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  1. Avatar von Hornilla
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    AW: Schulstress 2008 - was hilft unseren Kindern?

    Zitat Zitat von MarionZ
    Ich dachte zuerst: endlich mal ein Artikel über Schule, in dem nicht auf den Lehrern rumgetrampelt wird und in dem diese nicht als Ursache allen Übels angesehen werden. Dann kam hier online doch wieder so eine Bemerkung:
    ". Gut ausgebildete Pädagogen und keine Fachidioten, die menschlich zum Teil auch noch erhebliche Schwächen haben. Supervision für Lehrer!!"
    Klar, die Fachidioten gibt es auch, wie in jedem anderen Job, aber vielleicht sieht man auch mal die anderen, die sich ein Bein ausreißen, um Kinder zu erziehen, die nicht mal die Grundlagen der Höflichkeit zu Hause gelernt haben und null Ergeiz zeigen, die vom zerütteten Elternhaus so zermürbt sind, dass kein Englisch oder Mathe mehr in die Köpfe passt, denen neben Tennis, Musikschule, etc und Leistungsdruck, von den Eltern aufgebaut
    ("3 ist eine schlechte Note") keine Zeit mehr für andere Sachen bleibt..., die agressiver Verhaltensweisen entwickeln, weil in ihnen fast etwas explodiert. Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, Hyperaktivität, extreme Forderung nach Beachtung durch störendes Verhalten-
    Ich könnte in dieser Richtung mindestens genausoviel beitragen, wie die notorischen Lehrerhasser.
    Aber lassen wir das und bleiben bei dem von Ihnen angeregten Thema.
    Auch ich finde die Stauchung der Schuljahre inklusive des Unterrichtsstoffes völlig daneben. (Stopfgans war ein gutes Beispiel)
    Ich unterrichte schon mehrere Jahrzehnte (nicht als Fachidiot, sondern anerkannter Weise nach modernen Methoden!).
    Aber wie soll man einen Stoff mit interessanten Medien und Unterrichtsformen, die ich sehr gut finde und so oft es geht einsetze, vermitteln, wenn man die Bruchrechnung in 2 Monaten "durchbringen" muss, inklusiver aller Anwendungen, Sonderfälle, Textaufgaben, zusätzliche Übungen mit 32 Kindern? (Vielleicht kann das einer von den Schlaumeiern besser?).
    Mit bestem Willen, Können und Flexibilität - das geht nur über Leichen, die man zurücklassen muss, was ich immer sehr bedauerlich finde. Neben dem Stress, der sachbedingt da ist, werfen einem oft Eltern Steine in den Weg,weil sie denken, man will ihrem Kind etwas ( es gibt auch sehr kooperative Eltern, aber leider kommen die Eltern der Problemfälle oft nicht, die verhindern, dass ein entspannter Unterricht möglich ist.)
    Ein guter Anfang - ihr Artikel, aber um konstruktiv zusammenarbeiten zu können, sollten auch mal die alten Zöpfe der Lehrerschelte von allen überdacht werden! Auch ein Lehrertag hat nur 24 Stunden, von denen ich - zum Leidwesen meiner Familie (wie war das doch noch mit der Forderung arbeitender Mütter?) 10 Stunden irgendetwas für Schule oder Schüler mache (inkl. Sonn- und Feiertag).
    Marion, ich danke Dir dafür, dass Du mir das Wort aus dem Mund genommen hast! So ersparst Du mir eine Menge Schreibarbeit!
    Es ist genauso, wie Du sagst. Ich bin Lehrerin an einem Gymnasium. Bei uns gibt es in der Mehrheit sehr engagierte Lehrer, die sich ernsthaft um das Wohl der Schüler sorgen und sich auch dafür einsetzen. Kinder, die sich unter extremem Leistungsdruck fühlen, erleben diesen meist eher zu Hause und suchen bei uns Lehrern Hilfe.
    G8 - so wie es umgesetzt wird - ist für alle Beteiligten nicht das Gelbe von Ei. Man vergleicht uns hier mit anderen Ländern, nicht bedenkend, dass in anderen Ländern flächendeckend Ganztagsschulen eingeführt wurden, und das schon vor ewigen Zeiten. Ich habe an einer englischen Schule gearbeitet und gesehen, wie es da abläuft. Die Kinder fangen um 9 Uhr an - was ich für sehr vernünftig halte -, und der Unterricht dauert bis 16 Uhr. Hausaufgaben werden weitgehend in der Schule erledigt, zumindest bei jüngeren Schülern.
    G8 gibt es da nicht, da das Abi zwar mit 18 Jahren gemacht wird, die Kinder aber mit 5 eingeschult werden, de facto also 13 Jahre zur Schule gehen.
    Abgesehen davon sollte man mal bedenken, ob man den Berufseintritt der Abiturienten auch dadurch nach vorne verlegen könnte, dass man die absurd langen Studien verkürzt. In GB ist ein Lehrer mit 23 fertig ausgebildet. Meine Freundin dort hatte mit 28 eine Führungsposition an ihrer Schule. So geht es auch.

