Hallo an alle!
Ich brauche gar keinen Rat, was ich tun soll. Ich weiß genau, was zu tun ist.
Aber ich kann mit niemandem darüber sprechen, das ist so schwer für mich. Und ich muss endlich mal die Dinge loswerden, sonst platze ich.
Ich bin fast 39 und seit etwas mehr als 10 Jahren in einer Beziehung. Ich war sehr zufrieden mit meinem Leben und alles lief gut, zumindest dachte ich das.
Vor ein paar Wochen wachte ich morgens auf, ich hatte von einem Arbeitskollegen geträumt (jugendfrei). Der Traum und auch der Kollege ging mir den ganzen Tag nicht mehr aus dem Kopf. Leider blieb das so und ist immer noch so. Ich fühl mich wie ein verliebter Teenager, ich verstehe nicht wie das passieren konnte. Der Kollege hat übrigens überhaupt nichts gemacht, das das irgendwie erklären könnte. Keine Annäherungsversuche, keine Andeutungen, gar nichts. Er reagierte auch nicht auf Andeutungen von meiner Seite (kann aber sein, dass Männer da nicht so empfänglich sind...frau vergisst das immer wieder gern). Er ist nicht mal mein Typ, weder vom Aussehen noch von der Persönlichkeit her.
Er ist aber nicht interessiert an mir. Ich hab ihn zwar nicht danach gefragt, aber es ist offensichtlich, denn es gibt keinerlei Anzeichen. Er taucht nicht öfter auf als notwendig, versucht nicht mir nahe zu sein oder mich gar unauffällig zu berühren. Er sieht mich nicht an, wenn er sich unbeobachtet fühlt, er erzählt mir fast nichts privates. Das einzige ist, dass er meistens recht nervös in meiner Anwesenheit wirkt, aber vielleicht reagiert er auf alle Frauen so.
Bis zu dem Zeitpunkt meines Gefühlschaos haben wir immer sehr locker miteinander geredet. Er ist ein bisschen schüchtern und manchmal hab ich versucht, ihn mit einem Spruch ein wenig aus der Reserve zu locken. Aber wir haben nie wirklich geflirtet oder so. Er wird ja schon rot, wenn man sich bei ihm für etwas bedankt. Wie gesagt weiß ich aber nicht, ob er bei anderen auch so reagiert.
Er erwähnte im Gespräch ein paar mal meinen Partner, fast so als wollte er herausfinden, ob ich einen habe (ich würde es zumindest so machen, wenn jemand etwas erzählt, fragen was der Partner dazu sagt, um herauszufinden, ob ein Partner da ist). Er wusste aber schon vorher, dass ich einen Partner habe, er kennt ihn auch flüchtig (vom Sehen). Das war aber das absolut einzige, was vielleicht doch auf ein gewisses Interesse hindeuten könnte, ich glaube trotzdem nicht, dass von seiner Seite irgendwelche Gefühle da sind. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Männer die kein Interesse zeigen, auch keines haben.
Sonst wäre er wirklich seeehr schüchtern und/oder abgeschreckt von der Tatsache, dass ich vergeben bin. Tief in meinem Herzen hoffe ich das, aber bei Tageslicht und realistisch betrachtet hat er einfach kein Interesse an mir.
Er ist auch sozusagen im Kopf vergeben, denn er hängt noch an seiner Ex, die ihn verlassen hat (ok, ein paar private Sachen erzählt er doch).
Seit sich meine Gefühle ihm gegenüber verändert haben, hatte ich erst sogar den Eindruck, von seiner Seite könnte auch Interesse da sein (kann aber sein, dass ich zuviel interpretiert habe). Wir haben ein bisschen über privates geredet. Aber mittlerweile empfinde ich, dass er "schroffer" zu mir ist. Seine Mails sind knapper, keine nette Anrede mehr, nur kurze Telefonate über das Notwendigste. Mit anderen Kolleginnen amüsierte er sich dafür prächtig und erzählte mir auch davon. Das klingt als würde er mich vielleicht eifersüchtig machen wollen, aber den Eindruck hatte ich nicht. Dafür war der Bericht nicht ausführlich genug, zu wenig Ausschmückungen.
Eigentlich ist das ja gut so, dass er keine Gefühle für mich hat. Denn so muss ich mich nicht entscheiden, ob ich meine Beziehung weiterführen oder sie beenden und mit ihm etwas anfangen möchte.
