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  1. Moderation Avatar von maryquitecontrary
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    Zum Weltfrauentag ein Gruß aus Norwegen

    Anläßlich des Weltfrauentages haben google translate & ich ein kurzes Interview mit der norwegsichen Gleichstellungsministerin (aus http://www.aftenposten.no/nyheter/ir...e-7141641.html) übersetzt. Es illustriert, wie Gesellschaft und Politik auch einen anderen Blick auf die Frage Familie/Beruf haben können:

    "Man kann sagen es ist gleichermaßen wertvoll mit den Kindern zu Hause zu bleiben wie arbeiten zu gehen – aber das ist es nicht"

    Es ist Tag der Frau und der Jahrestag des Frauenwahlrechts in einem der am meisten gleichgestellten Länder. Aber von der Gleichstellungsministerin kommt ein Seufzer.

    - Ich meine, man soll ehrlich sagen auf was Frauen verzichten, wenn sie zu Hause bleiben anstatt arbeiten zu gehen. Es gibt einen Grund dafür, dass es eine starke Konzentration auf die Arbeit in unserer Gesellschaft gibt: weil Frauen im Laufe der Geschichte teuer erkaufte Erfahrungen gemacht haben, sagt Inga Marte Thorkildsen (SV).

    Die Wahlfreiheit hängt an der wirtschaftlichen Situation:
    Seit dem Krieg hat die Mehrheit der norwegischen Frauen Einzug ins Arbeitsleben gehalten. Vor 60 Jahren galt es in der Gleichstellungsfrage, Frauen auf gleicher Linie wie Männer ins Arbeitsleben zu bekommen, heute geht es darum, die Frauen in der Arbeit zu behalten.

    Es arbeiten noch über 40 Prozent der norwegischen Frauen Teilzeit.
    - Klar kann man sagen, dass es ebenso wertvoll ist, nach Hause bei den kindern zu bleiben wie zu arbeiten - aber das ist nicht. Man muss nur all die Vergünstigungen sehen, die mit der Arbeit verbunden sind, und die Macht und den Status, die daran hängen, in Arbeit zu sein. Gesellschaften, die vorziehen, daß Frauen zu Hause bleiben, sind durch die Bank weniger gleichgestellt als andere, und dort haben Frauen viel weniger Auswahl. Ob man es mag oder nicht: Die Wahlfreiheit hängt an der Ökonomie, sagt Thorkildsen.

    Zu Hause bleibende Mütter:
    Karrierejagd. Abholen vom Kindergarten. Fahren zum Fussballtraining. Überstunden. Für einige ist der Alltag zu anstrengend, andere wollen mehr Zeit mit ihren Kindern, und wählen deshalb, mit der Arbeit aufzuhören oder auf Teilzeit zu gehen.

    In der öffentlichen Debatte machte in der jüngsten Zeit eine Gruppe Mütter von sich reden, die Anerkennung dafür fordern, dass sie zu Hause bleiben wollen.

    "Ich bin keine schlechte Feministin, obwohl ich nicht die Karriere wähle ", argumentierte Autorin und Bloggerin Mary Anne Gamkinn in gestern „Aftenposten“.

    - Was halten Sie von denen, die sich danach sehnen zu Hause sein und nicht den moralischen Gleichheitszeigefinger sehen gezeigt bekommen wollen?
    - Ich verstehe diejenigen, die mit Zeitdruck zu kämpfen haben oder mehr Zeit mit ihren Kindern wollen. Aber sie müssen sich klarmachen, auf was sie verzichten, sagt Thorkildsen und erzählt:

    Ein bestimmtes Erlebnis hat sich in ihr besonders eingebrannt: Eine aufgebrachte Frau sprach die Gleichstellungsministerin im Bus an und las ihr eine Lektion: Die Frau war mit ihrem behinderten Kind zuhause geblieben. Der Mann hatte Karriere gemacht und das Geld verdient. Dann hatte der Mann sie für eine jüngere Frau verlassen und die Frau saß da als Rentnerin mit Mindestrente.

    - Dass die Frauen die Kosten dafür übernehmen dass der Alltag schwer auf die Reihe zu bekommen ist, und deshalb zu bekommen zusammen, und deshalb Teilzeit arbeiten, prägt die Chancen der Frauen auf wirtschaftliche Selbstversorgung bis sie in den Ruhestand gehen, und es beschränkt ihre Freiheit. Stützt man sich darauf, von einem Mann unterstützt zu werden, macht man sich verletzlich. Der Weg zur Gleichstellung führt über ein unabhängiges Einkommen, sagt Thorkildsen.

    Sie weist auf Untersuchungen die zeigen, dass Teilzeitarbeit nicht unbedingt das Leben leichter macht für Frauen, eher das Gegenteil.
    - Sie machen sich mehr Sorgen ums Geld und darüber, dass ihr Einsatz im Job nicht ausreicht. Sie bekommen nicht den Zuwachs an Kompetenz, für den es Erfahrung und Präsenz bei der Arbeit braucht. Die Bereitschaft des Arbeitgebers, in Sie als Mitarbeiter zu investieren ist proportional dazu, wie viel Sie arbeiten, daher wird auch Teilzeit ein Problem für diese Frauen, sagt sie.

    Sechs-Stunden-Arbeitstag
    Thorkildsen sieht keine politische Mehrheit dafür, Frauen das Zuhausebleiben zu ermöglichen. Man bekommt Erziehungsgeld, während die Kinder kleiner sind, aber damit hört es auf.
    - Es gibt keine Partei, die befürwortet, Milliarden von Kronen für Frauen auszugeben, die zu Hause bleiben wollen anstatt zu arbeiten. Das Erziehungsgeld ist auch nicht sehr hoch, sagt sie.

    Thorkildsen glaubt, die Debatte sollte vielmehr davon handeln, wie die Gesellschaft sich so organisieren kann, dass die Eltern weniger an der der Schnittstelle zwischen Familie und Beruf ausgelaugt werden.

    - Ich denke, wir müssen auch darüber diskutieren, ob wir bereit sind, die normale Arbeitszeit auf sechs Stunden zu senken oder anderweitig zu senken, so dass Frauen nicht den Preis für das Familienleben zahlen müssen, sagt Thorkildsen.
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  2. Registriert seit
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    AW: Zum Weltfrauentag ein Gruß aus Norwegen

    Liebe maryquitecontrary, Danke für dieses Interview! (und für die Übersetzungsarbeit! Chapeau!)

    Ich finde den Gedanken der norwegischen Ministerin, dass die Wahlfreiheit der Frau an der Ökonomie hängt, sehr spannend, gerade weil ich vor ein paar Tagen über die Minangkabau, einer Ethnie Indonesiens, gelesen habe und diese lustigerweise genau diesen Gedanken - stark ist, wer ökonomisch stark ist- schon seit Generationen leben und damit der Frau eine hohe soziale Position innerhalb ihrer Gesellschaft einräumen. Die Minangkabau sind "matrilinear" organisiert (ändert sich aber leider mehr und mehr), d.h. die Frauen sind sozial durch Erb-und Gewohnheitsrecht finanziell gut abgesichert und haben an diese finanziell/besitzmäßig gute Position auch einen gewissen sozialen Status inne.

    Hier mal einen Link zu Tante Wiki.
    Geändert von bruennette_2 (15.03.2013 um 11:06 Uhr)

  3. Moderation Avatar von maryquitecontrary
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    AW: Zum Weltfrauentag ein Gruß aus Norwegen

    Danke für den link.

    Ja, der starke Fokus auf die Ökonomie scheint zu funktionieren. Ich habe das Interview deshalb verlinkt, weil es in den ForumDiskussionen hier immer noch wenig ökonomische Argumente gibt - trotz Einkommens Gefälle und neuer Unterhaltsregelung. ein bisschen so als sei Geld unweiblich.
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    Moderation im Forum "Persönlichkeit"

  4. Avatar von elli07
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    AW: Zum Weltfrauentag ein Gruß aus Norwegen

    Vielen Dank für diesen interessanten Strang.

    maryquitecontrary,

    kannst du dir vorstellen, dass in Deutschland eine Ministerin(!) ein Interview gibt mit einem derartigen Tenor ? Ok, die Frage ist rhetorisch...

    In Deutschland wird die Vollzeit-Mutterschaft/Kindererziehung als vorrangige Aufgabe der Frau von vielen immer noch sehr hoch gehandelt. Was man aktuell an der Diskussion über das unsägliche "Betreuungsgeld" gesehen hat.

    Vordergründig profitieren offenbar noch zu viele davon, so wie es bei uns ist. Es fehlen Vorbilder, die anders agieren, oft werden sie "runtergemacht". Eine Katze, die sich in den Schwanz beisst.

    In Staaten mit einer hohen "Beschäftigungsquote" der Frauen werden ja deutlich mehr Kinder geboren als in Deutschland......

    Gruß, Elli
    Auf der höchsten Stufe der Freundschaft offenbaren wir dem Freunde nicht unsere Fehler, sondern die seinen (F. de La Rouchefoucauld, 1613-1680)

    Fürchte dich nicht vor einem großen Schritt. Mit zwei kleinen lässt sich keine Schlucht überwinden (David Lloyd George)
    Geändert von elli07 (30.03.2013 um 12:07 Uhr)

  5. Inaktiver User

    AW: Zum Weltfrauentag ein Gruß aus Norwegen

    Zitat Zitat von elli07 Beitrag anzeigen
    kannst du dir vorstellen, dass in Deutschland eine Ministerin(!) ein Interview gibt mit einem derartigen Tenor ? Ok, die Frage ist rhetorisch...
    Das derzeit als Familienministerin amtierende Mäuschen sicher nicht!
    Aber ich könnte mir schon vorstellen, dass es auch in Deutschland Politikerinnen gibt, die sich in dieser Richtung äußern wurden.
    Das Problem ist allerdings: Es würde in D wahrscheinlich Wählerstimmen kosten, männliche aber auch weibliche.
    Ich frage mich, ob die Ministerin das in Norwegen weniger zu befürchten hat, weil vielleicht die gesamtgesellschaftliche Denke dort bereits anders ist.


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    AW: Zum Weltfrauentag ein Gruß aus Norwegen

    die ministerin sagt das richtige, ich würde gerne einen anderen weg zum ziel gehen.

    als unser eines kind zur tagesmutter kam, hatte ich halbe arbeitszeit, beinahe vierzig stunden gingen nämlich für die fahrt zwischen den arbeitsorten, und das bringen und holen des nachwuchses auf.
    wie soll man so richtig arbeiten gehen können?

    ich achtete daher bei gesprächen und in foren verstärkt darauf, wieviel zeit die organistation der unterbringung des nachwuches, und der weg zu/von arbeitsplatz und schule, kindergarten und verpflichtenden förderstunden, bei anderen eltern brauchen.

    ein grosses problem stellt die von den arbeitgebern derzeit hauptsächlich (ohnehin niederiger bezahlten) frauen, und hochbezahlten spitzenmangern abgeforderte, kostenlos zu leistende mehrarbeit dar. bei lehrern sind das sonntagsverpflichtungen bei flohmärkten für die schule, elterngespräche, freiwillig zu haltende förderkurse. religionslehrer müssen ausserdem noch unbezahlte pfarrarbeit von bis zu weiteren vierzig stunden leisten. verkäuferinnen verlangt man angeblich tägllich vor arbeitsbeginn und nach arbeitsende, regal- und reinigungstätigkeiten von je bis zu zwei stunden ab.

    den ansatzpunkt sehe ich daher fast allein in der stärkung der gewerkschaften im sinne der förderung von in ihrer zusammensetzung wechselnden mitarbeiterparlamenten mit kontrollfunktion. diese teams müssten alle forderungen nach gratisarbeit zur anzeige bringen. die teams sollten alle drei jahre wechselnde zusammensetzung haben.

    die öffnungszeiten der geschäfte, die arbeitszeiten der betriebe an einem ort, dürften nur die stunden umfassen, in denen am ort kinderbetreuung gesichert ist, schichtbetrieb gäbe es nur, wo eine nächtigungsmöglichkeit auch für die kleinen gegeben wäre.

    öffentliche verkehrsmittel sollten für mit schulpflichtigen- oder vorschulkindern zusammen reisende eltern kostenlos sein, fahrten allein unterlägen der kostenpflicht.

    arbeitsverträge für manager, ärzte und andere akademiker, beinhaltend rahmenarbeitszeiten mit abgegoltener mehrarbeit, sollten verboten sein. arbeit muss real entlohnt werden.

    jedem arbeitgeber, der familienunterstützende angebote ausgesuchter art anbietet, bekommt steuererleichterungen. alleinstehende arbeitnehmer bekommen anteil an anderen vorteilen.


    ehrenamt muss belohnt werden.
    eine österreichische gemeinde vergab für von jugendlichen geleistete ehrenamtliche arbeit wie vorlesen im kindergarten oder im altersheim, gutscheine für die sport- und freizeiteinrichtungen. das modell wäre auszubauen. arbeitslose und von sozialen unterstützungen abhängige dürften für die durch ehrenamt erworbenen gutzscheine nichts vom tagessatz abgezogen bekommen.

    politische und kommerzielle werbung mit abbildungen von kindern ohne ihre erziehungsberechtigten, sollte bei hoher strafe verboten werden. wer sein bild mit kindern umrahmen möchte, muss vorher die familie wahrnehmen.
    parteienförderung vor wahlkämpfen müsste an die pflicht gebunden sein, behindertengerechte lokale zu wählen, und freiwillige kinderbetreuung anzubieten.
    lg
    legrain
    Geändert von legrain (30.03.2013 um 13:45 Uhr)

  7. Moderation Avatar von maryquitecontrary
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    AW: Zum Weltfrauentag ein Gruß aus Norwegen

    Ich kann dir in vielem zustimmen, aber die Übernachtungseinrichtungen für Kinder sind m.E. ein Schuss in den Ofen. Hier in Norwegen werden die auch gerade gefordert für schichtarbeitende Alleinerziehende. Und da hört es für mich auf: müde kleine Kinder gehören in eine vertraute Umgebung und ihren Eltern gehört der Schichtdienst erlassen. Kinderbetreuung ist keine Aufbewahrung und Kinder sind Mitbürger mit Recht auf kindliche Bedürfnisse.

    Die Skandinavier merken gerade vermehrt dass 2 mal Vollzeit Plus (meist mehrere) Kinder nicht geht, weil es in den wesentlichen Jahren an die Substanz geht.

    Dennoch ist mir die Debatte hier viel lieber, weil sie Quanten von Rabenmutterrhetorik entfernt ist.


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    AW: Zum Weltfrauentag ein Gruß aus Norwegen

    Zitat Zitat von maryquitecontrary Beitrag anzeigen
    Ich kann dir in vielem zustimmen, aber die Übernachtungseinrichtungen für Kinder sind m.E. ein Schuss in den Ofen. Hier in Norwegen werden die auch gerade gefordert für schichtarbeitende Alleinerziehende. Und da hört es für mich auf: müde kleine Kinder gehören in eine vertraute Umgebung und ihren Eltern gehört der Schichtdienst erlassen. Kinderbetreuung ist keine Aufbewahrung und Kinder sind Mitbürger mit Recht auf kindliche Bedürfnisse.
    ich freue mich über jeden einwand, der die bedürfnisse der kinder formuliert.


    ich habe einfach die noch nicht im detail ausgegorene idee, arbeitszeiten sollten nur erweitert werden dürfen, wenn kinderbetreuung gegeben ist.

    bei uns verhöhnt man die familien immer noch mit kindergartenzeiten, die mit den realen arbeitszeiten nicht gleichgehen.

    eine empfehlung wie von eurer ministerin scheitert schlicht noch an den angeboten.
    lg
    legrain

  9. Moderation Avatar von maryquitecontrary
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    AW: Zum Weltfrauentag ein Gruß aus Norwegen

    Alles Gute zum Internationalen Frauentag! Gratulerer med kvinnedagen!
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    Moderation im Forum "Persönlichkeit"

  10. Moderation Avatar von Charlotte03
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    AW: Zum Weltfrauentag ein Gruß aus Norwegen

    Zitat Zitat von maryquitecontrary Beitrag anzeigen
    Alles Gute zum Internationalen Frauentag! Gratulerer med kvinnedagen!
    Alles Gute zurück an alle.

    Die Ökonomie ist tatsächlich ein wichtiger Aspekt, aber ich sehe auch, dass zweimal Vollzeit mit Kindern sehr belastend ist. Zudem finde ich es gut, dass es bessere Kinderbetreuung gibt - ausreichend ist sie nicht. Nur... Abends und nachts gehört ein Kind in sein Bett i.d.R. betreut von einem Elternteil.
    Genieße deine Zeit.
    Denn du lebst nur jetzt & heute.
    Morgen kannst du gestern nicht nachholen und später kommt früher, als du denkst.
    Moderatorin in "Schule, Uni, Studium und Ausbildung" "Gehören Kinder zu einem erfüllten Leben dazu?" und...Userin

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