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Thema: Dauerkrise


  1. Registriert seit
    19.03.2020
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    Dauerkrise

    Hallo!
    Bin schon seit Jahren stille Mitleserin und schätze die die vielen, klugen Beiträge, die man hier zu den geschilderten Problemen lesen kann, außerordentlich. Lange habe ich überlegt, ob ich mich anmelden soll, weil ich es so schwierig finde, meine Gedanken zu strukturieren und aufzuschreiben. Auch weil der Leidensdruck hoch ist und ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Ich versuch’s mal und hoffe, dass es einigermaßen verständlich wird.

    Ausgangspunkt war der Thread von Lustrum, wo es um das Alkoholproblem ihres Partners geht. Ich schleppe ein ähnliches Thema mit mir herum – allerdings ist es nur eines von vielen Stress-Themen in unserer Ehe.

    Mit meinem Partner bin ich schon seit über 20 Jahren zusammen, seit ca. 10 Jahren auch verheiratet.
    Inzwischen schaut auch das Ende des Arbeitslebens um die Ecke – soll heißen, wir sind bereits etwas älter .
    Mein Mann trinkt gerne Alkohol, für ihn ist es Genuss. Seit vielen Jahren schon. Jeden Abend so ca. 2-3 große Flaschen, also mit jeweils 0,5 l Inhalt. Dazu kommt häufig noch ein großes Glas Rot- oder Weißwein sowie 2-4 x wöchentlich noch ein bis zwei Gläser Obstschnaps o.ä. . Weil es halt lecker ist, sagt er. Er wirkt auch nicht betrunken oder wird gar ausfällig.

    Ich habe mir schon so oft den Mund verbrannt, wenn ich ihn auf seinen Alkoholkonsum angesprochen habe. Für ihn ist das alles ganz harmlos und er fühlt sich bevormundet. Ich glaube inzwischen, dass er es gar nicht mehr lassen kann und mache mir Sorgen – das wird aber abgebügelt und wir kriegen jedes Mal Streit

    Dazu kommt:

    Vor einigen Jahren habe ich ihn beim Schreiben einer ziemlich eindeutigen erotischen Botschaft an eine andere Frau ertappt. Darauf angesprochen hat er mich zuerst angelogen, es dann aber zugegeben. Sei aber völlig harmlos, es wäre nichts mit dieser Frau…, nur eine kleine Spielerei. Löste eine ziemliche Beziehungskrise aus.
    (Ich fang gerade wieder an zu zittern, das wühlt mich alles sehr auf).
    Leider ist er jemand, der von sich wenig preisgibt. Anfangs kam zwar eine halbherzige Entschuldigung, aber in der folgenden Zeit hat er auf meine Verzweiflung mit Unverständnis und fast schon aggressiv reagiert. Ich wollte halt alles wissen – aber er nichts sagen…
    Vorfall Nr. 2 folgte ca. 3 Jahre später, wieder ist es durch einen für ihn dummen Zufall heraus-gekommen - heimliche Treffen mit einer mir entfernt bekannten Frau. Auch hier angeblich alles ganz harmlos, natürlich. Man sei nur regelmäßig spazieren gegangen. Ah ja.
    Die nächste Krise folgte. Und ich glaube, aus der bin ich seither nicht mehr herausgekommen. Mein Misstrauen wuchs. Viele Gesprächsversuche verliefen frustrierend, nervtötend und ergebnislos. Leider sitzen bei mir die Tränen extrem locker, damit kann er gar nicht umgehen. Ich steuerte auf eine handfeste Depression zu und habe mir therapeutische Hilfe gesucht. Wurde mit der Zeit auch etwas besser. Nur Vertrauen baute sich nicht wieder auf, im Gegenteil – mein Gefühl sagte mir, dass hier immer noch was nicht in Ordnung ist.
    So kam es vor einigen Monaten zum jüngsten Vorfall, hier habe ich allerdings nichts mehr dem Zufall überlassen sondern aktiv nachgeforscht – verzweifelt auf der Suche nach Wahrheit. Und wieder Lügen über Lügen – tatsächlich sind heimliche Treffen gelaufen- mit einer langjährigen guten Freundin von mir.

