Liebe Community,
nachdem ich Euch ja als kompetent in allen Lebenslagen kennen gelernt habe, würde ich gerne ein paar Meinungen hören. Ich bin zwar seit drei Jahren mit meinem Freund zusammen, führe aber faktisch ein Single Leben, weil er täglich bis Mitternacht arbeitet. Am Wochenende ist er oft auf Hochzeiten und Festen seines Freundeskreises, auf die ich auch mitdürfte, es aber nicht immer schaffe und somit dann auch oft alleine zu Hause sitze.
Eigentlich gewinne ich diesem Leben durchaus etwas ab. Schließlich zwingt es mich dazu, meinen Freundeskreis und meine Hobbies zu pflegen, die Begeisterung am Beruf kann ich durchaus nachvollziehen (arbeite auch gerne), besser als so eine dröge Nuss die sich für nichts interessiert. Soweit so gut.
Problematisch ist aber eher, dass zwischen uns so langsam keine Kompromisse mehr gefunden werden können. Verabredungen werden seinerseits (zeitlich) nicht mehr eingehalten, auch seltene Wünsche nach ein wenig Zeit werden zurückgestellt, wenn etwas anderes anliegt (Familie, Arbeit). Er versucht noch nicht mal mehr, Verständnis zu erwecken. legt teilweise sogar auf, wenn ich ihn auf nicht eingehaltene Versprechen hinweise. Früher hatten wir eine Fernbeziehung, da fiel es nicht so auf.
Ich mag diesen Mann, seinen Humor und seine liebe Art. Mit ihm kann man herrlich albern sein. Seine Familie ist toll, sein Umfeld ist ganz anders als meins, was interessant ist und meinen Horizont erweitert. Aber die letzten Jahre waren ein ständiges Auf und Ab.
Aber in letzter Zeit bin ich immer aufgewühlter wegen seinem Verhalten.
Was dazu kommt: Ich bin 28 und war vor ihm länger Single, fühle mich alt und habe Angst vor dem Alleinsein. Das gebe ich offen zu. Auch, da man sich ja nun endgültig aus studentischen Kreisen entfernt hat, arbeitet, und mein Freundeskreis zwar toll aber eher geschlossen ist. Wenn man denn Anfang/Mitte Dreißig Kinder haben will, wo bekommt man den passenden Typen her, in so einer riesigen, anonymen Stadt? Aber in den nächsten 60 Jahren so einen Ärger? Wie wird das erst mit Kindern? Hausfrau sein und repräsentieren wäre für mich keine Option.
Erst mal Danke dafür, dass Ihr mein ellenlanges Posting ausgehalten habt. Über Denkanregungen würde ich mich total freuen.
![]()
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 13
-
14.09.2008, 20:09
unheilbarer workaholic - was tun?
-
14.09.2008, 21:40
AW: unheilbarer workaholic - was tun?
Hallo Sweet Shine,
was wuerdest Du Deiner besten Freundin raten, die mit diesem Problem zu Dir kaeme?
Was wuerdest Du sie fragen?
viele gruesse vonWer nicht nach innen geht,
geht leer aus.
看起来我像是在说中文
我说的是中文吗?
-
14.09.2008, 22:03
AW: unheilbarer workaholic - was tun?
wann fängt er denn an?
Zitat von sweet_shine
-
14.09.2008, 22:09
AW: unheilbarer workaholic - was tun?
Die einzige Frage, die du nicht gestellt hast, war die, wie man ihn ändern könnte. Meines Erachtens eine gute Einschätzung von dir, denn bei echten Workaholics ist das nahezu ein Ding der Unmöglichkeit.
Ich kann verstehen, dass du dich ungern auf eine weitere ungewisse Singlezeit einlassen willst, zumal Kinder ausdrücklich in deinem Lebensplan vorhanden sind. Nüchtern betrachtet, fallen mir auf Anhieb zwei Möglichkeiten ein, hier sind deine Denkanregungen:
1. Eisen im Feuer behalten und Optionen ausloten. Soll heißen, du behältst deinen Freund, gehst weiterhin mit deinen Freundinnen aus und hältst die Augen offen. Findest du Ersatz, ist er quasi selber schuld, weil er sich nicht ausreichend gekümmert hat. Findest du niemand, hast du gut daran getan bei ihm zu bleiben. Fies, aber effektiv.
