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  1. Avatar von HolleyShiftwell
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    "Du hast ja Zeit zuviel" - Kind in der KiTa, Mann auf der Arbeit, Mama Zuhause.

    Hallo!

    Was ich mir mit diesem Thema hier erhoffe: Zum Einen will ich mich einfach mal auskotzen und zum Anderen hoffe ich, dass ich vielleicht nicht die Einzige bin mit diesem "Problem".

    Jetzt fange ich aber erstmal an.

    Ich bin Mama eines wundervollen Jungens der seit April in den Kindergarten geht. Die ersten drei Jahre blieb ich mit ihm Zuhause wodurch die "Krippe" für uns kein Thema war. Mein Mann verdient glücklicherweise sehr gut, sodass wir auf ein zweites Einkommen nicht angewiesen sind.
    So weit, so gut, so unproblematisch.
    Natürlich war ich auch, wie wahrscheinlich fast jede Mutter die ihr U3-Kind nicht fremdbetreuen lässt, desöfteren mal den Anfeindungen berufstätiger Mütter ausgesetzt. Das war für mich allerdings niemals ein großes Problem, da ich ja wusste, dass ich nicht nur Zuhause auf der Couch liege und meine Fußnägel lackiere, sondern ich Zuhause bin und dort mein Kind erziehe.

    Nun geht er aber, wie oben erwähnt, seit April halbtags (bis 13 Uhr) in den Kindergarten, fühlt sich dort auch wohl und ich genieße es nach drei Jahren mal wieder einige ruhige Stunden für mich zu haben, um den Haushalt in Ruhe zu machen und Dinge zu erledigen, die ohne Kind einfacher gehen.

    Kaum war die Eingewöhnungsphase im Kindergarten allerdings vorbei, schon wurde mir von allen Seiten die Frage gestellt, wann ich denn wieder arbeiten gehe.
    Ich war vor der Schwangerschaft nur auf 450Euro-Basis eingestellt und habe somit keinen festen Job, in den ich "wiedereinsteigen" kann. Zusätzlich sind wir in den letzten drei Jahren von einer Großstadt in ein 1.300-Einwohner-Dorf gezogen. Außer einem Bäcker und zwei Tankstellen gibt es hier keine "Industrie". Ich habe kein Auto und bin somit auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen, die sich hier auf einen Bus beschränken, der zu jeder vollen Stunde fährt.
    Natürlich habe ich bereits Wochen vor Beginn des Kindergartens schon die Augen offengehalten nach einem Job für mich, aber bisher habe ich noch nichts gefunden. Dadurch, dass wir nicht zwingend auf ein zweites Gehalt angewiesen sind, habe ich auch das Glück mich nicht stressen zu müssen, bei der Suche nach Arbeit. So zumindest die Theorie.

    Die Praxis sieht so aus, dass ich mich mittlerweile kaum mehr traue mich bei berufstätigen Müttern überhaupt zu äußern. Ich bin "erst" seit drei Monaten ohne Kind vormittags Zuhause und doch fühlen sich quasi alle um mich herum dazu berufen, mir meine Arbeitslosigkeit vor Augen zu halten und diese als Angriff zu werten. Habe ich etwas aufwändiger lackierte Nägel, heißt es "Für sowas habe ich keine Zeit". Trage ich von mir genähte Kleidung, kommt die Äußerung "Du brauchst einen Job, Du hast viel zu viel Zeit". Selbst als ich vor kurzem meiner backbegeisterten Schwägerin ein Rezept für einen Kuchen mit den Worten "Der könnte doch was für Dich sein" schickte, erhielt ich die Antwort "Mit einem Job und zwei Kindern fühle ich mich gerade ausgelastet genug. Du hast doch Zeit für sowas, back' Du den."

    Ich habe den Luxus nicht zwingend arbeiten zu gehen bzw. mir auszusuchen welchen Job ich haben will und welchen nicht und anstatt dass ich diese Situation genießen kann, wird es mir von allen Seiten vermiest, sodass ich mittlerweile einfach nur noch unzufrieden bin.
    Ich kann einfach nicht verstehen, wieso quasi jeder um mich herum mir seinen Sozialneid gegen den Kopf hauen muss. Ich habe noch nie mit meiner Situation "geprahlt", aber für die meisten reicht es schon aus, dass sie WISSEN dass ich Zuhause bin.
    Ich suche Arbeit, aber ohne Auto und mit einem Halbtagsplatz im Kindergarten für meinen Sohn, steht mir die Berufswelt nicht gerade offen. (Einen Ganztagsplatz wird er in dieser KiTa frühstens im Sommer 2015 bekommen können und auch dann wird nach Wichtigkeit verteilt: Kinder, deren Mütter einen Arbeitsvertrag vorweisen können, werden bei der Verteilung der Plätze bevorzugt. Eine Arbeit zu finden ohne die Sicherheit zu haben einen Ganztagsplatz zu bekommen, erweist sich aber leider als ziemlich schwierig. )

