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  1. Avatar von 2believe
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    AW: Feminismus im Umgang mit patriarcharlisch geprägten Zeitgenossen m/w

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    ich halte es für einen wichtigen Schritt jeder Emanzipation, sich mehr um Realitäten und Sachverhalte zu kümmern, und nicht um Image und "Rollen".

    und nein, ich bin nicht "man". Ich habe gewisse Aufgaben, die erfülle ich - wozu durchaus auch soziale Aspekte gehören - ich spiele keine Rollen.




    es ist auch ein emanzipatorischer Akt, sein Verhalten nicht auschliesslich vom konventionellen Mainstream diktieren lassen.

    gruss, barbara
    Genau darum geht es. Aber du bist für mich widersprüchlich. Auf der einen Seite beharrst du auf Unterschiede, die über den biologischen Faktoren hinausgehen und leitest daraus "Aufgaben" ab. Auf der anderen Seite wunderst du dich, dass Frauen sich dieser Aufgabenzuteilung nicht strikt genug widersetzen, wenn sie an sich andere Veranlagung/Neigung feststellen?


  2. Registriert seit
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    AW: Feminismus im Umgang mit patriarcharlisch geprägten Zeitgenossen m/w

    Zitat Zitat von 2believe Beitrag anzeigen

    aber es ging doch um Rollenzuweisungen?
    mir nicht, ich rede grad von Biologie. und deren Folgen für das Verhalten.

    Wieviel von dieser "Tendenz" ist Sozialisierung wieviel Biologie?
    ziemlich viel Biologie, vermute ich. mehr Biologie, als man heute gemeinhin annimmt, speziell im feministischen Diskurs.



    Männer tun Dinge (z. T. auch sinnlose Dinge), weil sie oft nicht reden.
    stimmt, die stürmen oft drauf los und handeln einfach mal. bis es "ups" gibt.

    während Frauen das andere Extrem bevorzugen, alles zerreden aber nie aktiv werden ( she die Dating- Stränge hier)

    gruss, barbara
    It's easy.
    Manny Pacquiao

  3. Avatar von Prilblume
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    AW: Feminismus im Umgang mit patriarcharlisch geprägten Zeitgenossen m/w

    Zitat Zitat von Sprachlos Beitrag anzeigen
    Wikipedia

    Meta-Analysen in Bezug auf geschlechtsspezifische Unterschiede ...



    Danke für die Recherche, Sprachlos. Das habe ich mir gestern durchgelesen und fand es interessant. Muss noch überlegen, wie ich dazu stehe. 😎
    "Der Brief der Außerirdischen war derart höflich und in solch wohlgesetzten Worten formuliert, dass Dörte innerlich schon bereit war, ihnen für die fraglichen Tage die Garage zur Verfügung zu stellen." (Bernd Pfarr)

  4. Avatar von Sprachlos
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    AW: Feminismus im Umgang mit patriarcharlisch geprägten Zeitgenossen m/w

    Zitat Zitat von Prilblume Beitrag anzeigen
    Danke für die Recherche, Sprachlos.
    Gern, ich war selbst erstaunt, dass es da einen solch ausführlichen Artikel gab und sogar einige recht eindeutige Unterschiede.

    Mein Thema ist aber ein anderes, ich versuche es mal etwas anschaulicher zu beschreiben.

    Im Sommer 2017 stieß ich auf eine neue Partei, die versprach, alles irgendwie anders zu machen.
    Entsprechend der Ziele und wie sie sich so darstellten fand ich das total interessant und habe mich da ziemlich reingehängt. Mit der Zeit stellten sich organisatorische Schwierigkeiten ein und es tauchten viele Fragen auf. Eins der Probleme war z.B. die Frauenquote, die man ganz streng 50:50 durchsetzen wollte, auch unbedingt in den Funktionen und bei den zu erringenden Mandaten. Es gab aber nur ca. 30 % Frauen in der Partei und bei allem Nachdenken gab es keine Idee, wieso Frauen nicht bei dieser wunderbaren Partei mitmachen wollten ....