    Ich war sehr neugierig auf das Brigitte-Dossier, weil es angekündigt wurde mit den Worten: "Warum unser Schulsystem nicht funktioniert ... auch für Lehrer". Statt dessen lese ich nichts Positives, das uns Pädagogen mal in ihrer Arbeit bestärkt. Langsam ärgert mich das.

    LG Hornilla
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  2. Avatar von Hornilla
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    AW: Lehrermobbing trägt zur Bildungsmisere bei!

    Zitat Zitat von nynaeve
    Tut mir leid, dass ich darüber gemeckert habe, dass wir Lehrer
    nicht zu Wort kommen durften, aber:
    Liebe Frau Karnick (und alle anderen Beteiligten)
    Sie mögen das mit dem Konzept des Dossiers rechtfertigen, das verstehe ich auch, aber

    In dem Dossier kamen zahlreiche Mütter zu Wort!
    Wirklich!
    und

    Das Dossier ist nur eine Medienaktion von vielen zu dem Thema,
    mindestens seit dem PISA Studien ist es völlig eskaliert,
    aber nie, wirklich wirklich nie, dürfen die Lehrer mal etwas sagen oder sich auch nur verteidigen (ich kann mich an die Fernsehdiskussionen nach PISA gut erinnern!) Allenfalls der eine oder andere politisch-ideologisch gut eingenordete Schulleiter durfe mal auf seinen Untergebenen herumhacken!
    Ich will ja mit den Eltern ins Gespräch kommen, aber das geht nur, wenn meine Meinung auch mal etwas zählt und wenn auch Eltern einsehen, dass sie nicht alles richtig machen!

    Sie meinen, dass ich hier einen Nebenkriegsschauplatz aufgemacht habe. Das stimmt nicht.
    Eines der ersten Postings beschimpfte doch direkt wieder Lehrer als Psychokrüppel. Tut mir leid, so geht das einfach nicht mehr.
    Auch das deutschlandweite "Hobby" Lehrermobbing zieht die Qualität von Schule und Unterricht herunter.
    Sie können sich mit Sicherheit nicht vorstellen, wie das ist, wenn einem allerorten so viel HASS (und das ist wirklich HASS) entgegen schlägt. Auch wenn man durchaus arbeits- und reformwillig ist usw. Das geht tatsächlich auf die Psyche!
    Ich habe erlebt, dass Leute nett und freundlich waren - bis zu der Sekunde, wo sie erfuhren, was ich beruflich mache!
    Richter entscheiden, dass Schüler ihre Lehrer im Internet anonym benoten dürfen, gegen Cybermobbing extremster Art wird nichts unternommen.
    Natürlich benoten wir Schüler und Noten, das weiß ich, sind ein zweischneidiges Schwert. Aber: ein Schüler weiß z.B. immer welcher Lehrer ihm welche Note gegeben hat. Und kein Lehrer würde je einen Schüler im Internet bloßstellen! Und ich bin sicher, wenn es jemand von uns täte, würde uns keine Verbeamtung davor retten, fristlos entlassen zu werden, ja eine Freiheitsstrafe zu bekommen. Und das ist auch richtig so. Aber bei Schülern kann man nicht einfach nur lachen/ignorieren oder mal kurz "dududu, das darf man aber nicht" sagen. Das ist aber das, was passiert.Kein anderer Berufsstand wird so fertig gemacht, wie wir. Schüler fühlen sich dementsprechend im Recht, wenn sie nicht mitarbeiten, den Unterricht stören usw. Das sind ja nur die Sch...Lehrer. Natürlich sind das nicht alle Schüler und auch nicht alle Lehrer, aber eben zu viele.
    Die meisten Menschen sind sofort bereit von jemandem das Schlimmste anzunehmen, nur weil er/sie Lehrer/in ist.
    Nein, ich bilde mir das nicht ein. Und wie soll das der Schule oder den Schülern helfen. Die meisten von uns sind offen für konstruktive(!) Kritik und Vorschläge. Ja, wir freuen uns sogar, wenn Eltern und Öffentlichkeit sich für Schule und Bildung interessieren und engagieren.

