Hallo an Euch,
sicher ist das o.g. Thema nichts Neues im Forum, aber trotz das ich schon viel gelesen habe, kann ich mich nicht entscheiden, wie ich meinem Freund gegenüber richtig reagiere.
Wir sind seit über einem Jahr zusammen und haben schon Einiges durchgestanden. Kennengelernt haben wir uns kurz während eines psychosomatischen Klinikaufenthaltes, aber begonnen hat es richtig erst danach. Zunächst waren wir eine Zeit lang nicht offiziell zusammen, weil wir 1. sehr weit auseinander wohnten und 2. ein großer Altersunterschied zwischen uns liegt (ich bin älter).
Bevor wir fest zusammen waren, hatten wir bereits sehr intensive Gespräche, die teilweise telefonisch bis zu 8 Stunden täglich dauerten. Hierüber haben wir uns sehr nah kennen- und liebengelernt. Er hat ein schwieriges Verhältnis zu seinem Vater, was aus der Kindheit herrührt und auch teilweise Probleme mit seinem Selbstbewusstsein. Dadurch hat er oft Zweifel daran gehabt, grundsätzlich beziehungsfähig zu sein. Zudem hatte er vor mir auch eine sehr anstrengende, schwierige Partnerschaft.
Allerdings habe ich durch die vielen Gespräche und ein hohes Verständnis sowie eine große Toleranz geschafft, ihm sehr viel von seinen Ängsten zu nehmen.
Unabhängig von mir hat er immer wieder Zeiten gehabt, in denen er sich komplett von seiner Umwelt abgeschottet hat und dicht machte. Keine Lebenszeichen, kein gar nichts!
Dies erlebte ich ca. 3 x bevor wir zusammen waren sowie einmal als wir relativ am Anfang glücklich miteinander waren. Er sagte dann später, dass er es sich selbst nicht so erklären kann, warum das passiert. Er hat dann kreisende Gedanken und versucht, sich abzulenken. Es sind sicher teilweise depressive Phasen.
Auch deshalb war er in der Klinik.
Wir hatten dann im Januar wegen einer Nichtigkeit Streit und er fuhr danach einfach nach Hause und meldete sich nicht bei mir. Als ich ihn anschrieb, sagte er, wir müssten über unsere Beziehung nachdenken und ob die so noch richtig wäre. Ich verstand nicht und meinte, es wäre nur ein kleiner Streit, warum da also gleich an der ganzen Beziehung zweifeln? Er blockte mich 2 Tage ab und erst als ich zu ihm fuhr und "die weiße Fahne" schwenkte, war alles wieder gut. Später in einem guten ruhigen Gespräch habe ich ihm dann gesagt, dass es mir wichtig ist, das er mit mir redet und mir sagt, was mit ihm ist oder wenn ihm was nicht gefällt. Er sagte auch, dass er für so eine Klärung länger braucht als ich. Erst muss er runter kommen, dann nachdenken und erst dann kann er reden.
All das konnte ich akzeptieren, solange er mir zumindest ein Zeichen gibt. Ich hab gesagt, wenn was ist, soll er nur sagen, ich brauch gerade etwas Zeit und dann melde ich mich bei dir. So haben wir es vereinbart.
Im Februar dann hatte er eine Krise, die ich nicht kommen sah und er hat sich wegen Bauchschmerzen krank schreiben lassen, ich habe ihn noch kurz versorgt und abends dann meldete er sich wieder nicht bei mir. Daraufhin fuhr ich zu ihm und sah, dass er trotz Bauchschmerzen Pizza, Schokolade und einiges Bier getrunken hatte. Da war ich so sauer, dass er mich, obwohl er vorher gesagt hatte, er meldet sich, nicht geschrieben hatte und zusätzlich seinen Arbeitgeber verarscht, indem er krankfeiert. So konfrontiert kam wieder nichts aus ihm heraus und in dem Affekt habe ich mit ihm Schluss gemacht und meine Sachen gepackt. Er hat mich nicht daran gehindert.
Ich war tief verletzt, voller Gefühle für ihn und habe ihn dann später angeschrieben, dass es mir nur um eine Erklärung gegangen wäre und ich ihn liebe und es mir nicht ums Schluss machen geht, sondern zu verstehen, was mit ihm los ist.
Tagelang hat er fast alles von mir abgeblockt und oft Dinge geschrieben, die mich eher weiter verletzt haben. Zwischendurch aber betont, dass er mich auch liebt, aber eben beziehungsunfähig ist.
