+ Antworten
Seite 2 von 2 ErsteErste 12
Ergebnis 11 bis 16 von 16
  1. Avatar von Hampelmuse
    Registriert seit
    24.09.2013
    Beiträge
    748

    AW: Nell Leyshon: Die Farbe von Milch

    Mir hat auch die Schilderung der Zeit 1830/31 gefallen, mal so fernab aller Mr. Darcys.
    Durch Fehler wird man klug, drum ist einer nicht genug.

  2. Avatar von Salina
    Registriert seit
    07.03.2001
    Beiträge
    601

    AW: Nell Leyshon: Die Farbe von Milch

    Die Geschichte lässt mich nicht los.
    Einerseits dieses kraftvolle Mädchen, das sich trotz der widrigen Umstände zu einem eigenständigen Menschen entwickeln konnte, und andererseits diese Geschichte, die so unaufhaltsam auf die Katastrophe zuläuft.

    Wem hätte sich Mary anvertrauen können? Gab es jemanden, der ihr geholfen hätte?
    Vielleicht der Vater, der sie ja ganz am Ende noch versteckt hat?
    Das Herz, auch es bedarf des Überflusses, genug kann nie und nimmermehr genügen. (Conrad Ferdinand Meyer)


  3. Registriert seit
    09.11.2016
    Beiträge
    181

    AW: Nell Leyshon: Die Farbe von Milch

    Ich lese das Buch auch gerade.
    Habe heute mit Erschrecken festgestellt, dass ich schon bei 48% bin. Das ist ja fast ein Kurzroman. Ich mag viel lieber länger mit einem Buch "leben".
    Der sehr einfache Schreibstil gefällt mir gar nicht, auch wenn er bewusst so gewählt wurde.
    Marys freche Zunge erscheint mir auch ein wenig unrealistisch.
    Mal sehen, vielleicht ändere ich meine Meinung ja noch.

  4. Avatar von lu.lu
    Registriert seit
    26.04.2007
    Beiträge
    1.085

    AW: Nell Leyshon: Die Farbe von Milch

    Hallo,
    ich musste mich an den Erzählstil gewöhnen und habe das Buch erstmal beiseite gelegt. Aber dann habe ich über die fehlenden Kommas usw. hinweggelesen, war gefesselt von der Erzählung und konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Beim Weiterlesen wurde auch klar, dass diese Schreibweise deutlich machen sollte, daß Mary gerade erst Lesen und Schreiben gelernt hat und dies von ihr eine Niederschrift in Ich-Form war, in der sie sich alles von der Seele schreiben wollte. Auch versteht es die Autorin, dem Leser nahezubringen, wie anstrengend dieses Schreiben für Mary ist und dass sie dementsprechend viele Pausen einlegen mußte.

    Nell Leyshon beschreibt die schwere Arbeit auf dem Bauernhof. Der Vater ist gewalttätig, die Mutter herzlos und streng. Dennoch bilden die vier Geschwister trotz ihrer verschiedenen Charakter eine Einheit. Mary hat es besonders schwer, weil sie mit einer Behinderung geboren ist. Sie zieht ein Bein nach, worauf eigentlich niemand Rücksicht nimmt. Sie ist harte Arbeit gewohnt, nimmt alles gleichmütig hin, wie es kommt. Sie schaut genau hin und spricht deutlich aus, was sie denkt. Sie liebt die Tiere und ist gern, wenn sie sich Zeit abzwacken kann, draußen in der Natur. Ich fand ihre Liebe und die Zuwendung zum Großvater besonders rührend beschrieben.

    Ihr Leben verändert sich grundlegend von einem Tag auf den anderen, als sie ins Haus des Pfarrers zieht, um dessen kranke Frau zu pflegen. Diese stirbt und der Pfarrer bestimmt, dass die alte Haushälterin geht und Mary bleibt. Er hat bemerkt, daß Mary wissensdurstig ist und bringt ihr auf auf besondere Weise Lesen und Schreiben bei. Nachdem Mary weiß, dass sie jetzt auch andere Bücher als die Bibel lesen kann, wehrt sie sich gegen seine Zudringlichkeit und es kommt zum Äußersten.

    Marys Schwester Violet bekommt ein Kind vom Sohn des Pfarrers, worüber der Vater natürlich furchtbar gewütet hat, was sich änderte, als dieses Kind ein Sohn wird, der dann aber als Bruder der Mädchen ausgegeben und – natürlich – als Hoferbe erzogen wird. Das fand ich (nicht nur) vom Vater schon etwas makaber.

    Nell Leyshon ist es gelungen, in diesem Buch eindringlich über Klassenunterschiede, trostlose Armut und das harte Leben einer einfachen, jungen Frau in einer von Männern bestimmte Welt zu erzählen.

    Zu Traubensaft:
    Ich fand nicht, daß Mary eine freche Zunge hat, sie sagt nur geradeaus das, was sie empfindet. Ich fand, dass sie in all dem Elend sich doch als Person behauptet.