    Der despotische Lehrer, der seine Schüler quält, den halben Tag nichts tut und zwölf Wochen im Jahr mit dem Wohnmobil durch Südfrankreich gondelt ist wirklich ein Mythos.
    Wir sind alles mögliche, aber ganz sicher keine mächtigen oder machtgierigen Monster, die vor allem arme kleine Zehnjährige in ausschließlich böser Absicht in "gut" und "schlecht" sortieren...

    Ein bißchen über mich:
    Ich hatte selbst am Ende der 4. Klasse eine Realschulempfehlung! Und im Abi nur 2,5!
    Ich unterrichte Englisch und hatte in der 6. Klasse eine 5(!) in diesem Fach! (beim Abi eine 1!) Ich hatte im Laufe meiner Schulzeit zusammengenommen etwa 20 Nachhilfestunden (in Englisch und später mal in Mathe, als ich ein bestimmtes Thema nicht so schnell verstanden habe.)
    Ich fand die meisten meiner Lehrer mittelmäßig (mich selbst übrigens ehrlich gesagt auch). Es gab eine Sportlehrerin, die ich auch heute noch schlecht finde und einen Deutschlehrer der total super war. Und so denke ich sieht es realistisch betrachtet in den meisten Fällen aus.

    Ich arbeite an einem Gymnasium mit noch relativ vielen engagierten Eltern und relativ netten Schülern.
    Aber was ist mit den Lehrern, die an Schulen in sozialen Brennpunkten arbeiten? Was ist mit den Kolleginnen und Kollegen in Berlin-Neukölln? ......

    Und- weil immer wieder die Skandinavier zitiert werden (Finnland, Schweden usw.): die Lehrer dort mögen weniger verdienen, aber:
    sie haben (ob Sie's glauben oder nicht!) weniger Unterrichtsstunden und eine viel höhreres Ansehen in der Gesellschaft!
    Ich weiß das übrigens aus erster Hand, weil ich mit skandinavischen Lehrern gesprochen habe. Auf einer internationalen Fortbildung für Englischlehrer, an der ich vor ein paar Jahren in meinen Sommerferien teilgenommen habe...
    Auch hierzu

    Die Lehrer immer als Sündenböcke abstempeln - das läuft nicht mehr! Und ich finde durchaus, dass in einem solchen Dossier ALLE Betroffenen das Recht haben sollten, zu Wort zu kommen. Die meisten Lehrer arbeiten nämlich nicht - wie es unterschwellig immer unterstellt wird - gegen Schüler und Eltern, sondern mit ihnen zusammen.
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  3. Registriert seit
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    smirk AW: Schulstress 2008 - was hilft unseren Kindern?

    Liebe Frau Karnik,

    den Reaktionen nach haben Sie in ein riesiges Wespennest gestochen! Das meine ich wörtlich. Alle, die irgendwie betroffen sind schrecken auf und summen wild durchreinander! Doch - wie Sie schon anmerkten, es kommt nichts bei raus!
    Unser Schulsystem krankt, in NRW, wo ich lebe, besonders!! Das Turboabitur ist mehr als mit heißen Nadeln gestrickt worden. Das neue Kindergartengesetz (KIbitz) ist sowas von weltfremd und theretisch!!
    Ich weiß nur nicht, wie wir in unserer förderalem Gesellschaft das Bildungssystem ändern können. Jedes Bundesland kocht sein Süppchen für sich.
    Sicherlich brauchen wir kleinere Klassen, max. 20 Kinder und kleinere Kindergartengruppen (15 Kinder). Besonderes Personal für die Problemfälle, sogenannten Problemkinder. Und natürlich auch Ganztagsschulen. Alles bekannt.
    Doch unsere Politiker setzen mal wieder das Thema aus. Warum, weil der gesellschaftliche Druck fehlt. Vielleicht müßten alle Betroffenen- Eltern, Schüler und Lehrer - auf die Straße gehen!

