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  1. Moderation

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    AW: Kann das gut gehen? Er sachlich, ich emotional und auf der Palme

    Zitat Zitat von Luzie_11 Beitrag anzeigen
    Bedeutet das, er hat das vermeidende Muster und ich das ambivalente?
    Ich glaube, ich verstehe, was in ihm vorgeht. Aner ich VERSTEHE es nur. Wenn ich selbst gerade so gekränkt bin, kann ich nicht darauf eingehen, das schaffe ich zur Zeit nicht.
    Ich fühle mich wie ein gekränktes, zurückgewiesenes Kind. Alles schnürt sich zu, wird eng, ich will sofort Nähe, kann sie nicht herstellen und dann ziehe ich mich bockig zurück. Da irgendwo ein Stopp reinzuhauen, fällt mir gerade superschwer.

    Je mehr ich so werde, desto mehr distanziert er sich, wird kühler und genervter, was meine Lage noch anfeuert. Und dann sind wir im Teufelskreis.

    Ja, so würde ich das pi mal Daumen einschätzen.


    Wenn du in dem Muster drin bist und sozusagen das kleine zurückgewiesene Kind „lebst“, ist es schwer, aus dem Muster heraus anders zu agieren. Aber meistens gibt es den Punkt des Reinrutschens in das Muster, und den kann man lernen wahrzunehmen. Da ist noch ein Umsteuern möglich.

    Gilt auch für deinen Partner.

    Ihr könntet in einem entspannten Moment vereinbaren, wie eine Alternative aussehen könnte. Etwas neues, was euch jeweils verankert, etwas mit dem beide umgehen können. Im Zweifelsfall eine zeremonielle Tasse Tee, gemeinsam, ohne Worte, damit klar wird, du treibst ihn nicht emotional in die Enge und er lässt dich nicht im Stich.


    Ihr seid ja nicht mehr klein, das fühlt sich in dem Moment nur so an.
    that was the river - this is the sea


    Moderation in den Foren "Kindergesundheit", "Persönlichkeit" und im "Corona"-Forum

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    AW: Kann das gut gehen? Er sachlich, ich emotional und auf der Palme

    Zitat Zitat von Mediterraneee Beitrag anzeigen
    Dass eine Beziehung zwischen zwei so unterschiedlichen Charakteren gelingt, erfordert viel, viel Arbeit und Verständnis für den anderen.

    Bei mir ist eine wirklich tolle und vielversprechende Beziehung genau daran gescheitert. Wir waren damals so alt wie Du jetzt und haben es nicht geschafft, unsere Blickwinkel zu verändern und uns in den anderen hineinzuversetzen. Im Gegenteil: meine Emotionalität und seine Rückzugstendenzen und Sachlichkeit verstärkten sich gegenseitig und führten zu Frust und irgendwann zur Trennung. Je nüchterner er wurde, desto emotionaler wurde ich - und umgekehrt. Wir bauten unbewusst eine Mauer zwischen uns, die irgendwann so hoch war, dass wir nicht mehr drübergucken konnten.

    Findet beide heraus, warum Ihr so tickt, wie Ihr tickt. Wenn Ihr das verstanden habt, wenn Ihr Euch selbst verstanden habt, könnt Ihr auch einander verstehen lernen.
    Genau den Teufelskreis, den du beschreibst, in den rutschen wir gerade, denke ich.

    Es freut mich, dass du es in einer neuen Beziehung aber geschafft hast, dass das nicht so läuft und ihr die Kluft überwindet.

    Warum wir so ticken... ich habe eine Verhaltenstherapie gemacht und habe einen Vater, der sich im Streit komplett zurückzieht (wahlweise in den Keller oder Baumarkt) und eine Mutter, die emotional wird und supernervig. So hab ich das schon als Kind empfunden.
    Er hat eine ziemlich schwierige Kindheit mit einer schwierigen Mutter.
    Also ich denke wir hatten beide kein so gutes Vorbild, wie man Beziehung harmonisch leben kann. Wobei das natürlich jetzt wieder auch ein Stück weit Küchenpsychologie ist...

