+ Antworten
Seite 1 von 112 1231151101 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 1120
  1. Avatar von Saphire
    Registriert seit
    29.09.2015
    Beiträge
    513

    Feminismus im Umgang mit patriarcharlisch geprägten Zeitgenossen m/w

    Hallo allerseits,

    der hier folgende lange Erguss ist das Ergebnis meiner Gedankengänge bei der Beschäftigung mit den verschiedenen aktuellen Strängen in den Politik- und Gesellschaftsforen, ungeordnet und ehrlich. Ich habe das Bedürfnis, mich dazu auszutauschen, nicht nur an aktuellen Aufhängern wie der Flüchtlingskrise und dem Kölner Hauptbahnhof, deswegen hier der Vorschlag zu einer Grundsatzdiskussion:

    Google spuckt folgende Definition aus:

    pa•t•ri•ar•cha̱•lisch
    Adjektiv [nicht steig.]
    so, dass der Mann eine Vorrangstellung in Familie und Gesellschaft einnimmt.
    1. "eine patriarchalische Gesellschaftsordnung"
    2. so, dass man als Mann Vorrechte geltend macht.
    3. "ein patriarchalisches Benehmen"

    Ich möchte meine Thematik auch vom "Islamisierungsstrang" im Politikforum abgegrenzt sehen, mir geht es nicht um den Islam, sondern um die Rechte und Stellung der Frau jetzt und in Zukunft.

    Ich bin in der DDR aufgewachsen, in einer Gesellschaftsordnung, die von strikter diskussionsloser Gleichstellung von Mann und Frau geprägt war. Es gab Vollbeschäftigung (sinnhaft oder nicht) und eine funktionierende Ganztagskinderbetreuung, auch wenn das System insgesamt versagt hat. Als Frau fühlte man sich geachtet und nicht unterlegen. Viele Kämpfe meiner Geschlechtsgenossinnen im Westen habe ich seit der Wende mit mildem Erstaunen verfolgt, weil es Kämpfe waren und sind, die sich um Punkte drehen, die ich als selbstverständlich kannte. Ich bin nach wie vor nicht bereit, diese zur Verhandlung zu stellen und lebe aktive Gleichberechtigung. Wenn mir ein Mann dumm kommt, gebe ich ihm im Normalfall ordentlich Bescheid und denke nicht weiter darüber nach. Er hat dann ein Problem, nicht ich.
    Jetzt werden die Karten gerade neu gemischt.
    Verstärkt durch die Flüchtlingskrise zeigt sich in der letzten Zeit leider, dass es in unserer Gesellschaft ein Problem mit Teilen der Bevölkerung gibt, die einfach an der allgemeinen Entwicklung zugunsten der Frauen nicht teilhaben. Seit Jahrzehnten leben Einwandererfamilien ein Leben neben unseren Vorstellungen und Normen. So lange sie unterm Radar fliegen, bleibt das unerkannt und wird von der Ferne bestaunt. Mädchen dürfen nicht mit zu Klassenfahrten, werden verheiratet und von Brüdern bewacht. Ob die Brüder diese Rolle eigentlich wollen, fragt auch keiner. Frauen nehmen am gesellschaftlichen Leben überhaupt nicht teil, sprechen weder die Landessprache noch haben sie irgendeine Ahnung vom Funktionieren unserer Gesellschaftsordnung jenseits ihrer 4 Wände, der Moschee und dem türkischen Supermarkt. Dann gibt’s wieder mal einen „Ehrenmord“ (wie ich dieses Wort hasse) und alle fragen sich, wie das nur geschehen kann. Hier, mitten in Europa, im Herzen der Rechtsstaatlichkeit. Alle, die nur verprügelt werden oder ihrer Selbstbestimmung beraubt, kommen in der Statistik gar nicht vor. Die Mütter geben das konservative Weltbild an Söhne und Töchter weiter, sie begreifen sich selbst nicht als Opfer. Es ist Teil ihrer Identität, die sie in der Fremde zu wahren versuchen. Der Kulturclash mit der Umgebung ist vorprogammiert, wenn die junge Generation entweder aus ihrer Sozialisation ausbricht und deren Missfallen hervorruft oder sich tief damit identifiziert und mit der Gesellschaft um sie herum in Konflikt gerät. In jedem Fall ist die Folge eine Zerrissenheit, innerer Druck und Unglück. Geht uns das etwas an oder nicht? Jetzt kommen zahlreiche neue Migranten dazu und die Unterschiede führen dazu, dass nichts mehr unter den Teppich gekehrt werden kann und das Zusammenleben neu definiert werden muss. Wessen Regeln gelten? Wohin entwickelt sich unsere Gesellschaft? Schaut euch doch einmal hier die aktivsten Stränge an, sie handeln großteils von Angst vor dem Verlust unserer Freiheit. Ob auf dem Kölner Hauptbahnhof oder im Norderstedter Spaßbad, wir werden mit Verhaltensweisen konfrontiert, die die Frau auf ein Niveau stellen, welches wir überwunden glaubten und nicht haben wollen, die Herabwürdigung auf ein unterlegenes, sexuell verfügbares, unterdrückbares Wesen. Die islamische Verhüllung, deren Erlaubnis oder Verbot ja eifrig diskutiert wird, hält Einzug in unseren Alltag bis auf das letzte abgelegene Dorf und zeigt jedem: „Seht her, das ist eine Frau. Die muss sich verhüllen, um den Trieb des Mannes zu bändigen.“ Es findet eine Sexualisierung des Alltags statt, die unserem gesellschaftlichen Kontext entgegensteht. "Unsere" Männer fühlen sich dadurch beleidigt und herabgewürdigt, es werden neue Gräben aufgerissen. Der allgegenwärtige Ehrbegriff der patriarchalischen Gesellschaft schwebt über allem und setzt uns herab... in den Augen derer, die ihn leben, haben wir keine Ehre, wir sind ungläubige Wilde, die in Sünde leben. Homosexualität, Schweinefleisch, Sex vor der Ehe, Alkohol, Miniröcke, gemischtes Baden… das alles wird verachtet und abgelehnt. Die Akzeptanz unserer Lebensweise ist sehr gering und von Abwertung geprägt. Der Grundpfeiler unseres Zusammenlebens, die Toleranz, wird grundsätzlich negiert. Ich sehe uns wirklich am Scheideweg, wie das Funktionieren der Gesellschaft weiter gewährleistet werden soll. Lassen wir uns darauf ein und akzeptieren die real existierende Parallelgesellschaft, versuchen sie zu ignorieren (wie bisher) und hoffen, dass wir selbst so wenig wie möglich damit zu tun bekommen? Unternehmen wir aktiv etwas, um eine Annäherung an UNSERE Kultur zu erreichen und zu integrieren? Was soll denn mittelfristig aus den Frauen in diesem Land werden, allen Frauen in diesem Land, nicht nur den „Biodeutschen“ bzw. westlich sozialisierten? Worauf steuern wir denn hin? Worauf wollen wir denn hinsteuern? Kann man Gleichberechtigung für alle einfordern? Haben wir das Recht dazu?

