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  1. Registriert seit
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    Weiter - wenn ja, wie?

    Liebe Community,
    seit einer Weile schon lese ich immer wieder mit und trage mich mit dem Gedanken, auch meine Frage hier zu öffnen, um andere Sichtweisen zu lesen, weil ich mich selbst immer wieder im Kreis drehe und mich an der selben Stelle wiederfinde. Vielleicht bekomme ich ja durch euch eine Anregung, die mir eine neue Perspektive eröffnet. O je, ich befürchte, das wird lang.

    Seit fast 30 Jahren bin ich mit meinem Partner zusammen. Wir sind recht jung zusammengekommen. Ich hatte zuvor jedoch schon zwei Partner, einen davon auch mit gemeinsamen Alltag, weil wir zusammenlebten und auch kurze intensive Bekanntschaften. Wir haben recht jung unser erstes Kind bekommen, drei weitere folgten später in recht engem Abstand. Inzwischen sind zwar noch drei Kinder von uns wirtschaftlich abhängig, es wohnen aber nur noch zwei zu Hause.

    Am Anfang war mein Mann nach Feierabend viel mit seinen Kumpels unterwegs, ich habe Arbeit, Kind, Haushalt und Studium gewuppt. Wir, vor allem ich, hatten einigen Stress mit meiner übergriffigen Mutter, sodass wir, als sich für mich beruflich die Gelegenheit bot, die räumliche Flucht anzutreten, dies auch nutzten und weit weg von der eigentlichen Heimat zogen. Dieser Entschluss war ein gemeinsamer, aber aus meiner Sicht der Anfang der Spirale, in der wir uns immer noch befinden. Mein Mann hatte zu der Zeit einen Beruf, der sich eigentlich an vielen Orten ausüben ließ, hatte aber an seiner alten Stelle tolle Kollegen, die Kumpels waren, mit denen man einen drauf machen konnte und um die Häuser ziehen. Für ihn war der Wechsel ein Bruch, weil er die berufliche Kumpelsituation nicht wiedergefunden hat und sich von seiner Herkunftsfamilie, mit der aber auch vieles für ihn schwierig war, entfernte. Für mich war es die Tür zu einer spannenden Entwicklung. Die Entfernung war groß genug, um Abstand von den permanenten Verletzungen durch meine Mutter zu finden, beruflich fasste ich schnell Fuß und auch im Privaten hielt ich Kontakt zu den alten Freunden und erweiterte meinen Freundeskreis am neuen Ort. Mein Mann jedoch fand lange nicht die rechte Stelle, wurde immer negativer und launischer. Ich versuchte das immer wieder auszugleichen, das war ich auch von zu Hause gewohnt.

    Die Stimmung änderte sich zum Besseren, als sich für meinen Mann eine neue berufliche Perspektive auftat. Dazu musste er aber ein Studium absolvieren, dass er zuerst auch mit viel Elan begann.. In der Zeit war ich die Hauptverdienerin, stemmte den größten Teil des Haushaltes und unsere drei anderen Kinder kamen zur Welt. Ich versuchte ihm möglichst viel Freiraum zum Lernen zu schaffen und meinen vorbereitungsintensiven Beruf irgendwie mit Kindern und Haushalt nebenbei gut zu meistern und hauptsächlich das Familieneinkommen heranzuschaffen...und immer, wenn die Stimmung sank, weil mein Mann eine negative Phase hatte, habe ich auch versucht, das auszugleichen. Dabei bin ich dann so peu a peu in eine Belastungsdepression gerutscht, die sich aber mit therapeutischer Hilfe wieder auffangen ließ. Zwischenzeitlich habe ich mich schon immer wieder gefragt, ob diese Beziehung mir / uns wirklcih gut tut. Aber es gab natürlich auch viele gute und schöne Momente.

    Als unsere Kinder langsam größer und selbständiger wurden, hatten wir uns sehr entfernt und ich rang mit mir, ob ich die Beziehung wirklich fortsetzen wollte. Wir fanden oft nicht gut ins Gespräch und ich fühlte mich oft wenig gesehen, verstanden und gewürdigt - wie er sicher auch. Ich habe dann viel gelesen, auch hier, aber auch einige Literatur und mich dann entschlossen, dass ich die Beziehung nicht einfach hinwerfen will. Also habe ich mich darin geübt, immer wieder die "Mängelbrille" abzusetzen, um das Schöne und Gute an meinem Partner zu sehen und nicht innerlich auf alles anzuspringen, was mich nervt. Das ist auch gelungen, wir kamen uns wieder näher und hatten eine längere Zeit, die sehr harmonisch und voller Nähe war.

