Hi!
In meiner langjährigen Beziehung hat sich eine Art Loch aufgetan, das vielleicht ein paar Frauen kennen. Ich überlege gerade, wie ich das einordnen soll, was meine, was seine Anteile sind und ob es sich um Jammern auf hohem Niveau, eine normale Entwicklung in Beziehungen und/oder ein "echtes" Problem handelt.
Ich liebe meinen Mann für seine tausendmillionen guten Eigenschaften. Er ist liebevoll. Er hört gut zu. Er ist intelligent. Er ist belesen. Er ist verrückt. Er sieht toll aus. Er riecht und schmeckt gut. Er ist lustig. Er ist für mich da. Er ist unglaublich zuverlässig. Er ist kreativ ...
Er ist, wenn man so will, eigentlich ein absoluter Traummann.
Aber mir fehlt irgendwie der "Kern".
Er tut Allesmögliche für mich, will aber, dass ICH es sage bzw. vorgebe. Ihm sind viele Sachen "egal". Sein Lieblingsspruch: "Happy wife, happy life."Diese Rolle möchte ich aber nicht mehr einnehmen und das klappt soweit auch ganz gut, wenn ich mich selber zurücknehme und ihn dadurch zwinge, eine Entscheidung zu treffen.
Er schleppt sich krank zur Arbeit. (Samstag und Sonntag lag er komplett flach, Montag wieder zum Job.) Wenn ich ihm empfehle zu Hause zu bleiben oder wenigstens eine Jacke mitzunehmen (und mir schon vorkomme, wie eine Mama), streitet er das komplett ab.
Er geht übrigens öfter krank zur Arbeit, rühmte sich damit, schon seit 5 Jahren niemals krank gewesen zu sein, usw.
Das macht mich wütend, weil ich hier deutlich sehe, dass dieses Verhalten gefährlich sein kann und ich überhaupt nicht weiß, wie ich damit umgehen soll.
Er hat so gut wie keine Freunde.
Ihm reicht es "zu Hause" zu bleiben und im Internet zu surfen, wobei ich das Gefühl nicht loswerde, dass das auch daran liegt, dass er auf der Arbeit so viel Energie verbrät.
Wenn ich was organisiere, ist er sehr oft dabei.Er selbst organisiert aber nichts. Das familiäre Sozialleben hängt also vor allem von mir ab.
Auf der einen Seite genieße ich, dass er kein Hansdampf in allen Gassen ist, auf der anderen Seite finde ich es schade, denn ich werde das Gefühl nicht los, dass es GUT und WICHTIG ist, Freunde zu haben, auch und gerade für meinen Mann.Früher (wir kennen uns schon über 15 Jahre) hatte er auch mehr Kontakte, aber die haben sich im Laufe der Jahre verloren und er hat kaum was dafür getan, neue dazu zu holen.
Tja, also ich weiß nicht.
Ich habe das Gefühl, dass er für alle da ist, außer für sich selbst. Wenn ich ihm versuche, das klar zu machen, dann wird er wütend. Er sagt, er sei so und dass das seine Sache sei.
Außerdem will er Kinder.--- Was ich per se okay finde (er würde bestimmt ALLES für sie tun), aber irgendwie graut es mir auch vor der Vorstellung, weil ich das Gefühl nicht loswerde, dass er sich dann völlig aufgeben/verrennen/verlieren würde.
Wahrscheinlich höre ich mich wirklich an wie ein Mutti. (Was ich aber nicht möchte.) Vielleicht könnt ihr mir ja zu einer tieferen Einsicht verhelfen. Es würde mich freuen!
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19.06.2018, 09:26Inaktiver User
Er ist für alle da, aber nicht für sich selbst
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19.06.2018, 11:52
AW: Er ist für alle da, aber nicht für sich selbst
schwierig da etwas hilfreiches zu schreiben: es klingt danach, als würde dir jetzt einfach ein Teil seiner Persönlichkeit auf die Nerven gehen - ob es daran liegt, dass er "nur für andere da ist" oder ob er einfach keine Eigenmotivation hat, spielt schlußendlich kaum eine Rolle - es nervt dich.
Ich würde mir überlegen, ob du damit Leben kannst und es als Teil seines Wesens annehmen kannst, neben all den anderen Eigenschaften, die seine Persönlichkeit ausmachen. Er wird wahrscheinlich nie der "Macher" werden, aber wenn du dich öfter etwas zurücknimmst, schafft er es ev., sich etwas mehr einzubringen - vielleicht aber auch nicht. Ev. reicht ihm dieses Leben komplett und er findet es wunderbar so - nicht jeder ist gern ein Planer und unternehmenslustig.
