Gestern ging es bei uns im Freundeskreis um Ausländer, die in Deutschland leben und Deutsche hassen. Der Sohn einer Freundin wird in der Schule fertig gemacht, weil er Wurst mit Schweinefleisch isst, Deutscher ist, sogar weil er dunkelblonde Haare hat usw. Es gibt nur zwei deutsche Schüler in der Klasse. Ich denke diese Denkweise kommt von den Eltern der Schüler. Und wir haben gestern darüber diskutiert, warum diese Leute überhaupt in Deutschland leben, wenn es ihnen nicht gefällt.
Im Laufe des Abends hat ein Bekannter, der eine asiatische Freundin hat, erzählt, dass er auf keinen Fall ein eigenes leibliches Baby möchte, das asiatisch aussieht, aber mit einer europäischen Frau könnte er sich ein leibliches Kind vorstellen. Ich musste darüber nachdenken, dass ich schon oft solchen Aussagen im Bekanntenkreis gehört habe, z.B. Leute, die gute schwule Freunde haben, aber voll die Vorurteile gegen Schwule haben. Und dann kam mir so der Gedanke, ob wir nicht alle ein bisschen rassistisch sind bzw. krasse Vorurteile usw. haben. (Ich schreibe hier extra nochmal Vorurteile, weil sich der ganze Text nicht auf Rasse/Ethnie bezieht.)
Was denkt ihr?
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Ergebnis 1 bis 10 von 74
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05.09.2020, 09:07
Sind wir alle ein bisschen rassistisch?
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05.09.2020, 09:28Inaktiver User
AW: Sind wir alle ein bisschen rassistisch?
Rassismus findet man weltweit.
Gab es schon immer und wird es immer geben.
Klischees dazu, wie die, die Du aufführst, gehören dazu.
Ich gehöre zu denen, die so eine Denkweise ablehnen und auch nicht ein bisschen rassistisch sind, Andere halt leider nicht.
Eigentlich muss man nur quer hier durch die Threads lesen, um festzustellen, wie die Antwort auf Deine Frage lautet.
Es gibt alle Ebenen des Rassismus hier.
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05.09.2020, 09:34
AW: Sind wir alle ein bisschen rassistisch?
Für mich sind das unterschiedliche Themen, die Du ansprichst.
Zum oben zitierten:
Die Fragestellung "...warum...wenn es ihnen nicht gefällt", ist schon wie durch eine Brille gesehen (als suche man sich so entspannt ein Land aus, wo man hin will) und passt nicht unbedingt.
Viele von "diesen Leuten" leben hier, weil es ihnen in anderen Ländern nicht gut ging oder aus ganz anderen Gründen.
(Warum lebe ich in Deutschland?
Auch nicht vor Geburt ausgesucht, sondern rein geboren und Schwein gehabt.)
Das andere Thema:
Die Ablehnung von Menschen, die anders sind...das ist echt ein Thema, was wir wohl schnell alle in uns haben.
Liegt da drunter, dass wir uns selbst nicht verzeihen, was wir an uns nicht mögen?
Also mangelnde Selbstakzeptanz, übertragen auf alles, was anders scheint?
Stärkung und Schutz des Ichs oder schlicht des Individuums durch Gruppenzugehörigkeit (und Stärkung vom Gruppengefühl durch bashing Anderer, sei wissenschaftlich erwiesen, las ich mal irgendwo, Quelle fehlt) sei uralt.
Damit umgehen....ist schon ganz privat die Herausforderung. Gesellschaftlich sowieso. Ich glaube, über alle Epochen ist das ein Thema.Geändert von kaffeewasser1 (05.09.2020 um 09:40 Uhr)
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05.09.2020, 10:26
AW: Sind wir alle ein bisschen rassistisch?
Natürlich ist niemand frei von Vorurteilen.
Gewalt: Vorurteile - Psychologie - Gesellschaft - Planet Wissen
Wie entstehen Vorurteile? | Anne Frank Haus
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05.09.2020, 10:40Inaktiver User
AW: Sind wir alle ein bisschen rassistisch?
Solche Fragen sind wichtig, aber meistens unbeliebt.
Mangelnde Selbsterkenntnis und Selbstkonfrontation, Angst.
Wer will sich schon damit befassen?
Dagegen ist es ja so viel leichter, über andere zu reden.
Da es sehr vielen Menschen so geht, findet man sehr schnell Austauschpartner und man wird sich schnell einig.
Schönes Leben!
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05.09.2020, 11:32
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05.09.2020, 11:43
AW: Sind wir alle ein bisschen rassistisch?
Es gibt ja auch viele Menschen, die Erfahrungen sammeln und wenn sie diese berichten, dann klingt das vielleicht eher rassistisch, als es gemeint ist. Man würde es auch über Menschen berichten, die nicht aus einem anderen Land kommen, wenn diese das gleiche abziehen würden.