Das Problem ist, dass diese Gefühle etwas in mir angestoßen haben. Ich beginne, meine Beziehung zu hinterfragen, ob es das ist was ich wirklich möchte. Zehn Jahre sind eine lange Zeit und natürlich gibt es wie in jeder Beziehung Probleme. Ein Teil Bequemlichkeit und Gewohnheit ist auch dabei. Ich hätte mich aber als zufrieden und auch recht glücklich bezeichnet.
Ich verstehe nicht, warum ich solche Gefühle für jemand anderes entwickeln konnte und habe die Theorie, dass mein Unterbewusstsein mir sagen will, dass irgendetwas nicht passt. Das versuche ich gerade herauszufinden. Mein Partner weiß aber nichts davon.
Dazu kommt, dass ich seit einiger Zeit eine sehr hohe Arbeitsbelastung habe, viel Druck (den ich mir auch allem selber mache) und große Probleme abzuschalten. Ich habe das Gefühl, ich kann bald nicht mehr. Ich hab auch schon gegoogelt ob eingebildete Verliebtheitsgefühle ein Symptom von Arbeitsüberlastung oder Burnout sein können, aber eher nein. Ich habe sogar das Gefühl, dass dieses Verliebtsein gar nichts mit dem Kollegen zu tun hat, also dass ich gar nicht ihn so toll finde und mit ihm zusammen sein will, sondern es eine Reaktion auf diese große Belastung ist.
Mein Unterbewusstsein will mir offenbar den Rest geben - was ihm auch gut gelingt. Ich bin echt fertig mit der Welt.
Ich bekomme ich den Kollegen einfach nicht aus dem Kopf. Ich weiß doch, dass er keine Gefühle für mich hat und ich will auch meine Beziehung weiterführen, vielleicht mit ein paar kleinen Änderungen aber trotzdem. Aber er ist in meinem Kopf und in meinem Herz und geht einfach nicht weg. Ich bin so unglücklich. Wenn ich ihn irgendwo sehe und er winkt mir zu, dann bin ich auf Wolke 7 und kurz darauf wieder ganz unten weil mir ja klar ist, dass das Winken nichts zu bedeuten hat.
Ich kann kaum was essen, bekomme nur wenig Schlaf, heule jede Nacht (wenn mein Partner eingeschlafen ist), bin zerstreut und gereizt und interpretiere dauernd in jede Kleinigkeit irgendwas hinein und ich komme aus dem Karussell nicht raus. Ich habe gelesen, dass dieses Verliebt-Gefühl maximal 90 Tage dauert, aber ich habe noch nicht mal ein Drittel davon geschafft. Ich rede mir ein, dass ich einfach nur durchhalten muss und irgendwann gehen diese Gefühle weg. Aber ich bin zur Zeit so wenig belastbar und sehr gestresst und ich weiß nicht, wie ich das schaffen soll. Gottseidank hab ich Heuschnupfen und schiebe meine dauernden Tränen darauf.
Es zerreißt mich, dass es keinen Ausweg gibt, außer zu warten (ich bin sehr ungeduldig) und die Gefühle in den Griff zu bekommen. Ich bin so traurig und es tut so verdammt weh, dass er kein Interesse an mir hat. Aber wenn er welches hätte, würde es wohl noch mehr weh tun, weil ich dann große Entscheidungen treffen müsste (gegen die Beziehung mit meinem Partner oder gegen eine mögliche Beziehung mit ihm). Auch die Tatsache, dass er ein Arbeitskollege ist, wäre schlecht (dont fuck the company).
Kann es sein, dass er nur deshalb so interessant ist, weil er so unerreichbar ist? Erstens weil er nichts von mir will und zweitens weil ich (falls er doch was wollen würde) dafür einen sehr hohen - vielleicht zu hohen - Preis zahlen müsste, den ich nur vielleicht zu zahlen bereit bin? Auch das zu vermuten/wissen hilft mir nicht weiter. Es tut trotzdem so weh.
Wie kann man in meinem Alter nur so dumm sein und sich so wenig unter Kontrolle haben. Ich kämpfe den ganzen Tag in der Arbeit gegen Tränen.