  4. Avatar von AnnaNym
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    AW: Schulstress 2008 - was hilft unseren Kindern?

    Wir haben drei Kinder. Bei unserem Jüngsten steht jetzt die Entscheidung an, welche Schule er nach der GS besucht. Nach den schlechten Erfahrungen mit unseren älteren Kindern am Gymnasium haben wir uns für die Realschule entschieden. Eine Gesamtschule gibt es hier nicht. Unsere Kinder sind anerkannt hochbegabt aber noch einmal lasse ich kein Kind in eine solche Tretmühle, die ihnen ihre Kindheit madig macht.

    Für die Zukunft meiner Kinder wünsche ich ihnen, dass sie ihre Lebenszeit und -Energie nicht gänzlich ihrem Berufsweg und ihrer Karriere widmen. Dazu ist das Leben eigentlich viel zu kostbar. Sie haben nur dieses eine Leben und sollen es nicht dem Shareholder-Value irgendwelcher Investoren am anderen Ende der Welt opfern.

    Arbeit soll doch eigentlich nur die finanzielle Grundlage dafür bieten, ein Leben in gesicherten Verhältnissen zu führen. Mittlerweile bestimmt sie jedoch unsere Identität, unseren Wert, unser ganzes Leben. Angefangen im Kindergarten, in dem Kinder schon auf Leistung und Individualität geeicht werden sollen, über die Schule, in der sie zunehmend mit Medikamenten wie Ritalin in Spur gehalten und auf individuelle Höchstleistung getrimmt werden bis hin zum Studium, für das sich viele junge Menschen bis über beide Ohren verschulden und mit "notwendiger" Flexibilität und Weltgewandtheit auf Bindungslosigkeit und damit bessere berufliche Verwertbarkeit getrimmt werden. Dabei immer die interationale Konkurrenz im Nacken, die noch ein bisschen leistungsbereiter, flexibler, unabhängiger, verwertbarer ist und sich für noch ein bisschen weniger Geld abrackert.

    In diesem Hamsterrad sind wir selber jahrelang mitgerannt. Erst hat mein Mann Karriere gemacht, dann habe ich noch ein Studium nachgeschoben (mit großem Einsatz und gutem Erfolg) und darüber nachgedacht, ganztags zu arbeiten, um doch noch ein bisschen Karriere zu machen, aber mittlerweile habe ich gemerkt, wie zerbrechlich Beziehungen und die Gesundheit sind. Das ist es mir nicht mehr Wert. Ich möchte meinen Kindern daher auch noch eine andere Welt zeigen, in der es erlaubt ist, sich Zeit zum Spielen und Träumen zu lassen, sich nicht das Letzte abzuverlangen und den guten Wert von Teamgeist und tragenden Beziehungen zu erleben.
    Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute;
    seht euch an, wohin uns die normalen gebracht haben.
    George Bernard Shaw

  5. Avatar von Nocturna
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    AW: Schulstress 2008 - was hilft unseren Kindern?

    Hamsterrad, wie AnnaNym sagte, trifft es sehr gut. Wir waren/sind am Überlegen, ob unser Sohn im G8 weitertreten soll oder nicht. Wenn man sieht, welche Anstrengungen notwendig sind, um auch nur ein durchschnittliches Ergebnis zu erreichen, dann kann man schon die Krise kriegen.

    Allerdings ist in Bayern gerade ein zartes Morgenrot über den Horizont aufgestiegen. Im Hinblick auf die anstehenden Wahlen hat das Kultusministerium gerade die Bonbonschatulle geöffnet und ist am Geschenke verteilen.

    Klassenstärken bis 25 Kinder in der Grundschule, 30 in den weiterführenden, 1000 neue Lehrer (so wir welche finden), im G8 eine Reduzierung des Stoffes in allen Fächern um ein Neuntel, die 1. Fremdsprache wird in der 7. Klasse um eine Stunde gekürzt, kein Nachmittagsunterricht in der 5. Klasse, keine Hausaufgaben an Tagen mit Nachmittagsunterricht, nur „leichte“ Fächer am Nachmittag wie Sport, Reli oder Kunst.

    Zu schön um wahr zu sein, sagte mein Mann heute am Frühstückstisch, dem schließe ich an. Denn der Philologenverband beginnt gerade mit dem kollektiven Jammern über den Niedergang der bayrischen Schulkultur und ich sehe ein Hauen und Stechen kommen. Mal schauen, was von den schönen Plänen übrig bleibt und durchgesetzt wird.