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    AW: Kann das gut gehen? Er sachlich, ich emotional und auf der Palme

    Ich habe bereits beim Lesen des Eingangsposts gedacht, dass seine "Sachlichkeit" nichts weiter als eine Schutz- Abwehrreaktion ist.
    Deine Emotionalität ist das natürlich auch, nur scheinst Du dies auch mitzukriegen, er eher nicht.
    Er müsste bereit sein da hinzuschauen, es in Worte zu fassen, sonst geht es nicht.
    Hast Du versucht zu reden? Was sagt er?
    "Wenn Sie die Art und Weise ändern, wie Sie die Dinge betrachten, ändern sich die Dinge, die Sie betrachten."
    Max Planck - deutscher Physiker und Nobelpreisträger 1858-1947


    Denken und Sein werden vom Widerspruch bestimmt
    Aristoteles - Griechischer Philosoph

    "Es ist nicht wie es ist, sondern so, wie Du denkst, dass es ist. "bifi

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    AW: Kann das gut gehen? Er sachlich, ich emotional und auf der Palme

    Zitat Zitat von Klecksfisch Beitrag anzeigen
    Was ihr alle beide bisher vermieden habt, nicht sehen wollte oder nicht wußtet, bekommt ihr jetzt vor die Füße geworfen. Macht was draus. Wenn du und auch er nichts daran tut, wird euch dieses Verhalten immer wieder einholen.

    Was du in #3 geschrieben hast, solltest du ernst nehmen. Du beschreibst es als 'kleinere Sachen', die gar nicht klein sind, sondern die den ganzen Tagesablauf beeinflussen. Wenn ich z. B. einen Mann kennenlerne, klopfe ich genau ab, ob es paßen könnte oder nicht. Dazu gehört Vorlieben und Abneigungen herauszufinden. Wenn zu viel nicht zusammenpaßt, dann lasse ich die Finger davon.

    Eigentlich wäre für euch eine Paartherapie interessant oder für dich eine Therapie, damit du auch auf der Sachebene agieren lernst und nicht in deinen negativen Gefühlen gefangen bist.

    Eine Möglichkeit wäre, in Situationen, die hochgehen, eine Stunde an die frische Luft zu gehen, herunterzukommen und dann darüber reden.
    Ja, ich frage mich gerade auch, ob es eine Chance oder ein völliger Holzweg ist.

    Es ist so irre, weil ich wirklich am Anfang dachte, wir passen supergut zusammen. Er war eben am Anfang auch noch null so von dieser kühlen Seite und jetzt erstaunt die mich total. Wie wenns in einer Wohnung noch ein Zimmer mehr gibt. Ein Gefriertruhenzimmer

    Er hat am Anfang sehr viel Gas gegeben und sich total angestrengt, da war einfach nichts von der kühlen Seite. Klar kann das nicht so bleiben. Aber dass ich mich so schnell so unsicher fühle, irritiert mich sehr.

    Ich habe heute bei der caritas angerufen und uns auf die Warteliste für eine Paarberatung setzen lassen. Vielleicht klappt es ja!

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    AW: Kann das gut gehen? Er sachlich, ich emotional und auf der Palme

    Zitat Zitat von jubidu Beitrag anzeigen
    Du schreibst er sei sachlich, dann aber wieder er zieht sich in sein Schneckenhaus zurück. Das wiederum ist ja eine sehr emotionale Reaktion und kann aus tiefer Angst vor Verletzungen resultieren. Sprich ihr habt beide eine starke emotionale Seite, reagiert aber darauf auf ganz unterschiedliche Art und mit sehr unterschiedlichen Bedürfnissen.

    Mein Partner und ich sind da sehr ähnlich. Ich brauche im Streit die Kommunikation und Auseinandersetzung. Er zieht sich zurück, weil er sich schnell auf einer tiefen Ebene angegriffen fühlt. Ich wiederum fühle mich als würde ich wie du gegen eine Wand laufen.

