Liebe Ildikò von Kürthy,
vielen Dank für Ihren gut gemeinten Hinweis an den Rest der deutschen Frauen, Kinder zu kriegen. Ihrem Artikel ist zu entnehmen, dass Sie diese Empfehlung an andere Frauen aussprechen, nachdem Sie selbst erfahren haben, wie es ist - das Leben mit einem - vorerst - Kleinkind - nämlich einfach schön. Schade nur, dass Sie das nicht einfach gerade heraus sagen, sondern dass man bei Ihnen (wie meist) in einer etwas primitiven vulgären Sprache von den normalen Tätigkeiten und Beschäftigungen eines Kindes im Alltag lesen muss. Natürlich haben Sie Recht: wir haben zu wenig Kinder und unsere Regierung reagiert nun endlich darauf.Aber der Grund dafür liegt sicher nicht nur in der Politik unseres Landes. Wenn Frauen und Männer heute mit 34 anfangen zu überlegen, ob sie Kinder bekommen wollen oder nicht, dann zeugt das von einer Reifeverschiebung in ihrer Entwicklung. Die Ursache hierfür liegt meiner Einschätzung nach in der übertriebenen Individualbetreuung und -zuwendung eines Kindes im Westen der Bundesrepublik, die heute eben schon weit vorgeburtlich beginnt. Es wird Kindern zu wenig abverlangt auf dem Weg zur Selbstständigkeit. Das Resultat ist, dass viele 30jährige Kinder eben solche Entscheidung nicht zu treffen in der Lage sind. Es ist sicher nicht schlimm, für das Lebensglück wichtig oder gar verwerflich, keine Kinder zu wollen. Es ist schlicht egoistisch. Wobei die Vokabel egoistisch nicht unbedingt nur negetiv zu sehen ist. Es ist auch nicht ungeheuer mutig, sich gegen Kinder zu entscheiden, nur weil unser Land und "Bestseller-Autoren" gerade eine "Kriegt-Kinder-Campagne" starten. Mit Sicherheit ist es für den Einen oder anderen die bessere Entscheidung, keine Kinder zu bekommen. Trotztdem bin ich mit Ihrem Mütter-Bild, auch dem, was häufig in der "Brigitte"vermittelt wird, nicht einverstanden.
Vielleicht vergessen Frauen die Pille und Männer die Kondome aus der schlichten Verliebtheit heraus? Bekannlich ist dieser ein Zustand, in dem nicht alle Entscheidungen rational gefälllt werden können, und das ist wahrscheinlich auch gut so. Aber die anschließenden sind es dafür umso mehr. Nicht jede Mutter, die sich für den Hausfrauenjob entscheidet, ist ein "Relikt aus der Steinzeit", an der die Entwicklung vorbeigeht. Und nicht jede berufstätige Mutter ist eine Karrierefrau, geschweige denn eine "karrieregeile Pseudomutter". Die eigene Erziehung prägt das Verhalten als Mutter. Natürlich stellen die äußeren gesellschaftlichen Bedingungen wesentliche Einflüsse auf die Lebensgestaltung mit einem Kind dar. Und natürlich ist es absolut gut, was Frau von der Leyen hier in Bewegung gebracht hat, um diese äußeren Bedingungen zu optimieren. Allerdings haben die Medien mit ihren Zitaten, Berichten und Interviews von Experten einschließlich Ihres Artikels ebenfalls einen nicht unerheblichen Einfluß auf junge Menschen. Und in hier wird oft etwas vermittelt, pauschalisiert und verurteilt, was einfach nicht stimmt: Babys kotzen und schreien nicht ständig, es gibt Kinder ohne "Drei-Monats-Koliken" und Pilzinfektionen und Möglichkeiten, Karottenflecken und Urinpfützen auf Teppichen und Badetüchern zu verhindern - man nennt das Lebenskompetenz und es ist erlernbar! Vor allem aber ist eine Kinderkrippe nicht schädlich und wird auch nicht gerade neu erfunden - das ist der Tenor, der immer und überall herauszulesen ist. Von 17 Millionen Ostdeutschen, die seit 1990 zur Bundesrepuplik gehören, haben sicher 90% die ersten drei Lebensjahre in einer Kinderkrippe verbracht.Bisher konnnte ich noch nirgends lesen, dass eine signifikante Zunahme an psychischen und psychiatrischen Behandlungen seit dieser Zeit zu bemerken war.