    Das war dann für mich der Zusammenbruch und das Hinsteuern auf eine Trennung. Das wollte er nun doch nicht und hat sich zu einer Therapie bereit erklärt. Machen wir gerade, bislang mit wenig Fortschritt. Ich rede wie ein Buch und er gibt – wie immer – wenig preis. Seine Kernaussage: Ich sei halt furchtbar negativ drauf und ich solle das doch jetzt endlich mal abhaken.
    Inzwischen merke ich, dass ich ihm gegenüber zunehmend unduldsam werde – ich glaube ihm nichts mehr und er kann mir auch nichts mehr recht machen. Seine Hygiene lässt zu wünschen übrig (ist wirklich so) , seine Tischmanieren sind nicht die Besten usw. Und dann noch das Alkoholthema… Aus seiner Sicht bin ich nur noch am Meckern – das stimmt sogar, ich merke es selbst. Klar fühlt er sich bevormundet. Natürlich hat er auch viele gute Seiten, ich sehe sie nur gerade unter einer schwarzen Decke –weil der massive Vertrauensverlust und die Frustration darüber, dass er nicht aktiv am „Wiederaufbau“ mitarbeitet, einfach zu groß ist.

    Aus seiner Perspektive bin ich das Problem, schließlich könnte ich ja einfach mit allem abschließen und nach vorne sehen. Warum nur gelingt mir das nicht? Ich kann nicht auf Kommando einfach zur Tagesordnung übergehen…
    Danke für's Lesen!

    Hilflose Grüße
    Romanesca

  2. Avatar von luftistraus
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    AW: Dauerkrise

    Hallo Romanesca

    Ach herrje, das ist ja so verfahren.

    Das du kein Vertrauen mehr hast, finde ich völlig verständlich. Vor allem da er die ganze Dinge lieber unter den Tisch kehren möchte. So kann man einen Fehltritt nicht wirklich verarbeiten und vor allem nicht 3x.

    Hast du deine Freundin darauf angesprochen? Vielleicht ist sie ehrlicher zu dir?

    Der Alkohol.... puh. Ich finde das auch schon recht viel. Und das er bei dieser Menge nicht angetrunken/betrunken ist, zeigt ja wo sein Level bereits ist.

    Alkoholsucht ist eine schwere Krankheit die sich irgendwann körperlich bemerkbar macht. Wenn er das Thema völlig wegschiebt und nix davon wissen möchte, hast du keine Chance.

    Interessant wäre wie er denn reagiert wenn du ihm sagst, das es dir als Ehefrau zuviel ist. Die Fahne im Bett, seine möglichen zukünftigen Probleme/Krankheiten usw.

    Nimmt er Dich und deine Sorgen ernst?

    Hast du ihn mal gefragt, was er von Dir als Partnerin erwartet bzw sich wünschen würde?

    Ich finde es schwierig das dein Partner so schweigsam und verschlossen ist. Er scheint auch nicht glücklich zu sein..... braucht Alkohol und "Affären"....

    Ich hoffe das er in der Therapie endlich mal den Mund aufmacht. Und das der Therapeut/in es schafft, vielleicht mit anderen Worten nahe zu bringe, das es dir schlecht geht.... und keine Meckertante bist
    Before you argue with someone, ask yourself, is that person even mentally mature enough to grasp the concept of different perspectives. Because if not, there's absolutely no point.

    Grab nicht zu weit in dem Mist rum, dann stinkt's nur noch mehr. Geh davon weg, und merk dir, wie's gerochen hat, damit du beim nächsten Verlierer früher Lunte riechst. (Zitat Wildwusel)


  3. Registriert seit
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    AW: Dauerkrise

    Was hält dich bei deinem Mann?

    Und ich sehe hier einen Widerspruch: Er lässt sich gehen, pflegt sich nicht, trinkt zu viel.

    Was macht ihn für andere Frauen attraktiv?


  4. Registriert seit
    08.01.2014
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    10.801

    AW: Dauerkrise

    Zitat Zitat von Romanesca Beitrag anzeigen

    Inzwischen schaut auch das Ende des Arbeitslebens um die Ecke – soll heißen, wir sind bereits etwas älter .

    Leider ist er jemand, der von sich wenig preisgibt.


    Die nächste Krise folgte. Und ich glaube, aus der bin ich seither nicht mehr herausgekommen. Mein Misstrauen wuchs.

    steuerte auf eine handfeste Depression zu und habe mir therapeutische Hilfe gesucht.

    Nur Vertrauen baute sich nicht wieder auf, im Gegenteil – mein Gefühl sagte mir, dass hier immer noch was nicht in Ordnung ist.

    hat sich zu einer Therapie bereit erklärt. Machen wir gerade, bislang mit wenig Fortschritt.

    –weil der massive Vertrauensverlust und die Frustration darüber, dass er nicht aktiv am „Wiederaufbau“ mitarbeitet, einfach zu groß ist.
    Markierung von jaws


    Und warum tust Du dir das noch an, anstatt mit ein wenig gesundem Egoismus dein Leben zu genießen und dich nicht weiterhin abhängig vom Verhalten deines Mannes zu machen?