    Mal zusammengefasst: Mein Sohn ist halbtags im Kindergarten - nicht, damit ich Zuhause die Füße hochlegen kann, sondern weil er mit über 3 Jahren einfach in den KiGa gehört-, mein Mann verdient alleine mehr als der Großteil unserer bekannten Elternpaare zusammen und ich werde von Müttern, denen meine Situation eigentlich völlig egal sein könnte, gestresst mir einen Job zu suchen. MUSS das sein?

    Wenn ich mich an meine Kindheit zurückerinnere, gab es nicht wenige Mütter die auch dann noch Zuhause waren, als ihr Kind in den Kindergarten ging. Wieso ist das heutzutage eine so schreckliche Sache für viele Leute? Wieso muss man sich heute als Schmarotzer hinstellen lassen, wenn man das Glück hat 4-5 Stunden am Tag "für sich" zu haben? Woher kommt dieser widerliche Neid?

    Liebe Grüße,

    HolleyShiftwell

  2. Inaktiver User

    AW: "Du hast ja Zeit zuviel" - Kind in der KiTa, Mann auf der Arbeit, Mama Zuhause.

    Und das Hamsterrad dreht sich weiter, liebe HolleyShiftwell.
    Dieses Thema wird sich wohl in hundert Jahren nicht ändern, einfach den anderen sein Leben leben lassen, scheint in vielen Köpfen nicht möglich zu sein.
    Lass Dich nicht in ein Job zwängen, nur um den Vorstellungen deiner lieben Neider zu entsprechen, es wird Dich nicht glücklich machen.

    Du hast eine beneidenswert gute Situation um heraus zu finden, was Dir wirklich Spaß machen könnte.
    Nutze sie!
    Und wenn Du dich zur Tortenexpertin im Freundeskreis mauserst, oder Du kannst Dich einem anderen Hobby widmen? Ich wette, die größten Stimmen werden verstummen, wenn Du darstellst, wie gut Du dich mit dem Thema Erziehung auskennst, oder Aktivitäten im Kindergarten unterstützt.


  3. Registriert seit
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    AW: "Du hast ja Zeit zuviel" - Kind in der KiTa, Mann auf der Arbeit, Mama Zuhause.

    Zitat Zitat von HolleyShiftwell Beitrag anzeigen
    Wenn ich mich an meine Kindheit zurückerinnere, gab es nicht wenige Mütter die auch dann noch Zuhause waren, als ihr Kind in den Kindergarten ging. Wieso ist das heutzutage eine so schreckliche Sache für viele Leute? Wieso muss man sich heute als Schmarotzer hinstellen lassen, wenn man das Glück hat 4-5 Stunden am Tag "für sich" zu haben? Woher kommt dieser widerliche Neid?

    Liebe Grüße,

    HolleyShiftwell
    Der widerliche Neid kommt von Deiner Hochnäsigkeit: Wenn Dein Mann "so gut" verdient, dann ist auch ein zweites Auto drin, so dass Du arbeiten gehen kannst, also jammer nicht rum von wegen Abgeschiedenheit (von dem ich mal annehme, dass es aus einem großen freistehende Eigentumshaus besteht). Und Du kannst Dir einfach nicht vorstellen, wie anstrengend es ist, zu arbeiten und Elternteil zu sein. Du lebst anderen vor, worauf sie verzichten müssen, weil sie das Geld nicht haben: Zeit, eigene Klamotten zu nähen. Zeit, einen Kuchen zu backen. Zeit für sich, Zeit für Körperpflege, Zeit, die nicht als Lohnabhängiger verbracht werden muss. Du hast wegen Deiner Privilegien vergessen, wie es ist, von seiner Arbeit leben zu müssen, und schaust jetzt von außen auf "diese Leute" - und das ist widerlich.


  4. Registriert seit
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    AW: "Du hast ja Zeit zuviel" - Kind in der KiTa, Mann auf der Arbeit, Mama Zuhause.