2. Du ziehst deine Pläne durch, heiratest ihn und bekommst Kind/er. Es kann sein, dass er sich ändert (Optimalzustand), es kann sein, dass sich deine Einstellung zu Hausfrau und Repräsentation ändert (durchaus möglich) oder wenn alles schiefgeht, packst du deine Sachen und gehst (mit ausreichend Unterhalt, von dem ich jetzt mal ausgehe, ist auch alleinerziehend eine Alternative)."Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
(John D. Rockefeller)
-
15.09.2008, 12:55
AW: unheilbarer workaholic - was tun?
Hallo Sweet-Shine,
als ich mit meiner Promotion zugange war, habe ich auch über einen größeren Zeitraum hinweg seeehr viel gearbeitet, viel mehr als mein Freund damals arbeitete. Obwohl mir im Großen und Ganzen mein Privatleben superwichtig ist (ich bin kein echter workaholic), stand in dieser Zeit die Arbeit bei mir an erster Stelle. Wichtig fanden wir beide damals, dass die Situation terminiert war: Nach der Promotion wurde eben das Leben auch wieder anders, und inzwischen arbeite ich kaum noch abends oder am Wochenende. Daher meine erste Frage:
Meinst Du die Situation ändert sich bei Deinem Freund? Liegt es an einem aktuellen Projekt (was irgendwann vorbei ist), dass er so viel arbeitet, oder an der besonderen Position in der Firma, oder ist es einfach nur seine Art, abends nicht den Absprung in den Feierabend zu schaffen? Besteht Aussicht auf Besserung?
Falls nicht, würde ich Klartext mit ihm reden. Vereinbart notfalls klare Termine (z.B. 1 Abend pro Woche, oder so, dass es für Euch beide okay ist), wo vorher klar ist, dass Ihr Zeit füreinander habt. Wenn das auch nicht klappen sollte, würde im mal die Frage nach Priorität stellen: Was ist ihm auf lange Sicht wichtiger, Arbeit oder Beziehung? Ein wenig Spielraum in seinem Beruf wird er ja wohl auch haben, kein Mensch MUSS täglich von früh bis Mitternacht arbeiten, zumindest nicht dauerhaft.
Die Kinderfrage ist m.E. unabhängig von diesem Problem. Die Frage ist, willst Du (Kind oder nicht) mit diesem Mann 60 Jahre (wie Du schreibst) so verbringen?? Du sagst, Du hast Angst vor dem Alleinsein, aber wenn er die nächsten Jahrzehnte so weiter in seinem Beruf powert, dann bist Du auch MIT IHM alleine.
Und: Bitte fühl Dich mit 28 Jahren nicht alt!
-
15.09.2008, 13:02
AW: unheilbarer workaholic - was tun?
*hüstel* "liebe Art" - auflegen, wenn Du Dich beschwerst, daß er Termine nicht eingehalten hat...? Also ich verstehe unter "lieb" etwas ganz anderes.
Nämlich den anderen ernst nehmen, damit fängt mal jede mögliche Form der Beziehung an. Das ist Basis. Und noch einiges andere mehr.
Wenn er nicht möchte, daß Ihr Kompromisse schließt, dann ist es an Dir, Dich zu fragen, ob Du so leben willst, so fremdbestimmt und abserviert. Workoholics können da gnadenlos sein, aber er hat ja auch noch andere Wichtigkeiten außer der Arbeit, vor Dir.
Mir wäre das als Basis nicht genug. Insbesondere Kinder würde ich mit so jemandem nicht bekommen. Man ist allein erziehend de facto. Plus ans Haus gefesselt.
Warum hältst Du so eisern an dieser "Beziehung" fest? Du kommst doch viel zu kurz, und er will nichtmal darüber REDEN...
So führt man doch keine "Beziehung". Das ist ein Nebeneinander mit klar definierter Über- und Unterordnung. Macht doch wohl keinen Spaß, da unten...oder
LG KarlaThe original Karla
est. 2006











-
15.09.2008, 13:11
AW: unheilbarer workaholic - was tun?
Du fühlst Dich alt - mit 28 ?? Meine Güte, wie wird das dann erst mit 40 oder 50 sein? Ich spreche so quasi aus dem Grab zu dir
:
ich hatte mal eine längere Beziehung mit einem "Workaholic". Er hatte im Laufe der Jahre immer weniger Zeit für mich, und es hat sich rausgestellt, das seine enorme Arbeitsintensität eine Art Flucht und Angst vor Nähe war. Deswegen hat sich trotz der Beziehungsdauer nie so ein richtiges Wir-Gefühl eingestellt.
Könnte es sein, das das bei deinem Freund auch ein bischen der Fall ist, diese Angst vor Nähe? Immerhin hat es ja mit einer Fernbeziehung angefangen, das sagt vielleicht auch etwas? Das er sich zwischendurch immer wieder stabilisieren konnte durch die Distanz?
Jedenfalls lief es bei uns auf eine Trennung raus, weil die Unterschiede in den Vorstellungen, wieviel Zeit man füreinander und miteinander verbringt, zu groß waren.
Und ich bin übrigens auch jemand, dem die Arbeit ziemlich viel bedeutet, und keine, die andauernd Händchenhalten muß...
Ich glaube "heilbar" ist so ein Workaholic nicht.
-
15.09.2008, 13:18
AW: unheilbarer workaholic - was tun?
Zitat von Karla48
Ja, genau das Gefühl hat sich bei mir auch immer mehr verstärkt. Und irgendwann wollte ich das nicht mehr, und bin gegangen. Und habe danach immer darauf geachtet, ob ich mich so geliebt und wahrgenommen fühle, wie ich es mir wünsche!
Und es gibt solche Männer!
-
15.09.2008, 13:36
AW: unheilbarer workaholic - was tun?
Hallo zusammen,
heilbar ist der Workaholicer nur wenn er sich rechtzeitig Hilfe holt. Leider tun es diese Menschen nicht. Sie Verdrängen und Flüchten.Flüchten vor Nähe.Wie meine Vorschreiberin schon erwähnte.Man lebt fremdbestimmt da der Partner meint Ihn /Sie damit umzustimmen oder hinbiegen zu können. Alles weißer Rauch der vergeht.
Ich habe meinen Mann aus diesem Grund verlassen. Ich habe ihn geliebt und ich glaube sogar ihn heute noch zu lieben aber mein Leben ist nun mein Leben, ich tue zum ersten mal Dinge die ich entscheide und die ich für richtig halte. Es geht mir sehr viel besser als zu der Zeit als wir noch zusammen gewohnt haben. Es war eine harte Zeit diese Trennung und auch nach 3 Jahren habe ich sie noch nicht richtig verarbeitet aber mein Gesundheitszu stand hat sich verbessert.Mir geht es gut.Ein Workaholicer macht einem das Leben schwer. Meine Devise lautet ein Mann der mich nicht an erster Stelle stellt oder für den ich nicht so wichtig bin das die Arbeit hinten anstehen kann ,kommt mir nicht mehr ins Haus , dann bleibe ich lieber alleine und lebe glücklich und zufreiden.
Sweet_shine überlege dir genau ob es der Mann Wert ist das du an zweiter oder dritter bzw. vierter Stelle kommst.Du gehörst an erster Stelle und sonst nirgendwo hin. Ich stand an fünfter Stelle.Nie mehr lasse ich mich so schlecht behandeln.
Vielleicht konnte ich ja ein wenig helfen.
Gruß kleinemotte
-
15.09.2008, 20:21
AW: unheilbarer workaholic - was tun?
Mittlerweile müsste ich hier im Forum schon bekannt sein, als die, die mal mit einem Workaholic verheiratet war. Aus Erfahrung kann ich Dir nur sagen, da ist man als Frau machtlos. Die Arbeit und das Streben nach Erfolg (Zauberwort!) machen offenbar süchtig.
Und ich bin keine Frau, die klammert, hatte immer meine eigenen Freunde, Hobbies, habe mir, wenn er arbeitete meine Welt auch schön gemacht. Aber mein Exmann hat mir ab einem gewissen Zeitpunkt keine Minute seiner Zeit mehr gegönnt, hat sogar manchmal mehrere Nächte durchgearbeitet. Irgendwann war ihm alles, was Alltag, Freunde und Familie war, nur noch superlästig, das waren fast schon Feinde, die ihm wertvolle Arbeitszeit klauen wollten!
Hätten wir ein Kind gehabt, wäre ich definitiv allein erziehende Mutter geworden!
Er muss schon selber Defizite spüren und den Wunsch nach Heilung verspüren, sonst wird er sich nicht ändern. Im Internet gibt es interessante Seiten zu diesem Thema.


Zitieren