    Mitten in dieser harmonisch nahen Zeit wurde unser jüngstes Kind lebensbedrohlich krank und mein Mann, der es aus biografischen Gründen sehr schwer mit Erkrankungen in seinem Umfeld hat, ließ mich mit der Verantwortung und Angst sehr allein. Ich verbrachte Tage und Nächte am Bett des kranken Kindes... und mein Mann lernte auf einer Veranstaltung eine junge Frau kennen, die sich studiumsbedingt in einer ähnlichen Situation wie er befand. "Studierst du noch oder prokastinierst du schon". Ohne es wahr haben zu wollen, verliebte er sich in die junge Frau und lieferte zu Hause einige verbale Knaller und viele Aktionen, in denen er weiter seine Loyalität mir gegenüber in Frage stellte und mich, wenn ich es heute betrachte, in meinem Selbstwert ziemlich erschütterte. Ich, die ich mich ja einige Zeit zuvor entschlossen hatte, ihn mit der positiven Brille zu betrachten, kämpfte vielfältig um ihn, in dem ich ihm immer wieder meine Liebe zeigte. Oft hatte ich das Gefühl, dass dies in Leere lief und ich wie Don Quijote gegen Windmühlen kämpfte. Aber laut ihm, war das nicht so, er hat sich von mir sehr wertgeschätzt und geliebt gefühlt. Nun ja, nach über zwei Jahren war der Spuk dann entgültig vorbei... Genau in dem Moment, in dem ich mich für außen zu öffnen begann, was ich aber sofort wieder sein ließ.

    Wir rauften uns zusammen, entwickelten in der schwierigen Zeit eine gute Gesprächskultur, schauten darauf, immer wieder Paarzeit zu haben und schöne Dinge miteinander zu tun. Wobei ich, wenn ich ohne positiv Brille darauf schaue, immer die Initiatorin von all dem war. Ich habe Bücher vorgeschlagen, ich habe Reisen vorgeschlagen, ich habe gebucht, organisiert, das Gespräch am Laufen gehalten... und er hat es sehr genossen, vor allem die Nähe, die durch das Gemeinsame entstand.

    inzwischen hat mein Mann beruflich neu Fuß gefasst, muss dafür aber auch noch eine Weiterbildung abschließen, die eigentlich schon viel weiter sein müsste...und daraus und aus anderen Umständen resultieren immer wieder negative Phasen. Hinzu kommt, dass wir beide natürlich nicht jünger wurden, mein Mann jedoch den "alten Mann Status" irgendiwie fast schon genussvoll sowohl im äußeren Leben, aber auch für mich noch erschreckenderhin und wieder in der inneren Haltung, zelebriert. Fakt ist, immer noch bin ich die, die hauptsächlich zum Familieneinkommen beiträgt, wenn auch sein Anteil sich deutlich erhöht hat. Ich bin immer noch die, die mit offenem Ohr und Herzen an unseren Kindern dran ist. Ich bin immer noch die, die seine Stimmungstiefs aufzufangen und auszugleichen versucht. Ich bin immer noch die, die initiiert,... und ich bin unendlich müde darin.

    So müde, dass ich im Moment nicht sicher bin, ob ich mit der superkritischen Brille auf unsere Beziehung und auf meinen Mann schaue, oder ob es wirklich so negativ ist, wie ich es gerade wahrnehme. Ich zwinge mich, das Gute zu sehen... aber ich finde gerade kein gemeinsames Thema mit meinem Mann, weil ich seinen Blick oft als so negativ erlebe, dass es mich anstrengt, mich mit ihm darüber auszutauschen, weil es mir irgendwie die Lebensfreude und Leichtigkeit raubt. Ich merke, dass ich mich entziehe. Was der Beziehung ganz sicher nicht gut tut. ich frage mich natürlich auch, ob es an mir liegt, an meiner Erschöpfung oder was weiß ich. Deshalb habe ich mit meinem Arzt jetzt über eine mögliche Auszeit als Reha gesprochen.