Von meinem Arbeitskollegen weiß ich übrigens so gut wie nichts, nicht mal wie alt er genau ist, wo er wohnt, was er für Hobbies hat u.s.w. (Deshalb verstehe ich auch nicht, was mein Unterbewusstsein von ihm will.) Wenn ich solo wäre, würde ich ihn erstmal näher kennenlernen, um herauszufinden, ob wir zusammen passen. Aber in einer Beziehung geht das natürlich nicht. Wie kann man sich denn in jemand verlieben (nennen wir es mal so), von dem man nichts weiß?
Ich habe schon erwähnt, dass er weder vom Aussehen her noch von seiner Art her in mein "Beuteschema" passt, wobei das Aussehen nicht so wichtig ist, sondern der Charakter, ich mag nämlich selbstbewusste Männer. Ich bin auch selbstbewusst und man braucht eine Portion davon, um mit mir klarzukommen. Selbstbewusst ist er aber höchstens, wenn es um seine Arbeit geht, aber auch da kann man ihn schnell wieder verunsichern (mache ich natürlich nicht extra, aber unabsichtlich ist es schon passiert).
Wie bekomme ich nur diese Gefühle in den Griff!? Ich bin eifersüchtig auf andere Kolleginnen, mit denen er spricht! Was ist denn nur los mit mir? Wenn ich nicht in der Arbeit bin, gelingt es halbwegs, abzuschalten wenn ich mich irgendwie ablenke. Aber ich muss meine Gedanken fast schon anbinden wie eine Ziege, damit sie nicht dauernd in diese eine Richtung laufen... und das obwohl ich doch weiß, dass er sich nicht für mich interessiert! Warum ignoriere ich das völlig? Ich will das alles doch gar nicht.
Ich fange an, mir selber weh zu tun, um mit körperlichen Schmerzen den seelischen schmerz zu überlagern. Leider gibt es da eine Vorgeschichte, denn als Teenager hatte ich so eine Phase, wo ich mich mit einem Messer geritzt habe. Dort will ich aber nicht mehr hin. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten denke ich wieder an sowas. Für jemanden, der mich nicht will und den ich doch eigentlich auch nicht will (weil ich ihn ja kaum kenne! Aber ich will ihn lieber gar nicht näher kennenlernen, nicht dass die Gefühle dann noch stärker werden, die ich doch loswerden muss).
Es tut gut, sich alles von der Seele zu schreiben.
Danke!
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Thema: Fremdverliebt
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07.07.2018, 02:34
Fremdverliebt
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07.07.2018, 03:31
AW: Fremdverliebt
So etwas ist mir auch schon ein paar Mal passiert. Ich habe mich in jemand bei der Arbeit verliebt. Ob ich nun zu der Zeit einen Partner hatte oder nicht.
Es waren meistens stressige Situationen, wo ich eng mit jemand zusammen arbeiten musste. Man hat Stress (das führt leicht zu einem Gefühl wie Verliebt sein) und man verbringt mehr Zeit mit dem Kollegen als mit dem Partner zu Hause.
Allerdings habe ich es nie ernst genommen, da ich meine Psyche und meine Träume ganz gut beurteilen kann. Manchmal kann ich auch über mein Unterbewusstsein lachen, wenn es mal wieder etwas plump ist.
Sprich: Du verbringst nicht genügend aufregende Zeit mit Deinem Partner sondern Dein Adrenalin Spiegel ist bei der Arbeit hoch. Nicht gut. Wie wäre es mit einem Kletterkurs mit Deinem Partner zusammen? Oder eine Familienaufstellung oder was auch immer für Euch interessant aber auch etwas furchteinflössend ist.
Das wird es schon wieder hinbiegen. Vielleicht wohnt ihr zu langweilig und ihr solltet Euch an Euren Wochenenden in ungewöhnlichen Gegenden rumtreiben. Vielleicht wollt ihr in einen Bauernhof ziehen oder in ein altes Loft? Gibt es kreativ etwas bei Dir, was ausgelebt werden will?
Eins kann ich Dir sagen: der Typ bei der Arbeit, der ist es nicht der an Deinem Traum schuld ist. Es hätte genauso gut ein anderer herhalten können.
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07.07.2018, 09:34
AW: Fremdverliebt
Hallo Lily,
mir fiel auf, dass du 39 Jahre alt bist.
Dieses Alter, die magische 40, ist ja so etwas wie eine "Schallgrenze" für viele (gut, die 40 ist auch nicht mehr das, was sie mal war). Da zieht man Bilanz. Viele kriegen mit um die 40 noch mal Nachwuchs. Wie ist das bei dir, wie fühlst du dich? Hast du alle Weichen bisher so gestellt, wie du möchtest, um zufrieden zu sein? Oder möchtest du vielleicht unbewusst eigentlich etwas ganz anderes?