    ... aber ganz ehrlich, diese Parteiarbeit war grundöde, es war viel Arbeit und man drehte sich nur im Kreis, die Männer (!) fingen an zu organisieren und strukturieren und Hierarchien aufzubauen (obwohl gerade das Verzichten auf dieselben anfangs erklärtes Ziel war) als wären wir 100.000 Mitglieder (es waren aber nur 1000) und irgendwann wollte ich da nur noch weg und dachte mir, dass die Frauen in Wirklichkeit auch irgendwie klüger sind, wenn sie sich sowas nicht antun, auch wenn sie im Ernstfall auf Macht verzichten, so wie sie es ja auch tun, wenn sie sich keinen Managementposten mit Herzinfarktrisiko an´s Knie nageln.

    Ich glaube schon, dass Frauen grundsätzlich an politischem und wirtschaftlichem Leben teilnehmen wollen, aber nach anderen Regeln. Ich glaube, die Regeln der Jüngeren werden "femininer" sein (siehe auch FfF wo neben Greta Thunberg noch sehr viele junge Frauen ganz selbsverständlich und wahrscheinlich ohne Quotenregelung in der ersten Reihe stehen), auch wenn ich nicht genau sagen kann, wie genau das definiert sein sollte.

    Dazu habe ich auch noch eine Buchempfehlung (nicht ganz einfach zu lesen): Die "Heilige Ordnung" der Männer: Hierarchie, Gruppendynamik und die neue Rolle der Frauen von Gerhard Schwarz
    Die "Heilige Ordnung der Männer" ist der Versuch, die Krise des hierarchischen Systems zu analysieren und Möglichkeiten einer Weiterentwicklung aufzuzeigen. Einer der möglichen Wege ist dabei eine Neubelebung der Gruppen, die in der Urgeschichte eine wichtige Bedeutung für das Zusammenleben der Menschen hatten. Die Entstehung der Hierarchie wird dabei über die Zentralisierung von Funktionen auch als eine Machtergreifung der Männer angesehen, die mit "Militär" und "Logik" bestimmte Teilaspekte der Wirklichkeit herausheben und andere - z. B. die weiblichen Dimensionen - vernachlässigen. Deshalb sind auch die Frauen bis heute Hierarchien gegenüber skeptisch. Hierarchie verlangt auch eine bestimmte Logik. Wie eine neue - für Männer und Frauen akzeptable Logik aussehen könnte, wird in dem Buch erstmals angedacht. [Quelle: Klappentext]

    Ich hoffe, ich konnte mich einigermaßen verständlich machen.
    Kreativität kommt von der Freiheit zu scheitern. Und die Freiheit zu scheitern kommt vom Experiment. (Peter Gabriel)

  5. Avatar von Amelie63
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    AW: Feminismus im Umgang mit patriarcharlisch geprägten Zeitgenossen m/w

    Danke Sprachlos für deine vielen Hinweise und Gedanken

    Das Thema mit der Hierarchie beschäftigt mich auch immer wieder, v.a. beruflich, weil ich in der Baunebenbranche arbeite. Nachdem ich bei den bisherigen Projekten eher in männlich dominierten Teams war, bin ich jetzt in einem reinen Frauenteam und mache meine Arbeit da wesentlich lieber, obwohl das Projekt an sich recht schwierig ist.
    Die Hierarchien sind formal die selben wie in jedem anderen Projekt. Warum ist es trotzdem angenehmer zu arbeiten? Vereinfacht gesagt, weil einfach nur gearbeitet wird, und nicht gegockelt. Wir hatten jetzt ein paar mal Pech mit den männlichen Bauleitern. Mir ist dadurch klar geworden, dass das viel damit zu tun hat, dass wir heute eine andere Arbeitsteilung haben als das traditionell der Fall ist. Die setzt aber transparentes Arbeiten und Kommunikation/Informationsaustausch im Team voraus.