Zum Beispiel folgende Geschichte: ein Sozialamt Mitarbeiter beschwerte sich bei einer Kollegin von mir, dass in Corona Zeiten das Grundvermögen angehoben wurde, wodurch auch Sozialhilfe beantragt werden konnte, wenn jemand
größere Ersparnisse hat. Und dieser sagte: „Stellen Sie sich vor, hier stehen die Porsche vor der Tür und die Leute beantragen ihre Sozial-Hilfe. Wissen Sie, was wir hier alle für einen Hals haben?“
Oder es wird Gewalt angewendet, wenn man nicht das bekommt, bei dem man denkt, es unbedingt besitzen zu müssen. Heimtückische Gewalt. Da greift kein Gesetz hier bei uns im Land. Und wenn man so etwas erlebt, dann redet man auch nicht mehr gut darüber. Und es heißt, es ist eine rassistische Einstellung, die man entwickelt hat.Also gar nicht darüber reden? Weil man nicht weiß, wie man es in Worte verpacken soll, die nicht rassistisch klingen? Und wem soll das nützen? Denen, die Gewalt anwenden?Nur die Ruhe ist die Quelle jeder großen Kraft.
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05.09.2020, 11:59
AW: Sind wir alle ein bisschen rassistisch?
Einen gewissen Alltagsrassismus stelle ich auch immer wieder an mir fest - aber so niederschwellig, dass ich die Leute dann (trotzdem) näher kennenlerne und erst dann meinen eigenen Rassismus/Vorurteile bemerke und entsprechend revidiere, bzw. merke, wie absurd mein Vorurteil war.
Ist mir letztes Wochenende bei der neuen Freundin eines locjkeren Bekannten aufgefallen, die zwar einerseits voll in mein Vorurteil seines Beuteschemas fiel (ganze Stück jünger, lange braune Haare, Top-Figur), dazu einen erkennbar ausländischen Akzent hatte, aber entgegen meinem Vorurteil eine völlig unprätentiöse studierte Frau war und wir hatten einen sehr netten Abend.
Das widerlegte sowohl meinen spontanen Rassismus, dass sie ihn wegen Geld oder Status ausgewählt haben könnte und überraschte auch hinsichtlich ihres - das seine übersteigende - Bildungsniveau. Ich hatte also entsprechende Vorurteile hinsichtlich meines Bekannten, als auch gegenüber der Frau aufgrund von Aussehen und Herkunft.
Aber trotzdem wird mir das immer wieder passieren, dass ich jemanden sehe und spontan etwas denke - und nicht hinter jeder hochgewachsenen, langhaarigen Rumänin als erstes eine Quantenphysikerin vermuten werde.
Für mich war das mal wieder lehrreich, aber insofern beruhigend, dass ich eben nicht mit dem ersten Eindruck abschliesse, sondern abwarte wie sich die Situation dann tatsächlich entwickelt.Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.
.... und das demnächst auf www.befriendsonline.net/
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05.09.2020, 12:05
AW: Sind wir alle ein bisschen rassistisch?
Ich selber bin überhaupt nicht rassistisch, wenn ich zB einer Rumänin begegne. Das passiert ja im Alltag häufig, habe ich im medizinischen Umfeld. Im Gegenteil. Ich entwickle Sympathie und bewundere eher die Schönheit dieser Menschen.
Trotzdem klingt wohl vieles, von dem ich rede, auch rassistisch.
Männer gehen immer nach dem Aussehen. Das klingt doch auch pauschal. Aber es ist wahr. Frauen müssen schlank sein und möglichst lange Haare haben. Dass da jemand sagt, seine Kinder dürfen nicht asiatisch aussehen, ist eher eine Steigerung des Ganzen und bestätigt das lediglich.Nur die Ruhe ist die Quelle jeder großen Kraft.
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05.09.2020, 12:43Inaktiver User
AW: Sind wir alle ein bisschen rassistisch?
Den haben wir doch alle. Niemand kann von sich behaupten, vollkommen frei von Rassismus zu sein. Das zu wissen, macht einen doch überhaupt erst frei dafür, seine eigenen Verhaltensweisen kritisch zu hinterfragen. Das Problem ist doch auch, dass viele bei Rassismus an einen fahneschwenkenden AfD-Neandertaler denken. So sind natürlich die wenigsten und damit kann man das Thema Rassismus bequem schön weit weg von sich schieben. Aber der neue Nachbar soll doch auf keinen Fall ein Schwarzer sein.
Das, was du beschrieben hast mit der Rumänin, hätte mir auch passieren können. Ich hätte mich auch hinterfragt, insofern ist ja alles gut. Ich finde das auch viel besser als einfach zu behaupten, man sei zu hundert Prozent frei von Rassismus, das geht gar nicht. Jeder hat Vorurteile.


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