Hallo ihr Lieben, normalerweise poste ich ungerne Privatsachen in Foren, aber irgendwie bin ich derzeit in einer schrecklichen Sackgasse und weiß einfach nicht mehr weiter. Vielleicht hilft es mir, wieder einen klaren Kopf zu bekommen, wenn ich das Dilemma einfach mal runter schreibe.
Die Fakten:
Gesundheitlich bin ich sehr angeschlagen. Langjährige Rheumaerkrankung mit immer wiederkehrenden temporären Einschränkungen durch Entzündungsschübe. Hinzu kommen die Folgen einer Hirn-OP. Die sind leider nicht klar erkennbar, sondern stark abhängig von meinem jeweiligen seelischen und körperlichen Zustand und zeigen sich diffus in Störungen des logischen Denkens, Pläne lesen fällt mir z.B. sehr schwer, den roten Faden in der Hand halten ebenfalls. Grundsätzlich bin ich hart im Nehmen. Ich schone mich nur, wenn es wirklich erforderlich ist. Ansonsten schmeisse ich hier meinen Haushalt, sind zwar nur 2 Personen aber 140 qm Wohnung. Das macht mir vom Kopf her absolut keine Probleme, habe ich wirklich im Griff.
Die Sprache ist betroffen, sodaß ich mich nicht immer so ausdrücken kann wie ich möchte. Das sind eher Wortfindungsstörungen. Ich habe zwar immer direkt eine Alternative parat, nur das passt oft nicht so ganz und ich realisiere das dann auch nicht. Ein Außensehender würde erst einmal nicht merken, dass ich Einschränkungen habe. Das führt im häuslichen Zusammenleben leider häufig zu Mißverständnissen, zumal mein Mann grundsätzlich ein Mensch ist, der sich zumindest m Privatbereich sehr ungenau ausdrückt. Früher habe ich das kompensiert, wußte immer, was er jetzt meinte, nur jetzt klappt das nicht mehr.
Folge: Er ist sauer, weil ich ihn nicht verstehe oder wieder mal Bahnhof verstanden habe und angeblich seiner Meinung nach am Problem vorbei rede. Das er häufig der Verursacher ist, weil er sich nicht klar ausgedrückt hat und ich mich deshalb verrenne, begreift er nicht.
Mittlerweile sage ich ganz einfach: "Stopp cut, wir reden aneinander vorbei. Ich gehe jetzt hiermit raus aus diesem Dialog." Eine andere Chance habe ich nicht, denn er ereifert sich immer mehr, was mich immer mehr nervt und wenn ich genervt bin, funktioniert mein Kopf erst recht nicht mehr.
Er begreift einfach nicht, dass mein Kopf nicht normal funktioniert. Ich kann keinen Schalter umlegen und in den Normalmodus gehen.
Mein Mann ist grundsätzlich ein sehr stiller Mensch, außer bei mir ;-), sehr zurückhaltend, sehr gefühlsreduziert nach außen hin, fast schon menschenscheu. Im beruflichen kann er das überhaupt nicht gebrauchen, da kompensiert er das aber offensichtlich perfekt. da kann ich schon verstehen, wenn er sein eigentliches Wesen zuahsue stärker auslebt, so als Gegenpol zur beruflichen Belastung.
Was mich derzeit total herunter zieht, ist seine Gedankenlosigkeit mir gegenüber. Wenn ich sehe, dass mein Partner sich nicht gut fühlt, versuche ich ihn zu entlasten.
Ich versuche mich viel auf meinen Partner einzulassen. Wir werkeln z.B. gerne in unserer kleinen Werkstatt, Holzarbeiten, die wir jetzt allerdings nach unserem Umzug erst wieder aufbauen müssen. Ich mache fast grundsätzlich mit, weil es ihm gut tut, er aber alleine nicht aktiv werden würde. Ich stelle dabei meine momentanen Bedürfnisse absolut in den Hintergrund.
Dann bin ich abend natürlich platt, kann auch nicht mehr verhindern, dass man das deutlich sichtbar wahr nimmt. Von meinem Mann würde ich dann einfach mal erwarten, dass er jetzt, nachdem ich den ganzen Tag für ihn da war, auch mich mal unterstützt.
Wenn ich stark humpele, könnte man doch mal sagen, dass ich mich schonen soll und er jetzt mal was zu essen macht. Passiert aber nicht. ICH muß sagen, dass mir das Kochen zuviel wird. Folge ist, dass er dann in die Küche geht, sich ein Brot schmiert oder was auch immer und sich damit zurück zieht.
