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  1. Inaktiver User

    AW: Feminismus im Umgang mit patriarcharlisch geprägten Zeitgenossen m/w

    Ein Bekannter von mir ging auf so eine Art Bezirksschule bis zur 10. Klasse (danach Wechsel auf ein Gymnasium).

    Er hatte ein Mädchen in seiner Klasse dass irgendeiner strengchristlichen Religionsgemeinschaft angehörte.

    Sie machte einen Abschluss mit 1.0, heiratete direkt nach dem Abschluss (mit 16) jemanden aus ihrer Religionsgemeinschaft und hat nun mindestens 3 (mein Stand ist ein paar Jahre alt) Kinder.

    Nur, das ist ja alles gar nicht schlimm, wenn sie damit glücklich ist?

    Ob sie es ist - keine Ahnung, ich kenne sie gar nicht und mein Bekannter nicht gut.

  2. Moderation Avatar von maryquitecontrary
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    AW: Feminismus im Umgang mit patriarcharlisch geprägten Zeitgenossen m/w

    Ich hoffe, es passt hier her : ich habe neulich einen Teil einer BBC Dokumentationsreihe über die Geschichte der Frauen gesehen, über frühe Hochkulturen.

    Angefangen von Siedlungen in Anatolien, über die Sumerer (viel gesellschaftlicher Spielraum für Frauen), die Assyrer (die Rechte der Frauen auf ihren Körper, Erbe /Besitz, Teilhabe bereits deutlich eingeschränkt) , Ägypter (mehr Teilhabe), bis zu Athen ("Lebensbedingungen ungefähr so unfrei wie unter den Taliban in Afghanistan"), Rom (mehr Teilhabe) und den asiatischen Nomadenvölkern (Dschingis Khans Erbe waren seine Töchter, wenn ich das richtig verstanden habe).


    Eine Perspektive war immer die Verfügung über den weiblichen Körper und die Deutung desselben, sowie die Benutzung/Vorschrift des Schleiers als quasi Mediator der Hausdomäne für die Frau - wenn sie das Haus verlässt, nimmt sie sozusagen die Wände textil mit sich. Immer im Kontext mit dem Misstrauen und der Abwertung dem weiblichen Körper gegenüber.

    Mir war nicht klar gewesen, dass zum Beispiel im alten Athen die Verschleierung teilweise bis zur Verhüllung der unteren Gesichtshälfte ging.


    Ich glaube, dass es im Diskurs weiterhilft, zwar auch die Frauenfeindlichkeit mindestens vieler Spielarten des Islam zu benennen, gleichzeitig aber nicht auf die Islambetrachtung zu reduzieren. Aus dem hinduistischen Indien kenne ich die gleiche Art von Frauenfeindlichkeit, ebenso aus dem Mitteleuropa vergangener Jahrzehnte, und vermutlich auch noch in etlichen Ländern /Gegenden heutzutage.

  3. Avatar von Saphire
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    AW: Feminismus im Umgang mit patriarcharlisch geprägten Zeitgenossen m/w

    Jetzt kommen wir endlich weg davon, dass schon wieder nur Islamfeindlichkeit unterstellt wird. Die Islamdiskussion kocht nur das ganze Thema hoch. Stärkere Hinwendung zur Religion ist m.E. oft krass mit Einschränkungen der Frauenrechte verbunden. Hochinteressant, die von dir angesprochene BBC-Doku, mary! Kann man die noch sehen? Bzw. kann man die in D sehen? Das mit Griechenland ist mir völlig neu.

    Saphire

  4. Moderation Avatar von maryquitecontrary
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    AW: Feminismus im Umgang mit patriarcharlisch geprägten Zeitgenossen m/w

    @Saphire: ich habe die im norwegischen Fernsehen gesehen (https://tv.nrk.no/serie/kvinnenes-hi...ng-1/episode-1), aber die Dokumentation heißt anscheinend "The ascent of women", Teil 1 Civilisation. 4-teilig, BBC.


    Daß Athens Demokratie nicht für Frauen und Sklaven war, wusste ich schon vorher, aber der Grad der Unfreiheit der Frauen war mir so auch nicht klar.

  5. Inaktiver User

    AW: Feminismus im Umgang mit patriarcharlisch geprägten Zeitgenossen m/w

    Saphire, da gibts noch was anderes:

    Starke Einschränkung der Frauenrechte gibts quasi nur in sesshaften Kulturen oder ich sag mal so, in solchen Kulturen, in denen zumindest die Frauen sesshaft sind.
    Das im übrigen ziemlich unabhängig von der Religion.

    Warum, ist auch klar: Nicht sesshafte Kulturen leben fast alle "von der Hand in den Mund" sie brauchen permanent jede Arbeitskraft, zu große Unterdrückung einer arbeitsfähigen Gruppe funktioniert da nicht.

