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    Wunsch nach Verbindlichkeit abgelehnt

    Hallo zusammen,

    wir sind seit mehreren Jahren ein Paar, wohnen zusammen, alles läuft prima - bis auf einen Punkt: Ich würde gerne mehr Verbindlichkeit haben, er nicht. Verbindlichkeit heißt für mich: vertraglich vereinbarte Vorsorgevollmacht für den jeweils anderen, Patientenverfügung, Testament zugunsten des anderen (im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten) etc. oder heiraten.

    Letzteres kommt für ihn nicht in Frage, weil er schon mal verheiratet war und diese Ehe in die Brüche gegangen ist. Das Sorgerecht über andere Verträge zu vereinbaren, kann er sich schon eher vorstellen, unternimmt aber keinerlei Anstrengungen in diese Richtung, obwohl ich ihm schon oft gesagt habe, dass ich mir genau das wünsche und das auch als Zeichen dafür interpretieren würde, dass es ihm ernst ist mit uns beiden, dass er gewillt ist, Verantwortung zu übernehmen.

    Er ist mit mir zusammen, weil er es will und nicht, weil ihn irgendwelche Verträge daran binden. Sagt er. Und kapiert nicht, was ich will: Dass wir eine Familie sind, das Sorgerecht füreinander haben, füreinander einstehen, verbindlich und dokumentiert. Die Vorstellung, dass mir eines Tages was passiert und dann meine senilen und unzurechnungsfähigen Eltern das Sorgerecht für mich haben, ist ein Graus für mich. Ich möchte, dass er dieses Sorgerecht hat, weil er der Mensch ist, der mir am nächsten steht. Und ich möchte diese Verantwortung auch für ihn übernehmen. Er weiß das alles. Und unternimmt genau Null.

    So nach und nach ziehe ich mich zurück. Ich habe keine Lust, um Verbindlichkeit kämpfen zu müssen. Ihn unter Druck zu setzen, ihm das Messer auf die Brust zu setzen und zu sagen: Entweder Du unterschreibst, oder ich gehe. Aber wenn ich warte, bis von ihm was kommt, sitze ich wahrscheinlich noch in 25 Jahren hier und meine dann ungefähr 120 Jahre alten Eltern sind immer noch zuständig. ;-)

    Hat einer eine Idee, wie ich es entweder schaffe, von meinen Ansprüchen runterzukommen oder ihn doch noch so zu überzeugen, dass keiner von uns das Gesicht verliert?

    Viele Grüße
    joker34

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    AW: Wunsch nach Verbindlichkeit abgelehnt

    hallo joker,

    ich habe jetzt nicht sooo viel beziehungserfahrung, da ich erst meine erste beziehung führe (und wenns nach mir und meinem freund ginge würde es auch die erste bleiben) aber wir sind auch schon fast 4 jahre zusammen aber uns ist noch nie in den sinn gekommen, derartige forderungen wie du an den anderen zu stellen. zwar sind wir uns einig, dass wir irgendwann heiraten wollen aber ansonsten leben wir genauso wie dein partner und du. aber ich finde meine beziehung in keinster weise unverbindlich. wir wissen, dass wir zusammengehören und stehen für den anderen in jeglicher hinsicht ein. es wäre für mich auch selbstverständlich, meinen freund zu pflegen etc. falls mal was passieren sollte. das is für mich keine frage und bedarf auch keines vertrages. von daher finde ich deine forderungen doch sehr überzogen. traust du deinem freund nicht, dass er für dich sorgen würde, wenn dir was passieren sollte? wo bleibt die gewisse selbstverständlichkeit in der beziehung? wo bleibt das vertrauen, dass dein freund da sein wird, wenns brennt? also ich habe da bei meinem freund keinerlei zweifel und so sollte es auch in einer guten beziehung sein. und ich glaube auch nicht, dass irgendein gericht dieser welt deine (nach deiner aussage) senilen und unzurechnungsfähigen eltern als deinen vormund einsetzen würde.

    also überleg dir mal, ob es da nicht an anderer stelle in der beziehung hackt, wenn du derartige verträge brauchst, damit du dir sicher bist, dass dein freund auch im ernstfall für dich da sein wird. es gibt so viele beziehungen in deutschland, die jahrelang ohne trauschein zusammenleben ohne irgendwelche verträge abzuschließen und trotzdem füreinander einstehen (meine schwiegereltern haben 17 jahre ohne trauschein zusammengelebt bevor sie vor ein paar jahren aus rentengründen geheiratet haben - ansonsten wären sie auch heute noch nicht verheiratet).

    lg
    anja
    Das sicherste Indiz dafür, dass anderswo im Universum intelligentes Leben existiert, ist, dass noch niemand versucht hat, mit uns Kontakt aufzunehmen [Calvin & Hobbes]

    "Es ist was es ist, sagt die Liebe"
    [Erich Fried]

    Besser heimlich schlau, als unheimlich blöd.