Und wegen der Kinderfrage: ich glaube nicht, dass es dir wegen ihm "graut", sondern weil dir klar ist, dass du dann neben ihn noch ein Kind hast, für das du Sorgen "musst" und alle selbst organisieren usw - ist aber wohl nicht so selten, viele MEnschen finden das auch wunderbar, wenn sie nur die Anweisungen geben müssen und der Partner führt es wunschgemäß aus - ist einfach eine Typfrage. Diesen Punkt würde ich aber rasch abklären - da gibts wenig Spielraum für Kompromisse. Hättest du denn gern Kinder?Liebt Menschen und benutzt Dinge, weil das Gegenteil niemals funktioniert - The Minimalists
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19.06.2018, 14:33
AW: Er ist für alle da, aber nicht für sich selbst
Er ist gutmütig, ein bißchen faul, und dadurch vielleicht konfliktscheu?
Das ist eine starke defensive Stellung. Mit der verliert man sich nicht so leicht.
Und er verteidigt diese Stellung. "Das ist meine Sache." Ja, ist es. Außer, wenn es das nicht ist, aber keines der Beispiele, die du bringst, sind *nicht* seine Sache.
Da er einen Wust an guten Eigenschaften hat, würde ich an deiner Stelle nicht versuchen, ihn zu ändern, sondern einen Weg finden, damit umzugehen, ohne die Mama zu werden, die hinter ihm steht und drängelt.
Sich selber zurücknehmen: Ja.
Du kannst sagen, "Mir ist es auch gleich." "Ich bin jetzt zu faul, eine Entscheidung zu treffen." "Wollen wir würfeln?" (Entscheidungen, die so unwichtig sind, daß sie keiner treffen will, mit einer Münze, einem Würfel oder einer Dartsscheibe zu treffen, hat bei mir schon öfters gut funktioniert.)
Du kannst sagen, "Es wär mir lieber, wenn du nicht krank zur Arbeit gehst. Ich denke, daß das weder dir noch der Arbeit noch den Kollegen noch mir guttut, wenn du Bazillen verbreitst und dann das Wochenende flach auf dem Gesicht liegst."
Oder, "Ich würde bei dem Wetter eine Jacke anziehen, aber dein Körper, deine Entscheidung."
Sag, was du fühlst und möchtest, aber mikromanage nicht, vermeide "tu das, mach das, laß das", das tut Leuten, die gutartig und etwas faul sind, nicht gut (anderen auch nich, aber da merkst du's eher!). Vermeide Aussagen, die sich abstreiten oder diskutieren lassen, wenn du nicht willens bist, das auszukämpfen. Es ist blödsinnig, auszukämpfen, daß er eine Jacke anziehen soll, wenn es regnet.
Du solltest selber Freunde haben. Welche, die für dich sind, und welche, mit denen du Sachen machst wo du ihn fragst, ob er Lust hat mitzukommen. Wenn nicht, dann nicht. Er ist ein erwachsener Mensch und kann selber entscheiden, ob und mit wem er sich wann treffen möchte oder nicht.
Versuch nicht, ihn zu managen. Manage dich, und dein Leben, biete ihm an, teilzuhaben, laß ihn seine eigenen Entscheidungen treffen. "Keine" Entscheidung ist auch eine.
Denkst du, daß er, wenn ihr Kinder habt, dir Arbeit und Projektmanagertätigkeiten abnimmt, oder daß du alleinerziehend mit einem großen und einem kleinen Kind bist? Kanst du das "abbiegen", indem du an seine Zuverlässigkeit appellierst? Würdest du das wuppen? Wie? Wenn er sich von den Kindern herumscheuchen läßt, kannst du der "böse Bulle" zu seinem "guten Bullen" sein?** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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19.06.2018, 14:58
AW: Er ist für alle da, aber nicht für sich selbst
Ich kann jetzt gerade nicht herauslesen, wo und wann Dein Mann "für alle da ist"?!
Entscheidungen sollst am besten immer du treffen, weil es ihm egal ist.
Das Sozialleben organisierst auch du, weil sonst nix zustande kommt.
Um seine eigene sozialen Kontakte/Freunde kümmert er sich auch nicht und hat das seit Jahren schleifen lassen.
Das Einzige, was er großzügig verteilt und womit er für alle da ist, sind seine Viren wenn er krank zur Arbeit geht.
Für mich klingt das nach einem schwammigen und bequemen Verhalten.There are a hundred paths through the world that are easier than loving. But, who wants easier?
Mary Oliver
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19.06.2018, 15:06Inaktiver User
AW: Er ist für alle da, aber nicht für sich selbst
Ich finde diese beiden Hinweise total hilfreich und ich hätte vermutlich viele Misstände meiner Ehe damit vermeiden können.
Das große Thema ist hier Verantwortung. Er hat keinen Bock sie zu übernehmen und verlässt sich darauf, dass Du das machst. Beziehungsweise: Du glaubst, er macht es nicht/traust es ihm nicht zu, also übernimmst Du. Damit rutscht man tatsächlich in die Mama-Rolle. Mein Ex hat bei der Trennung gesagt, ich hätte ihn wie ein Kleinkind behandelt. Ja! Hatte ich! Weil sein liebstes Kommunikationsinstrument das Schulterzucken war, habe ich dann halt entschieden.
