Hallo zusammen,
auch ich lese schon länger mit und bin nun soweit, dass ich Ratschläge brauche. Ich bin nicht sicher, welche Infos relevant sind, aber ich fange einfach mal und beantworte dann Fragen, wenn noch etwas unklar ist.
Es geht um meinen Freund und mich. Wir sind seit 4 1/2 Jahren zusammen und waren zwischenzeitlich mal für gut 2 Monate getrennt, darauf gehe ich später noch mal ein. Wir haben zwischenzeitlich eine Fernbeziehung geführt und wohnen nun seit einem Jahr zusammen.
Großes Problem für mich ist unsere Art mit "Streit" umzugehen. Es kann nur ein falsches Wort von dem einen kommen, sofort zieht sich der andere zurück. Selten streiten wir uns darauf richtig. Das sieht dann so aus, dass wir teilweise 2-3 Tage nicht mehr miteinander reden. Anfangs war es mir noch wichtig ihm zumindest im Nachhinein mitzuteilen was das Problem war, damit wir es in Zukunft ändern können. Das ist für mich mittlerweile meist in der Hintergrund gerückt, da wir die Punkte immer wieder besprochen haben. Auch sind sie es keinesfalls wert, deswegen tagelang nicht miteinander zu reden. Um diese Punkte geht es mir eigentlich auch nicht, eher darum was darauf folgt.
Wenn er irgendetwas sagt, was mir nicht passt, ziehe ich mich erst einmal automatisch zurück. Dadurch, dass wir dann erst einmal keinen Kontakt haben, steigere ich mich mit meinen Gedanken immer mehr hinein. Ich bin dann viel zu stolz auf ihn zuzugehen. Und ich werde total traurig, sehe alles negativ, werde so wie ich mich eigentlich nicht kenne. Mittlerweile gehört das wohl zu mir, so oft wie es passiert. Ich komme aus dieser Situation selten alleine raus.
Wenn es wirklich dazu kommt, dass wir einige Tage nicht miteinander reden, erkenne ich irgendwann selbst, dass es das nicht wert ist. Manchmal reicht dann schon eine Nachricht an ihn, z.B. mit einem "Ich vermisse dich", dass wir wieder normal miteinander umgehen können. Meist ist das Thema dann auch für mich gegessen, selten habe ich dann noch das Bedürfnis ihm noch etwas zu dem Thema zu sagen. Nachricht deshalb, weil wir dann beide auf der Arbeit sind. Am Wochenende bspw. wo wir dann in getrennten Zimmern sind, schaffe ich es kaum zu ihm herüber und auf ihn zuzugehen.
Schaffe ich es doch mal relativ bald auf ihn zuzugehen und er das annehmen kann, dann bin ich auch stolz auf mich und verbinde dann gar keine negativen Gedanken mehr mit dem Thema.
Ich muss zugeben, dass diese Situationen meist von mir ausgehen, jedoch nicht immer. Auch ist er oft derjenige der auf mich zukommt, was ich jedoch häufig nicht direkt annehmen kann. Dann stoße ich ihn erst einmal weg. Ich glaube ich fühle mich dann nicht von ihm verstanden und bin traurig, dass er plötzlich wieder zur Tagesordnung übergehen kann, während ich in Gedanken noch beim Thema bin. Ich weiß jedoch auch nicht, wie er für mich richtig reagieren könnte. Eigentlich will ich ihn dann dringend um mich haben, andererseits stoße ich ihn von mir.
Auch wenn ich mir durchaus oft die Schuld als Auslöser für die Situationen gebe, bringt auch er manchmal ganz komische Dinge, die ich dann nicht nachvollziehen kann. Dann ist es mir doch auch wichtig, dies anzusprechen, aber ich habe häufig das Gefühl, dass er mich nicht versteht.
Wenn ich mich überwinde auf ihn zuzugehen, ist es manchmal ebenfalls so, dass er noch nicht so weit ist und ebenfalls noch reserviert ist. Was eigentlich für mich nachvollziehbar sein sollte, da es mir ja auch oft so geht. Das führt aber wiederum dazu, dass ich mich noch mehr rein steigere und es mir das nächste Mal umso schwerer fällt, auf ihn zuzugehen. Das hat dazu geführt, dass ich eher abwarte, dass von ihm etwas kommt.
Schon oft habe ich mir vorgenommen, es nicht mehr so weit kommen zu lassen und mich zu überwinden auf ihn zuzugehen. In der Situation ist es mir dann aber absolut nicht mehr möglich, ich bin dann wie blockiert. Und dadurch, dass ich es dann nicht schaffe, wie ich es mir eigentlich vorgenommen hatte, bin ich umso frustrierter.