  3. Inaktiver User

    AW: Wunsch nach Verbindlichkeit abgelehnt

    Zitat Zitat von Joker34
    Hat einer eine Idee, wie ich es entweder schaffe, von meinen Ansprüchen runterzukommen oder ihn doch noch so zu überzeugen, dass keiner von uns das Gesicht verliert?
    nicht so recht - denn er will eben nur nicht "nicht heiraten" - sondern überhaupt nicht die Entscheidung treffen, dass dies jetzt eine "Lebenspartnerschaft" und nicht mehr eine "normale Beziehung" ist. Er scheut die tiefergehende Verbindlichkeit.
    Das diskutieren wir ja oft in Threads, in denen es um's Heiraten geht.

    Ich würde an Deiner Stelle die Option "Trennung" durchaus in Dein Denken aufnehmen - und ihm das auch mitteilen.
    Er will sich nicht "ganz auf Dich einlassen" - und das wollte ich auf Dauer nicht.

    Gruß, Leonie

  4. Inaktiver User

    AW: Wunsch nach Verbindlichkeit abgelehnt

    Hey Joker,

    ich verstehe was du meinst. Ich kenne schon einige solcher Formulare, da ich mich mal im Rahmen des Organspendepasses mal mit auseinander gesetzt habe.
    Habe mir von WISO so ein formularheft gekauft, in dem allerlei solche Vordrucke zum ausfüllen drin sind. Besorg dir das doch ganz einfach und geh es mit deinem Freund durch.

    Du schreibst er unternimmt keinerlei Anstrengungen, ich kann mir vorstellen das er vielleicht garnicht weiß wie. Machts gemeinsam.

    Hey anja,

    das ist schon logisch was du schreibst, allerdings muss man sich in einer Lebenspartnerschaft, die nicht in einer Heirat münden wird zusätzlich absichern sprich mit schriftlichen Verfügungen dem Partner z.Bsp. möglich machen dich auf der Intensivstation besuchen zu können oder Infos der Ärzte zu bekommen, die bekommt man ohne nicht.....etc. Gegenseitiges Vertrauen wird bei den beiden schon da sein und auch der wunsch füreinandwer da zu sein, bloss werden einem da gesetzlich oft Grenzen gesetzt die man mit einigen Verfügungen klären kann.

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    AW: Wunsch nach Verbindlichkeit abgelehnt

    Hallo Anja,

    danke für Deine Antwort.

    Ich habe Vertrauen in meinen Freund, daran klemmt es nicht, und er ist auch in allen Lebenslagen für mich da, ich habe also keine Veranlassung zu befürchten, dass er es irgendwann nicht mehr wäre.

    Es geht mir um rechtliche Aspekte. Wenn ich morgen mit einem Schädel-Hirn-Trauma im Krankenhaus lande, kriegt er noch nicht einmal eine Auskunft! Und er kann auch keinerlei relevante Entscheidung in meinem Sinn treffen, er darf es einfach nicht. Wer das darf, sind meine Eltern. Die habe ich vorhin als senil und unzurechnungsfähig bezeichnet, das sind sie im wortwörtlichen Sinn natürlich nicht, sondern nur in meiner Wahrnehmung - soll heißen: Ich will aus ganz bestimmten Gründen nicht, dass sie in dramatischen Situationen irgendeine Entscheidung in Bezug auf mich treffen. Das soll der Mensch tun, der mir am nächsten steht. Und er wird es nicht tun dürfen, weil er vor dem Gesetz so etwas ist wie ein WG-Kumpel. Verstehst Du?

    Viele Grüße
    joker34

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    AW: Wunsch nach Verbindlichkeit abgelehnt

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Ich würde an Deiner Stelle die Option "Trennung" durchaus in Dein Denken aufnehmen - und ihm das auch mitteilen.
    Er will sich nicht "ganz auf Dich einlassen" - und das wollte ich auf Dauer nicht.
    Liebe Leonie,

    genau daran denke ich schon. Das meinte ich mit: Ich ziehe mich zurück. Aber ich will es ihm um Himmels willen nicht sagen. Ich würde mir so sehr wünschen, dass er von sich aus ankommt mit den entsprechenden Formularen oder einem Termin beim Anwalt (für die Verträge; auf Heirat bestehe ich ja gar nicht, wenn es ihn so sehr davor graust). Das weiß er auch, ich habe ihm das schon öfters gesagt, schon vor Monaten das erste Mal und das letzte Mal vor drei Monaten.

    Wenn ich zu ihm sage: Hör zu, ich leide so sehr darunter, dass Du Verbindlichkeit scheust, ich überlege, mich deswegen zu trennen -dann würde er vermutlich am nächsten Tag mit den Unterlagen dastehen. Und ich würde das Gefühl nie loswerden, dass ich diese Verbindlichkeit nur auf der Basis von emotionaler Erpressung erreicht habe und nicht weil es ihm ein Herzensbedürfnis war. Oder ist das jetzt total kindisch? Muss man als erwachsene Menschin zu seinen emotionalen Erpressungsversuchen stehen und nur das Ergebnis zählt? Was für'n Mist.

