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  1. Inaktiver User

    Kritisches Hinterfragen des emanzipierten Frauenbildes

    Ich möchte hier ein Thema ansprechen, dass sicher auf verschiedene Resonanzen stößen wird. Dennoch möchte ich mich trauen, meinen Eindruck, den die heutige Situation zwischen den Geschlechtern bei mir hinterlassen hat, auszusprechen, weil ich es einfach für extrem wichtig halte, eine Diskussion darüber anzufangen:

    Ich finde dass die Emanzipation heutzutage, von dem eigentlichen Wunsch nach "gleichen Rechten" zu dem Streben nach "Gleich sein" mutiert hat.

    Zuerst möchte ich all die Frauen im Forum fragen: seid ihr manchmal nicht überfordert mit den heutigen Anforderungen der Emanzipationsbewegung an eine Frau? Eine Frau heutzutage muss gut aussehen, selbstbewusst sein, ein ausgefülltes Leben führen, alleine glücklich sein, finanziell unabhängig, Karriere machen, Kinder kriegen, Haushalt führen, Sachen reparieren, Schweres tragen - so eine "Alles-Könner-Frau". Ich betone hier das Wort MUSS. Weil wenn man diese Anforderungen nicht erfüllt, dann wird man als abwertenden Adjektiven "schwach", "unfähig", "unmodern", "Hausmütterchen", "bedürftig", "unselbstständig" und "abhängig" beschimpft. Ist denn die Emanzipationsbewegung nicht dafür gegründet, um einer Frau Möglichkeit zu geben all das zu sein was sie WILL? Nicht aber um Standards anzulegen, die sie erfüllen MUSS? Ich persönlich empfinde diese Erwartungen an eine Frau als einen enormen Druck. Natürlich zwingt mich keiner mit Gewalt, diese Erwartungen zu erfüllen. Mir geht es nur um die negative Bewertungen, wenn man diese Anfroderungen nicht erfüllt oder nicht erfüllen will. Empfindet das jemand hier genauso wie ich?

    Ich persönlich bin kein Fan vom "Ernährer-Hausmutter"-Modell. Aber ganausowenig vom "Frau macht alles alleine, weil sie es kann"-Modell. Ich bin für die goldene Mitte, die die Vorteile beider Modelle in sich vereint.

    Ich frage mich warum eine Frau heute sich unbedint männliche Eigenschaften aneignenen muss, um gleichberechtigt zu sein? Warum muss ich all das genausogut können, wie ein Mann? Ich persönlich finde, dass eine Frau per se genausoviel wert wie ein Mann besitzt, auch wenn sie ihre weiblichen Eigenheiten besitzt. Um nicht die große Diskussion anzfachten, was denn eine Frau von einem Mann unterscheidet, bringe ich hier 2 unumstrittene Fakten: eine Frau ist im Durschnitt zärtlicher gebaut und kann im Vergleich zu einem Mann Kinder kriegen. Und wisst ihr was? Ich finde das auch gut so! Ich finde es gut so, dass ich nicht ein Mann bin und auch meine Schwächen/Stärken besitze und stehe zu ihnen! Ich muss keinem Mann beweisen, dass ich die Bierkästen genauso gut wie er tragen kann. Ich muss keinem Mann beweisen, dass ich auf der Karriereleiter genauso hoch steigen kann, wie er und ich muss kein Auto reparieren, um genausoviel Wert zu besitzen!

    Ich bringe hier ein Beispiel aus der Familie: wenn ihr 2 Kinder habt: eins ist 2, der andere 7: verlangt ihr doch nicht von dem Jüngeren sofort zu wachsen, um genauso wie der Ältere geliebt zu werden? Ihr würdet doch beide trotzdem genausogut behandeln? Ihr würdet aber genauso auf ihre unterschiedliche Bedrüfnisse Rücksicht nehmen und diese nicht verleugen? Ihr würdet einem Baby keine Currwurst servieren, damit es beweisen kann, dass er das genauso gut wie der Ältere essen kann. Genauso würdet ihr eurem 7-jährigen Sohn keine Brust geben, oder?

    Warum wollen denn die Frauen heutzutage genau das sich selbst antun? Warum ist die Frau ständig in dem "ich muss es allen beweisen"-Modus? Warum ist sie überhaupt in der "Bringschuld"? Viele merken, dass sie sich in etwas verrannt haben, dass sie gar nicht haben wollen, spätestens bei der Kinderplanung. Plötzlich kollidiert ihr Streben nach "Karriere genausogut machen wie ein Mann" mit ihrem Kinderwunsch. Und bei manchen auch mit ihrem Wunsch, für diese solange wie möglich da zu sein. Viele verleugnen diesen einfach. Die besonders Ambitionierten verlangen von ihren Männern, dass sie genausoviel Elternzeit nehmen, wie man selbst. Und dabei sind wir an dem Höhepunkt der "Frau-Mann-Gleichmacherei" angelangt. Im Endeffekt macht dann jeder genau das Gleiche wie der Andere. Aber die Schwangerschaft und die Geburt bleibt gezwungenermaßen an der Frau hängen. Wäre es medizinisch möglich, diese "Pflicht" dem Mann aufzurdrücken, hätten sicher viele Frauen das auch verlangt. Das heißt in der "perfekten emanzipierten Welt" macht die Frau sogar mehr als ein Mann. Warum muss denn eine Frau das machen, was ein Mann macht UND das machen, was eine Frau macht, um genausoviele Rechte wie ein Mann zu besitzen? DAS ist doch die Ungerechtigkeit in ihrer reinsten Form!