    Ich weiß es nicht, fürchte aber, es wird entweder ein Salto rückwärts für alle oder ein Auseinanderbrechen in Parallelgesellschaften. Betrifft uns das? Geht uns das etwas an? Funktioniert es vielleicht sogar, halt nur anders?

    saphire
    Geändert von Saphire (07.03.2016 um 12:09 Uhr) Grund: erweitert

  2. Inaktiver User

    AW: Feminismus im Umgang mit patriarcharlisch geprägten Zeitgenossen m/w

    Ich glaube ehrlich gesagt nicht an die Lobeshymnen über die Gleichberechtigung in der DDR. Zu oft wurde (auch hier im Forum) berichtet, dass die Hausarbeit trotz Vollzeitjob an den Frauen hing.

  3. Avatar von fritzi72
    Registriert seit
    20.09.2011
    Beiträge
    4.829

    AW: Feminismus im Umgang mit patriarcharlisch geprägten Zeitgenossen m/w

    Zumindest scheint heute in den "neuen" Bundesländern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besser zu funktionieren, als im "Westen", aber um dieses Thema geht es hier doch nur am Rande?

    Zu Saphires eigentlicher Frage habe ich vor ein paar Tagen folgendes gelesen:


    „Die zu uns gekommenen Männer und Frauen haben ein Recht auf Aufklärung darüber, wie sie ihren Alltag sinnvoll gestalten können und darüber, welche Regeln in diesem Land im Zusammenleben gelten. Es geht dabei nicht nur darum, die Sprache zu lernen oder wie man Formulare richtig ausfüllt, sondern auch darum, dass Frauen gleichberechtigt sind, dass das Gewaltmonopol beim Staat liegt und jeder für sein Handeln verantwortlich ist. Auch Freiheit muss man lernen.“
    Dr. Necla Kelek, Publizistin, Sozialwissenschaftlerin