    Das ist ein völlig anderes Arbeiten, weil es voraussetzt, dass eben nicht irgendwelche "Gschäftle" per Handschlag auf der Baustelle gemacht werden, oder sonst irgendwie gemauschelt wird. Diese Arbeitsteilungen sind heute, sicher nicht nur in unserer Branche, notwendig, weil wirtschaftliches Arbeiten und Dokumentationspflichten immer wichtiger werden und rechtlich auch immer mehr vorgegeben sind. Das macht es zunehmend schwierig für Männer, sich auf ihre altgediente Weise zu profilieren, weil dieses "Gschäftle per Handschlag machen" einfach nicht transparent, und damit äußerst konfliktanfällig ist, auch innerhalb der alten Hierarchien, bei uns z.B. den auftraggebenden Behörden gegenüber.
    Anders gesagt: es reicht heute nicht mehr "Gschäftle" zu machen, man(n) muss heute schon auch die Fähigkeit haben, sich zu strukturieren, (vertragsrelevant) schreiben und kommunizieren zu können, Kenntnisse über betriebswirtschaftliche Zusammenhänge nicht nur haben, sondern auch beachten - und wissen, dass Frauen nicht mehr dafür da sind, einem die Emails auszudrucken, vorzulesen und anschließend abzulegen.

    Diese neuen Arbeitsteilungen kommen vielleicht Frauen eher zugute, weil sie eher dem entsprechen, was die meisten von uns aus ihrem Alltag kennen: Delegation ist notwendig,muss aber vollständig sein, d.h. guter Informationsaustausch und die erforderlichen Kompetenzen. Man kriegt die Sachen nur vom Tisch, wenn man lösungsorientiert, denkt, kommuniziert und handelt "Wir" Frauen sind darin vielleicht geübter, weil "wir" es i.d.R. auch nicht erleben, dass da irgendwer kommt und was wegputzt, wenn wir es aussitzen.

    Bei Männern erlebe ich das aber immer wieder, was zu sehr viel Murks führt. Denn bis zu einem gewissen Punkt kann man um solche Männer drumrum schaffen, aber aufgrund der heutigen spezifischen Arbeitsteilung und Arbeitsverdichtung führt das sehr schnell zu Stau und entsprechenden Kettenreaktionen, was dann auch schnell sehr teuer werden kann.

    Bei Frauen gibt es sicher auch Strategien des "aussitzens", die anders kommuniziert werden, z.B. eher in Richtung "ich kann das nicht". Habe ich bisher allerdings nur auf den "unteren" Sachbearbeitungsebenen erlebt, Frauen, die höher kommen, können sich das nicht mehr erlauben. Im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen sind die sehr schnell weg vom Fenster, wenn sie nicht liefern.

    Deshalb finde ich die ewige Diskussion auch blöde, wenn es um gleiche Bezahlung geht, dass Frauen das gleiche leisten müssten wie die Männer, wenn sie das wollen. In meiner Branche habe ich mit so vielen Männern zu tun, die ihren Positionen und dem Geld, das sie dort verdienen, nicht gerecht werden, und die sich dafür gesellschaftlich aber nicht rechtfertigen müssen. Warum sollen es dann Frauen auf einmal? Und warum können weibliche Vollpfosten sich nicht auch auf höher dotierten Positionen niederlassen? (Nicht dass ich Vollpfosten in Verantwortungspositionen toll fände, aber das Vollpfostenproblem an sich werden wir wohl nicht lösen können, das gabs im Prinzip auch schon immer, ich bin aber für Geschlechtergerechtigkeit auch im Vollpfostenressort )

    Zurück zu den Hierarchien: dass Frauen vielleicht keine Lust, und auch keine Nerven haben, Macht in den von dir beschriebenen Strukturen zu leben, hat vielleicht einfach auch was damit zu tun, dass wir - zum einen - anderes Arbeiten gewohnt sind, nämlich ein Effizientes, weil uns eben i.d.R. niemand "den Arm aus der Sonne nimmt", - zum anderen - weil wir auch i.d.R. niemanden haben, der uns den Rücken frei hält und dafür sozial häufig vielseitiger eingebunden sind, was aber auch viel Zeit und Kraft kostet.
    Das alles zusammen erfordert einfach andere Arbeitsweisen und Vernetzungen.

    Grundsätzlich bin ich ja eine Freundin von gemischten Teams. Bei meinen derzeitigen Erfahrungen scheint das aber auch nur so wirklich zu fruchten, wenn es schon vorgegebene Strukturen gibt, die nicht die eine oder andere "Strategie" begünstigen.