Wenn von berufstätigen Müttern die Rede ist, wird immer der Begriff "Karriere" benutzt. Haben Sie auch mal die vielen Einzelhandleskauffrauen, Kassiererinnen in den Supermärkten, Bäcker-, Metzger- oder Fischverkäuferinnen gefragt, ob sie sich in Ihrer "Karriere" behindert fühlen durch ihr Kind? Diese Frauen umgehen wahrscheinlich die Krippenplätze, weil sie derzeit einfach noch zu teuer sind. Wir sollten Möglichkeiten für alle schaffen und dabei jede Schicht und Ausbildungstufe berücksichtigen. Und vor allem sollten wir aufhören, Frauen zur Rechenschaft über ihre Lebensgestaltung aufzufordern und Druck auf Frauen und Männer auszuüben. Die Erziehung eines Kindes zu einem selbstständigen mündigen Menschen ist mit Sicherheit die schwerste Aufgabe, die man im Leben erfüllen kann - ob sie die schönste ist, muss jeder allein entscheiden dürfen!
Mit freundlichen Grüßen
Peggy Kaim-Qasem, 41 Jahre, Kinderkrankenschwester, OP-Schwester, Pflege- und Gesundheitswissenschaftlerin und -pädagogin, derzeit tätig als Referendarin an beruflichen Schulen, in 2. Ehe verheiratet, drei Kinder: 16, 15, 7
Biberach, Baden-Württemberg
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07.09.2008, 18:12
AW: Kinderwunsch: Ein Kind oder keins?
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09.09.2008, 19:06
AW: Kinderwunsch: Ein Kind oder keins?
Als Mutter zweier Töchter von denen eine zwei Kinder (absolut gewollt) hat, während die andere ihre Nichte und Neffen zwar heiß und innig liebt, für sich selbst jedoch Kinder (wenn überhaupt) in noch sehr sehr weiter Ferne sieht habe ich Verständnis für beide Einstellungen und Lebensentwürfe. Wenn man wie ich die Entwicklung und Eigenarten der eigenen Kinder verfolgen konnte, ist es nur zu logisch die Entscheidungen für bzw. gegen Kinder nachvollziehen zu können. Hüten wir uns doch vor dem erhobenen Zeigefinger "Du wirst schon sehen......".
Jede Entscheidung, allein bzw. mit dem Partner getroffen, soll und muß man akzeptieren. Die Betroffenen müssen schließlich in erster Linie damit leben. Schlimm finde ich "Moralin tropfende" Kommentare in Bezug auf die ach so Karriere geilen Frauen, welche ja alle nur ihr Ego pflegen genauso wie Aussprüche, daß ein Leben nur einen Sinn mit Kindern macht.
Bedenklich finde ich allerdings die Aussage der Psychologin Angela Voß, daß man ohne Kinder mehr Zeit für intensive Beziehungen hat und mehr Möglichkeiten aus seinem Leben etwas zu machen
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Das empfinde ich, seit 33 Jahren fast nur Hausfrau und Mutter, schon fast als Beleidigung. Jeder hat die Möglichkeit Beziehungen zu pflegen, das soll nämlich auch im privaten, häuslichen Bereich mit vielen Freunden und Bekannten gehen. Oder braucht man dazu grundsätzlich die Voraussetzung "raus zu gehen". Möglichkeiten aus meinem Leben etwas zu machen habe und hatte ich in meinem Leben genug, es kommt doch wohl darauf an seine Chancen zu nutzen und sich entsprechend seiner Neigungen weiter zu bilden.