Egal was ist, er denkt 0,0 mit und kommt überhaupt nicht auf die Idee, dass mir auch mal ein wenig Unterstützung gut tun könnte. Fordere ich sie ein, nimmt er das zwar zur Kenntnis, vergißt das dann aber oft. Klassischer Fall Abfall runter bringen. Ich sage ihm er möchte den Abfall runter bringen, was passiert? Am nächsten morgen bringe doch ich ihn runter, bevor die Maden im Biomüll das selbst machen.
Ich bin im Prinzip gezwungen, alles zu erledigen. Auch bürotechnische Sachen. In all den Jahren hat er mittlerweile lediglich abzeptiert, dass er für die Steuer zuständig ist, weil ich das absolut nicht mehr hin bekomme.
Gestern ist es eskaliert. Unsern Eigentumswohnung braucht einen neuen Mieter. Ich habe mich mit der Annonce abgemüht, er saß nebenan an seinem Schreibtisch, Hörbuch hören gleichzeitig Spiel spiele, also so richtig schön abgeschottet. Trotzdem bekommt er dannd och mit, dass ich eine Aktion etwas umständlich ausführe, Brainerror ließ wieder grüßen und meckert auch noch. Mich bringt das total aus dem Trott, ich bin absolut nicht mehr multitaskingfähig und damit möglichst nichts schief geht, konzentriere ich mich enorm auf die eine Aufgabe, die ich gerade ausführen will. Solch eine Aktion von ihm bringt mich dann total aus der Rolle, dann kann ich auch sehr böse werden, zumal er genau weiß, dass ich eine extrem hohe Konzenration brauche, das sehr anstrengend für mich ist und er nur Unheil anrichtet, wenn er dazwischen funkt.
Ich habe ihm dann vorgeworfen, wieso ICH schon wieder solch eine Arbeit machen muß, wieso er nicht endlich begreifen kann, das ich seine Hilfe benötige.
Habe auch gesagt, dass ich mich total allein gelassen und hilflos fühle und Angst vor der Zukunft habe wenn meine Hirnleistung aufgrund zunehmenden Alters weiter abbauen sollte. Ich habe in dem Moment genau das gesagt was ich gefühlt habe und das war natürlich auch wieder falsch. Ich bekomme einfach kein Verständnis. Ich habe das Gefühl, er glaubt, ich mache das extra.
Manchmal wünsche ich mir, er hätte nur einen Tag mit meinen Problemen zu kämpfen, um mal mitzubekommen, wie schwer das alles für mich ist.
Ich weiß langsam einfach nicht mehr, was ich noch tun soll. Ich brauche eigentlich ein ruhiges Leben um ausgeglichen zu sein. Je unausgeglichener ich bin, desto weniger funktioniere ich richtig und desto schlechter geht es mir dann auch körperlich. Derzeit entwickelt sich daraus wieder eine ekelhafte Abwärtsspirale, die ich nicht stoppen kann.
Es gibt noch etliche Probleme mehr, die ich schon immer kompensiere, aber die würden das ganze hier nur noch mehr aufblasen.
Sorry für Rechtschreibfehler, Grammtikfehler etc., mein Kopf ist heute ziemlich stur und eigenwillig, sodaß ich die Fehler oft nicht sehe.
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 1015
Thema: Beziehungsprobleme
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22.07.2019, 12:17Inaktiver User
Beziehungsprobleme
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22.07.2019, 12:27
AW: Beziehungsprobleme
Wenn du dich so überlasstet fühlst... warum tust du so viel für ihn ? (Werkstatt usw.?)
Und: Wenn du dich für ihn so 100%ig einsetzt, das ist doch deine Entscheidung. Da kann man nicht erwarten, dass der andere das genau so macht umgekehrt.
Was ich sagen will, mach nicht so viel für ihn, haushalte besser mit deinen Kräften. Oder einige dich, was er künftig übernehmen muss, weil du das einfach nicht mehr kannst. UNd wenn ihm das auch zu viel ist, könnt ihr ja jemand anderen beauftragen.
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22.07.2019, 12:36Inaktiver User
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22.07.2019, 12:43Inaktiver User
AW: Beziehungsprobleme
Weil es mir auch Spaß macht und es schön ist, wenn man ein gemeinsames Hobby hat.Wenn du dich so überlasstet fühlst... warum tust du so viel für ihn ? (Werkstatt usw.?)
Das schreibst du so einfach. Er übernimmt aber nichts, macht höchstens rudimentär das, was er gerade wirklich braucht, sprich zur Not mal eben ein Hemd bügeln.Oder einige dich, was er künftig übernehmen muss, weil du das einfach nicht mehr kannst.