    Man kann der TE nur wünschen, dass sie einen guten Ehevertrag hat. Ansonsten finde ich dieses Verhalten nicht privilegiert sondern sträflich leichtsinnig!
    Just breathe!

  5. Inaktiver User

    AW: "Du hast ja Zeit zuviel" - Kind in der KiTa, Mann auf der Arbeit, Mama Zuhause.

    Ich habe da eine etwas andere meinung. Nein, die Neider finde ich auch nicht toll. Die können ihre Sprüche lassen.
    Ja, jeder soll sein Leben leben, wie es ihm passt. Man hat nur eins.
    Aber Du wirst diese Leute nicht davon abhalten können, es immer wieder zu äußern.

    Was ich aber immer erschreckend finde, dass viele denken, es ist alles in Stein gemeißelt.

    Niemals, n i e m a l s, wird die Partnerschaft in die Brüche gehen.
    Man wird immer so sicher leben.

    Das ist doch nicht wahr. Und wenn es dann passiert, dass es kriselt, kann man nicht mit Selbstbewußtsein sagen: dann gehe ich eben!
    Nur darum würde ich versuchen, nicht so große Brüche in der Arbeitsbiografie zu haben. Ein bisschen arbeiten, damit man einen Fuß in der Tür behält.
    Mein Bruder ist letztes Jahr tot umgefallen und war nicht abgesichert. Seine Frau, 10 Jahre zu Hause und Luxus gewöhnt, hat jetzt nichts mehr.

  6. Inaktiver User

    AW: "Du hast ja Zeit zuviel" - Kind in der KiTa, Mann auf der Arbeit, Mama Zuhause.

    Ich würde das trennen. Das, was die anderen sagen, kann dir egal sein und mit Menschen, mit denen du nur Stress hast, kannst du den Kontakt auf's Nötigste begrenzen.

    Wichtiger ist, was du willst. Bist du mit der Situation glücklich oder nicht? Willst du zuhause bleiben oder willst du arbeiten? Falls du arbeiten willst, unter welchen Rahmenbedingungen? Wenn ihr so viel Geld habt, könntest du ja auch eine neue Ausbildung oder ein Studium machen (sofern du das möchtest). Die Zeit drängelt ja nicht. Das sind die Fragen, mit denen ich mich beschäftigen würde und nicht damit, was die Leute sagen oder denken.

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man hauptsächlich dann angegriffen wird, wenn man Unsicherheit ausstrahlt/mit der Situation nicht wirklich zufrieden ist. Aber natürlich gibt's auch Menschen, die "müssen" grenzüberschreitend sein - egal, wie der andere sich präsentiert. Da hilft nur "Ohren auf Durchzug und Tschüss."


  7. Registriert seit
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    AW: "Du hast ja Zeit zuviel" - Kind in der KiTa, Mann auf der Arbeit, Mama Zuhause.

    Liebe Holleyshiftwell,

    wenn ich Deinen Text lese, gehen mir viele Dinge durch den Kopf ...

    Und ich gebe zu, wenn ich Deinen Tagesablauf so lese, ist meine erste Reaktion auch: Neid. Fünf Tage die Woche vormittags Zeit für sich zu haben ist Luxus! Auch vor dem Hintergrund, dass Dein Sohn die ersten drei Jahre zuhause war. Andererseits muss ich ehrlich sagen, dass ich persönlich diese viele Zeit - trotz 15 Monate alter (und nebenbei noch extrem lebhafter) Tochter - gar nicht genießen könnte. Ich brauche das Gefühl, auch "außer Haus" Leistung zu bringen - wenn Du so willst, Bestätigung.

    Allerdings würde es mir nie einfallen, jemanden, der so lebt wie Du, anzufeinden - oder patzige Emails auf gutgemeinte Rezepte zu schreiben. Ich glaube zwar nicht, dass wir im realen Leben befreundet wären, aber das wohl eher, weil unsere Themen sich kaum überschneiden würden. Was aber bei vielen anderen Konstellationen auch zutrifft, ohne dass es ein Problem für irgendjemanden darstellt. Ich bin einfach der Meinung, jeder so wie er mag. Solange es für Euch beide passt, gibt's doch gar kein Problem.

    Was allerdings Deinen Vergleich mit Müttern von früher betrifft: Ich glaube, der hinkt. Das war eine andere Zeit. Eine Zeit, wo frau nicht nur weniger arbeiten musste, sondern auch (u.a. deshalb) weniger wert war. Ich möchte das Rad deshalb nicht zurückdrehen.