    Positiv erlebe ich das in der Kommunalpolitik bei den Grünen. Auf höheren Ebenen mag da ja vieles anders sein. Aber die gewachsenen Strukturen dieser Partei hat, meiner Beobachtung nach, zumindest auf Kommunalebene durchaus eine Wirkung, die dazu führt, dass wir eine ausgeglichene Geschlechterverteilung haben, ja auch aus sehr unterschiedlichen Berufen und "Schichten" stammen, und auch sehr generationsübergreifend zusammen gesetzt sind. Vielleicht habe ich da in unserem Ort einfach auch nur Glück. Die Gruppe hat sich auch erst vor einem Jahr formiert. Aber ich denke schon, dass da, wo die herkömmlichen Strukturen zugunsten der Frauen aufgebrochen werden/wurden, sich in Folge, also wenn sich das ganze "normalisiert" und hat, generell eine größere Vielschichtigkeit und eine eher lösungsorientierte Weise etablieren können.

    Ich finde deshalb Frauenquoten grundsätzlich nicht schlecht. Blöd sind die vielleicht für die Frauen der "1. Generation", weil denen das Gschmäckle der Quotenfrau anhaftet. Aber es können sich für die Nachfolgenden günstigere Strukturen etablieren, die sich auf die Zusammensetzung generell positiv auswirken können, nicht nur geschlechtsbezogen. Wobei ich Frauenquoten jetzt eher als ein Instrument in einem ganzen Paket sehen würde, um eine nachhaltige Änderung erreichen zu können.

    In den 10 Jahren, die ich jetzt in meinem Job tätig bin, hat in meinem Umfeld die Anzahl der Frauen in Führungspositionen (sowohl Entscheidungsträgerinnen in den Ämtern, als auch Fachplanerinnen, Projekt- und Bauleiterinnen etc) sehr zugenommen. Ich halte das für einen Teil einer Entwicklung, die an vielen Stellen gleichzeitig passiert, so z.B. Änderungen in den rechtlichen, finanziellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die mehr wirtschaftlichen Druck erzeugen, aber positiv gesehen auch zu einer Hinwendung zu mehr Transparenz führen, was wiederum eine Änderung in den Hierarchien erforderlich macht, wie die schon genannte andere Arbeitsteilung:
    Weniger "der Leiter diktiert der Sekrätärin oder Bauzeichnerin", hin zu mehr "jeder schreibt und zeichnet sein Zeug selbst", dafür spezifische Auslagerung mancher Teilgebiete wie Abrechnung, Dokumentationsaufgaben etc. an entsprechendes Fachpersonal wie mich.

    Ich sehe sehr viel Bewegung in dem ganzen Thema, aber auch noch sehr viel Risiken. Noch weiss man nicht, wo sich das ganze im Großen und Ganzen hin entwickelt. Ich kann gut verstehen, dass sich immer noch, oder vielleicht sogar wieder mehr Frauen lieber "privatisieren", anstatt öffentlich in der Wirtschaft und/oder Politik tätig zu werden. Gleichzeitig fehlen sie aber auch zunehmend im Ehrenamt, also die alte "Privatisierungs-"Ordnung trägt ja auch nicht mehr - sprich: Hausfrau, die ehrenamtlich tätig ist und somit Stütze der Gemeinschaft. Auch in dem Bereich müssen neue Strukturen geschaffen werden.
    Ob es gelingt, diese geschlechtsneutral neu zu denken und zu organisieren, oder ob sich der Kampf verschärfen wird, Frauen wieder in die Bereiche zurück zu drängen, aus denen sie sich im letzten Jahrhundert leidvoll herausgekämpft haben, bleibt abzuwarten.

    Meine persönliche Meinung ist die, dass die Spaltung wohl eher wieder "schichtbezogen" verlaufen wird, und weniger geschlechterbezogen. Und mit Schicht meine ich das Einkommen und die Bildung, wobei heutzutage paradoxerweise die zwei Kriterien nicht mehr zwingend zusammen gehören.

    Viel Text, zusammen gefasst kann man wohl sagen: es bleibt spannend, aber nicht hoffnungslos
    Grüße
    A.

    Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.
    Geändert von Amelie63 (16.02.2020 um 10:23 Uhr)


  6. Registriert seit
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    AW: Feminismus im Umgang mit patriarcharlisch geprägten Zeitgenossen m/w

    Zitat Zitat von Amelie63 Beitrag anzeigen
    Das ist ein völlig anderes Arbeiten, weil es voraussetzt, dass eben nicht irgendwelche "Gschäftle" per Handschlag auf der Baustelle gemacht werden, oder sonst irgendwie gemauschelt wird. Diese Arbeitsteilungen sind heute, sicher nicht nur in unserer Branche, notwendig, weil wirtschaftliches Arbeiten und Dokumentationspflichten immer wichtiger werden und rechtlich auch immer mehr vorgegeben sind.
    Was eine Entwicklung ist, die ich ganz und gar nicht begrüsse.

    Meine Erfahrung ist: Geschäfte, die per Handschlag nicht funktionieren würden - funktionieren auch dann nicht, wenn ganze Teams von Anwälten seitenweise Kleingedrucktes vorlegen.

    Ein Mensch ist entweder korrekt, dann ist er das auch bei mündlichen Vereinbarungen - oder er ist es nicht, und dann wird viel Kleingedrucktes lediglich dazu führen, dass Juristen viele Anlässe und Punkte haben, über die sie sich streiten können.

    Mir scheint auch, dass "Dokumentation und legale Korrektheit" recht wenigt mit "transparenten Arbeitsabläufen" zu tun hat. Das sind doch zwei völlig unterschiedliche Dinge: erst wird gearbeitet, und kommuniziert "du bearbeitest den Fall Müller, du den Fall Meier," - und am Abend setzt sich dann jemand noch hin und schreibt das alles auf, was getan wurde.



    und damit äußerst konfliktanfällig ist, auch innerhalb der alten Hierarchien, bei uns z.B. den auftraggebenden Behörden gegenüber.
    Gerade in Behörden hat doch der Frauenanteil zugenommen; und damit womöglich auch der Anteil an Kontroletti-Arbeit, sprich Dokumentation, expliziten (schriftlich festgehaltenen) Regeln statt impliziten Regeln, und eine Form von "Gerechtigkeit", die darin besteht, dass alle alles genau gleich tun müssen und alle genau dasselbe erhalten.

    Wobei Männer auch Beziehungen stärker hierarchisieren und somit dem Kumpel einen Vorsprung geben, wenns um geschäftliche Dinge geht. Was ich ja gar nicht falsch finde, ich mache viel lieber Geschäfte mit Freunden statt mit Fremden.



    Diese neuen Arbeitsteilungen kommen vielleicht Frauen eher zugute, weil sie eher dem entsprechen, was die meisten von uns aus ihrem Alltag kennen: Delegation ist notwendig,muss aber vollständig sein, d.h. guter Informationsaustausch und die erforderlichen Kompetenzen.
    Wenn ich stark hierarchisch organisierte, männlich betonte Organisationen, betrachte - zum Beispiel Armeen, oder die katholische Kirche, oder Küchen von Sternerestaurants - so haben die durchaus auch sehr klare Delegation, sehr klare Informationsflüsse, sehr klare Aufgabenverteilungen.

    Dass "männlich" bedeutet "unklares Kommunikationskuddelmuddel" ist meiner Auffassung nicht grundsätzlich oder auch nur häufig so.


    In meiner Branche habe ich mit so vielen Männern zu tun, die ihren Positionen und dem Geld, das sie dort verdienen, nicht gerecht werden, und die sich dafür gesellschaftlich aber nicht rechtfertigen müssen. Warum sollen es dann Frauen auf einmal? Und warum können weibliche Vollpfosten sich nicht auch auf höher dotierten Positionen niederlassen?
    ich las mal, dass Emanzipation dann erfolgreich gewesen ist, wenn mittelmässige Frauen auch die hohen Posten kriegen. Genauso wie die mittelmässigen Männer.

    nun, aktuell ist gerade di evon der Leyen Kommissionspräsidentin der EU.... qed würd ich sagen.