Ich kann jetzt natürlich sagen, ich koche dann einfach nicht. Ich selbst möchte aber auch gerne etwas zu essen haben. Ich kann auch aufgrund bestimmter Vorgaben zu meinem Essen nicht einfach außer Haus gehen.
Es geht auch nicht nur um das Aufgaben übernehmen, sondern vor allem auch um das mitdenken. Heute muß die gelbe Tonne rausgestellt werden. Wenn ich ihn nicht daran erinnere passiert nichts. Ich habe es ihm gestern gesagt, muß jetzt aber daran denken, ihn nachher zu fragen ob er es gemacht hat, weil er total unzuverlässig ist. Das ist etwas was nicht liegen bleiben darf.
Ständig andere beauftragen ist derzeit finanziell nicht drin.
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22.07.2019, 12:45Inaktiver User
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22.07.2019, 12:53Inaktiver User
AW: Beziehungsprobleme
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22.07.2019, 12:55Inaktiver User
AW: Beziehungsprobleme
Ich denke, da sprichst du ein allgemeines Problem an.
Nicht nur dein Mann ist so. Ich kenne sehr viele. Wenn man denen nicht die Mülltüte in die Hand drückt und ihnen sagt, dass der Müll jetzt runter muss, dann vergessen sie es einfach.
Jahrelang machen wir die "Mutti" und staunen dann, dass sie sich daran gewöhnt haben. Oft kommen sie ja auch direkt von Mutti, habe nie auf eigenen Beinen gestanden.
Mein Partner war zum Glück ziemlich lange allein. Er kann alles, was dazu nötig ist. Anfangs habe ich ihn an die Wäsche erinnert, dass habe ich aber eingestellt. Vorher ohne mich ging es auch. Gestern abend ist er dann gerannt, um seine Arbeitshose bis heute sauber zu kriegen.
Nö, ich sag nix mehr.
Ich würde auch sagen, dass du mehr auf deine Grenzen achten solltest. Auch wenn es das gemeinsame Hobby ist, solltest du dich eher raus nehmen. Deine Anspruchshaltung tut dir nicht gut. Du bist enttäuscht, lässt eventuell die Zicke raus und er macht noch dichter.
Müll stehen lassen, Hemd nicht bügeln, Gelassenheit entwickeln.
Wenn er die Annonce nicht mitformulieren will, mache es allein und lassen ihn ganz draußen vor.
Mache nicht mehr die Mutti. Er ist schon groß. Und äußere deine Wünsche zeitnah und deutlich. Warte nicht drauf, dass er dir eine Stulle mitschmiert. Sage es ihm.
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22.07.2019, 13:11Inaktiver User
AW: Beziehungsprobleme
Das war meiner auch. Hat aber offensichtlich nichts gebracht. Auflaufen lassen mache ich auch. Ich bügele seine Hemden nicht. Wenn es mir zu unordentlich wird, packe ich seinen Krempel auf eine Stelle wo es ihn stört, dann muß er ihn weg räumen.
Das Hobby bringt mir aber viel, ich mache es sehr gerne und soll das zugunsten anderem sein lassen? Was tue ich dann für meine Seele?
Das sagst du so einfach. Ich habe gestern Glück gehabt und es ist nicht in die Hose gegangen. Ich darf solche wichtigen Angelegenheiten eigentlich nicht mehr alleine machen.
Das habe ich gemacht. Problem ist, dass dann durchaus auch keine Stulle bei mir ankommt. Er weicht ab von seiner Aufgabe und hat es vergessen.
Ich hatte mal ein Schlüsselerlebnis bezüglich Ansagen machen. Das war noch damals mein erster Mann. Ohne Ansagen funktionierte auch nichts, trotz äußerst höflicher und netter Ansage bekam ich irgendwann zu hören, dass ich nur am meckern bin. Seitdem habe ich Probleme mit Ansagen. Meine ansagen waren absolut berechtigt, kein Kleinkram, Pingelkram.
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22.07.2019, 13:12Inaktiver User
AW: Beziehungsprobleme
Hm. Liebe ist für mich nicht irgendein abstraktes Gefühl, sondern zeigt sich ganz praktisch im Umgang. Und der scheint mir - verzeih mir die Direktheit - doch eher lieblos zu sein, von seiner Seite.
Liebe ohne Fürsorge und den Willen, dass es dem anderen gutgeht, ist für mich jetzt nicht so recht vorstellbar...
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22.07.2019, 13:16
AW: Beziehungsprobleme
Kann dein Mann dich mal zum Arzt begleiten und sich die Sache von ihm erklären lassen? Manchmal hilft es besser, wenn eine Drittperson etwas erklärt und insbesondere auch deine Einschränkungen klar macht.


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