    Viele Grüße
    joker34

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    AW: Wunsch nach Verbindlichkeit abgelehnt

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Du schreibst er unternimmt keinerlei Anstrengungen, ich kann mir vorstellen das er vielleicht garnicht weiß wie. Machts gemeinsam.
    Hallo angorafrosch,

    er weiß durchaus, wie sowas geht. Wir haben auch schon drüber gesprochen und uns gemeinsam im Internet allerlei Informationen angeschaut. Damals habe ich ihm gesagt, dass ich mir wünschen würde - quasi als Kompensation dafür, dass er mich nicht heiraten will ;-) - dass er ein eindeutiges Zeichen für Verbindlichkeit setzt, indem er sich um den weiteren Kram kümmert.

    Er weiß also genau, was das alles für mich bedeutet, er weiß, was ich brauche und wie er mir ein klares Signal geben kann, dass er zu weiteren Schritten bereit ist. Es kommt halt leider gar nichts. Und ich mag nicht schon wieder darum betteln - weil so fühle ich mich mittlerweile schon: wie eine mehrfach verschmähte Bittstellerin, deren Würde so langsam den Bach runtergeht.

    Viele Grüße
    joker34

  8. User Info Menu

    AW: Wunsch nach Verbindlichkeit abgelehnt

    hallo joker,

    klar, jetzt verstehe ich deine bedenken. habe mich halt nie damit auseinandersetzen müssen. von daher finde ich es schon nicht ok, wenn er sich nicht mal darauf einlassen will, dass abgesichert ist, dass er infos bekommt, falls du im krankenhaus liegst. was sagt er denn, wenn du ihm das sagst, dass er nicht erfahren wird, wie es dir geht, wenn du auf der intensiv liegst? das kann ihm doch nicht egal sein!!!???

    lg
    anja
    Das sicherste Indiz dafür, dass anderswo im Universum intelligentes Leben existiert, ist, dass noch niemand versucht hat, mit uns Kontakt aufzunehmen [Calvin & Hobbes]

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    AW: Wunsch nach Verbindlichkeit abgelehnt

    Zitat Zitat von Joker34
    Wenn ich zu ihm sage: Hör zu, ich leide so sehr darunter, dass Du Verbindlichkeit scheust, ich überlege, mich deswegen zu trennen -dann würde er vermutlich am nächsten Tag mit den Unterlagen dastehen. Und ich würde das Gefühl nie loswerden, dass ich diese Verbindlichkeit nur auf der Basis von emotionaler Erpressung erreicht habe und nicht weil es ihm ein Herzensbedürfnis war. Oder ist das jetzt total kindisch? Muss man als erwachsene Menschin zu seinen emotionalen Erpressungsversuchen stehen und nur das Ergebnis zählt? Was für'n Mist.
    Hallo Joker,

    ich glaube, ich würde akzeptieren, dass bei ihm dieses Sicherheitsbedürfnis nicht so stark ausgeprägt ist und dass er diese Form der Absicherung eher für Dich tut. Das ist doch auch schon viel wert. Von ihm zu verlangen, dass es ihm genauso wichtig sein muss, finde ich überzogen. Manch einer denkt einfach nicht so viel darüber nach, was alles passieren kann und was man für Fall X und Y alles geregelt haben sollte. Wenn einer das dann organisatorisch in die Hand nimmt, die entsprechenden Formulare besorgt, etc. und der andere nur noch unterschreiben muss, finde ich das völlig in Ordnung.

    Jeder von uns hat doch Bereiche, in denen er nur aktiv wird, wenn möglichst wenig Aufwand damit verbunden ist. Warum das nicht einfach so akzeptieren, ohne gleich einen Mangel an Zuneigung und Verbindlichkeit dahinter zu vermuten und die Sache selbst in die Hand nehmen? So lange Dein Freund klaglos unterschreibt, was Du ihm vorlegst, würde ich mir da keine Gedanken machen.

    Viele Grüße,

    Malina
    Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)

  10. User Info Menu

    AW: Wunsch nach Verbindlichkeit abgelehnt

    Zitat Zitat von Anja
    was sagt er denn, wenn du ihm das sagst, dass er nicht erfahren wird, wie es dir geht, wenn du auf der intensiv liegst? das kann ihm doch nicht egal sein!!!???
    Klar ist ihm das nicht egal - auch wenn ich ihn das so konkret noch nicht gefragt habe. Er wird drauf bauen, dass mir erstens nichts passiert und er zweitens doch alles gesagt kriegt. Selbst wenn - Entscheidungen über weitere Behandlungen oder Abbruch der Behandlungen oder was auch immer wird er garantiert nicht treffen dürfen.

    Viele Grüße
    joker34

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