    Eines möchte ich aber schon noch anbringen: In Zeiten immens hoher Scheidungsraten hoffe ich, dass Du Dich für's Alter ausreichend absicherst und auch im Falle einer Trennung noch von Deiner Altersvorsorge leben kannst. Wenn Du auch vor der Schwangerschaft nur einen 450 Euro Job hattest, ist das doppelt wichtig!!

    Und ein Gedanke drängt sich mir zu guter Letzt auch noch auf: Wärst Du ein Mann, wären die Reaktionen auf Dein Lebensmodell wohl noch extremer.

  8. Avatar von marylin
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    AW: "Du hast ja Zeit zuviel" - Kind in der KiTa, Mann auf der Arbeit, Mama Zuhause.

    Es geht die Leute einfach nichts an. Und genau das würde ich ihnen auch sagen. Neidisch? Ja, ich denke schon.
    Sicher, viele MÜSSEN arbeiten gehen und haben ein anstrengenderes Leben - aber dafür kann die TE nix.

    Nicht die TE macht hier was falsch, sondern den Menschen, die meinen ihren Senf dazugeben zu müssen, fehlt es an guten Benehmen.
    Bevor man anfängt zu reden, könnte man sich überlegen:
    Ist es wichtig?
    Ist es wahr?
    Und ist es besser, als die Stille?



  9. Registriert seit
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    AW: "Du hast ja Zeit zuviel" - Kind in der KiTa, Mann auf der Arbeit, Mama Zuhause.

    Oje ich kenne diese Problematik nur zu gut. Meine Kinder sind zwar mittlerweile groß, aber auch zu meiner Zeit wurde man schon gerne mal angefeindet, wenn man sich erlaubte, für die Kinder zuhause zu bleiben.

    Es ist heutzutage leider so, dass in vielen Familien beide arbeiten müssen, damit es fürs Leben reicht. Es steht also ein Zwang dahinter und viele reden sich das schön, indem sie die Fakten so verbiegen, dass diejenigen, die sich Zeit für ihre Kinder nehmen, in negatives Licht stellen. Dazu gehört meist auch eine ordentliche Portion Neid.

    Ich bin auch heute noch der Meinung, dass es nur positiv ist, wenn man einen Großteil der Zeit mit seinen Kindern verbringt. Kindergarten gehört auch mit dazu. Die Kinder lernen hier Sozialverhalten in der Gruppe, das kann man zuhause nicht vermitteln. Es ist sozusagen eine Vorbereitung für die Schule.

    Du machst es aus meiner Sicht genau richtig. Gibst die Kinder halbtags in den Kindergarten. Ich hab immer Probleme, wenn nicht berufstätige Mütter ihre Kinder ganztags in den Kiga geben. Da frage ich mich dann auch, was die Mütter den ganzen Tag machen. Aber halbtags ist notwendig, damit die Kinder Sozialverhalten in der Gruppe erlernen.

    An deiner Stelle würde ich jegliche Diskussion zu dem Thema abblocken. Es ist deine Sache wie du das regelst. Es ist auf jeden Fall für die Kinder positiv, wenn du viel zeit für sie hast. Auch wenn das die Riege der berufstätigen Mütter das nicht so sieht.

    Ich bin in solchen Situationen immer sehr forsch vorgegangen. Klar gesagt, dass das meine Sache ist und man mich mir diese "Neidanfälle" doch ersparen sollte.

    Mir persönlich war es immer wichtig, dass ein Großteil der Erziehung durch mich erfolgte und nicht durch fremde Personen z.B. im Kiga.

  10. Inaktiver User

    AW: "Du hast ja Zeit zuviel" - Kind in der KiTa, Mann auf der Arbeit, Mama Zuhause.

    Ich denke nicht, dass man auf alles, das man kritisch sieht oder nicht mag, automatisch neidisch ist.

    Ich glaube auch nicht, dass jede Frau auf's Zuhausebleiben neidisch ist. Es bekommt auch nicht jedem - manche brauchen die Beschäftigung außer Haus. Da geht's ja nicht nur um's Geld.

    Ich schreibe das, weil es mir selber so geht. Ich habe die letzten Jahre von zuhause gearbeitet und immer beim Außeneinsatz gemerkt, wie sehr ich aufblühe. Ich bin froh, wenn ich wieder einen Job außerhalb der eigenen 4 Wände habe und Neid auf's Zuhausesein wäre daher das letzte, das mir gerade einfallen würde.

    Und ich glaube, damit bin ich nicht alleine.

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