    Was ich mir wünsche: dass wir Frauen mehr zu unserer Weiblichkeit stehen und endlich aus diesem "Beweis-Modus" aussteigen. Dass wir unsere wahre Wünsche erkennen und zu diesen stehen. Und dass der Wert eine Frau nicht daran gemessen wird, ob sie die gleichen Fähigkeiten wie ein Mann besitzt, sondern ihr Wert von vornherein nie angezweifelt wird, egal ob sie genauso gut Karriere macht oder nicht. Egal ob sie alleine für die Kinder Zuhause bleibt oder nicht. Egal ob sie ein Auto reparieren, ein Bierkasten tragen oder boxen kann oder nicht. Ein Mann kann keine Kinder kriegen und keiner, kein Mensch zweifelt seinen Wert an. Diesen Zustand wünsche ich mir für die Frauen auch. Und das wäre für mich die wahre Gleichberechtigung: Unterscheide nicht verleugnen, sondern wahrnehmen, erkennen, respektieren , berücksichtigen und eben als "gleichwertig akzeptieren". Empfindet das jemand genauso wie ich?

    Bin gespannt auf eure Meinungen.


  2. Registriert seit
    02.08.2006
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    AW: Kritisches Hinterfragen des emanzipierten Frauenbildes

    Für mich ist das Pseudo - Weiblichkeit.
    Ich bin ich.
    Ein Mensch. Mit allem, was MICH ausmacht.
    ..und ich habe extrem viele "typisch" männlichen Eigenschaften und Talente.
    Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem andern zu!


  3. Registriert seit
    02.08.2006
    Beiträge
    1.926

    AW: Kritisches Hinterfragen des emanzipierten Frauenbildes

    ...und ich kenne keinen Mann ohne "typisch " weibliche Züge.
    Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem andern zu!

  4. Inaktiver User

    AW: Kritisches Hinterfragen des emanzipierten Frauenbildes

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich finde dass die Emanzipation heutzutage, von dem eigentlichen Wunsch nach "gleichen Rechten" zu dem Streben nach "Gleich sein" mutiert hat.
    Ach, komm, das war der Vorwurf an die Frauenbewegung von Anfang an.

  5. Inaktiver User

    AW: Kritisches Hinterfragen des emanzipierten Frauenbildes

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Warum ist die Frau ständig in dem "ich muss es allen beweisen"-Modus?
    Weil sie sich selbst in diesen "Modus" begibt!

    Wenn überhaupt, will ich mir was beweisen.

  6. Moderation
    Registriert seit
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    34.354

    AW: Kritisches Hinterfragen des emanzipierten Frauenbildes

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Zuerst möchte ich all die Frauen im Forum fragen: seid ihr manchmal nicht überfordert mit den heutigen Anforderungen der Emanzipationsbewegung an eine Frau?
    Nein. Ich bin frustriert mit der Gesetzgebung und ihrer inkonsistenten Interpretation der Frauenrolle, die prekäre Lebensentwürfe fördert, ich bin frustriert mit immer noch und schon wieder salonfähigem Sexismus und Übergriffigkeit, ich bin wütend, daß Jobs, sobald sie überwiegend von Frauen gemacht werden, als minderwertig gelten, daß Frauen vorgeschickt werden, um gesellschaftliche Karren aus dem Dreck zu ziehen, die die gesellschaftliche "Elite" (überwiegend männlich) reingefahren hat, daß Männer sich sehnlichst wünschen, Frauen vorzuschreiben, was sie anziehen dürfen oder müssen und was nicht, und diese Liste kann ich verlängern.

    Ich bin fassungslos angesichts des technokratischen Machbarkeitswahns, der Frauen mehr als Männer hat internalisieren lassen, sie müßten etwa zwölf Großprojekte gleichzeitig am Laufen halten, um ein vage akzeptables Leben zu führen. Ich bin stinksauer auf die neoliberalen kapitalistischen Moden, die von uns verlangen, soziale Bindungen wie Krokodile aufzubauen statt wie soziale Säugetiere.