    Kennt Ihr Lotosfüße?


    Diese waren bei chinesischen Frauen je wahrscheinlicher desto reicher ihre Familie war: Eine arme Frau wurde für harte körperliche Arbeit gebraucht, einen Teil der Familie durch Fußabbinden arbeitsunfähig zu machen musste man sich leisten können!

    Analog übrigens europäische Korsetts: Es gab, ich sage mal Adelskorsetts (eben für reichere Damen), in denen konnte man sich nur eher eingeschränkt bewegen: Gehen ging, Tanzen auch, Bücken nicht mehr.

    Bäurinnen oder auch Dienstboten hatten hingegen Arbeitskorsetts, die zwar für die Figur einen ähnlichen Effekt erziehlten, aber der Trägerin die Beweglichkeit nicht nahmen.

    Auch hier:
    Frauen das Bücken zu verunmöglichen muss man bezahlen können!

    Warum solche Einschränkungen so gut wie immer Frauen getroffen haben?

    Ich vermute weil Männer im Allgemeinen körperlich stärker sind.


  6. Registriert seit
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    AW: Feminismus im Umgang mit patriarcharlisch geprägten Zeitgenossen m/w

    Also....ein Bekannter von uns ist am Wochenende als Notfall im Krankenhaus gelandet- mit entgleistem Blutdruck. Dahinter steckt wohl eine massive Depression, er hat vor einem halben Jahr seinen Job verloren und bislang noch nichts Neues gefunden. Vater von zwei Töchter in der Ausbildung (mit eigenem Einkommen), Haus ist bezahlt, Ehefrau arbeitet Vollzeit. Bedeutet- es gab massive finanzielle Einschränkungen, die Familie kam aber über die Runden.

    Er hatte eigentlich nie ein Problem damit, dass seine Frau Vollzeit in den Beruf zurückging, als die Mädchen "aus dem Gröbsten" raus waren. Da war es "sie kann arbeiten". Jetzt war es ein "sie MUSS arbeiten", was ihr nichts ausmachte- ihm aber sehr wohl. Denn- zu seinem Selbstbild gehört es, dass er in der Lage ist, seiner Familie alles ALLEIN zu ermöglichen. Dass das nun nicht mehr ging, hat ihm wohl sogar mehr zugesetzt wie die Arbeitslosigkeit.

    Das zeigt eigentlich schon, dass ein traditionelles Familienbild auch zu ungesunden Belastungen führen kann....meiner Meinung nach.

    Was die angeklungene Migrantendebatte angeht- im Umfeld meiner Töchter sehe ich durchaus Mädchen mit Kopftuch, allerdings gibt es auch in der islamischen Szene "Moden". Derzeit wird ein Heidenalarm auf - und unter dem Kopftuch gemacht, mit verschiedenfarbigen Tüchern, allen möglichen Spängchen und Bling-Blings, die man am und auf dem Kopftuch befestigen kann...kombiniert mit einem sehr sorgfältigen Make-Up, so dass die "biodeutschen" Mädchen dagegen fast unscheinbar wirken.
    Und- die Mütter tragen in aller Regel kein Kopftuch, regen sich hingegen über den "Kopftuchkult" der Töchter auf.

    Dass Mädchen nicht auf Klassenfahrt gehen, nicht am Sportunterricht oder irgendwelchen Schulfeiern teilnehmen, kenne ich aus meiner eigenen Schulzeit- als die "Müttergeneration" der heutigen Teenager zur Schule ging- aus der Schulzeit meiner Töchter nicht mehr.
    Auch auf Geburtstagsfeiern sind die Mädchen genauso dabei wie die Mitschülerinnen- einzige Einschränkung: Keinen Alkohol. Aber diese Ansage bekommen die anderen Partybesucher auch ( meine Jüngste wird 16....).

    Es gibt immer, in jeder Religion, eher "lockere" Vertreter und besonders strenge- ich bin so katholisch erzogen worden, dass meine Familie vermutlich sogar dem Papst peinlich gewesen wäre.

  7. Inaktiver User

    AW: Feminismus im Umgang mit patriarcharlisch geprägten Zeitgenossen m/w

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Saphire, da gibts noch was anderes:

    Starke Einschränkung der Frauenrechte gibts quasi nur in sesshaften Kulturen oder ich sag mal so, in solchen Kulturen, in denen zumindest die Frauen sesshaft sind.
    Das im übrigen ziemlich unabhängig von der Religion.
    ...
    Und wenn wir noch ein paar Jahrtausende zurück gehen, war die Aufgabe des Mannes neben der Jagd auf das Mammut, sich fortzupflanzen um die Spezies Mensch zu erhalten und über weite Landstriche zu verteilen. Dass dabei mögliche Befindlichkeiten von Frauen eine Rolle spielten, wage ich zu bezweifeln. Die Evolution scheint da Einiges außer Acht gelassen zu haben.