Ich könnte mir vorstellen, dass du dieses Gefühl zum Anlass nimmst, mal wieder mehr zu schauen, was du eigentlich willst und wer du bist.
Das habe ich bei mir gemerkt, man ist im Trott, hat seinen Job, seine Beziehung, passt sich an - und irgendwann wacht man auf und merkt: oh, es gibt ja noch mehr Seiten an mir, die jetzt lange brachgelegen haben.
Nach zehn Jahren Beziehung kann man schon mal überlegen, wie es so war und wie es weitergehen könnte. Du sprichst von Bequemlichkeit und Gewohnheit. Das ist sicherlich manchmal im Leben gut und passend, aber möglicherweise jetzt nicht mehr. Wenn es zu langweilig wird, kommt man auf "dumme" Gedanken und fängt an, einen Kollegen zu analysieren, der eigentlich nicht ins Beuteschema passt, und zudem auch kein Interesse zeigt.
Wie meine Vorschreiberin schon sagte, vielleicht fehlt dir im Leben einfach ein Kick, aber vielleicht sind es auch größere Themen, die da schlummern.
Ich glaube, wenn du den Kollegen wirklich näher kennenlernen würdest, dann wäre er recht bald gar nicht mehr interessant für dich. Vermutlich reizt dich einiges an ihm, und du brauchst etwas, was dich beschäftigt und deine Gedanken ausfüllt.
Die Dunkelblonde
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07.07.2018, 10:04
AW: Fremdverliebt
Deine Geschichte könnte meine sein. Mir geht's gerade fast genauso wie dir und ich weiß auch nicht so richtig weiter. Hatte auch dazu einen Thread.
Wenn ich meinem Kollegen begegne, werde ich immer sofort schüchtern und kleinlaut, obwohl ich das nicht bin. Im Gegenteil, gegenüber meinen anderen männlichen Kollegen bin ich selbstbewusst, frech und lache viel. Er muss wohl den Eindruck haben, dass ich ihn nicht mag. Vielleicht auch besser so, er ist verheiratet und hat zwei Kinder und ich bin auch vergeben. Und trotzdem muss auch ich ständig an ihn denken, das macht mich manchmal schon richtig verrückt, weil ich meinem Freund nicht die Aufmerksamkeit geben kann und eine entspannte Beziehung leben kann, wie ich es mir für uns wünsche.
Daher habe ich mich intensiv mit meinen Gefühlen und Gedanken auseinander gesetzt und habe eine für mich wichtige Erkenntnis gewonnen bzw. einen hilfreichen Ansatz: ich sehe die Ursache in der Beziehung zu meinem Vater. Der war als ich Kind war, nie da, habe ihn auch nicht gekannt. Erst mit 18 habe ich ihn kennengelernt, der Kontakt hielt mehrere Jahre, jedoch ist keine herzliche und intensive Beziehung zu ihm entstanden .... wie auch, wenn nie eine Bindung in der prägenden Kindheit entstanden ist.
Der Kollege sieht meinem Vater sehr ähnlich und ist auch vom Verhalten her ähnlich, soweit ich das aus wenigen Situationen beurteilen kann. Auf jeden Fall bin zu der Erkenntnis gekommen, dass der Kollege meine Beziehung oder besser gesagt Nicht-Bsziehung zu meinem Vater aufrollt und widerspiegelt. Mein Vater war nicht da, er war auch nicht erreichbar und er wird es auch nie mehr sein. Im Endeffekt ist es auch mit dem Kollegen so. Da war nie was, außer kollegiale Freundlichkeit, und es kann auch nie was daraus werden, da wir beide jeweils fest vergeben sind.
Ich habe viel dazu im Internet recherchiert. Jeder sucht sich instinktiv, und gegen das Unterbewusstsein kann man kaum was machen, eine Beziehung und nennen wir es mal Bezugsperson, die eine auffällige Ähnlichkeit zum gegengeschlechtlichen Elternteil aufweist. Und damit meine ich nicht nur die Optik sondern auch das Verhalten. Wir suchen uns eben auch instinktiv aus der Kindheit bekannte und vertraute Verhaltensmuster/Situationen und bei mir ist bzw. war es der unerreichbare Vater.
