Hallo zusammen,
ich habe mich ein Stück weit in diesem Strang wiedergefunden und aus meiner Sicht fehlt vielleicht ein Trigger, der die TE in ihrem eigentlichen Wunsch (zu gehen? Sex zu haben? Geliebt zu werden?..) so sehr bestärkt, dass sie auch Konsequenzen zieht.
Ich habe in ähnlicher Konstellation gelebt - respektvolles Miteinander, große Wertschätzung, toller Alltag etc. - aber kein Sex, Körperlichkeiten waren allgemein reduziert.
Sicher ist die Situation nicht eins zu eins vergleichbar, aber ich habe mich doch wiedererkannt in diesen Aussagen, mit denen man es sich bequem macht.
Ja, ein Partner, mit dem man sich gut versteht und der einen (in den meisten Dingen) gut behandelt, das ist sehr viel Wert und das hat es mir so schwer gemacht, mich zu trennen.
Mir hat die Frage sehr geholfen, ob ich die nächsten 2, 5, 10 oder 30 Jahre so leben möchte.
Mein Partner hat mir keine Hoffnungen gemacht, dass sich an der Sexualität etwas ändert.
Also habe ich mich getrennt - als ich einen anderen Mann kennenlernte.
Das ist nicht toll, aber für mich hat es offenbar nicht anders funktioniert.
Im Nachhinein kam noch einiges auf den Tisch - mein Partner hätte nie gedacht, dass ich ihn verlasse, obwohl wir "eigentlich" klare Gespräche geführt hatten und ich auch gesagt hatte, dass es so auf Dauer für mich nicht geht.
Auch wenn ich dachte, ihn gut zu kennen und zu verstehen, so gab es dann in den Gesprächen nach der Trennung einige aufschlussreiche Punkte.
Vielleicht noch als Anregungen:
- wie sieht das Leben deines Partners aus? Freundeskreis? Hobbies? Selbstwertgefühl? Das war scheinbar einer der Punkte, der in meinem Fall alles verkompliziert hat
- sexuelle Vorstellungen? Vielleicht hat dein Partner Vorlieben, von denen du nichts weißt...
- Wohlbefinden im eigenen Körper (für mich essentiell für ein gutes Sexleben)
Im Nachhinein betrachtet habe ich es zwar sehr lange vor mir her geschoben, aber ich habe auch einiges gelernt dabei. Die Trennung war schmerzhaft, vor allem weil der Alltag so schön war und es so vieles gab, was mir gut tat.
Dennoch bereue ich es nicht und hoffe, dass du, FrauPetersilie, einen guten Weg für dich findest!
_Winterkind
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19.06.2020, 06:54
AW: an sich gute Ehe, aber ohne Sex und ohne Körperkontakt
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19.06.2020, 11:50Inaktiver User
AW: an sich gute Ehe, aber ohne Sex und ohne Körperkontakt
Ich habe mir versucht vorzustellen, wie es für mich wäre... Zwar Wertschätzung, aber absolut keine körperliche Nähe, kein Streicheln, kein Kuss, von Sex nicht zu reden. Null gegenseitige Anziehung. Das wäre für mich ein Alptraum, selbst wenn man mal keine Lust mehr auf den Sex an sich haben sollte, so ist doch die körperliche Wärme, das in den Arm nehmen, im Vorbeigehen mal berühren, doch irgendwie existentiell in einer Partnerschaft. Einfach als Mensch gesehen werden. Wir fallen heute auch nicht mehr ständig übereinander her, aber Berühungen, in den Arm nehmen, mal einen Kuss zwischendurch, haben wir täglich. Ich würde darauf nicht verzichten wollen, ihr führt eigentlich eine gute WG. Wenn Dir das bis zum Schluss reicht, dann bleibe. Wenn nicht, dann geh.
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19.06.2020, 21:20Inaktiver User
AW: an sich gute Ehe, aber ohne Sex und ohne Körperkontakt
Genauso sehe ich das auch. Im Laufe einiger Jahrzehnte hatten wir durchaus gesundheitliche Phasen, die eine große Einschränkung für den Körper waren. Da ging so einiges nicht, auch über einige Wochen oder Monate. Auch andere Probleme haben mitunter die Seele stark belastet, so dass man nicht die Stimmungskanone war.
Was nie (!) aufhörte, war die Wertschätzung (obwohl man mit chronischen Schmerzen sicherlich ein schwierigerer Mensch ist).
Auch das liebevolle Streicheln oder küssen ging niemals verloren. Einfach mal vorsichtig in den Arm genommen zu werden, auch wenn man gesundheitlich sehr stark mitgenommen ist oder sich spontan übergeben musste (ohne Vorsichtsmaßnahmen treffen zu können) ist ein echtes Geschenk. Das stelle ich mir auch weiterhin vor, wenn wir beide gebrechlicher werden. Ankuscheln und sich bei den Händen halten ist einfach schön.
Ich kann mir die Weiterführung der Ehe duchaus vorstellen, wenn man sich versteht. Wenn einer aber so unglücklich ist, dann nicht. Dann wäre eine Freundschaft besser.
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29.06.2020, 10:00
AW: an sich gute Ehe, aber ohne Sex und ohne Körperkontakt
Hallo, Winterkind, lieben Dank. Es ist schön, wenn man das Gefühl hat, jemand verstehe einen.
Es ist in der Tat so: Es passieren immer wieder kleine Dinge, die dafür sorgen, dass ich mich nicht wirklich geborgen, geliebt, aufgehoben fühle, die aber gleichzeitig eher Kleindigkeiten sind, wegen denen man doch nicht eine Ehe/Beziehung an die Wand fährt.
z.B. musste ich neulich am Vormittag zum Bahnhof auf einen bestimmten Zug, ein später wäre nicht gegangen, da ich einen beruflichen Termin hatte. Mein Mann lag noch im Bett, hat aber nur noch gedöst und wäre eine Viertelstunde später auch aufgestanden.
Es hat äusserst heftig zu regnen begonnen und es war unmöglich, so zum Bahnhof zu gelangen. Ich wäre komplett durchnässt gewesen, das macht gar keine gute Falle im Beruf. Normalerweise bin ich recht schmerzfrei, aber es war wirklich heftig. Ich habe also meinen Mann gefragt, ob er mich bitte ausnahmsweise zum Bahnhof fahren könne (ich fahre nicht Auto). Nein, dann müsste er aufstehen, war die Antwort, ich solle doch ein Taxi nehmen.
Habe ich dann gemacht. Aber das war wieder so was, wo ich mich im Stich gelassen gefühlt habe. Vielleicht habe ich auch einfach zu hohe Anforderungen.
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29.06.2020, 10:03Inaktiver User
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29.06.2020, 14:05Inaktiver User
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29.06.2020, 14:07
AW: an sich gute Ehe, aber ohne Sex und ohne Körperkontakt
Also die Taxigeschichte kann ich jetzt per se nicht schlimm finden.
(womit ich jetzt nicht sagen will, dass ich hier alles rosig sehe!)
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29.06.2020, 14:10
AW: an sich gute Ehe, aber ohne Sex und ohne Körperkontakt
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29.06.2020, 14:15Inaktiver User
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29.06.2020, 14:18


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