So, hier ist er, der Thread, den ich schon lange starten wollte.
Klar, ich befinde mich hier in dem Forum einer Frauenzeitschrift, damit lese ich auch grossteils von Frauen und meist auch von Frauen, die Probleme haben.
Was lese ich da?
- seitenlang "warum meldet er sich nicht"
- viele Stränge, die von Frauen initiiert werden, weil sie bei Auseinanderbrechen ihrer Ehe/Beziehung rein "gar nichts" haben?
und so weiter und so fort ... ich will gar nicht alles aufzählen ...
Von den üblen Gestalten, die sich bei Frauentausch, Talkshows etc. tummeln, red ich gar nicht, da zappe ich drüber, weil es absolut degoutant für mich ist.
Sind die Frauen heutzutage wirklich nur Karikaturen ihrer selbst?
Auf der einen Seite der Wunsch, S. J. Parker nachzueifern, auf der anderen Seite die "Übermutti" - und um das Dreieck zu schließen ein Therapeut oder ein "Schattenmann" (äh, das ist eigentlich ja nur die personifizierte Vergötterung eines Ideal - das des Prinzen auf dem dämlichen weissen Ross, finde ich)?
Echt jetzt, ich kenn mich nicht mehr aus. Gehört da eine ganze Frauengeneration in die Klapsmühle oder bin ich da die Exotin?
Warum ist das so?
Antworten
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01.07.2009, 15:55Inaktiver User
Die "neue" Frau - ein Modell nur für die Wissenschaft?
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01.07.2009, 18:57
AW: Die "neue" Frau - ein Modell nur für die Wissenschaft?
Hier eröffnen eben diejenigen Frauen Beiträge, die ein Problem oder eine Frage haben. Alle anderen antworten nur oder sind hier überhaupt nicht präsent.
Aus den Beiträgen hier auf "die Frauen" zu schließen, halte ich für unzulässig, weil in keinster Weise repräsentativ. Ich bin hier schon auf viele Themen und Ansichten gestoßen, die ich aus meinem persönlichen Umfeld überhaupt nicht kannte bzw. so nicht kannte.
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01.07.2009, 23:38
AW: Die "neue" Frau - ein Modell nur für die Wissenschaft?
Warum sollte es plötzlich nicht mehr so sein?
Zitat von Inaktiver User
So waren Frauen schon immer.
Nimm Dir ein Beispiel an uns Männern.
Wir sehen das Elend auch und verlieben uns trotzdem immer wieder.Cum grano salis
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02.07.2009, 06:18Inaktiver User
AW: Die "neue" Frau - ein Modell nur für die Wissenschaft?
Hi, sehe ich auch so.
Das, womit frau kein Problem hat, thematisiert sie ja auch nicht.
Und nicht jeder liest ernsthaft Brigitte oder surft hier rum.
Gibt auch massig Menschen, die dafür gar keine Zeit haben.
Außerdem - auch mit Zeit - sind Threads "Ich bin ja sooo glücklich, er ruft immer an seit 20 Jahren und ich vertraue ihm vollkommen" ja nicht so interessant. Nicht mal für den Thread-Eröffner
Gelle?
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02.07.2009, 07:44
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02.07.2009, 10:02
AW: Die "neue" Frau - ein Modell nur für die Wissenschaft?
nicht umsonst trägt das Buch "Generation Ally" von Katja Kullmann den Untertitel: "Warum es heute so kompliziert ist, eine Frau zu sein".
(Ein übrigens sehr lesenswertes Buch. Ich zumindest schwanke immer heftig zwischen übertriebenem Nicken und dem Bedürfnis, das Buch vor Wut aus dem Fenster zu werfen.)
In diesem Buch versucht Katja Kullmann das Leben der heute 35 bis 45jährigen Frauen (besonders derjenigen, die Abitur und Studium gemacht haben, in kreativen Bereichen arbeiten und in Großstädten wohnen - meinem Empfinden nach DIE Bricom Klientel überhaupt
) über einen Kamm zu scheren.
Ihr Fazit ist eine starke Zerrissenheit zwischen gewollter Individualität und der Sehnsucht nach konservativen Werten (vor allem im Privatleben). Und attestiert diesen Frauen starken Oberflächlichkeit (sie nennt das "Lifesyle-Luschen") und ein Mangel an "großen" Gefühlen, ersetzt durch endlose Reflexionen.
"Anders als Ally McBeal reden wir Realfrauen nicht gern über unsere versagten Erfüllungsgefühle, die Zweifel an der eigenen Biographie, die Angst vor der Zukunft. ... Über den Kraftakt, seinen Platz zu finden auf dem Jahrmarkt der Lebensstile. Wir wollen kein Karrieremonster sein wie Amanda, keine Backpflaumenexistenz wie Mutter Beimer aus der Lindenstrasse, kein Tittenwunder in der Boxengasse, keine verhärmte Esoterikerin, keine Frauenbeauftragte und nicht unbedingt eine Lesbe, wenn es sich vermeiden läßt."
"Und so leiden wir still am Einerseits-andererseits-Komplex und nennen das dann Flexibilität, Mobilität, Work-Life-Balance. Einerseits empfinden wir Souveränität und Selbstbestimmtheit, andererseits sehnen wir uns nach dem Aufgehen und Verschmelzen in einer Partnerschaft. Einerseits wollen wir uns im Beruf verwirklichen, andererseits Kinder bekommen und vielleicht sogar selbst großziehen. Einerseits wollen und müssen wir uns mit solchen grundlegenden Dingen auseinandersetzen, andererseits finden wir das ziemlich unsexy und, das muß noch einmal betont werden, ziemlich ungerecht."
" Keine Frauengeneration vor uns war so gut ausgebildet, aufgeklärt und "befreit" wie wir, die zwischen 1965 und 1975 Geborenen, die Töchter der Emanzipation. Und trotzdem sind wir nicht wirklich glücklich."
Gruß
Hans----------------------------------------------------------------
"Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.
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02.07.2009, 10:26Inaktiver User
AW: Die "neue" Frau - ein Modell nur für die Wissenschaft?
Hallo und danke für alle Beiträge!
Ich gebe es zu, ich habe es gewollt ein wenig provozierend geschrieben, wobei ich meine Meinung einfach nur stilistisch überhöht habe.
Hans, Du hast dieses Buch erwähnt, klingt interessant - dummerweise finde ich da mein Ausgangsposting in der Zusammenfassung sinngemäß ein wenig wieder. Auch dieses "stille Leiden" - das halt hier in der Bri nicht mehr ganz so still ist. Gabs in diesem Buch irgendwelche Ideen, wie das Problem zu lösen ist?
Was hat den Frauen die Balance geraubt ... bzw hatten sie je eine Balance?
Ich finde dieses Thema recht spannend.
Andere Antworten versteh ich nicht: Was heisst "Alles Schlampen ausser Mutti", @ foo-foo? Was kann ich mir unter diesem Satz vorstellen?
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02.07.2009, 11:01
AW: Die "neue" Frau - ein Modell nur für die Wissenschaft?
Ich denke, es sind zwei Faktoren, die hier zusammenspielten: die Rolle als Töchter Emazipation und die starke Individualisierung/Kommerzialisierung der Gesellschaft.
Katja Kullmann beschreibt ihre Jugend als geprägt von der Einsicht, nicht so leben zu wolllen wie die eigene Mutter. Sowohl das Hausfrauendasein als auch die Ersatzbefriedigungen unterforderter Mütter (typisch hier der Makramee-Kurs in der VHS) waren das Negativbild, demgegenüber man sich abheben wollte. Ein Rollenmodell für Frauen und Männer stand für dieses neue Leben aber nicht wirklich zur Verfügung, es galt also zu experimentieren, auszuprobieren und auch das Scheitern zu akzeptieren.
Hinzu kommt die starke Betonung des Wertes der beruflichen Existenz für die Lebensgestaltung (im Sinne einer Lifestyle-Komponente) Ende der 80er Jahre bis zum Börsencrash 2000. Die starke Wertigkeit von Beruf, Mobilität, Erfolg, Selbstverwirklichung hat gerade im privaten Leben tiefe Spuren hinterlassen. Da aber der Zustand des Privatlebens (d.h. in erster Linie der Partnerschaft) einen wesentlich stärkeren Einfluß auf das Lebensgefühl hat als die berufliche Situation, haben viele Frauen das diffuse Gefühl, nicht wirklich glücklich zu sein. Angesichts der heutigen Scheidungsraten und der großen Anzahl ungewollter Singles wäre es eher verwunderlich, wenn die Generation, die es dabei am härtesten trifft, glücklich sein sollte.
Katja Kullmann: "Die Sache mit der Liebe: Sie war wichtig, weil wir ständig damit beschäftigt waren, aber sie war nicht existenziell für unser Selbstwertgefühl." Irgendwann stellt sich aber heraus, daß sie doch viel existenzieller war als gedacht.
Im Gegensatz unseren Großmüttern haben wir (und dabei Frauen noch mehr als Männer) kein konsistentes Lebensmodell mehr. Zu viele nicht miteinander vereinbare Anforderungen, daher ein permanenter Entscheidungszwang mit dem Gefühl, etwas aufgeben zu müssen. Man hat das Gefühl, immer zu kurz zu kommen. Es fehlt das Gefühl, angekommen zu sein, wei die Definition dieses Ortes zu widersprüchlich ist.
Lösen kann man das Problem als solches nicht. Unzufriedenheit in epidemischen Ausmaßen sind normal für Umbruchphasen von Gesellschaften (und wir erleben seit den 70er Jahren einen Umbruch nach dem anderen). Ob jemals wieder so etwas wie Ruhe einkehren wird, ist eher fraglich.
Individuell betrachtet ist es wohl eher eine Frage des Charakters, ob man an dieser Unzufriedenheit leidet oder nicht. Viele wissen ja was sie wollen und setzen es in die Tat um. Es gibt trotz allem mehr zufriedene Menschen um uns herum als wir glauben mögen.
Gruß
Hans----------------------------------------------------------------
"Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.
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02.07.2009, 14:13
AW: Die "neue" Frau - ein Modell nur für die Wissenschaft?
Ist das denn wirklich neu?
Zitat von Inaktiver User
Ich habe ja manchmal den Eindruck, Frauen sind oft nur dann glücklich, wenn sie unglücklich sind, sich unerfüllt, unbefriedigt und geopfert fühlen dürfen.
Aber ich bin ja auch ein Frauenhasser.
Wie alt ist eigentlich das Märchen vom Fischer und seiner Frau?Cum grano salis
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02.07.2009, 15:57


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