Ich hoffe, das klingt alles nicht zu verworren. Ich finde es selbst total doof, wenn ich das gerade so schreibe und kann mich dann eigentlich auch kaum verstehen. Das kann ich durchaus erkennen, wenn ich gerade nicht so tief in einer solchen Situation bin.
Bin ich jedoch da drin, dann erkenne ich das nicht mehr und ich finde einfach nicht mehr heraus. Und genau deshalb schreibe ich jetzt hier. Ich glaube, wir sind in diesen Strukturen schon so festgefahren, dass es uns so schwer fällt da heraus zu kommen.
Anfangs war es noch anders glaube ich, da kam es auch noch nicht so häufig vor. Seitdem wir zusammen wohnen belastet es mich besonders und wir haben im letzten Jahr auch 3 Mal über eine Trennung gesprochen, gegen die wir uns jedoch beide entschieden haben. Uns beiden ist die Problematik natürlich bewusst und eigentlich auch klar, dass es so nicht bleiben kann.
Leider habe ich auch ein sehr gutes Gedächtnis und kann mich an die meisten der Situationen gut erinnern, wobei mir dann bewusst wird, wieviel Zeit wir damit verschwenden.
Ich selbst kenne diese Verhaltensweisen an mir in dem Maße auch aus keinem anderen Kontext, mein Freund äußerte mal, dass er auch bei anderen dazu tendiert sich zurückzuziehen, jedenfalls ebenfalls nicht in solch einer Form. Dass über Probleme nicht gesprochen wird, kenne ich jedoch aus meinem Elternhaus. Vielleicht ist das auch ein Grund warum es mir schwer fällt, solche Situationen zu lösen. Probleme wurden da selten besprochen, man ging einfach zur Tagesordnung über. Dies geschah aber immer sehr schnell, tagelang nicht miteinander zu reden gab es dort nicht.
So... das zu dem Problem an sich... ich möchte noch dazu sagen, dass er meine erste richtige und lange Beziehung ist. Gerade anfangs fiel es mir unglaublich schwer mich auf seine "Ansprüche" einzulassen. Ich war es gewohnt frei entscheiden zu können, tun und lassen zu können was ich möchte, ich war einfach nur für mich selbst verantwortlich. Gerade jetzt im Nachhinein finde ich es bewundernswert, dass er immer bei mir geblieben ist, mich zwar darauf aufmerksam machte, wir auch stritten deswegen, aber nicht ging. Mit meinen jetzigen Erfahrungen hätte ich das glaube ich an seiner Stelle nicht lange mitgemacht. Er war immer irgendwie in einer Beziehung und hatte natürlich andere Vorstellungen als ich. Also dieses nur glücklich und verliebt sein und auf Wolke 7 schweben, gab es bei mir nicht. Ich war oft glücklich, aber es war für mich auch Arbeit, vor allem an mir selbst. Wenn ich mich jetzt mit damals vergleiche, dann ist das für mich ein gewaltiger Unterschied und ich bin über die Entwicklung froh.
Das war auch der Punkt wieso ich unsere Beziehung damals nach einem halben Jahr beendete. Wir hatten immer wieder Probleme, gar nicht so gravierende, aber ich war als Single einfach immer glücklich und dachte ich kann wieder dahin kommen. Das funktionierte jedoch nicht, nach den ersten Wochen habe ich ihn immer mehr vermisst und habe gemerkt, dass es zwar in der Beziehung mal schwierig ist, aber ohne ihn noch viel mehr. Von meinen damaligen Gedanken bin ich inzwischen auch schon lange weg, sollte ich mich von meinem Freund trennen, dann ist es schon mein Ziel irgendwann wieder eine schöne Beziehung zu haben. Also der Gedanke "als Single ist alles besser" ist bei mir nicht mehr präsent.
Mir fällt es sehr schwer unsere aktuelle Situation einzuschätzen und ich schwanke oft zwischen zwei Gedanken. Wenn zwischen uns alles ok ist, ist er liebevoll, sagt nette Sachen zu mir, wir können gut miteinander alleine sein, wir haben meist Spaß, wenn wir gemeinsam weg gehen, er übernimmt Dinge im Zusammenleben, denen ich mich nicht widmen möchte, er sorgt für mich, er schreibt mir nette Dinge, durch ihn sehe ich Orte in der Welt, wo ich alleine wahrscheinlich nie hingekommen wäre. Und wahrscheinlich ist es noch viel mehr, was ich einfach als selbstverständlich nehme. Grundsätzlich haben wir einen ähnlichen Plan von der Zukunft. Das klingt vielleicht blöd, aber mir fällt es schwer einzuschätzen, ob es das wert ist weiterzukämpfen. Andererseits ist das beschriebene Problem bei uns so präsent, dass ich Angst habe meine Zeit wegzuschmeißen. Ich frage mich, ob ich irgendwann mit einem anderen Partner glücklicher sein kann und ich dann erkennen kann, wie schief es bei uns lief.