    Und dennoch stehe ich vor der Frage, ist es gut, die Beziehung weiter zu führen? ...und in eigenen negativen Momenten frage ich mich kopfschüttelnd, warum habe ich so sehr um die Beziehung gekämpft, warum nicht losgelassen...

    Und ich weiß auch nicht, wie ich gut mit meinem Mann dazu ins Gespräch kommen kann. Weil er sagt, er wäre doch gar nicht negativ usw., sondern meine Wahrnehmung wäre schräg, ich bin zu empfindlich,...

    Danke für's Lesen, falls ihr bis zu Ende vorgedrungen seid.

  2. Avatar von Vienna__
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    AW: Weiter - wenn ja, wie?

    Liebe die_Unentschlossene,

    was ich hier lese, ist eine Frau, die alles ist, nur nicht unentschlossen. Zumindest nicht die letzten 30 Jahre. Im Gegenteil.

    Was ich mich frage: Liebst Du Deinen Mann? Davon liest man nämlich nichts in Deinem EP.

    Eine Reha finde ich übrigens sehr gut. Ich kann es nur empfehlen. Das machst Du nur für Dich ganz alleine und man nimmt sehr viel mit.


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    AW: Weiter - wenn ja, wie?

    Liebe Vienna_,
    danke für Deine Antwort... und die Frage, um die ich gerade selbst immer wieder herumschleiche:
    Liebst Du Deinen Mann? Davon liest man nämlich nichts in Deinem EP.
    Das ist die Frage, auf die ich im Moment nicht antworten kann. Ich weiß nicht, ob die Liebe "nur" verschüttet ist unter all dem Gewesenen und meiner Erschöpfung und ich sie vor lauter "ich sehe gerade so viel Negatives"-Brille nicht wahrnehmen kann oder ob sie wirklich verschwunden ist. Wie findet man das heraus?

  4. Avatar von Vienna__
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    AW: Weiter - wenn ja, wie?

    Zitat Zitat von die_Unentschlossene Beitrag anzeigen
    Wie findet man das heraus?
    Ich bin mir nicht sicher bzw. ich weiß es nicht, ob Du es "herausfindest". Ich weiß aber, dass es sehr gut tut, wenn man sich einfach mal nur - und zwar ausschließlich nur - auf sich selbst konzentriert. Ich vermute mal, mit all dem, was Du im EP geschrieben hast, dass Du dies seit 30 Jahren nicht mehr hattest, dass es auch noch "nur Dich" gibt.

    Ich kann Dir nur nochmals empfehlen, Dir diese Auszeit mit einer psychosomatischen Reha, zu "gönnen". Hier findest Du auf jeden Fall mal einen Platz und eine Zeit, wo es nur, und zwar ausschließlich nur, um Dich geht.


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    AW: Weiter - wenn ja, wie?

    Das kannst Du rausfinden, wenn Du mal etwas alleine sein kannst. Ob Du nur die Kinder vermisst oder auch ihn etwas.

    Denn so wenn ich das lese, dann nervt er sogar mich! Immer schlechter Laune wegen dem Beruf, noch ein Studium, eine Zusatzausbildung. Hey, wenn ihr schon 30 Jahre zusammen seit dann seit ihr doch auch um die 50, oder? Und die ganze Zeit hast Du gearbeitet und 6 (?) Kinder aufgezogen.

    Und dann hat er auch noch (der Hammer) als ein Kind von Euch krank war eine Affäre gehabt?

    Da muss schon viel Liebe und gute Kommunikation da sein um so etwas als Paar zu überstehen. Du denkst vielleicht, dass Du Deine Familie mit ihm zusammen besser zusammen halten kannst und das muss ja sehr wichtig für Dich sein mit so vielen Kindern. Aber, das kommt drauf an, wie engagiert er als Vater war. Das würde ich mir auch überlegen. Davon schreibst Du wenig in Deinem Text.

    Viel Glück in der Reha!


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    AW: Weiter - wenn ja, wie?

    Liebe Vienna, ja, das ist der, bis eben nur halbbewusste, Plan.

    Bei den bisherigen zwei Gelegenheiten (einer Auszeit und einer psychosomatischen Reha vor 11 und vor 8 Jahren) habe ich das nicht konsquent gemacht, weil es bei meinem Mann immer Themen gab, die für ihn dringlich waren, in denen er meinen Beistand eingefordert hat.