Nachdem er mich irgendwann so provoziert hat, bin ich richtig wütend geworden und er schrieb, jetzt hat er mich da, wo er mich haben will. Lieber verhält er sich wie ein Arschloch, damit es mir leichter wird, ihn loszulassen.
Das hat sehr weh getan!
Als ich soweit war, es aufzugeben, hat er eine letzte Chance ergriffen, mich zu treffen und mit mir zu reden. Dort sagte er, dass er wieder in ein Loch gefallen wäre.
Wir haben es dann wieder hinbekommen, aber das alles hat mich stark verletzt und auch die ganz große Verliebtheit in mir reduziert.
In der Zeit danach gab es viele schöne Momente, aber er ist teilweise auch in seinen Bedürfnissen sehr anders als ich. Er braucht viel Freiheit, genießt es, auch allein zu sein und braucht das kuscheln nicht so wie ich.
Ich merkte vor kurzem, dass ich mich zu abhängig von ihm machte und hab an mir gearbeitet, um ihn nicht einzuengen.
Trotzdem frage ich mich immer wieder, ob er nicht einfach der Falsche ist, ob ich etwas anderes brauche.
Ich liebe ihn sehr und mache es mir da nicht leicht, mich gegen ihn zu entscheiden.
Nun hat er vorgestern erfahren, dass er bei der jetzigen Firma wohl nicht übernommen wird und im Oktober dort nicht weiter arbeitet. Er ist wegen mir über 500km weit weg in meine Nähe gezogen.
Ich habe dadurch natürlich einige Sorgen gehabt und wir haben bereits zusammen nach anderen Stellen gesucht.
Nachmittags hatte ich nicht die beste Laune, was er bemerkte. Wir redeten dann kurz darüber und fuhren dann zu mir.
Während der Fahrt sagte ich ihm mein Gefühl, dass es schön wäre, wenn er mich in so einer Situation mal in den Arm nehmen würde und sagt, es wird alles schon. Darauf schwieg er!
Ich merkte, dass er sich angegriffen fühlte und versuchte es zu erklären. Dass es kein Angriff auf ihn war, sondern nur ein Wunsch von mir.
Aber es ging nichts! Er blockte ab und brachte mich nur heim. Danach fuhr er und es kam nichts von ihm. Meinen ersten Impuls, darauf erstmal nichts zu tun, verwarf ich und machte eine Audionachricht, indem ich ihm sagte, dass es mir nicht darum geht, etwas aufzubauschen, sondern es schnell zu klären.
Aber es kam nichts!
Gestern dann versuchte ich es, indem ich ihn fragte, ob wir uns einfach einen guten entspannten Tag zusammen machen wollen - wieder nichts!
Meine letzte Audionachricht gestern nachmittag beinhaltete, dass es mir nur darum geht, dass er sich wenigstens kurz meldet, um mich nicht so zu mauern und mir nicht daran liegt, Stress zu haben. Aber auch hierauf folgt keine Reaktion.
Mir ist klar, dass er sich auch quält und grübelt, aber dass er wohl auch wieder denkt, unsere gesamte Beziehung ist nicht ok. Obwohl ich denke, es sind nur Teile verbesserungswürdig. Er zweifelt da viel stärker als ich.
Mir tut das alles so weh und ich hadere mit mir, ob ich ihn in Ruhe lassen soll, hinfahren soll, die Beziehung beenden soll oder nicht. Alles erscheint mir mal richtig und mal falsch!
Sorry, dass ich so lange texte. Ihr habt wahrscheinlich gar keine Lust, soviel zu lesen. Trotzdem wäre ich dankbar, wenn ihr mir einen Rat geben könntet.
Ich will nicht einfach aufgeben![]()
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 76
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08.06.2017, 06:14
Er zieht sich tagelang zurück und reagiert nicht - was soll ich tun?
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08.06.2017, 06:27Inaktiver User
AW: Er zieht sich tagelang zurück und reagiert nicht - was soll ich tun?
Guten Morgen,
lass ihn mal in Ruhe nachdenken, ohne dass du ihn mit Nachrichten bombardierst. Mach was Schönes für Dich und schau, dass du ihn mal wie einen Mann behandelst. Wenn er nach ein paar Tagen wieder von allein aus seiner Höhle rauskommt, vertraust du ihm auch mehr. Mach dir heute mal einen schönen Tag ohne irgendein Lebenszeichen von dir an ihn!