Diese Erkenntnis habe ich erst kürzlich gewonnen und wie ich damit umgehen soll, weiß ich auch noch nicht. Ändert ja die Situation mit meinem Kollegen nicht per Knopfdruck, hoffe aber trotzdem, dass ich mit diesem Wissen einen emotionalen Abstand bskomme.
Vielleicht helfen dir meine Gedanken und Erkenntnisse auch ein wenig.
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07.07.2018, 10:23
AW: Fremdverliebt
Hallo Lily,
zunächst mal ist fremdverlieben doch nichts ungewöhnliches. Ich finde, das kann auch in der besten langjährigen Partnerschaft mal vorkommen.
Was mir aber auffällt ist, dass du quasi nichts über deinen Partner geschrieben hast. Wie sieht es mit deinen Gefühlen für ihn aus? Liebst du ihn noch?
Wenn du das spontan mit JA beantworten kannst, würde ich die Situation einfach nutzen, um mal wieder etwas Schwung in die von "Bequemlichkeit und Gewohnheit" geprägte Beziehung zu bringen. Gemeinsame Erlebnisse schweißen zusammen und können auch wieder das Gefühl von Verliebtheit zurück bringen. Ein gemeinsames Hobby ist auch nicht verkehrt. Zum Beispiel einen Tanzkurs. So hat man einen festen Termin in der Woche, an dem man etwas zu zweit macht und raus aus dem Alltagstrott kommt.
Wenn du dir deiner Gefühle für deinen Partner nicht mehr so sicher sein solltest, nutze die Möglichkeit, eure Beziehung auf den Prüfstand zu stellen. Aber nicht unter der Prämisse, dass du im Falle einer Trennung danach mit deinem Kollegen zusammen wärst, von dem du ja nicht einmal weißt, ob er was für dich empfindet.
Die "Gefühle" gegenüber deinem Kollegen werden sicher wieder weggehen. Gerade, weil du ihn ja gar nicht wirklich kennst. Versuch dich da nicht reinzusteigern, mach dich deswegen aber auch nicht fertig. Sollte eine Trennung von deinem Partner eine Option sein, beschäftige dich erst danach wieder wirklich mit dem Kollegen und einer möglichen Beziehungsanbahnung.
Am problematischsten sehe ich bei dir das mit der Selbstverletzung. Damit kenne ich mich nun überhaupt nicht aus. Aber wenn du dich von den Gedanken auch durch Hobbys wie zum Beispiel Sport oder irgendetwas Kreativem nicht ablenken kannst, such dir ganz schnell professionelle Hilfe! Wenn du das im Griff hast, regelt sich alles andere schon. Vielleicht auch ganz von selber innerhalb der nächsten Tage. (Eine Verliebtheit muss nämlich nicht zwingend so lange dauern. Meine Phase der Fremdverguckerei war nach 3 Wochen genauso plötzlich vorbei, wie sie angefangen hat.)
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07.07.2018, 10:25
AW: Fremdverliebt
ich bin über 40 Jahre alt. Ich verliebe mich jeden Tag in eine andere Frau, nur weil eine mich einmal freundlich angelächelt hat. Ganz selten träume ich auch nachts davon.
Ich finde das nicht als belastend, denn ich renne keinem der Träume hinterher.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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07.07.2018, 19:42
AW: Fremdverliebt
Hallo ihr lieben,
vielen Dank für die lieben Rückmeldungen... das hatte ich gar nicht erwartet. Danke jedenfalls.
Am meisten Mut hat mir gemacht, dass es offenbar nicht immer die vollen 90 Tage dauern muss, das gibt mir Hoffnung.
Die anderen Dinge, die ihr geschrieben habt, habe ich mir selber schon gedacht. Mein Leben und meine Beziehung empfinde ich aber als gut, ich möchte gar nichts daran ändern. Es gibt in meiner Beziehung nichts, was offensichtlich nicht in Ordnung ist. Ich mag mein Leben lieber ruhig, ich möchte gar nichts aufregendes in meiner Freizeit machen. Mir gefällt mein Leben sehr gut so wie es ist, das meine ich wirklich so. Im Moment habe ich in der Arbeit (auch ohne den Kollegen) genug Aufregung, das reicht völlig aus.