Wer sagt, daß man sich als Hausfrau und Mutter über nichts anderes unterhalten kann als über Kinder und Haushalt.
Hüten wir uns doch vor allzu schnellen Pauschalierungen.
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10.09.2008, 10:43Inaktiver User
AW: Kinderwunsch: Ein Kind oder keins?
Ich bin zwar nicht Frau v. Kuerthy, aber ich kann Ihnen hierin nur uneingeschraenkt zustimmen. Die mir besonders wichtigen Passagen habe ich hervorgehoben.
Zitat von kaimqasem
Allerdings erkenne ich in der Entscheidung fuer Kinder ein ebenso geruettelt Mass an Egoismus (ob der sich dann nicht in etwas ganz anderes verwandeln muss, ist damit noch gar nicht angesprochen) wie Sie ihn bei den bewusst Kinderlosen veranschlagen.
Kinder zu wollen ist immer auch zum Teil Egoismus- sei es der Egoismus, die eigenen Gene weitergeben, nicht das Ende der Familienlinie sein zu wollen, sei es, etwas "Eigenes" oder etwas Paarverbindendes zu zeugen, bishin zum Trend (?), ein ganz der Frau zugehoeriges "(Weiblichkeits? Identitatets?Projekt" zu kreieren (s. von vorneherein auf den Mann verzichtende, sich mit dem Kind fast wie mit einem Accessoire schmueckende Prominente wie Mimi Driver; ich meine damit nicht die (un)freiwillig Alleinerziehenden, bei denen sich der Vater verabschiedet hat oder aus guten Gruenden verabschiedet wurde)- , aber natuerlich ein Egoismus mit anderen, vorher nicht ueberblickbaren Folgen.
Ganz zustimmen kann ich Ihrem Bauchgrimmen angesichts des schemenhaft gespaltenen und verbreiteten entweder/oder- Mutterbildes (in Medien, Politik, aber leider auch in vielen 'privaten' Koepfen), als auch Ihrem Schlussappell:
Zitat von kaimqasem
Danke fuer Ihren Beitrag.
Liebe Gruesse,
dampfmaschineGeändert von Inaktiver User (10.09.2008 um 10:49 Uhr)
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10.09.2008, 13:14
AW: Kinderwunsch: Ein Kind oder keins?
Hallo!
Ich finde Frauen, die keine Kinder bekommen, überhaupt nicht mutig, im Gegenteil! Sie wählen einen bequemen Weg und gehen Verantwortung und auch vielen Sorgen aus dem Weg und brauchen sich nur um sich selbst zu kümmern.
Das soll kein Werturteil sein, denn wäre ich heute jung, so weiß ich beim besten Willen nicht, ob ich angesichts der nicht besonders rosigen Zukunftsaussichten und der unbestrittenen Tatsache, dass 50 Prozent aller Ehen (zusammen mit unregistrierten Partnerschaften sind es vielleicht noch viel mehr!) auseinander gehen, Kinder haben wollte oder nicht.
In bezug auf Enkelkinder sage ich z.B. immer: diese kostbaren kleinen Wesen bleiben besser ungeboren.
Junge Eltern dagegen (wenn sich nicht einer sozialen Schicht angehören, die sich überhaupt keine Gedanken macht) sind heute extrem mutig, finde ich!
Sie beweisen Vertrauen in die Zukunft und ins Leben, und das sehe ich sehr positiv!
Aber mal was ganz anderes...
In dem Artikel steht, dass heute 26 Prozent der Jungs ANALPHABETEN sind!
Wo kommt denn DIESE Statistik her?
Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen oder stimmt das etwa? Nach allem, was ich googeln konnte, sind es 5 Prozent der Gesamtbevölkerung.
Weiß jemand Näheres?
LG
LaliqueGeändert von Lalique (10.09.2008 um 13:20 Uhr)
Do what makes your heart sing
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10.09.2008, 15:31
AW: Kinderwunsch: Ein Kind oder keins?