    Du hast gerade etwas angestoßen, was ich auf alle Fälle nicht aus dem Bewusstsein verlieren sollte: Mich diesmal wirklich nicht abziehen zu lassen, sondern in eine echte "Nur für mich Zeit" abzutauchen. - Alle guten Dinge sind ja drei, da sollte es doch beim dritten Versuch klappen.

    Also, ich habe schon den ersten Teil der Unterlagen da und mein Arzt befürwortet es ausdrücklich. Gestern habe ich aber auch nach einer kurzen Auszeit im Kloster recherchiert.

  7. Avatar von Vienna__
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    AW: Weiter - wenn ja, wie?

    Zitat Zitat von die_Unentschlossene Beitrag anzeigen
    Mich diesmal wirklich nicht abziehen zu lassen, sondern in eine echte "Nur für mich Zeit" abzutauchen.
    Sehr gut!

    Ich schreibe Dir eine PN.

    LG Vienna


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    AW: Weiter - wenn ja, wie?

    Liebe Annakathrin,
    sind "nur" vier Kinder, habe ich vielleicht etwas wirr geschrieben.
    Er war und ist grundsätzlich schon ein engagierter Vater. Aber er braucht, ich nenne es mal so, oft einen "roten Teppich", um sich nicht zurückzuziehen. Den bieten Pubertierende und junge Erwachsene nicht mehr so wie die Kleinen.

    Es war keine klassische Affaire, sondern nur auf der emotionalen Ebene viel Geschwirre und Geschwirbel. Was mich vor allem gekränkt hatte, war, dass er bei ihr plötzlich Dinge konnte, die bei uns unerlöst waren... von emotional Präsent sein in einer schwierigen Situation in der ich mich Jahre zuvor auch befunden hatte und in der er mich einfach stehen lassen hat bis hin zu persönlichen Geschenken, was er für mich bis heute kaum geschafft hat.

    Ich war die, die bisher die Kommunikation in Gang gehalten hat...


  9. Registriert seit
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    AW: Weiter - wenn ja, wie?

    Hallo liebe Frau,

    dein Text macht mich traurig. Es klingt als ob du der Mann bist und er die verwöhnte, zickige Frau. irgendwie getauschte Rollen.
    Lehne dich doch einfach mal zurück und mache nichts. Genieße die Sonne, eine guten Film, und sei Frau.
    Schau dir alte Filme mit kapriziösen Frauen an, wir haben doch nicht für Emanzipation gekämpft, dass wir dann als Frauen Superwoman sind, die alles stemmen und der Herr der Schöpfung ruht sich aus. Wo bleibt der Spaß?
    Die Männer sollen uns unterhalten verbal und finanziell. Und nicht den ewigen Schuljungen spielen. Das ist unfair.
    Sorry, ich glaube ich war zu heftig.
    lg Maria


  10. Registriert seit
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    AW: Weiter - wenn ja, wie?

    Dass Du nach dem Leben das Du geführt hast müde bist kann ich mehr als gut verstehen .
    Du hast Eure Beziehung all die Jahre am Leben gehalten und dann als Du Deinen Mann wirklich einmal richtig gebraucht hättest hat er sich der Verantwortung entzogen und ist auch noch fremd gegangen .
    Ich bewundere Dich für Deine Kraft und Leidensfähigkeit
    Hast Du in all den Jahren auch mal etwas nur für Dich ganz alleine getan oder war immer nur Deine Familie wichtig ?
    Wie hast Du Deine Speicher wieder aufgefüllt?
    Wie hast Du DICH SELBST in all den Jahren wahr genommen ?
    Fühlst Du Dich noch als Frau mit ganz normalen Wünschen und Bedürfnissen oder hast Du Dich selbst auf dem Weg es Deinem Mann so angenehm wie möglich zu gestalten total aufgegeben und verloren ?

    Wie traurig das doch gewesen sein muss als Du die immer nur gegeben hat mal Zuwendung und Trost gebraucht hättest und dies aber niemals erhalten hast .weil Dein Mann ja mal wieder nur mit sich selbst beschäftigt gewesen ist

    Ich glaube da wäre spätestens für MICH das Ende der Fahnenstange erreicht gewesen


    Es ist jetzt an der Zeit mal nur an Dich zu denken damit Du Dich selbst mal wieder richtig spüren kannst .

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