    Wir werden die Sachlage abwarten. Eigentlich wollten wir gegen Endes des Schuljahres entscheiden, ob unser Sohn auf die Realschule wechselt oder nicht. Nun sind wir bereit, das Experiment auf das nächste Schuljahr auszudehnen und schauen uns mal die neuen Bedingungen an, Wunder allerdings, erwarten wir trotzdem keine.
    "Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”


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    AW: Schulstress 2008 - was hilft unseren Kindern?

    Zitat Zitat von Nocturna
    Hamsterrad, wie AnnaNym sagte, trifft es sehr gut. Wir waren/sind am Überlegen, ob unser Sohn im G8 weitertreten soll oder nicht. Wenn man sieht, welche Anstrengungen notwendig sind, um auch nur ein durchschnittliches Ergebnis zu erreichen, dann kann man schon die Krise kriegen.

    Allerdings ist in Bayern gerade ein zartes Morgenrot über den Horizont aufgestiegen. Im Hinblick auf die anstehenden Wahlen hat das Kultusministerium gerade die Bonbonschatulle geöffnet und ist am Geschenke verteilen.

    Klassenstärken bis 25 Kinder in der Grundschule, 30 in den weiterführenden, 1000 neue Lehrer (so wir welche finden), im G8 eine Reduzierung des Stoffes in allen Fächern um ein Neuntel, die 1. Fremdsprache wird in der 7. Klasse um eine Stunde gekürzt, kein Nachmittagsunterricht in der 5. Klasse, keine Hausaufgaben an Tagen mit Nachmittagsunterricht, nur „leichte“ Fächer am Nachmittag wie Sport, Reli oder Kunst.

    Zu schön um wahr zu sein, sagte mein Mann heute am Frühstückstisch, dem schließe ich an. Denn der Philologenverband beginnt gerade mit dem kollektiven Jammern über den Niedergang der bayrischen Schulkultur und ich sehe ein Hauen und Stechen kommen. Mal schauen, was von den schönen Plänen übrig bleibt und durchgesetzt wird.

    Wir werden die Sachlage abwarten. Eigentlich wollten wir gegen Endes des Schuljahres entscheiden, ob unser Sohn auf die Realschule wechselt oder nicht. Nun sind wir bereit, das Experiment auf das nächste Schuljahr auszudehnen und schauen uns mal die neuen Bedingungen an, Wunder allerdings, erwarten wir trotzdem keine.


    Ich muss leider sagen, der Philologenverband "jammert" zu recht - allerdings nicht über den Untergang der bayrischen Schulkultur!!!

    Sondern z.B. darüber, dass man jetzt gerade die viel gelobten Intensivierungsstunden wieder streichen will, die doch immer so als das Herzstück des G8 gepriesen worden sind!

    Dass die Kinder dadurch in der Schule überhaupt keine Möglichkeit mehr zum Üben haben, sondern sich noch mehr Stoff selbst erarbeiten müssen!

    Dass unterstellt wird, exemplarisches Lernen (also ein Fall wird besprochen, der dann von Schülern selbstständig auf andere Problembereiche übertragen wird) würde funktionieren - das tut es leider bei einem Großteil nicht! Kollegen wissen, wovon ich rede...

    Dass gerade Schüler aus Familien, die Nachmittags aus dem einen oder anderen Grund gar nicht "Nachhilfelehrer" spielen KÖNNEN, hier erst recht benachteiligt sind, da dann gar keiner mehr den Stoff mit ihnen einübt...

    Dass man wieder an den falschen Stellen Inhalte streichen wird, weil wieder Leute über Inhalte entscheiden, die seit Jahren oder Jahrzehnten keine Schule mehr von innen gesehen haben...

    Unter anderem darüber "jammert" der Philologenverband - oder glauben sie, dass es in dessen Interesse ist, es den Schülern und auch Lehrern möglichst schwer zu machen, nur um angeblich das Abendland und die Schulkultur zu retten???