Lorenz, du weißt doch ganz genau, dass der Mensch zur Zeit nicht in der Gefahr steht, "auszusterben". Im Moment sterben x Kinder täglich an Hunger und Armut, Frauen kriegen ein Kind nach dem anderen, weil sie nicht selbst entscheiden können! Geht dein Gesichtskreis nur bis zu den Grenzen der "Ersten Welt", oder was? Oder traust du dich nicht, klar zu sagen, dass es dir beim "Aussterben" nicht um "die Menschen", sondern um die ach so wertvollen "Deutschen" geht???
Zitat von LorenzM
"That life exists/
And identity/
That the powerful play goes on/
And you may contribute a verse."
Walt Whitman
“Eine Gesellschaft, die ihre Freiheit zugunsten ihrer Sicherheit opfert, hat beides nicht verdient.”
Benjamin Franklin
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10.09.2008, 15:32
AW: Kinderwunsch: Ein Kind oder keins?
Wenn du ein Handwerker wärest, der brauchbare Lehrlinge sucht, würdest du vielleicht anders denken.
Zitat von Ariela
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10.09.2008, 15:34
AW: Kinderwunsch: Ein Kind oder keins?
haha, wer oder was stirbt da aus? die freiwillig kinderlosen? wird es immer geben. meine familie? ja und? uns gab es doch, wir haben existiert! und sind unsere gene toller als die von anderen, dass sie um jeden preis weitergegeben werden müssen? "die deutschen"? und wer ist das? hier geborene? hier geborene, deren eltern woanders geboren wurden? leute mit deutschem pass? amerikaner würden sich die haare raufen!!
Zitat von LorenzM
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10.09.2008, 15:37
AW: Kinderwunsch: Ein Kind oder keins?
also doch, wie vermutet.
Zitat von LorenzM
es geht um die tollen "Deutschen".
wen stört es denn bitte, wenn der großteil der auf diesem geografischen gebiet lebt, irgendwann von woanders kommt? ist in den usa doch auch so. deutschland ist im übrigen ein kunstgebilde aus lauter fürstentümern, zwischen denen auch fröhlich hin- und her migriert wurde. das ist doch alles absurd.
stattdessen sollte man sich eben um die kinder kümmern, die JETZT hier leben. was interessiert es uns denn, woher deren vorfahren kommen? wer so schreibt, muss sich den vorwurf des rassismus schon gefallen lassen."That life exists/
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Walt Whitman
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10.09.2008, 15:40
AW: Kinderwunsch: Ein Kind oder keins?
ach, ist da den "deutschen" was besseres in die wiege gelegt, qua genpool??? das sind doch wohl soziale probleme!!! dann verbessern wir doch die startchancen derjenigen, die hier leben, egal, ob migrantenkinder oder nicht, ich glaub mein schwein pfeift! in den usa gibt es auch genug soziale probleme, aber bei der definition eines "amerikaners" würde niemand auf die idee kommen zu sagen: "ohne migrationshintergrund"! was wäre das für ein ausgemachter schwachsinn!
Zitat von LorenzM
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10.09.2008, 15:46
AW: Kinderwunsch: Ein Kind oder keins?
Gähn!!!! Was ist mit Verantwortung für Partner, Freunde, Eltern, Beruf, politische Ämter, große Ziele? Und glaubst Du ernsthaft, ich habe weniger Probleme als Leute mit Kindern??? Wessen Leben ist bitteschön "bequem"? Wieso ist es nicht möglich, verschiedene Lebensentwürfe als gleichwertig anzuerkennen? Warum muss man immer den jeweilig anders lebenden Leuten negative Attribute zusprechen? Werfe ich Eltern vor, sie wollten zum Beispiel:
Zitat von Lalique
- bedingungslose Liebe über Kinder erleben?
- dass ihnen endlich mal jemand gehorcht?
- sich ungestört ins Private zurückziehen und sich um die Probleme der Welt nicht mehr kümmern?
- einfach sein wie die Mehrheit?
- die Sinnfrage bequem erledigen?
DAS WÄRE DOCH AUCH BLANKER UNSINN, ODER?"That life exists/
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