    Auch jetzt nach einigen Jahren besteht dieser Kreislauf noch hin und wieder. Und ist dann auch schmerzhaft wie eh und je. Allerdings kommen wir auch sehr schnell wieder aus den Situationen heraus. Und haben eben aufgrund dieser Situationen auch viel über einander und uns selber lernen können und wachsen können. Ich würde mir keinen anderen Partner wünschen. Denn obwohl er so scheinbar viel "sachlicher" reagiert, so hat er eben genau so tiefe (ich sag mal) Baustellen wie ich. Und er versteht mich darum auch wie kein anderer. Ich darf bei ihm so sehr ich sein, wie noch nie in meinem Leben. Gleichzeitig hilft uns dieses Verständnis aber auch gegenseitig unsere Narben zu heilen.
    Danke, Jubidu! Dass das Schneckenhaus eine emotionale Reaktion ist, hatte ich gar nicht auf dem Schirm. Aber stimmt!
    Genau, und mich haut es von außen gegen die Wand.
    Das Vertrackte ist, dass ich nicht merke, dass es ihm auch schlecht geht und ihm weh tut. Das verstärkt vielleicht meine Verzweiflung in dem Moment.
    Ich habe auch schon überlegt, ob ich dann so emotional werde, um unbewusst bei ihm eine Reaktion zu provozieren, dass ich ihn wieder spüre.
    Wenn es so ist, ist das natürlich eine ziemliche Sackgasse.
    Ich merke, dass mein Gleichgewicht erstmal ganz weg ist und ich wieder meine Balance finden muss und dann geht es so laaangsam wieder. Das kann ich eigentlich am Besten in er Distanz, obwohl bei so einer Schneckenhaussituation alles nach Kontakt schreit.

    Es freut mich sehr, dass das bei euch klappt und ihr zueinander findet! Was machst du am Besten, wenn du gegen die Wand läuft und abprallst? Hast du da eine Strategie?

    Bislang klappt es auch, dass wir uns hinterher (1Tag Abstand) darüber unterhalten und bislang ist dann auch Verständnis auf beiden Seiten da. Allerdings schaffen wir es eben nicht, dass in der direkten Situation auch herzustellen bzw. haben noch keine Strategie zur Intervention.
    Was mir eben Sorge macht, ist, dass das mit dem Teufelskreis immer zügiger geht.
    Geändert von Luzie_11 (28.04.2020 um 15:20 Uhr) Grund: Rechtschreibfehlerteufel

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    AW: Kann das gut gehen? Er sachlich, ich emotional und auf der Palme

    Zitat Zitat von Luzie_11 Beitrag anzeigen
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    Ich habe heute bei der caritas angerufen und uns auf die Warteliste für eine Paarberatung setzen lassen. Vielleicht klappt es ja!
    Hmm. Nochmal: habt ihr geredet, und wie steht er dazu?
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    Max Planck - deutscher Physiker und Nobelpreisträger 1858-1947


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    AW: Kann das gut gehen? Er sachlich, ich emotional und auf der Palme

    jubidu, toller Post!

    Luzie, was Du nicht tun darfst, ist, Deinen Partner zu überfordern. Wenn er ein Mensch mit Rückzugstendenzen ist, wird es ihm schwerfallen, im Gespräch, im Streit oder auch in einer Paartherapie offen und zugänglich zu sein. Aber das weißt Du ja bestimmt aus Erfahrung.
    Möglicherweise ist es für ihn viel schwieriger, sich zu öffnen, als es für Dich ist, Dich emotional zurückzunehmen.

    Mein damaliger Partner hat mal zu mir folgendes gesagt: "Ich kann ganz schwer an meine Gefühle ran. Es ist, als sei im Laufe meines Lebens in meinem Bauch ein Betondeckel gewachsen, so dass mein Hirn nicht mehr an mein Bauchgefühl rankommt." Das war für ihn ein riesiger Schritt an Selbsterkenntnis. Aber sich das bewusst zu machen reicht eben nicht unbedingt aus, es dann zukünftig anders zu machen. Du wirst viel Geduld brauchen.
    Wir werden weitermachen!

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    AW: Kann das gut gehen? Er sachlich, ich emotional und auf der Palme

    Mary, genau, den Punkt des ins-Muster-Rutschens nehme ich noch wahr und dann geht es so schnell, ich bin gekränkt und verletzt und zack, zu spät. Das will ich irgendwie versuchen zu verlangsamen.
    Über die Tasse Tee denke ich nach, danke!

    Ich weiß nicht, wie er sich fühlt, aber ich fühle mich wirklich richtig klein.