Nachwuchs ist kein Thema, weder auf meiner noch auf der Seite meines Partners. Mehr möchte ich dazu nicht sagen, nur dass es so gewollt ist (nicht, dass ich keine Kinder bekommen könnte). Und auch die magische 40 stört mich nicht, ich sehe jünger aus als ich bin und ich habe damit kein Problem. Mein Selbstbewusstsein ist groß genug, um damit zu leben, jeder wird älter. (Ich sehe das wie Orangenhaut: 90% der Frauen bekommen das, und ich genauso, also warum sollte ich irgendwas dagegen machen? Wem es nicht gefällt, soll nicht hinschauen.)
Ich habe eigentlich nicht das Gefühl, dass mir langweilig und in meinen Gedanken noch Platz für irgendwas anderes wäre, ich bin sehr eingedeckt zur Zeit. Ich vermute eher das Gegenteil, nämlich dass es ein Anzeichen von Überlastung ist.
Mit dem Arbeitskollegen hatte ich früher nicht viel zu tun, gut verstanden haben wir uns aber immer. Seit ca. einem Jahr haben wir arbeitsbedingt mehr Kontakt, seitdem auch die sehr erhöhte Arbeitsbelastung da ist (bei ihm übrigens auch).
Der Kollege sieht niemandem ähnlich und erinnert mich an niemanden, den ich kenne. Er hat auch keinerlei Ähnlichkeit mit meinem Vater.
Liebe ich meinen Partner noch - die spontane Antwort ist ja. Ich weiß nur nicht, wieviel Gewohnheit und Bequemlichkeit und auch Trägheit dabei ist. Ich kann mir ein Leben ohne ihn nicht vorstellen, wir sind ein gutes Team, wir haben viel gemeinsam aber auch einige Unterschiede. Was ich besonders an ihm mag, ist dass er den gleichen Humor wie ich hat, und dass er einer der wenigen Menschen ist, bei dem ich wirklich sagen kann was ich denke und mich nicht verstellen muss. Das ist viel wert, finde ich. Unsere Beziehung ist sowieso ein bisschen anders, wir verbringen viel Zeit ohne einander - verglichen mit anderen Beziehungen die ich kenne. Wir sehen uns täglich und schlafen zusammen, aber jeder von uns hat eigene Hobbies, die er ohne den anderen ausübt. Er macht viel Sport und ich wenig, und in dieser Zeit mache ich etwas anderes. Ich habe Haustiere und bastle und male gerne. Das sind eben die Unterschiede zwischen uns, wir haben das aber gut gelöst und sind beide wirklich zufrieden damit. Aber ich sehe ihn natürlich sehr viel öfter als den Arbeitskollegen, der ist in einer ganz anderen Abteilung.
Aber dieser Vorfall bringt mich einfach zum Nachdenken, ob das wirklich noch Liebe ist. Er ist wohl mein bester Freund, wir haben viel miteinander erlebt. Aber Schmetterlinge im Bauch hab ich keine mehr, eher ein wohliges, vertrautes Gefühl.
Hätte man mich vor zwei Monaten gefragt, ob ich etwas an meinem Leben ändern will, hätte ich sofort "nein" geantwortet, ohne darüber nachzudenken.
Inzwischen ist daraus ein leises "Vielleicht?" geworden.
Ich vermute ja selber, dass in der Beziehung etwas nicht passt, sodass überhaupt erst Platz wurde für diese Gefühle dem Arbeitskollegen gegenüber. Aber ich komme nicht drauf, was es ist. Ich bin nicht unzufrieden, es gibt nichts, was ich anders haben möchte. Nur frage ich mich seit ein paar Wochen, wie es ohne ihn wäre... und mit dem Arbeitskollegen. Ich frage mich die ganze Zeit über "Was will mein Unterbewusstsein von diesem Mann?". Ich verstehe es einfach nicht. Vermutlich hätte es wirklich jeder in meinem Umfeld sein können, das denke ich auch.
Was mir noch eingefallen ist: Vor einigen Jahren (7 um genau zu sein) hatte ich mich schon mal verguckt in jemanden. Da war ich schon in dieser Beziehung. Aber damals war die Situation ganz anders, ich habe den anderen Mann kennengelernt und gleich gewusst, dass wir auf einer Wellenlänge waren. Wir haben viel geredet, hatten viel gemeinsam und fühlten uns beide zueinander hingezogen. Es war für mich nicht überraschend, dass ich Gefühle entwickelte, es war irgendwie der nächste logische Schritt. Aber als ich merkte, dass er auch Interesse hat, hab ich gleich reinen Tisch gemacht, er sollte sich keine unberechtigten Hoffnungen machen.