    Zurück zu den Hierarchien: dass Frauen vielleicht keine Lust, und auch keine Nerven haben, Macht in den von dir beschriebenen Strukturen zu leben, hat vielleicht einfach auch was damit zu tun, dass wir - zum einen - anderes Arbeiten gewohnt sind, nämlich ein Effizientes, weil uns eben i.d.R. niemand "den Arm aus der Sonne nimmt", - zum anderen - weil wir auch i.d.R. niemanden haben, der uns den Rücken frei hält und dafür sozial häufig vielseitiger eingebunden sind, was aber auch viel Zeit und Kraft kostet.
    Andererseits, zum Rumzicken fehlt's vielen Frauen weder an Energie noch Motivation, und nein, Frauen finde ich nicht grundsätzlich effizienter als Männer.

    und der Aufbau sozialer Beziehungen ist ja auch etwas, das einen beruflich vorwärts bringt! Heute können ja auch Frauen in Vereinen und privaten Kontakten Seilschaften finden und bilden. Was ja immer den Männern vorgeworfen wird, dass sie Vitamin B nutzen... können Frauen ja auch!

    die (mir scheint, weibliche) Idee, dass Arbeit und Privatleben strikt getrennt sein sollen, nicht sehr sinnvoll. Sinnvoll ist eben, wenn man beim emütlichen Kaffeekränzchen mit der Freundin halt eben noch einen Lead kriegt für eine mögliche geschäftliche Zusammenarbeit. Synergien nutzt. Weil das eben unter dem Strich Arbeit und Energie spart (im Gegensatz zum ständigen Dokumentieren von allem, was viel Arbeit macht aber wenig Ergebnisse bringt)


    Grundsätzlich bin ich ja eine Freundin von gemischten Teams. Bei meinen derzeitigen Erfahrungen scheint das aber auch nur so wirklich zu fruchten, wenn es schon vorgegebene Strukturen gibt, die nicht die eine oder andere "Strategie" begünstigen.
    Die männliche Vorgehensweise lehnst du doch ab, wenn ich das richtig verstehe? also die "ich frag mal meinen Kumpel"-Variante.

    und bevorzugst die weibliche Vorgehensweise, mit explizit definierten Strukturen und Prozessen, an die sich dann alle zu halten haben, egal ob es grad passt oder nicht in der individuellen Situation.


    Ich finde deshalb Frauenquoten grundsätzlich nicht schlecht. Blöd sind die vielleicht für die Frauen der "1. Generation", weil denen das Gschmäckle der Quotenfrau anhaftet.
    Das wäre mir jetzt sowas von egal, ob ich als Quotenfrau irgendwo hinkomme. Genau so wie es mir egal wäre, wenn ich als Cousine von XY einen Job kriege (Vitamin B), oder sonst aufgrund einer nicht veränderlichen Eigenschaft, die ich zufälligerweise besitze und die mir zufälligerweise in der konkreten Situation einen Vorteil verschafft.

    gruss, barbara
    It's easy.
    Manny Pacquiao

  7. Avatar von Amelie63
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    AW: Feminismus im Umgang mit patriarcharlisch geprägten Zeitgenossen m/w

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    Was eine Entwicklung ist, die ich ganz und gar nicht begrüsse.

    Meine Erfahrung ist: Geschäfte, die per Handschlag nicht funktionieren würden - funktionieren auch dann nicht, wenn ganze Teams von Anwälten seitenweise Kleingedrucktes vorlegen.
    Darum gehts doch gar nicht. Diese Entwicklungen haben einfach viel mit der Globalisierung bzw. "Europäisierung" zu tun, anders gesagt, dahinter stehen Entwicklungen und Vertragswerke wie das europäische Vergaberecht. Es geht darum, dass mehr Wettbewerb und internationale Chancengleichheit geschaffen werden sollen. Das kann man gut oder schlecht finden.
    Genauso dass ein gewisser Qualitäts- und Sicherheitsstandard dokumentiert sein muss, auch um spätere Haftungsfragen zu klären. Oder um Korrkuption zumindest zu erschweren.

    Grundsätzlich ist es aber so, dass wir unseren Bauboom derzeit nicht bewältigen können ohne die ganzen "Männerhorden" aus Osteuropa. Wobei ich da nicht das geschlechtsspezifische als das Hauptproblem sehe, sondern die Ausbeutung der ärmeren Länder (die "Frauenhorden" dieser Länder sind bekanntlich eher in den Bordellen).
    Anderes Thema.,
    und nur eine Anregung, mal etwas differenzierter in einem größeren Rahmen zu denken (deshalb gehe ich auf deine anderen Passagen auch nicht ein, wir würden nur - einmal mehr- völlig aneinander vorbeischreiben)

    (btw: ich weiss gar nicht, wie die Briten das jetzt machen wollen, aber vielleicht haben die ja keinen Bauboom)
    Grüße
    A.

    Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.
    Geändert von Amelie63 (16.02.2020 um 11:05 Uhr)


  8. Registriert seit
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    AW: Feminismus im Umgang mit patriarcharlisch geprägten Zeitgenossen m/w

    Zitat Zitat von Amelie63 Beitrag anzeigen
    anders gesagt, dahinter stehen Entwicklungen und Vertragswerke wie das europäische Vergaberecht.
    ja, die Verweiblichung der Wirtschaft - sprich alles explizite Regeln (Reglemente, Vertragswerke, Kleingedrucktes, Dokumentationspflichten) statt implizite Regeln (Handschlag, "passt scho", "werden wir dann schon hinkriegen, wenn's soweit ist", "schaun mer mal")


    Es geht darum, dass mehr Wettbewerb und internationale Chancengleichheit geschaffen werden sollen. Das kann man gut oder schlecht finden.
    "mehr Wettbewerb" und "mehr internationale Chancengleichheit" sind konträre Angelegenheiten.

    Man kann nur mehr Chancengleichheit schaffen, indem man den Wettbewerb beschneidet. Oder umgekehrt, man bekommt mehr Wettbewerb, wenn man nicht im Sinne von Chancengleichheit reguliert.

    gruss, barbara
    It's easy.
    Manny Pacquiao


  9. Registriert seit
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    AW: Feminismus im Umgang mit patriarcharlisch geprägten Zeitgenossen m/w

    Zitat Zitat von Amelie63 Beitrag anzeigen
    Darum gehts doch gar nicht. Diese Entwicklungen haben einfach viel mit der Globalisierung bzw. "Europäisierung" zu tun, anders gesagt, dahinter stehen Entwicklungen und Vertragswerke wie das europäische Vergaberecht
    .



    Richtig, aber darüber wird doch häufig geschimpft?


    (btw: ich weiss gar nicht, wie die Briten das jetzt machen wollen, aber vielleicht haben die ja keinen Bauboom)
    Zumindest dürften die weniger Druck auf dem Wohnungsmarkt haben als vor dem Brexit.

  10. Avatar von Amelie63
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    AW: Feminismus im Umgang mit patriarcharlisch geprägten Zeitgenossen m/w

    Man kann nur mehr Chancengleichheit schaffen, indem man den Wettbewerb beschneidet. Oder umgekehrt, man bekommt mehr Wettbewerb, wenn man nicht im Sinne von Chancengleichheit reguliert.

    gruss, barbara
    nicht zwangsläufig, da hat der Gesetzgeber durchaus Lenkungsfunktionen z.B. Mittelstandskartelle usw.
    Deshalb machen die lukrativen Großaufträge zwar trotzdem die Konzerne unter sich aus, aber das wird nicht durch Beschneidung oder Nichtbeschneidung des Wettbewerbs geändert.
    Man muss Konzerne auch nicht nur als Feind sehen, die haben, zumindest in der Baubranche, ja auch ganz andere logistische, innovative und finanzielle Möglichkeiten, was per se erst mal nicht schlechtes ist.

    Es könnten aber schon relativ kleine Veränderungen in der Umsetzung der Vergaben Änderungen zugunsten Kleinerer bringen, z.B. dass man sich mal wirklich an den Gesetzestext hält und nicht einfach den billigsten nimmt, sondern den wirtschaftlichsten, wo nochmal ganz andere Kriterien berücksichtigt werden können.

    Aber das geht jetzt weg von dem Strangthema. Und ich will ja auch nicht hier eine Branche diskutieren, sondern habe lediglich Beispiele aus meinem Umfeld gegeben, die sicher nicht gesamtgesellschaftlich übertragen werden können. DIE Antwort auf alles gibts meiner Meinung nach eh nicht (außer die berühmte "69" ) Und die Pest unserer Zeit ist es, dass so viele Menschen nach DER einen - möglichst einfachen Antwort verlangen

    Dabei sind die vielen unterschiedlichen Strömungen und Entwicklungen doch so spannend (v.a. wenn man selbst imTrockenen und im Warmen sitzt), man mus s es halt auch mal aushalten können, dass es keine einfachen Antworten gibt.
    Grüße
    A.

    Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.

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