    Es gibt ein Leben vor dem Tod, was Du daraus machst, liegt in deiner ureigenen Verantwortung.

    lg jaws
    Es gibt keinen Weg zum Glück -

    glücklich sein ist der Weg.

  5. Inaktiver User

    AW: Dauerkrise

    Warum hast Du Dich nicht längst getrennt? Liegt es am Geld? Für mich wäre schon bei der "erotischen Botschaft" an eine andere Frau Schluss gewesen.


  6. Registriert seit
    07.12.2018
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    1.744

    AW: Dauerkrise

    Liebe Romanesca
    wenn ich solche Beiträge wie den Deinen lese frage ich mich immer warum manche Frauen so lange in Situationen verbleiben die sie doch offensichtlich nicht glücklich machen ?

    Dein Mann hatte schon mindestens 3 Mal intensiven Kontakt ( ob dieser auch körperlicher Art war ist nicht sicher ) mit anderen Frauen darunter einmal sogar mit Deiner guten Freundin . Allein diese Vorgänge sind Grund genug das Vertrauen in ihn nachhaltig zu zerstören.
    Er macht Dir Vorwürfe dass Du nicht endlich nach vorne blicken kannst und alles vergessen kannst nennt Dich " Meckertante"und lässt auch sonst wenige liebevolle Zugewandheit Dir gegenüber erkennen .
    Warum lässt Du Dich so behandeln?
    Was sind die guten Seiten die Du aufführst und an denen Du Dich ( noch ? ) festhälst ?
    Du hast herausgefunden dass er sich mit Deiner guten Freundin trifft dass ist nochmals ein schwerer Vertrauensbruch von einer Dir nahestehenden Person und ich hoffe Du bist mit dieser Frau nicht mehr befreundet ?

    Denn es gibt einfach Tabus die sollte man nicht brechen und dazu gehören für MICH Freunde / Freundinnen die man nicht betrügt und hintergeht dazu .
    Ich kann sehr gut nachvollziehen nach den ganzen Vertrauensbrüchen Deines Mannes dass Dein Vertrauen nun völlig am Boden ist und er dies wohl auch nicht mehr kitten kann .
    Zumindest nicht mit diesem Verhalten dass er Dir gegenüber an den Tag legt .

    Das schlimme ist er hat Erfolg damit denn Du lässt Dich von ihm auch immer wieder in die Rechtfertigung treiben etwas das in MEINEN Augen einfach nur traurig und völlig kontraproduktiv ist da Du ihm gegenüber besser Stärke und Konsequenz an den Tag legen solltest .

    Was macht diesen Mann noch immer so attraktiv für Dich dass Du nicht schon längst gegangen bist ?
    Ein Mann der einen solchen täglichen Alkoholpegel hat der bräuchte nicht mal ausfallend werden um für mich zusätzlich zu dem fremdflirten aus dem Rennen wäre .
    Du schreibst dass Ihr schon älter seid - noch ein Grund mehr die Reissleine zu ziehen und sich die Jahre die einem noch bleiben mit Respekt Achtung Liebe und schönen Erlebnissen zu füllen und nicht mit Nichtachtung Respekt und Lieblosigkeit sowie eines einer nicht unerheblichen Menge Alkohol konsumierendem Partners der einen schon lange nicht mehr richtig sieht .
    Dies ist MEINE Ansivht und hinter der stehe ich auch .

    Ich wünsche Dir dass Du aufwachst und Dir ab sofort mehr wert sein wirst als bisher .
    Alles Gute und viel Kraft für Dich !

  7. Avatar von bifi
    Registriert seit
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    2.804

    AW: Dauerkrise

    Hygiene mangelhaft, Tischmanieren seien nicht die Besten, Online-affären, was in der Therapie Thema ist kommt bei ihm nicht an, u.ä.. All das sind typische Zeichen einer schweren Suchterkrankung.
    So lange er sich nicht in Behandlung begibt, kannst Du nichts machen, Du redest mit der Flasche.
    Sorge für räumliche Trennung, schließe Dich einer SHG an, wende Dich ab und achte Dich.
    "Schau lange und genau auf die Dinge, die dich erfreuen - zumindest länger als auf die Dinge, die dich ärgern."
    Sinonie - Gabriele Colette


    Denken und Sein werden vom Widerspruch bestimmt
    Aristoteles - Griechischer Philosoph

  8. Moderation Avatar von Sternenfliegerin
    Registriert seit
    21.06.2013
    Beiträge
    4.938

    AW: Dauerkrise

    Guten Morgen,
    dieser Strang wird zu Überprüfungszwecken mindestens vorübergehend geschlossen.
    Andere Stränge zum selben Thema sind nicht erlaubt.