Ich finde den Hinweis von wildwusel deshalb wirklich wichtig: lass Dich da nicht einfangen, versuche nicht, ihn zu managen. Wenn er es nicht weiß, ist es Dir halt fortan auch egal. Oder Du machst was alleine.
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19.06.2018, 19:12Inaktiver User
AW: Er ist für alle da, aber nicht für sich selbst
... Gutartig und etwas faul ...
Treffend formuliert. (Wenn man faul so interpretiert, dass er wenig Biss zeigt, um seine eigenen Umstände zu verbessern. Er arbeitet nämlich schon ziemlich viel.)
Ich dagegen bin sehr leistungsorientiert. Immer auf der Suche nach was Neuem und dabei recht kreativ, aber auch faul, zumindest was "richtiges" Arbeiten anbelangt. Ich habe es allerdings so gedeichselt, dass ich mit recht wenig Arbeitszeit genug zum Leben habe. Er hingegen ist jeden Tag sehr lange unterwegs und fehlt mir dann auch.
Wo wir uns treffen ist meine "Liebesbedürftigkeit". Da gibt er mir unheimlich viel.
- Das hat uns auch die ganzen Jahre getragen.
Wobei mir der Widerspruch: er ist eigentlich nicht da = er gibt mir viel Liebe (?)
gerade auffällt.
Allerdings frage ich mich manchmal, wo ich heute wäre, wenn ich mir einen leistungsstärkeren Partner gesucht hätte. (Uns geht es nicht schlecht, aber ich musste mich schon von ein paar meiner Träume verabschieden.)
Man kann auch sagen, dass es DAS LEBEN war, was sich ereignete. Aber, ich kann mir nicht helfen, ich sehe da auch seinen Teil, leider.
Noch etwas.
Unser Sexleben.
Wird auch fast ausschließlich von mir bestimmt.
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19.06.2018, 19:21
AW: Er ist für alle da, aber nicht für sich selbst
Warum warst/wirst DU nicht "leistungsstärker", wenn es um DEINE Träume geht?
There are a hundred paths through the world that are easier than loving. But, who wants easier?
Mary Oliver
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19.06.2018, 19:27Inaktiver User
AW: Er ist für alle da, aber nicht für sich selbst
Nachtrag: Der Widerspruch passt so auch für mich. Er ist wirklich ein sehr liebevoller und aufmerksamer Partner, aber eben auch so übervorsichtig (Sex). Ich werde das noch mal mit ihm besprechen. Da muss sich was ändern.
Wildwusel fragte noch was zu Kindern.
Ja, er würde sich sehr gut um die Kinder kümmern, da bin ich mir wirklich sicher. Besser vielleicht sogar als ich, denke ich manchmal, wobei ich das vielleicht auch zu idealistisch verklärt sehe? (Die Hormone).
Er würde z.B. auch zu Hause bleiben, hat er schon gesagt.
Das wäre eigentlich kein so schlechtes Modell und würde uns beiden entgegen kommen.
Ich merke aber auch, dass ich, je älter ich werde, kein Lust mehr habe, "alles alleine" zu organisieren und die Verantwortung zu tragen.
Im schlimmsten Falle wäre das ja so. Hauptverdienerin, die nebenbei noch die Familie managed, kocht und einkaufen geht, weil er nur mit dem Kind spielt. (Mal überspitzt ausgedrückt.)
Die Frage ist nur: mache ich das wirklich? Tut er wirklich so wenig oder drehe ich gerade einfach am Rad?
Gibt es eine Möglichkeit, das nüchtern zu überprüfen, wie er als Vater wäre???
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19.06.2018, 19:30Inaktiver User
AW: Er ist für alle da, aber nicht für sich selbst
@Beate
Ich weiß, warum ich es nicht "war" und bin gerade dabei es zu ändern. Daher steht die Beziehung auch auf dem Prüfstand.
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19.06.2018, 19:34
AW: Er ist für alle da, aber nicht für sich selbst
Ah, Ok. Es las sich so als hättest du dir vorgestellt dass ein leistungsstārkerer Partner dir eher deine Träume erfüllt hätte.
There are a hundred paths through the world that are easier than loving. But, who wants easier?
Mary Oliver


Diese Rolle möchte ich aber nicht mehr einnehmen und das klappt soweit auch ganz gut, wenn ich mich selber zurücknehme und ihn dadurch zwinge, eine Entscheidung zu treffen. 
Früher (wir kennen uns schon über 15 Jahre) hatte er auch mehr Kontakte, aber die haben sich im Laufe der Jahre verloren und er hat kaum was dafür getan, neue dazu zu holen.
--- Was ich per se okay finde (er würde bestimmt ALLES für sie tun), aber irgendwie graut es mir auch vor der Vorstellung, weil ich das Gefühl nicht loswerde, dass er sich dann völlig aufgeben/verrennen/verlieren würde.
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