    Ein guter Ansatz, finde ich. Allerdings ist mir der Weg unklar. Wenn patriarchalische Strukturen von Männern UND Frauen von Kindesbeinen verinnerlicht wurden, werden die damit verbundenen Gefühle nicht durch ein paar Lehrstunden verschwinden.
    Wenn mich die weltpolitische Lage deprimiert, denke ich an die Ankunftshalle in Heathrow. Es wird immer behauptet, wir leben in einer Welt von Hass und Habgier, aber das stimmt nicht. Mir scheint wir sind überall von Liebe umgeben. Oft ist sie weder besonders glanzvoll noch spektakulär, aber sie ist da. Väter&Söhne, Mütter&Töchter, Ehepaare, Verliebte, alte Freunde.
    Ich glaube, wer darauf achtet, wird feststellen können, dass Liebe tatsächlich überall zu finden ist

    Intro "Tatsächlich Liebe"

  4. Avatar von Saphire
    Registriert seit
    29.09.2015
    Beiträge
    513

    AW: Feminismus im Umgang mit patriarcharlisch geprägten Zeitgenossen m/w

    @kamelle: Ich kann dir glaubhaft versichern, dass mein Vater sich sehr in die Hausarbeit eingebracht hat und damit kein Einzelfall war. Mein Mann ist dankenswerterweise ebenso erzogen. Ist das alles, was du zum meinem Riesenposting zu sagen hast? Ich hatte diese Einleitung eigentlich mehr als Erklärung meines backgrounds gebracht. Mir gehts um Gleichberechtigung im Hier und Jetzt in der aktuellen Gesellschaftsstruktur im Umgang mit Männern, denen diesselbe eher fremd ist.

    saphire

  5. Inaktiver User

    AW: Feminismus im Umgang mit patriarcharlisch geprägten Zeitgenossen m/w

    Zitat Zitat von Saphire Beitrag anzeigen
    @kamelle: Ich kann dir glaubhaft versichern, dass mein Vater sich sehr in die Hausarbeit eingebracht hat und damit kein Einzelfall war. Mein Mann ist dankenswerterweise ebenso erzogen. Ist das alles, was du zum meinem Riesenposting zu sagen hast? Ich hatte diese Einleitung eigentlich mehr als Erklärung meines backgrounds gebracht. Mir gehts um Gleichberechtigung im Hier und Jetzt in der aktuellen Gesellschaftsstruktur im Umgang mit Männern, denen diesselbe eher fremd ist.

    saphire
    Das ist aber nicht typisch Ost oder typisch West.... das ist eine Frage des Elternhauses.

  6. Avatar von Opelius
    Registriert seit
    24.04.2004
    Beiträge
    16.496

    AW: Feminismus im Umgang mit patriarcharlisch geprägten Zeitgenossen m/w

    Sorry Saphire,
    aber in Deinem langen Posting behauptest Du Dinge, die eher in den Strang "Droht Europa eine Islamisierung" passt, z.B. die permanente Unterdrückung türkischer und arabischer Mädchen, Zwangsverheiratung u. etliches mehr.

    Ich habe ein ziemlich stark geprägtes türkisches Umfeld und erlebe eher das Gegenteil. Die Mädchen machen Abitur und zwar mit Bestnoten, studieren und Karriere machen, während ein Teil ihrer Brüder schon in der Grundschule alles doof finden, dementsprechend auch zu keinem Schulabschluß kommen. Und es in der türkischen und arabischen Welt genauso wie bei uns. Männer ohne richtigen Beruf haben auf dem Heiratsmarkt kaum Chancen - und radikalisieren sich.

    Und auch das "Verhüllen". Ich habe es in anderen Strängen auch schon geschrieben, dass Kopftuchtragen und Burkas erst in den letzten Jahren unter muslimischen Mädchen und Frauen deutlich zu beobachten ist. Mein türkischer Kollege jammerte mir zu Zeiten seiner spätpubertierenden Tochter die Ohren voll: "Wozu lasse ich sie studieren, wenn sie rumrennt wie meine anatolische Großmutter?"

    Salfismus, Bärtetragen (obwohl das nur Männern nach der Hatsch zusteht) und Verhüllen ist eine Provokation gegenüber den eigenen Eltern und der Umwelt. Das ganz normale sich Abgrenzen zu der biederen Bürgerlichkeit. Früher konnte man Eltern mit Sex, Drugs und Alkohol provozieren, das die Eltern das aber selbst schon getan haben, ist die neue Provokation: Frömmigkeit und Enthaltsamkeit. Das treibt Eltern in den Wahnsinn.