    Solange zum Beispiel Debatten um Gender-Sternchen im Sprachgebrauch in der Öffentlichkeit mehr Gewicht finden als die Frage, warum die Finanzierung von Frauenhäusern immer noch nicht gesichert ist, geht es doch weniger um die Einschränkung von Frauenrechten als vielmehr um deren Herstellung.

    Diejenigen, wie Seehofer und Steinbach, die dagegen stimmten, als vor nicht mal zwanzig Jahren die Vergewaltigung in der Ehe zum Straftatsbestand wurde (das Verfahren dauerte bekanntlich ein Viertel Jahrhundert vom ersten Antrag an), bestimmen heute noch die bundesdeutsche Politik nicht unerheblich mit. Dass sich in den letzten Monaten etwas bei der Einschätzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern deutlich verändert hat, mag ich daher nicht erkennen.

    Zugegeben, solche Gedanken wie "Die blöde Emanze muss nur mal richtig rangenommen werden", hört man öffentlich außerhalb von Stammtischen und Umkleidekabinen seltener. Sie sind aber nach wie vor in den Köpfen. Heute wie gestern.

  8. Avatar von Saphire
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    AW: Feminismus im Umgang mit patriarcharlisch geprägten Zeitgenossen m/w

    Und es gibt immer noch die Ansicht in den Köpfen, eine Frau sei an einer Vergewaltigung oder einem Übergriff selbst schuld. Das kommt auch hier im frauendominierten Forum manchmal so raus. In anderen Kulturen ist die sexuelle Selbstbestimmung der Frau eh unbekannt. Ich erinnere mich an die Aussage über den Chinesen, der aus allen Wolken fiel, dass es so etwas wie Vergewaltigung in der Ehe überhaupt gibt. Meine Befürchtung ist, dass es derzeit rückwärts geht, wenn ein höherer Prozentsatz Menschen beiderlei Geschlechts aus männerdominierten Gesellschaften hier leben. (Das müssen keine Muslime sein.) Die Frauen tragen die Weltsicht ja mit und vermitteln sie den Kindern. Das ist in D auch nicht anders. Jedes Mädchen kennt den Alptraum von Freund, dessen Mutter ihn als kleinen Prinzen erzogen hat und der meint, das geht so weiter. Meine Schwester hatte mal einen Italiener kennen gelernt....das ging nicht lange gut, der wollte Rundumbetreuung wie bei seiner Mama.
    Ich hab gerade gegoogelt. Deutschland liegt derzeit im Global Gender Gap Report 2015 auf Platz 12. Da ist noch Luft nach oben, aber sämtliche Länder, aus denen unsere Zuwanderer kommen, sind weit dahinter, die Türkei z.B. erst bei 125, das hat mich sogar überrascht. Noch ein Fakt: In deutschen Artikeln zum Thema geht es meist um Lohngerechtigkeit und Teilhabe, in vielen Teilen der Welt um Selbstbestimmung und gegen Gewalt.

    Saphire

  9. Inaktiver User

    AW: Feminismus im Umgang mit patriarcharlisch geprägten Zeitgenossen m/w

    Ich habs gerade nachgeschlagen, Vergewaltigung in der Ehe ist z.B. immer noch keine Straftat in:

    -Indien (es sei denn die Ehefrau ist jünger als 15)
    - China (das erklärt die Ansichten des Kollegen, in China IST das keine Straftat)

    und diversen anderen Ländern.

    Was ich wieder vergessen hatte:

    In Deutschland gibt es seit 1997 nicht nur Vergewaltigung in der Ehe als Straftatbestand, es sind auch erst seitdem Vergewaltigungen an Männern strafbar. Vorher war im Gesetz explizit nur von Frauen die Rede.


    Quelle: Wiki

  10. Moderation Avatar von maryquitecontrary
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    AW: Feminismus im Umgang mit patriarcharlisch geprägten Zeitgenossen m/w

    Mir hilft die kulturelle Perspektive immer sehr, Entwicklungen und Zustände zu verstehen und auch zeitlich einzuordnen, so dass auch deutlich wird, daß es früher anders war und/oder später anders werden kann.



    Wie gesagt, dass die "Wiege unserer Kultur" (Athen) eine Frauen abwertende (Aristoteles: Frauen sind imperfekte Männer), Frauenkörpern misstrauende (Schleier) und zutiefst patriarchalische Struktur hatte (Frau gehörte entweder ihrem Vater, ihren Brüdern oder ihrem Mann), ist mir neulich noch mal mehr bewusst geworden.


    Ebenso wie die Tatsache, dass bestimmte Kulturen einfach Frauen aus der Geschichtsschreibung ausgeklammert haben - das wurde in meinem Geschichtsunterricht dann so vermittelt, als haben sie keine Rolle gespielt.

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