    Zu Salina:
    Du hast recht, wem hätte sie sich anvertrauen können: keinem!

    lu.lu

  5. Moderation Avatar von Utetiki
    Registriert seit
    21.12.2004
    Beiträge
    16.967

    AW: Nell Leyshon: Die Farbe von Milch

    Guten Morgen.

    ich störte mich anfangs auch an dem Stil und der fehlenden Interpunktion, aber mit immer weiterem Eintauchen in die Geschichte empfand ich gerade das als sehr stimmig.

    Frech fand ich Mary nicht, sie war von Natur aus mit einer guten Auffassungsgabe ausgestattet, stellte ihren Stand aber auch nicht in Frage.

    Ich habe mich bemüht die Geschichte mehr im Kontext der damaligen Zeit zu betrachten. Das gelang mir nur schwer, da aus heutiger Sicht das unverschämte Verhalten des Pfarrerbengels absolutes no-go ist.
    Aber -lu.lu, Du beschreibst das ja richtig als von Männern bestimmte Welt- das konnte er sich damals herausnehmen ohne Folgen befürchten zu müssen.

    Auch den Vater würde ich im Nachhinein nicht als gewalttätig beschreiben oder die Mutter als herzlos und streng (obwohl sie das natürlich waren). So war einfach die Zeit. Der Vater als Patriarch hatte das Recht auf Züchtigung, die Mutter war als Erfüllungsgehilfin des Mannes streng, das ja.

    Zitat Zitat von lu.lu
    Marys Schwester Violet bekommt ein Kind vom Sohn des Pfarrers, worüber der Vater natürlich furchtbar gewütet hat, was sich änderte, als dieses Kind ein Sohn wird, der dann aber als Bruder der Mädchen ausgegeben und – natürlich – als Hoferbe erzogen wird. Das fand ich (nicht nur) vom Vater schon etwas makaber.
    Das hatte ich so gar nicht gelesen. Ich verstand es mehr so, dass die öffentliche Schande von der Familie ferngehalten werden sollte. Ich hatte das schon öfter gelesen, dass ein "Bastard" offiziell zum Nachzügler erklärt wurde.

    [
    Zitat Zitat von Hampelmuse
    Mir hat auch die Schilderung der Zeit 1830/31 gefallen, mal so fernab aller Mr. Darcys.
    Ja, das war mal was anderes "aus der guten alten Zeit".

    Anrührend empfand ich die Liebe, die Mary ihrem Großvater entgegengebracht hat. Das war nämlich nicht so selbstverständlich und easy going wie heute oft verklärend erzählt wird, wenn ich den Historikern (und meiner Schwiegeromi ) glauben darf.
    Das Altenteil war kein Zuckerschlecken, es wurde wohl wirklich gewartet, dass die Altvorderen endlich starben und ein Esser weniger den Hof belastete.

    Zitat Zitat von Salina
    Wem hätte sich Mary anvertrauen können? Gab es jemanden, der ihr geholfen hätte?
    Vielleicht der Vater, der sie ja ganz am Ende noch versteckt hat?
    Ja, vielleicht die Familie als Einheit "wir gegen die da oben", aber die Macht oder eher Möglichkeiten hätten sie nicht gehabt, denke ich.

    Was mir die ganze Zeit durch den Kopf geht, was wäre, wenn Mary nicht lesen gelernt hätte.
    Hätte sie das Äußerste getan?
    Oder wäre das auf jeden Fall eingetreten?

    Ich komme darauf, weil sie sich sonst so fatalistisch gab.


    Auf jeden Fall war das mal wieder ein Buch, das ich nie gelesen hätte ohne Euch. Vielen Dank für Eure tollen Vorschläge immer.
    Moderatorin in
    *Gesundheit* und *Frauengesundheit*
    *Fasten* und *Welchen Nutzen haben Diäten?*
    *Haushalt - Tipps und Tricks*

  6. Avatar von Hampelmuse
    Registriert seit
    24.09.2013
    Beiträge
    748

    AW: Nell Leyshon: Die Farbe von Milch

    Zitat Zitat von Utetiki Beitrag anzeigen


    Was mir die ganze Zeit durch den Kopf geht, was wäre, wenn Mary nicht lesen gelernt hätte.
    Hätte sie das Äußerste getan?
    Oder wäre das auf jeden Fall eingetreten?

    Ich komme darauf, weil sie sich sonst so fatalistisch gab.
    Vielleicht, aber er hätte ja nichts gehabt, womit er sie erpressen hätte können. Vielleicht hätte sie ihn gleich in die Schranken weisen können oder sich durchsetzen, heim zu gehen.

    Ich frage mich auch, warum sie sich gestellt hat, als ihr Vater ihr sagte, sie solle fliehen, darauf hat sie ja nie gehofft. Wahrscheinlich hätte sie keine Chance gehabt, wohin hätte sie auch fliehen können. Von der Schwangerschaft hat sie erst später geschrieben.
    Durch Fehler wird man klug, drum ist einer nicht genug.

+ Antworten
Seite 2 von 2 ErsteErste 12

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •