In meinem Umfeld gibt es eigentlich kaum emanzipierten Frauen. Das liebste Motto ist meist "Das gehört sich so". Bezieht sich meist auf Dinge, wie, den Nachnamen den Mannes anzunehmen bei der Hochzeit - Völlig sinnfrei und wenn man nach Argumenten dafür fragt, weshalb Frau aber normal findet, ihren eigenen Namen aufzugeben, hört man nur "Das gehört sich eben so."
Genauso mit der Kindererziehung. "Das gehört sich doch so, dass man als Frau zu Hause bleibt und nur noch Teilzeit arbeitet". Völlig ignorant sind sie gegenüber aller Möglichkeit, die einem der Staat heute bietet. Sie wissen das zwar, würden das für sich aber niemals in Erwägung ziehen. Mich würde daher mal interessieren, aus wie vielen tatsächlich starken und schwachen Frauen sich euer Umfeld zusammensetzt? Ich komme mir oft so vor als sei ich die Einzige (Und werde hinterrücks daher auch oft als grässliche Emanze bezeichnet).
Das Traurigste daran ist, dass meine Freundinnen alle zwischen 25 und 35 Jahren alt sind.
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05.02.2012, 14:44
"Das gehört sich so" - Kennt ihr viele "schwache" Frauen?
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05.02.2012, 16:25Inaktiver User
AW: "Das gehört sich so" - Kennt ihr viele "schwache" Frauen?
Hallo adventadvent,
bin zwar schon ein paar Tage älter als du (48), aber das Thema finde ich sehr interessant, vor allem wieso junge Frauen sich so verhalten können???
Für "uns" war Emanzipation damals wichtig und ich kann für mich sagen, dass es sich bis heute nicht geändert hast.
Lass die anderen doch reden und suche dir andere Kontakte. Langfristig zahlt es sich aus, wenn man seinen eigenen Weg geht.
Ich kenne solche Frauen in meiner Altersstufe, die ausschließlich Mutter und Hausfrau sind und sich dauernd um ihre Kinder "drehen", da muss man sich auch häufiger Kommentare gefallen lassen, dass man selbst aber sehr hartherzig gegenüber dem Kind ist.
Leider zerbrechen auch solche Beziehungen und für diese Frauen sind die Folgen dann besonders bitter...
Ist doch klasse, wenn du einen Partner hast, der das genauso sieht wie du.
Liebe Grüße Birke
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05.02.2012, 17:08
AW: "Das gehört sich so" - Kennt ihr viele "schwache" Frauen?
Hallo Birke,
es sollte gar nicht so sehr um mich persönlich gehen. Natürlich könnte ich mein Umfeld komplett austauschen, allerdings kenne ich eigentlich überhaupt keine einzige Frau persönlich, die ich selbst als stark und emanzipiert (oder gar selbstständig) bezeichnen würde. Das ist zwar traurig, aber daher rührt auch meine Frage, wie viele solcher Frauen ihr tatsächlich selbst kennt. Oft habe ich richtige Angst, dass Frauenrechtlerinnen eigentlich kaum weibliche Anhänger haben und aus dem, was sie erreicht haben, gar nichts gemacht wird. Das ist, als sei eine jahrelange Diktatur bekämpft worden, es gäbe endlich freie demokratische Wahlen und keiner würde hingehen.
Vielleicht täuscht mein Eindruck auch und eigentlich wimmelt es nur so von Frauen, die von ihren "neuen" Rechten Gebrauch machen. Aber oft habe ich richtig Gänsehaut, wenn ich mir bewusst machen, dass ich keien einzige davon überhaupt persönlich kenne. Vielleicht empfinde ich es auch nur als so furchtbar, weil wir alle noch relativ jung sind. Und heute eine Frau mit 24, 25 Jahren zu sehen, die findet "das gehört sich so" tut mir schon weh. Und mir fehlt so ein bisschen die Hoffnung auf eine weibliche Gesellschaft, die eigentlich doch ganz anders ist als sie mir erscheint.
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05.02.2012, 17:20Inaktiver User
AW: "Das gehört sich so" - Kennt ihr viele "schwache" Frauen?
Ich kenne eigentlich keine schwachen Frauen näher - vermutlich deshalb, weil ich für solche Frauen keine Sympathie entwickeln kann (und vice versa).
Aber ich kenne einige starke Frauen, im Alter zwischen 30 und 70.
IGeändert von Inaktiver User (05.02.2012 um 17:36 Uhr)
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05.02.2012, 17:25
AW: "Das gehört sich so" - Kennt ihr viele "schwache" Frauen?
Hallo jofi,
das würde ich auch gerne von mir behaupten. Komischerweise habe ich das auch erst so empfunden als das Alter es ihnen vermutlich vorgeschrieben hat häuslich zu werden. Auf einmal war für alle plötzlich mit Ende 20 klar, sie mögen heiraten und natürlich mögen sie kirchlich heiraten, denn das gehört sich so und natürlich nehmen sie den Namen des Mannes an, denn das gehört sich so und natürlich übernehmen sie die Kindererziehung, denn das gehört sich so und natürlich könnten sie auch anders - Aber wieso, wenn es sich doch einfach nicht so gehört?
Vor fünf Jahren hätte ich von keiner dieser Frauen je gedacht, dass sie so sind. Ich hatte immer vermutet, sie haben ihren eigenen Kopf.
Und das Lustigste daran ist, dass ich sogar meine eigene Oma als emanzipierter ansehen würde. (Nicht, dass ich je davon ausgehen würde, man könne im hohen Alter keine starke Frau sein, aber sie stammt ja tatsächlich aus einer Zeit, in der sich das alles eben wirklich so gehörte und man gar keine Wahl hatte)
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05.02.2012, 17:28
AW: "Das gehört sich so" - Kennt ihr viele "schwache" Frauen?
Hallo adventadvent,
in welchem Umfeld lebst du denn bzw. deine Freundinnen?
Stadt oder eher ländliche Gegend, was arbeiten die bzw. hatten sie als Ausbildung? Was machen deren Männer?
Ich hätte auch gedacht, dass die jüngeren Frauen (ich bin 41) viel mehr Wert auf ihren Beruf legen. Eben, weil es doch viel bessere Betreuungsmöglichkeiten als früher.
Andererseits frage ich mich, ob "Emanzipiertheit" wirklich gleichzusetzen ist mit "auch als Mutter Vollzeit arbeiten". Wenn eine Frau mit Teilzeitjob z.B. schon beim Mann eine gute Wahl getroffen hat - kein Macho, sondern ein kompromissfähiger Typ - , in der Ehe auch ihre Interessen durchsetzen kann und konfliktfähig ist, dann ist das, finde ich, schon eine Menge.
Und wenn die Frau z.B. einen Teilzeitjob als Beamtin hat, oder in einem gefragten kaufmännischen Bereich - da könnte sie, wenn es denn hart auf hart kommt, gut wieder Vollzeit arbeiten und sich selbst, oder vielleicht sogar ihre Kinder dazu, besser ernähren als die Kulturwissenschafts-Studentin, die nicht so rosige Berufsaussichten hat, aber wo im Hinterkopf noch der Gedanke schlummert: "Ja, wenn ich erstmal heirate, ist mein Beruf ja eh nicht mehr so wichtig."
"Unemanzipiert", das kann auch sein (habe ich über einige Bekannte erlebt bzw. gehört):
Akademikerin mit gutem Job - aber lässt sich vom Freund behandeln wie der letzte D...Dabei sind noch nicht mal Kinder im Spiel, also keine Entschuldigung, dass man doch wirtschaftlich abhängig sei, wg. der Kinder die Beziehung aufrecht erhalten müsse oder so.
Mein Freund hat auch mal - als wir uns noch nicht kannten - eine bildhübsche Empfangssekretärin kennen gelernt, die jetzt auch so um 35 sein muss. Sie "gewährte" ihm einige Dates, und kam schnell zur Sache: Sie wolle bald Kinder haben und Hausfrau sein. Anhand der Fragen, die sie meinem Freund stellte, kam auch bald heraus, dass sie auf der Suche nach dem finanziell gut gestellte Alleinernährer war. Weiter ging dieser Flirt dann nicht :-)
Also, es geht also auch heute noch eine Spur unemanzipierter als bei deinen Freundinnen.
Ein interessantes Thema: Was macht Emanzipiertheit heute aus? Da könnte ich noch mehr schreiben, aber mal sehen, was andere sagen.
Grüße
Nereide
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05.02.2012, 17:37
AW: "Das gehört sich so" - Kennt ihr viele "schwache" Frauen?
Hallo Nereide,
mein Umfeld ist eigentlich gemischt. Ich habe einige Bekannte mit niedrigem Bildungslevel (Haupt- oder Realschulabschluss und heute eher schlecht bezahlter Beruf wie z.B. Friseurin oder Erzieherin), eine zeitlang habe ich auch gedacht, es möge daran vielleicht liegen. Wie du schreibst: Dass sie einen Ernäherer benötigen, weil sie ihr Leben und ihren Lebensstandard gar nicht eigenständig halten könnten. Sie machen sich bewusst abhängig und unterwerfen sich und verfallen in ein Muster, in welchem es plötzlich ganz normal ist, sich aushalten zu lassen.
Als dumm würde ich keine von ihnen bezeichnen. Nicht übermäßig gebildet und bestimmt haben sie in ihrer Freizeit auch besseres zu tun als zu lesen oder sich weiterzubilden, aber ich denke dennoch nicht, dass es an ihrem Verstand liegt. Viel eher glaube ich, dass sie sich damit abgefunden haben und als sie gemerkt haben, dass es anders nicht mehr geht, weil sie von ihren 1200 Euro netto nicht leben können, haben sie angefangen sich ihr gemachtes Nest selbst schön zu reden und finden heute "Das gehört sich so".
Solche Akademikerinnen mit gutem Job, wie du schreibst, kenne ich auch. Wie es dann zu Hause in den eigenen vier Wänden ist, kann man aus Außenstehender ja immer schlecht beurteilen, aber ich denke, so ganz Unrecht wirst du nicht haben.
Ich selbst hatte solche Gedanken nie, also, dass ich den Beruf erstmal hinten anstelle und mich auf Häuslichkeit fixiere (weil ich auch nicht so recht wüsste was ich dann überhaupt machen soll), mir wäre mit 23 oder 24 niemals eingefallen mein Leben als "getan" anzusehen und auf jemanden zu hoffen, der mein monatliches Einkommen in die Höhe treibt. Da wäre ich doch eher auf die Idee gekommen, an einer Weiterbildung oder einem beruflichen Weiterkommen zu arbeiten, damit es mir eben in zehn Jahren mal anders gehen kann. Mein Gedankengang wäre erstmal gewesen: Ich tue alles, um aus dieser Abhängigkeit heraus zu kommen und ich denke, dafür hätte ich auch gekämpft /bzw. dafür habe ich auch gekämpft.
Emanzipiert sein bedeutet für mich auf eine gewisse Art und Weise auch alleine sein zu könne / sich selbst zu tragen / sich selbst zu sein.Geändert von adventadvent (05.02.2012 um 17:40 Uhr)
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05.02.2012, 17:41Inaktiver User
AW: "Das gehört sich so" - Kennt ihr viele "schwache" Frauen?
Ich bin 60+ und damit vielleicht im Alter Deiner Oma?
Außerdem: Es gab auch "in grauer Vorzeit" durchaus Frauen, die nicht zum Schatten ihrer Ehemänner mutiert sind. Alle meine ehemaligen Mitschülerinnen haben (mit wenigen Ausnahmen) nach dem Abi studiert und sie sind fast alle trotz Ehe und Kindern berufstätig geblieben - inzwischen sind sie pensioniert.
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05.02.2012, 17:44
AW: "Das gehört sich so" - Kennt ihr viele "schwache" Frauen?
Nein, meine Oma ist 73.
Was du schreibst finde ich wundervoll. Mich macht das richtig froh, so etwas zu lesen.
Wenn ich heute zu meiner Oma sagen würde: "Oma, ich heirate, aber ich behalte meinen Nachnamen" dann würde sie sagen "Ach, das ist aber schön. Das wäre auch schade gewesen, wenn du ihn hättest aufgeben müssen"
Würde ich Dasselbe einer Bekannte oder Freundin erzählen, würde sie sicherlich erstmal fragen "Wieso?"
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05.02.2012, 17:45
AW: "Das gehört sich so" - Kennt ihr viele "schwache" Frauen?
Kann es sein, dass die Generation der Frauen, die heute 25 + sind, nichts hatte und nichts hat, wofür sie kämpfen oder einstehen mussten oder müssen?
Es ist alles bereitet, wir leben in einem abgepufferten Sozialstaat, der alle Möglichkeiten lässt, Bildungswege sind offen, Berufe sind offen, Kindergärten gibt es, bei uns gibt es die stabilste Demokratie, die Frauenbewegung hat für Frauen Wege geebnet, es wird noch und da ein Rädchen gedreht, einer Frau stehen alle Wege offen. Natürlich wird immer wieder auf hohem Niveau gejammert, aber letztlich lebt eine Frau mit 25 heute in Deutschland in einem Paradies.
Aber ist das auch schön? Mit der Öffnung aller Möglichkeiten, mit der Tatsache, dass eine Frau alles machen kann, was sie will, nicht nur gesellschaftlich, sondern auch privat, mit der Beendigung der sexuellen Revolution in eine Welt, wo alles erlaubt ist, alles ausprobiert werden kann, schwindet eines: die Welt der Werte.
Werte konservativer Art, Werte des Benehmens, Werte der Rituale, die ein Zusammenleben angenehmer gestalten. Wenn alles möglich ist, ist nichts mehr verboten, oder schlimm oder komisch oder annormal. Wenn nichts mehr verboten oder geächtet ist, gibt es keine Leitlinien.
Ist das der Grund, warum junge Frauen heute so extrem konservativ sind? Sie wollen Werte, eine Leitlinie, eine äussere Gestaltung, einen Überbau, einen Wertekanon, nach dem sie sich richten können. Sie wählen ein Einigeln in das Private, um eine feste Struktur zu haben.Körperlich Distanz
Sozial zusammen
You'd have to be here
I'm seeing a garden, a place I keep longing to show to you
It's northerly facing and close to an open fjord
The wind that was moving the rhubarb moved through my childhood, too
Calling so slowly from summer's before
Kari Bremnes


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