    Danke, bifi!
    Ich denke auch, dass er es weniger mitkriegt als ich.
    Wir haben über die vorletzte Situation lange geredet und sie auseinanderklabüsert.
    Er sagt, er zieht sich zurück und macht das dann erstmal mit sich aus. Auch, dass er innerlich dann kocht und es erstmal besser ist, dass ich dann nicht da bin.
    Wir haben es dann geschafft, unser Verhalten gegenseitig nachzuvollziehen.

    Nur in der akuten Situation... es geht so schnell, dass es kippt!
    Ich bin sooo schnell auf der verletzten-Kind-Ebene und er ist so schnell ungeduldig und weg, was mich noch mehr verletzt. Weil von außen fühlt sichs ja so an, als würde es sichs im Schneckenhaus gemütlich machen, ein bier zischen und warten, bis die Irre sich wieder beruhigt hat. Überspitzt formuliert

  9. Inaktiver User

    AW: Kann das gut gehen? Er sachlich, ich emotional und auf der Palme

    jubidu, ich kann Deinen Beitrag quasi komplett unterschreiben. Unglaublich.

    Luzie, es hilft, wenn Du Dich nicht immer weiter hochschraubst und probierst, es unaufgelöst zu beenden für den Moment. Ist schwer. Ich konnte das am Anfang überhaupt nicht und habe manchmal komplett die Fassung verloren und wusste vor Verzweiflung und Ohnmacht nicht wohin. Inzwischen hat es sich glücklicherweise etwas abgeschliffen. Wir haben uns angenähert, das Gegenüber macht uns in seinem Anders-sein nicht mehr soviel Angst. Ich bin nicht mehr ganz so emotional aufbrausend bzw. kann mich besser abbremsen.

    Was immer ganz viel geholfen hat war, dass unsere unterschiedlichen Naturelle und die Art, wie wir mit Konflikten umgehen, nie dazu geführt haben, das wir uns grundsätzlich nicht mehr leiden konnten. Wir wollten uns immer wieder annähern, weil wir uns so gern hatten und haben es immer wieder versucht.

    Ich fühlte mich übrigens auch oft klein, lächerlich, nicht ernst genommen. Aber das war nicht so. Mein Partner konnte nur mit diesem hemmungslosen Bohei nichts anfangen, weil es ihm völlig wesensfremd ist. Ich glaube, schlussendlich war es gut, dass er immer so ruhig und bedachtsam geblieben ist und war es genau das, was ich brauchte.

    Edit: Gekocht hat er allerdings nie und ungeduldig wurde er auch nicht. Eher immer stiller, stoischer, so zen-buddha-mäßig.

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    AW: Kann das gut gehen? Er sachlich, ich emotional und auf der Palme

    Was uns geholfen hat?

    Zum einen die Gewissheit, dass wir uns gegenseitig absolut bescheuert finden können und uns trotzdem sehr sehr lieben. Das nimmt der Dramatik im Streit schonmal ihr Futter. Wir haben einfach keine Angst mehr uns zu verlieren.

    Dann hat uns geholfen zu verstehen, dass der andere in erster Linie nie etwas bewußt machen würde um zu verletzen. Wir wollen dem Gegenüber grundsätzlich gut sein. Nur klappt das eben nicht immer wenn unsere inneren Kinder getriggert wurden. Aber es hilft zu wissen, der andere will mich grad nicht verletzen. Auch wenn es sich so anfühlt.

    Und dadurch sind die Situationen halt einfach sehr verkürzt. Gespräche laufen immer noch gleich ab. Ich rede und rede immer wilder, er blockt komplett. Ich heule dann oder schlage auch schonmal heftig die türen. Wie ein pubertierender Teenie. Und dann sitze ich wütend im anderen Zimmer und verfluche ihn und versuche mir ein Leben ohne ihn vorzustellen. Und dann verfliegt die Wut auch schon und ich denke, ach mensch, wegen so nem Unsinn vermassel ich uns jetzt das Wochenende. Und dann gehe ich zu ihm, wir kuscheln, manchmal sagen wir noch sowas wie "du warst echt doof" , "ja du auch" und manchmal erklären wir uns noch kurz was uns in Wahrheit getriggert hat, und gut ists. Ist ne Sache von mittlerweile maximal ner halben Stunde. Früher konnte das tagelang so gehen, dass wir da nicht rausfanden.

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