    Sternenfliegerin für die Moderation


    Ergänzung:
    Danke für Eure Geduld, hier ist hiermit wieder offen.
    I don´t know where I´m going- but I´m on my way... Carl Sagan

    Vielleicht geht es auf dem Weg gar nicht darum, irgendwas zu werden.
    Vielleicht geht es darum, alles abzuwerfen, was wir nicht sind,
    so daß wir das sein können, wofür wir bestimmt sind.
    Paulo Coelho



    Moderatorin in den Foren:
    Beziehung im Alltag, Der "gebrauchte" Mann und im Tierforum
    - ansonsten normale Nutzerin
    Geändert von Sternenfliegerin (20.03.2020 um 11:08 Uhr)


  9. Registriert seit
    19.03.2020
    Beiträge
    7

    AW: Dauerkrise

    Danke für Eure Antworten!

    Ich glaube nicht, dass er meine Sorgen und Nöte so richtig ernst nimmt. Liegt vielleicht auch in seiner ganzen Persönlichkeit begründet – er ist sehr wissenschaftlich unterwegs, verstandesorientiert und sachlich. Ich bin das glatte Gegenteil: Hochemotional und schnell an meinen Grenzen.
    Schweigsam und verschlossen ist er übrigens nur bei den emotionalen Diskussionen – bei anderen, für ihn angenehmen Themen ist eher das Gegenteil der Fall.

    Die „Freundin“ habe ich angesprochen und den Kontakt sofort abgebrochen. Habe auch ihn darum gebeten, er hat es aber zunächst verweigert. Ich weiß, dass er mit ihr danach noch mehrfach Kontakt hatte, was natürlich wieder zu Aufregungen führte. Ich empfand ihn als völlig illoyal. Die (Ex-)Freundin sowieso. Das war der Verrat überhaupt.

    Was hält mich bei ihm? Vielleicht die Hoffnung, die bekanntlich zuletzt stirbt? Ich kann es nicht mit letzter Sicherheit sagen. Wir haben schöne Jahre gehabt, eine lange Zeit davon per (beruflich bedingter) Wochenendbeziehung. Das Ende dieser Lebensweise liegt übrigens noch nicht so lange zurück und hier liegt vielleicht auch der eine oder andere Hund begraben. Wir waren es gewöhnt, eigene Wege zu gehen und die Wochenenden bildeten dann immer die Ausnahmen.
    Ein gemeinsames Wohnen haben wir noch nicht so lange. So haben sich manche Eigenheiten erst nach und nach bemerkbar gemacht. Die persönliche Hygiene z. B. Es ist nicht so, dass er sich völlig gehen lässt. Duschen, Händewaschen etc. finden schon regelmäßig statt. Und „aushäusig“ werden auch anständige Klamotten getragen.

    Es sind andere Dinge, die er halt nicht so eng sieht, die aber bei mir leichte Ekelgefühle auslösen. Z. B. Zähneputzen gerne mal sein lassen, insbesondere abends. Finger- und Fußnägel, Haar und Bart wuchern. Pullover werden gerne mal wochenlang getragen. Solche Dinge halt. Wenn ich ihn darauf anspreche, ist das Bevormundung. Genauso, wie mit der Trinkerei. Sein Alkoholkonsum wäre seine Sache. Allerdings bin ich leider nicht sehr diplomatisch, ich lasse Frust lange anwachsen und entsprechend unwirsch werden dann meine Ansprachen.

    Ja, gute Eigenschaften sind natürlich da, er ist unendlich hilfsbereit und im Alltag sehr zuverlässig, in vielen Dingen ein Fels in der Brandung. Es gibt schon einiges, was mich bei ihm hält.

    Ich gehe zunehmend eigene Wege, teile ihm nicht mehr alles mit. Andere sind vielleicht konsequenter und ziehen schneller die Reißleine. Ich bin hier (leider?) zurückhaltender und brauche lange, bis ich zu einer Entscheidung komme. Und ja, wahrscheinlich habe ich auch Angst davor, alleine zu sein.
    Geld wäre übrigens kein Thema. Ich bin diesbezüglich nicht abhängig.


  10. Registriert seit
    29.12.2019
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    785

    AW: Dauerkrise

    Zitat Zitat von Romanesca Beitrag anzeigen
    Und ja, wahrscheinlich habe ich auch Angst davor, alleine zu sein.
    (Kürzung von mir)

    Du bist schon alleine.

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