Bis auf eine einzige Umarmung ist da natürlich nichts gelaufen. Aber ich entschied mich trotz der Schmetterlinge für meine bestehende Beziehung und dem anderen Mann sagte ich das auch. Der hat super reagiert und nur gesagt "schade" und wir schrieben uns noch ein paar Mails und danach brach der Kontakt ab. Da habe ich diese Schmetterlinge eher genossen, wenn auch Schuldgefühle da waren, dass mir sowas überhaupt passieren konnte.
Bei ihm hätte alles gestimmt, und wenn ich nicht in einer Beziehung gewesen wäre, wäre ich mit ihm eine eingegangen. Er war genau mein Typ, alles hätte gepasst.
Nochwas: ich war für mehrere Jahre in Psychotherapie, ich glaube nicht dass da irgendwo noch größere Themen schlummern von denen ich nichts weiss.
Aber es ist ein bisschen wie bei einer optischen Täuschung, auch wenn man weiß, dass die Linien gerade sind, sieht man trotzdem eine Krümmung. Nur das Wissen allein reicht nicht aus.
Vielen Dank nochmal für eure Postings. Es hat gut getan, alles einmal loszuwerden. Wie ich schon im Eingangspost geschrieben habe, weiß ich genau was zu tun ist.
Und vielleicht dauert es wirklich keine 90 Tage - das wäre natürlich super. Darauf hoffe ich, und ich versuche immer, die Tagträume und Gedanken nicht zuzulassen. In der Freizeit gelingt mir das aber nur, wenn ich mich ablenken kann, und in der Firma fast gar nicht. Obwohl ich sehr viel Arbeit habe, linse ich auf das Telefon (es könnte ja der Klingelton kaputt sein).
Dankeschön!
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07.07.2018, 21:13
AW: Fremdverliebt
Lily,
irgendwie klingen deine ganzen Beschreibungen wie das Pfeifen im Wald. Dein Partner ist dein bester Freund und er hat den gleichen Humor und alles tutti, aaaber trotzdem du kannst dich in Wahrheit doch kaum losreissen vom Gedanken an den Kollegen. Grade in der Arbeit wo du deine Gedanken beisammen haben müsstest. Aber da ist er ja näher als zuhause.
Ich würde mich da nicht so an diese 90 Tage klammern und hoffen dass es vorbeigeht.
Ich denke mal das Ganze ist wie Zahnweh. Irgendwo ist was am gären.
Du spürst es auch dauernd, mal mehr mal weniger, hoffst es wird nicht schlimmer, weisst aber selbst ganz genau wie es endet.
Irgendwann wird es unerträglich und es muss etwas geschehen.
Heisst schau mal genau was dass mit deinem Partner wirklich noch ist.
Macht ihr auch noch was Anderes zusammen ausser schlafen? War das eigentlich auch sexuell gemeint, oder nur so zusammen schlafen?
Du sprachst von Gewohnheit, Trägheit....
Du musst dich bei ihm als einer der Wenigen nicht verstellen?
Dass findest Du ist viel wert? Ist es für dich denn nicht ganz normal, dass man sich dem Partner so zeigt wie man ist, dass er einen so liebt wie man ist. ?
Wo sonst glaubst du dich verstellen zu müssen?
Ich glaube dieser „ferne“Kollege ist nur ein Stellvertreter.Geändert von Beachnoodle (07.07.2018 um 21:26 Uhr)
Auf dem Boden der Tatsachen liegt eindeutig zuwenig Glitzer
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08.07.2018, 09:24Inaktiver User
AW: Fremdverliebt
Das ist nun einmal der Gang der Dinge, und ich empfinde ein wohliges, vertrautes Gefühl für eine dauerhafte Beziehung viel wichtiger als ständige Bauchschmetterlinge (habe gestern übrigens zwei Schwalbenschwänze gesehen), denn nur auf dieses vertraute Gefühl lässt sich eine Partnerschaft aufbauen, und nicht auf ständiges Kribbeln im Bauch.
Du könntest ja den Kollegen mal ausprobieren um zu erkennen, ob da etwas ist, das zu mehr führen kann, und das dich wieder glücklicher und zufriedener macht. Bleibt halt die Frage, ob du dein Dilemma deinem Partner erklären willst, oder das lieber erst einmal mit dir alleine ausmachst.
lg jaws
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08.07.2018, 09:26Inaktiver User


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