    Und ich bin verdammt froh, daß ich dank der Arbeit vieler Frauen (und einiger Männer) vor mir die soziale, juristische, wirtschaftliche und intellektuelle (Emanzipation ist der Ausbruch aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit!) Möglichkeit habe, zu sagen, "Einen Sch*** muß ich", und zu tun, was mir paßt und was für mich richtig ist.

    Das gibt es nicht für lau. Das wurde erarbeitet, das wurde umkämpft, und das "Frauen müssen fünf Leben gleichzeitig führen um akzeptabel zu sein" ist die Reaktion (wie in "reaktionär") auf die Erfolge. Wie geht man damit um? Indem man sagt, "Einen Sch*** muß ich!" Nicht indem frau den Zeiten nachtrauert, wo sie keine Wahl hatte, welches dieser Leben sie führen wollte. Das Gewinsel, die Abwertung, die Frauen immer noch erfahren wenn sie nicht das tun, was andere (Männer, Frauen, kleine pelzige Wesen von Alpha Centauri) von ihnen wollen, ist so alt wie das geschriebene Wort. Es gab kein goldenes Zeitalter.

    Wenn der Bogen der Geschichte sich in Richtung der Gerechtigkeit wendet, dann, weil wir ihn wenden.

    "Equal but different" (Gleichwertig, aber unterschiedlich) wurde probiert, hat aber nicht zu brauchbaren Ergebnissen für die "Unterschiedlichen" geführt, nicht zuletzt, weil es auf einer essentialistischen Rollenzuschreibung beruht, die ihre Diskriminierung in sich trägt.

    Den Zustand, daß jeder sein Leben führen kann, wie es ihm paßt, (mit einer guten Dosis der Goldenen Regel, oder von Rawls Theorie der Gerechtigkeit) ist, wie du sagt, wünschenswert. Für alle: jung, alt, schwarz, weiß, reich, arm, männlich, weiblich, homo oder hetero, konventionell oder schräg. Ja, das ist utopisch. Kommen wir vielleicht nie hin. Aber wenn wir uns verleiten lassen, unseren Wert oder unsere Rechte über biologischen Determinismus fremdbestimmen zu lassen, kommen wir ganz woanders hin, nämlich in Teufels Küche.

    Wenn du unzufrieden bist mit deinem Leben, mit deinen Optionen, dann suche die Ursache nicht darin, daß du Optionen *hast*. Suche bei denen, die deine Optionen einschränken. Alles andere sind Schattengefechte.
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **
    Geändert von wildwusel (11.06.2017 um 17:28 Uhr)

  7. Moderation
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    AW: Kritisches Hinterfragen des emanzipierten Frauenbildes

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Weil sie sich selbst in diesen "Modus" begibt!
    Jeder muß was beweisen, wenn er Status (und davon abhängig, Kekse) kriegen will. Mitglieder benachteiligter Gruppen müssen mehr beweisen. Deswegen ist "Wem will ich was beweisen, und warum, und gibt es Alternativen?" eine brauchbare taktische Überlegung. Wenn man sich sagen kann, "Einen Sch*** muß ich" hat man auch was bewiesen!
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  8. Moderation Avatar von maryquitecontrary
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    6.399

    AW: Kritisches Hinterfragen des emanzipierten Frauenbildes

    Liebe Wildwusel,magst du nicht zu deinem Beitrag einen eigenen Strang eröffnen? Ich würde viel lieber darüber diskutieren als über den hundertsten lauen Aufguss von "geht die sogenannte Emanzipation zu weit?"
    that was the river - this is the sea


    Moderation im Forum "Persönlichkeit"

  9. Moderation
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    AW: Kritisches Hinterfragen des emanzipierten Frauenbildes

    Zitat Zitat von maryquitecontrary Beitrag anzeigen
    Liebe Wildwusel,magst du nicht zu deinem Beitrag einen eigenen Strang eröffnen? Ich würde viel lieber darüber diskutieren als über den hundertsten lauen Aufguss von "geht die sogenannte Emanzipation zu weit?"
    Ich wüßte keinen geeigneten Titel außer, "Dem Wusel geht der Hut hoch".
    Vielleicht, wenn ich wieder runtergekommen bin....

    Vorschläge werden gerne angenommen.
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
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  10. Avatar von bazeba
    Registriert seit
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    658

    AW: Kritisches Hinterfragen des emanzipierten Frauenbildes

    Zitat Zitat von wildwusel Beitrag anzeigen
    Nein. Ich bin frustriert mit der Gesetzgebung und ihrer inkonsistenten Interpretation der Frauenrolle, die prekäre Lebensentwürfe fördert, ich bin frustriert mit immer noch und ......
    Wenn du unzufrieden bist mit deinem Leben, mit deinen Optionen, dann suche die Ursache nicht darin, daß du Optionen *hast*. Suche bei denen, die deine Optionen einschränken. Alles andere sind Schattengefechte.
    Danke für diesen excellenten Beitrag!
    Never be afraid, never.

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