  7. Schulstress 2008 - nichts und niemand hilft unseren Kindern!

    Ja, wie recht AnnaNym hat!!! Wir waren die letzten vier Jahre mit unseren Kindern (jetzt 10 und 12) unterwegs (Kanaren-Kapverden-Südamerika) und haben sie selbstunterrichtet. Rund zwei Stunden pro Tag Unterricht in den Hauptfächern haben gereicht, um den Stoff der Heimatschule abzuarbeiten; alles andere (und viel mehr) haben sie unterwegs gelernt (z.B. Kolonialisierung, Armut in der Welt, andere Kulturen, z.B. in Bolivien usw. usf.). - Und, was fast noch wichtiger ist: wir haben unterwegs soviele Menschen getroffen (auch Deutsche), die ohne Abitur ihr Glück (finanziell und persönlich) gefunden haben. Das Einzige, was wir für unsere Kinder wichtig finden, ist, dass sie als Grundlage für die wirtschaftliche (und praktische) Seite ihres Lebens ein Handwerk lernen. Im übrigen: die deutsche Schule insgesamt und im internationalen Vergleich ist eine einzige Katastrophe. Sie mutet den Kindern eine 40-Stunden-Arbeitswoche zu; eine Generation von Bürostuhlhockern, die niemals lernen, kreativ ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Leider wehren sich zu wenige. Und die meisten finden es sogar o.k., leider.

  8. Avatar von Nachtigall
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    38

    AW: Schulstress 2008 - was hilft unseren Kindern?

    Wir sind mitten im Schulstress, und mir reichts jetzt schon! In der 4. Klasse. Jeden Tag Hausaufgabenbetreuung durch mich, NACH der Hausaufgabenbetreuung in der Betreuung (ich bin bis 15:30 arbeiten und um 16:00 zu hause).

    Es ist ein Jammer, meine Tochter will auf das Gymnasium, wobei ich finde, dass die Realschule geeigneter für sie wäre - sie ist sehr schnell frustriert, unkonzentiert, und hat eben nicht die Strebsamkeit, die das Gymnasium erfordert. Jetzt läuft das Ganze auf Druck aus: selbst in den Ferien wird jeden Tag gelernt, gepaukt, auswendig gelernt, Matheaufaben erledigt - die Lehrerinnen geben das über die Ferien auf.

    Meine Tochter ist ansonsten ein fröhlicher und sozialer Mensch, hat Humor, Freunde usw., nur dieser Stress um den Übergang auf die weiterführende Schule macht uns fertig. Ich bin total genervt, weil ich sie dauernd zum Arbeiten anregen und motivieren muss, sie ist deswegen genervt, ich glaube es wird alles zu viel!!

    Was die Vorschreiberinnen teilweise geschrieben haben, leuchtet ein, z.B. dass das Abi auch kein Garant für ein glückliches Leben ist. Viel eher sehe ich sie in einem handwerklichen Beruf. Mir ist rätselhaft, warum sie unbedingt auf das Gymnasium will,sie kann doch nicht ernsthaft eine Vorstellung davon haben!
    nachtigall

  9. Avatar von pelzpfote
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    AW: Schulstress 2008 - was hilft unseren Kindern?

    @Nachtigall
    Da spielen oft ganz andere Faktoren eine Rolle bei den Kindern: ob die Freundin auch geht, was die anderen Kinder über RS oder HS sagen, .... Deine Tochter hat sicher keine Vorstellung, wie es wirklich ist. Aber du musst dich von dem Druck doch nicht anstecken lassen. Wer übt eigentlich den Druck aus? Wenn du der Meinung bist, dass sie auf der RS besser aufgehoben ist (und deinen Beobachtungen nach hast du recht), dann kannst du sie doch nicht "in ihr Unglück" rennen lassen, um es mal überspitzt auszudrücken. Ich denke, der Einfluss der Eltern sollte bei einem 9-10 jährigen Kind schon noch so groß sein, dass die Eltern die Schulart bestimmen und nicht das Kind, das ja gar keine oder falsche Vorstellungen hat. Da ist ein Kind in dem Alter auch total überfordert, wenn es so weitreichende Entscheidungen treffen darf/muss.
    Die Art, wie dich jemand behandelt,
    sagt aus, was für ein Mensch er/sie ist,
    und nicht, was für ein Mensch du bist.

    Quelle unbekannt

  10. Avatar von Hornilla
    Registriert seit
    08.11.2004
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    AW: Schulstress 2008 - was hilft unseren Kindern?

    Pelzpfote, einfach nur zu Deinem Posting. Du sagst haargenau das, was ich auch schreiben wollte.
    Am 3. Juni 2011 kam unsere kleine Maus zur Welt - unser größtes Geschenk!


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