Ich hoffe es ist deutlich geworden worum es mir geht und wieso mich das so sehr belastet.
Nun meine Fragen an euch:
Kennt ihr solche Situationen, dass sich etwas total festgefahren hat? Wie seid ihr da heraus gekommen? Habt ihr für euch Möglichkeiten gefunden?
Habt ihr Tipps für mich oder für uns? Irgendwelche Handlungsalternativen, die ich umsetzen kann? Vielleicht auch Schritt für Schritt?
Ich weiß, dass nicht alles übertragbar ist. Aber ich habe die Hoffnung, dass ich hier Anregungen finde, auf die ich selbst nicht komme und die ich vielleicht umsetzen kann.
Das Problem ist gerade wieder besonders präsent und ich weiß einfach nicht mehr weiter.
Mir ist bewusst, dass viele von euch wahrscheinlich anders handeln würden und ihr das Problem somit nicht hättet, ich würde mich trotzdem über nette Antworten freuen. Ich hoffe, dass ich hier in dem Austausch eine bessere Einschätzung unserer Situation bekomme, mich vielleicht auch selbst besser reflektieren kann oder Motivation finde ein Vorhaben umzusetzen.
Liebe Grüße
Jana
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Ergebnis 1 bis 10 von 10
Thema: Unser Umgang mit Problemen
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27.01.2018, 10:43
Unser Umgang mit Problemen
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27.01.2018, 10:50Inaktiver User
AW: Unser Umgang mit Problemen
Hm, es geht um Punkte, die Ihr immer wieder besprochen habt - und die sich auch weder ausräumen lassen, noch der Rede wert sind? Könntest Du ein Beispiel nennen?
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29.01.2018, 20:43
AW: Unser Umgang mit Problemen
Stimmt irgendwie auch nicht, liegt wohl daran, dass ich es unklar formuliert habe. Vermutlich weil alles ein Auslöser sein kann.

Zuletzt ging es bspw. darum, dass ich etwas mit ihm unternehmen wollte und er mir trotz Nachfragen nicht sagte, dass er dazu keine Zeit hat. Bei dem Punkt sehe ich allerdings schon, dass er anders hätte handeln können und da war es mir auch wichtig, dass er merkt wie unfair ich die Situation fand.
Allerdings ist es schwierig diese Situation separat zu betrachten, weil wir einfach schon so in diesem Muster sind.
Jetzt muss ich doch gerade ganz schön überlegen, dachte eigentlich ich hätte solche Situationen zu gut im Kopf. Ich glaub die fallen mir einfach nur ein, wenn ich irgendetwas damit verbinde. Das beantwortet zwar deine Frage nicht, aber es kann alles sein, wenn es mir in dem Moment irgendwie nicht passt. Sie sind dann deshalb nicht der Rede wert, weil sie die Reaktionen die darauf folgen nicht wert sind.
Mir fallen gerade nur Situationen ein, ähnlich wie die oben beschriebene. Aber die sind irgendwie nicht repräsentativ, da zu subjektiv von mir empfunden. Falls das irgendwie nachvollziehbar ist...
Ich muss mir deine Fragen noch mal durch den Kopf gehen lassen.
Trotzdem geht es mir wie gesagt um das was folgt. Ich weiß nicht, ob ein bestimmter Auslöser unsere Umgangsform rechtfertigen würde.
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29.01.2018, 20:54
AW: Unser Umgang mit Problemen
kannst du dazu noch einmal etwas sagen?So... das zu dem Problem an sich... ich möchte noch dazu sagen, dass er meine erste richtige und lange Beziehung ist. Gerade anfangs fiel es mir unglaublich schwer mich auf seine "Ansprüche" einzulassen. Ich war es gewohnt frei entscheiden zu können, tun und lassen zu können was ich möchte, ich war einfach nur für mich selbst verantwortlich. Gerade jetzt im Nachhinein finde ich es bewundernswert, dass er immer bei mir geblieben ist, mich zwar darauf aufmerksam machte, wir auch stritten deswegen, aber nicht ging. Mit meinen jetzigen Erfahrungen hätte ich das glaube ich an seiner Stelle nicht lange mitgemacht.
Wieso kannst du nicht mehr frei entscheiden, wenn du in einer Beziehung bist?
Ansonsten müsst ihr unbedingt "streiten lernen".
Konfliktfähigkeit - und auch negative Gefühle dem anderen gegenüber zuzugeben und die mal hochkommen zu lassen und das beim anderen umgekehrt (wenn es dann "gegen mich" geht) - ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für langfristig glückliche Beziehungen.