    Aber keins der Mädchen und keiner der Jungs bedroht unsere Freiheit. Desto ängstlicher wir auf die "Bedrohung" reagieren,
    desto mehr sonnen die sich im Erfolg ihrer Revolte.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  7. Avatar von Opelius
    Registriert seit
    24.04.2004
    Beiträge
    16.496

    AW: Feminismus im Umgang mit patriarcharlisch geprägten Zeitgenossen m/w

    Und niemand in der Familie bringt den Mädchen das Kopftuchbinden bei. Das erfahren sie in Dutzenden YouTube Beiträgen.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  8. Inaktiver User

    AW: Feminismus im Umgang mit patriarcharlisch geprägten Zeitgenossen m/w

    Opelius.....

  9. Avatar von Binneuhier2009
    Registriert seit
    30.11.2009
    Beiträge
    2.018

    AW: Feminismus im Umgang mit patriarcharlisch geprägten Zeitgenossen m/w

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich glaube ehrlich gesagt nicht an die Lobeshymnen über die Gleichberechtigung in der DDR. Zu oft wurde (auch hier im Forum) berichtet, dass die Hausarbeit trotz Vollzeitjob an den Frauen hing.
    Ich hatte 27 Jahre lang das zweifelhafte "Vergnügen" in der DDR zu leben. Spätestens als die Kinder da waren, war es anstrengend. Die Hausarbeit blieb selbstverständlich überwiegend an den Frauen hängen. Die vielgelobte Kinderbetreuung habe auch ich für meine Kinder in Anspruch genommen. Mir blieb schlicht nichts anderes übrig. Ein Gehalt hätte nicht ausgereicht.

    Ich habe in einem recht großen Kombinat gearbeitet. Zahlen kann ich leider nicht nennen. Meiner Wahrnehmung nach war allerdings der Großteil der Leitungspositionen - und damit die besser bezahlten Jobs - durch Männer besetzt.

    Die Gleichberechtigung der Frau bestand zu großen Teilen auch nur auf dem Papier. Man schaue sich z.B. mal die ehemalige Regierungsriege der DDR an.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Das ist aber nicht typisch Ost oder typisch West.... das ist eine Frage des Elternhauses.


    LG, BNH2009

  10. Inaktiver User

    AW: Feminismus im Umgang mit patriarcharlisch geprägten Zeitgenossen m/w

    Im Eingangsbeitrag fehlen allerdings eine Menge wesentlicher Fakten:

    Für Deutschland gibt es seit 2004 eine repräsentative Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zum Thema Gewalt gegen Frauen mit folgenden Ergebnissen:

    40% der Frauen in Deutschland haben seit ihrem 16. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlebt.
    25% der in Deutschland lebenden Frauen haben Gewalt durch aktuelle oder frühere Beziehungspartner erlebt (häusliche Gewalt).
    13% der in Deutschland lebenden Frauen haben seit dem 16. Lebensjahr strafrechtlich relevante Formen sexueller Gewalt erlebt.
    42% der in Deutschland lebenden Frauen haben psychische Gewalt erlebt, z.B. Einschüchterung, Verleumdungen, Drohungen, Psychoterror.
    Quelle

    Da fehlt auch die unausgewogene Chancengleichheit von Frauen und Männern im Berufsleben. Da fehlen die nicht vorhandenen Arbeitsplätze für Frauen in der katholischen Kirche, ein bekanntlich nicht kleiner Arbeitgeber in Deutschland. Da fehlen Zahlen zu (sexueller) Belästigung von Frauen am Arbeitsplatz. Und da hätte durchaus auch erwähnt werden können, dass fast drei Viertel der deutschen Badezimmer von Frauen geputzt werden.

    Dann wäre zumindest die Chance durchaus größer, dass nicht ein weiterer Flüchtlingsstrang zustande kommt mit dem Tenor, dass die Werte des christlichen Abendlandes in größter Gefahr (wenn nicht sogar schon abgeschafft) und der finanzielle Ruin jedes einzelnen Bundesbürgers in greifbarer Nähe sind.

    Was du als die "aktivsten Stränge" im Forum bezeichnest, lebt im Übrigen nach meinem Eindruck von der Hartnäckigkeit und Vehemenz von nicht mal 20 dort Schreibenden.

+ Antworten
Seite 1 von 112 1231151101 ... LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •