Hallo zusammen,
ich habe da ein Problem und würde sehr gern eure Meinung dazu hören.
Mein Freund hat das Angebot bekommen, für relativ viel Geld einen Job in Afghanistan anzunehmen. Er würde da ein paar technische Sachen für die dort stationierten Soldaten machen müssen, und ca. 1-2 Monate dort sein. Er findet das unheimlich interessant und hat das Angebot angenommen. Ich kann verstehen, dass das Geld ihn reizt…aber mit der momentanen Situation dort setzt er sich einem akuten Sicherheitsrisiko aus - es passiert momentan soviel, es wird geschossen, Entführungen sind an der Tagesordnung etc…das muss ich ja keinem erzählen, ist ja bekannt.
Ich kann ihn nicht davon abhalten, dahin zu gehen, wenn er es denn unbedingt will. Er findet es interessant, aber darüber kann ich nur den Kopf schütteln…es ist doch kein (Kriegs-) Spiel, das ist blutiger Ernst dort vor Ort. Was mich vor allem daran schockt ist - er hat einen kleinen Sohn, und somit doch auch eine gewisse Verantwortung, nicht nur für sich selbst. Meiner Meinung nach gefährdet er auch das Wohl seines Kindes, indem er dorthin fährt - wenn ihm was passiert und er im schlimmsten Fall nicht zurückkommt, hat der Kleine keinen Vater mehr…und es muss ja nicht mal dieser Fall eintreten, es gibt genügend Menschen, die einen schweren psychischen Knacks davongetragen haben während des Aufenthalts in einem Kriegsgebiet.
Natürlich mache ich selbst mir auch Sorgen um ihn, und weiß garnicht wie ich diese Zeit durchstehen soll. Aber für mich offenbart sich bei diesem Thema auch eine Seite an ihm die ich ihm nicht zugetraut hätte. Meiner Meinung nach sollte für einen Mann das Wohl seiner Familie an erster Stelle kommen. Deshalb stellt sich mir jetzt die grundsätzliche Frage, ob ich mit einem Mann, der sich trotz Kind in so eine Situation begibt, eine Zukunft planen kann bzw. will. Ich empfinde sehr viel für ihn, aber wenn ich mir vorstelle, dass ich es irgendwann bin die mit Kind zu Hause sitzt und deren Mann ohne Not und nur wegen dem lieben Geld und "Interesse" sich entscheidet, sein Leben aufs Spiel zu setzen…na ich weiß nicht. Logischerweise möchte ich das nicht, und überlege nun, die Beziehung deshalb zu beenden. Meine Meinung zu dem Thema habe ich ihm schon zweimal eindringlich gesagt, allerdings ohne den Part, dass ich deswegen evtl. Schluss machen würde. Er hat versucht mich zu beruhigen, von wegen: Ist alles genau durchgeplant und für Sicherheit ist gesorgt, etc…
Von einer Freundin habe ich dazu schon gesagt bekommen, dass ich mich mal nicht so anstellen soll, Männer wollen halt eben gern mal Krieg spielen und ihre Erfahrungen machen. Aber ich finde mit so etwas spaßt man nicht. Wie seht ihr die Sache? Übertreibe ich? Wie würdet ihr handeln?
Danke und liebe Grüße, Alfine
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Ergebnis 1 bis 10 von 158
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10.09.2008, 14:12
Er will nach Afghanistan...trotz Kind
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10.09.2008, 14:22
AW: Er will nach Afghanistan...trotz Kind
Denken Männer irgendwie anders ?
Kürzlich habe ich Bekanntschaft gemacht mit einem Engländer (verheiratet, Zwillinge), der mir begeistert erzählte, dass im Wald nebenan noch die Reste von Schützengräben des letzten Krieges zu erkennen sind.
Das fand er total interessant.
Ich wusste gar nicht, dass die Dinger dort existieren und kann das Thema Krieg und Kriegsführung überhaupt nicht unterhaltsam finden.
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10.09.2008, 14:24
AW: Er will nach Afghanistan...trotz Kind
Alfine, du hast mein vollstes Mitgefühl!
Gerade jetzt, wo sich die Angriffe häufen!
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10.09.2008, 14:31
AW: Er will nach Afghanistan...trotz Kind
wieso klingt die geschichte in meinen ohren viel mehr danach, als würdest du gerade einen machtkampf austragen wollen ... wenn er nicht bleibt, gehe ich ...
der sohn könnte seinen vater verlieren? - stimmt, hier könnte der vater unter ein auto geraten...
ein interessanter job? ... wie würde er sich wohl fühlen, wenn er wg. deiner ängste hier bliebe?
wie fühlst du dich, wenn es ein wirklich sehr interessanter job ist, dem er jahre nachtrauert?
übrigens gibt es auch noch ein paar menschen, die voller erfahrungen, erlebnisse und mit weit offenerem blick aus afghanistan zurückgekommen sind...
wieso glaubst du, dass der job für ihn ein spaß ist? ich sehe da eher die herausforderung für ihn - und die muss er annehmen. mit kriegsspiel und spaß hat das wenig zu tun, vermute ich.
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10.09.2008, 14:33
AW: Er will nach Afghanistan...trotz Kind
Für mich klingt das sehr verantwortungslos. Und ich kann Alfine sehr gut verstehn.
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10.09.2008, 14:35Inaktiver User
AW: Er will nach Afghanistan...trotz Kind
hab dir eine pn geschickt.
grundsätzlich: es hängt SEHR davon ab, wo im land er ist. dann: wenn er nur im lager bleibt ist es mehr als unwahrscheinlich, dass er auch nur was von der außenwelt mitgekriegt.
ganz praktischer tipp: frag nach, bzw. lass ihn nachfragen ob man dich ans familienbetreuungszentrum der bundeswehr anhängen kann.
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10.09.2008, 14:37
AW: Er will nach Afghanistan...trotz Kind
Hallo Alfine
hm, nicht einfach, ich wuesste auch nicht, wie reagieren.
Aber - wenn du dich trennst, hat das auch Auswirkungen auf das Kind. Und er geht trotzdem nach Afghanistan.
Blickwinkel hat da ein paar ganz gute Ansaetze zum Nachdenken geschrieben.
Es gibt hier eine Userin mit Afghanistanerfahrung, vielleicht meldet sie sich. Und kann dir ein bisschen was erzaehlen und vielleicht etwas Angst nehmen.
lg
frangipani"I don't want to be part of a world where being kind is a weakness" - Keanu Reeves
Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.
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10.09.2008, 14:38
AW: Er will nach Afghanistan...trotz Kind
Zitat von Blickwinkel
Sind diese Menschen nicht eher traumatisiert ?
Ausserdem habe ich den Eindruck, dass der Vater gern mal an der Gefahr schnuppern möchte (er ist ja bloss Mechaniker/Techniker vor Ort und nicht Soldat) und trotzdem am Geschehen teil hat.
Was er dort für Elend zu sehen bekommt wird ihn vermutlich in einer Weise prägen, die er nicht erwartet.
Mir fällt dazu grad ein, dass kürzlich berichtet wurde, die jungen Soldaten landen in A. in einer mars-ähnlichen Landschaft, die sie völlig verstört.
Naja, wenn jemand meint, sich dieser Gesamtsituation entziehen zu können ... ich glaube nicht, dass sowas spurlos an einem vorbeigeht.Geändert von schnarchstop (10.09.2008 um 14:42 Uhr)
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10.09.2008, 14:39
AW: Er will nach Afghanistan...trotz Kind
Genau deshalb habe ich ihm bis jetzt nicht gesagt, dass ich überlege, deshalb Schluss zu machen. Eben weil ich keinen Machtkampf daraus machen will, und ich will ihn auch nicht unter Druck setzen, wegen mir hierbleiben zu müssen. Aber irgendwann muss ich mich selbst auch entscheiden.
Zitat von Blickwinkel
Also das finde ich ja nun leicht übertrieben, Deutschlands Straßen mit einem Kriegsgebiet zu vergleichen. Da kann ich eigentlich nur lachen, weil ich diese Bemerkung sowas von unpassend finde...
Zitat von Blickwinkel
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10.09.2008, 14:40
AW: Er will nach Afghanistan...trotz Kind
Ich kann nicht beurteilen, ob dieser Mann verantwortungslos handelt. Ich kann auch Alfines Ängste verstehen (damit leben viele Frauen - nicht nur von BW-Soldaten). Ich kann aber ihre Überlegungen sich zu trennen nur als Erpressungsversuch werten - und dafür habe ich nun eben gar kein Verständnis mehr.
Zitat von LorenzM


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