnis des Lebens liegt in der Zukunft und die kennen wir nicht.
    Wer hätte vor 100 Jahren gedacht, dass Saugrobotoren durch ganz normale Haushalte rollen, man von der Arbeit über ein Handy, die Heizung daheim einschalten kann oder Prothesen für Handersatz über die eigenen Nerven stimuliert werden können?
    Und wer weiß damit, was für Wege die Menschheit finden wird, die für uns heute noch total um Dunkeln liegen?

    Eines ist unabhängig davon klar: Wenn wir ängstlich sind und nach einem Feld suchen, wo wir uns so richtig ausleben können- ist die Zukunftsangst eine "sichere Anlage"
    Perfekt sind immer die Ängste, die in der Zukunft liegen- da können wir ja sicher sein, dass uns keiner Sicherheit geben kann
    Also kurz: die perfekte Bühne für "die Angst".

    Alles Gute für dich- für dein Baby und ganz viel Erfolg mit der Therapie
    Geändert von kenzia (07.08.2019 um 13:39 Uhr)

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