Und dass dein Beispiel schwer nachvollziehbar ist, hast du ja selbst gemerkt.
Kann es sein, dass dich daran etwas "triggert", wofür er gar nichts kann?
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29.01.2018, 21:12
AW: Unser Umgang mit Problemen
Ich sage nicht, dass ich grundsätzlich nicht mehr frei entscheiden kann in der Beziehung. Das kann ich noch in bestimmten Dingen und mache ich auch. Trotzdem gibt es vieles was abgestimmt werden muss, weil man den Partner nicht außen vor lassen möchte. Anfangs habe ich erst einmal für mich überlegt, mich entschieden und meinem Partner diese Entscheidung mitgeteilt. Nun ziehe ich ihn auch in den Entscheidungsprozess ein. Früher fand ich es blöd, wenn er mich fragte, ob eine bestimmte Entscheidung für mich ok ist, inzwischen finde ich liebenswürdig und versuche es ebenso zu machen.
Wie meinst du das, dass das Beispiel schwer nachvollziehbar ist? Meinst du im Zusammenhang mit unseren Problemen oder findest du, dass ich zu unrecht sauer war?
Definitiv. Und wenn es nur mein Kopfkino ist, was mir klar macht, was folgen wird. Darauf wolltest du aber vermutlich nicht hinaus und das ist auch nicht das, womit die Situation beginnt.
Vielleicht sollte ich mir mal genau die Sätze notieren, womit es beginnt, um evtl. einen Zusammenhang zu sehen. Das wäre mir natürlich am liebsten, solche Situationen gar nicht erst entstehen zu lassen.
Ich versuche momentan schon immer wieder mal mitzuteilen, was ich möchte oder was mir gerade durch den Kopf geht, vielleicht ist das ein Anfang.
Negative Gefühle dem anderen zugeben... das ist eine schöne Formulierung. Eigentlich auch ein erleichternder Gedanke für mich. Dahin würde ich gerne kommen, dass ich mir zugestehe mal sauer zu sein, dies dann aber auch abhaken kann, und zwar nicht erst nach 3 Tagen.
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29.01.2018, 21:19
AW: Unser Umgang mit Problemen
Das ist doch dein Beispiel:
Zuletzt ging es bspw. darum, dass ich etwas mit ihm unternehmen wollte und er mir trotz Nachfragen nicht sagte, dass er dazu keine Zeit hat.
Und wieso man sich deshalb zurückzieht und drei Tage nicht miteinander redet, ist schon sehr schwer nachvollziehbar.
(ich würde das entweder übergehen - oder ihn "anbluffen, was das soll", und dann wäre gut).
Und auch heute noch teile ich meinem Mann viele meiner Entscheidungen einfach mit - und das nicht nur, wenn ich eine Hose gekauft habe.
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29.01.2018, 21:29
AW: Unser Umgang mit Problemen
Vielleicht noch kurz zur Erklärung. Wir hatten das "Date" 2 Wochen im Voraus ausgemacht und ich ging bis zu dem Tag davon aus, dass wir es auch umsetzen. Oder er mir sagt, wenn sich seine Pläne ändern. Dazu habe ich ihm die Gelegenheit gegeben.
Trotzdem stimme ich dir natürlich zu, dass es das die Reaktion nicht rechtfertigt. Und das ist halt das Problem. Ich kann das jetzt gerade so sehen und wenn mir jemand von so einer Situation erzählen würde, fänd ich es auch schwer nachvollziehbar.
Aber wenn ich in der Situation bin, dann komme ich da so schwer raus. Ich bin dann auch oft zu stolz den ersten Schritt zu machen und will, dass er merkt, dass mich etwas verletzt.
Ich kann das dann nur zeigen, nicht sagen. Manchmal finde ich den Grund sogar in dieser Situation albern, was dazu beiträgt, dass ich es nicht erklären kann, weil es einfach so dumm klingt.
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29.01.2018, 21:34
AW: Unser Umgang mit Problemen
Wie gesagt - für mich ist die normale und gesunde Reaktion darauf, sauer zu sein und das auch zu zeigen.
Oder liebende Großzügigkeit zu zeigen und das zu übergehen.
(dabei kommt es natürlich auch auf die eigene "Tagesform" an - und ob es der dritte Anlass zum Ärgern in drei Tagen ist).
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01.02.2018, 13:30
AW: Unser Umgang mit Problemen
Wieso macht ihr Dates 2 Wochen im Voraus aus?
Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung"
Erich Fromm
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01.02.2018, 21:34
AW: Unser Umgang mit Problemen
Vorher ging es nicht und das Wochenende war noch nicht weiter verplant.


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