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08.06.2017, 06:33
AW: Er zieht sich tagelang zurück und reagiert nicht - was soll ich tun?
Vielen Dank für deine Nachricht!
Ich hab halt Angst, dass er durch zu langes Zurückziehen eher negativ über uns denkt. Bisher hat es geholfen, wenn ich an ihm dran blieb.
Meinst du, ich behandle ihn falsch?
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08.06.2017, 06:41Inaktiver User
AW: Er zieht sich tagelang zurück und reagiert nicht - was soll ich tun?
Man kann einen Menschen nicht "falsch" behandeln - mal abgesehen von Gewalt jeder Art.
Viele Männer brauchen einfach ab und zu Ruhe zum Nachdenken, um ihre Probleme in den Griff zu bekommen. Das ist bei meinem auch so. Er reagiert dann auch auf gar nix, das hat mich anfangs wahnsinnig gemacht - und dreimal ist unsere Beziehung dadurch schon gecrasht, weil ich keine Ruh gegeben hab. Mittlerweile hab ich gelernt, dass er einfach manchmal Zeit für sich braucht, manchmal - grad wenn es ihm schlecht geht - tagelang. Das ist so, er ist so. Und es hat nix mit mir zu tun.
Dein Freund hat grad Riesenstress wegen seiner beruflichen Zukunft. Du kannst ihm grad am besten helfen, wenn du ihn mal in Ruhe nachdenken lässt. Und erst in ein paar Tagen (nach dem Wochenende, da ist meist mehr Zeit zum Denken) mal vorsichtig nachfragst, wie es ihm geht...
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08.06.2017, 06:52
AW: Er zieht sich tagelang zurück und reagiert nicht - was soll ich tun?
Okay, danke.. wenn du aus eigener Erfahrung sprichst, dann kann ich das annehmen.
Ich versuche mal, mich abzulenken, was allerdings echt schwierig ist.
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08.06.2017, 06:52
AW: Er zieht sich tagelang zurück und reagiert nicht - was soll ich tun?
Liebe TE,
Was willst du eigentlich von dem Mann? Es hört sich alles sehr holprig und krampfhaft an.
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08.06.2017, 06:54
AW: Er zieht sich tagelang zurück und reagiert nicht - was soll ich tun?
Von einfach aufgeben kann ja wohl kaum die Rede sein
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Tja, diesen Mann musst Du offensichtlich immer und immer wieder zum jagen tragen, wenn Du eine Beziehung mit ihm willst. Du hast erklärt, Verständnis gehabt, ihr habt Vereinbarungen getroffen - am Ende des Tages sagt er Dir immer wieder, eigentlich ist er beziehungsunfähig und er ist dann mal weg. Dann kommst Du wieder und dann ist es wieder für eine Weile ok.
Wenn Dir das auf Dauer genügt, Du wirst immer wieder auf ihn zukommen müssen, bzw. er hat eindeutig den längeren Atem als Du bei seinen Auszeiten.
Was mich erstaunt und ich nicht so ganz verstehe: er ist wegen Dir umgezogen, das kommt so in einer Nebenbemerkung, er verliert seinen Job an diesem neuen Ort und Du hast dann schlechte Laune und willst in den Arm genommen werden?
Wie alt seid ihr?
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08.06.2017, 06:59
AW: Er zieht sich tagelang zurück und reagiert nicht - was soll ich tun?
Es ist nicht so, dass nur er schwierige Dinge hat. Ich muss im Moment lebenswichtige Entscheidungen treffen, die auf mich, ihn und andere Auswirkungen haben. Daher bin auch in nicht immer in der Lage, mich nur auf ihn zu konzentrieren. Und das sollte so ja wohl auch in keiner Beziehung sein.
Ich habe ihm meine volle Unterstützung bzgl. seine Arbeit und allem zugesagt und hatte in einem schwachen Moment von mir die Hoffnung, dass er ähnlich reagiert wie ich. Und wenn auch nur mit einem kurzen In-Arm-Nehmen und es wird schon!
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08.06.2017, 06:59Inaktiver User
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08.06.2017, 06:59Inaktiver User
AW: Er zieht sich tagelang zurück und reagiert nicht - was soll ich tun?
Liebe Middle,
du kannst nicht seine Therapeutin sein. Mach was Schönes für dich und eier nicht so um ihn herum :-)


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