Hallo liebe Community,
Wie es der Titel schon sagt: Mir fehlt der richtige Duchblick, ob ich recht habe oder übertreibe.
Ich bin vor einem Jahr zu meinem Freund gezogen, ca 100 km vom eigentlichen Wohnort entfernt, wo noch immer mein Arbeitsplatz ist. Ich pendele folglich 1h je Strecke inkl höherer Kosten für das Auto. Das macht mir aber nicht so viel, da ich meine Arbeitszeiten leicht angepasst habe.
Wir wohnen in seiner alten Wohnung. Für ihn hat sich mMm nicht viel verändert. Er studiert noch in den letzten Zügen, ich habe einen sehr guten, aber fordernden Job. Finanziell geht es mir eigentlich recht gut.
Was mich nun so ärgert: ich habe das Gefühl, es wird nicht so richtig gewertschätzt, was ich (freiwillig, die Idee kam von mir!) aufgegeben habe bzw. für die Beziehung gemacht habe und noch immer mache. Mich ärgert es nur so, dass ich diejenige bin, die jeden Tag um 6 aufsteht, während er oftmals bei einem Fußweg von 10 Minuten erst um halb zehn an der Uni aufläuft. Er schreibt an seiner Arbit und muss hierfür ganztägig ins Labor. Um 17 Uhr geht es dann schwimmen. Entspannt kommt er um 19.45 nach Hause. Zeitgleich mit mir, nach einem langen Arbeitstag. So lange arbeite ich jedoch nicht immer. IdR bin ich gegen 18 Uhr daheim. Also vollkommen in Ordnung.
Was mich aber an seinem Lebensstil so verärgert, ist, dass er aufgrund von Prokrastination ohnehin schon ein Semester länger macht. Bafög gibt's daher gerade nicht mehr. Ich übernehme finanziel einiges. Fixkosten teilen wir zur häfte, Urlaub, essen gehen und Spaß übernehme ich zu ca 80 Prozent. Was überhaupt kein Ding wäre, wenn ich das Gefühl hätte, er würde ebenso vorankommen und machen.
Ich bin emanzipiert, aber mich nervt das Finanzielle gepaart mit dem Laissez-faire-Stil von ihm. Ein wenig beneide ich ihn allerdings auch um seine zahlreichen Freundschaften hier. Ich bin noch nicht so gesettelt, aber ich arbeite dran.
Bitte: rückt mich zurecht oder sonstiges. Fragen beantworte ich gerne.
Und: Trennung ist keine Option. Denn: die Liebe ist groß und der Mann eigentlich echt toll. Er kocht. Wir putzen paritätisch, gleiche Moral- und lebensvorstellungen, Anziehung etc. - daher hier auch die Frage: sollte ich kulanter sein, und diese eine Schwäche akzeptieren, da der Rest sehr gut passt.
Gruß Stella
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Ergebnis 1 bis 10 von 59
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15.09.2016, 22:21
Recht/Unrecht - realistische Einschätzung sehr willkommen.
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15.09.2016, 22:35
AW: Recht/Unrecht - realistische Einschätzung sehr willkommen.
Gönn ihm doch sein Leben, zumal er doch so viele positive Eigenschaften hat. Freu dich lieber, dass du so einen hast.
Es sind die letzten Monate in "Freiheit" für ihn, bevor der Ernst des Lebens auch für ihn anfängt.
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15.09.2016, 22:36
AW: Recht/Unrecht - realistische Einschätzung sehr willkommen.
Hallo StellaLacht,
wie sähe denn eine angemessene Wertschätzung aus? Dass er auch um sechs aufsteht? Nicht mehr schwimmen geht?
Was würdest du denn umgekehrt in seiner Position tun?
Ein Semester mehr finde ich jetzt nicht so das Ding. Warum gönnst du ihm das Mehr an Freiheit, das er im Augenblick hat, nicht? Spätestens wenn er seinen ersten Job hat, wird es damit wohl zuende sein.
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15.09.2016, 22:41
AW: Recht/Unrecht - realistische Einschätzung sehr willkommen.
Danke für die guten Fragen. Ich sollte das vermutlich wirklich so sehen, dass es dem Ende zugeht mit dem Studium. Aber würdet ihr das auch so sehen, wenn es der 2. Bildungsweg ist, den Bachelor umfasst, der Master folgen soll, Fristen verpasst wurden und das Paar über 30 ist? Das ist nicht meine Argumentation, sondern eine reale Frage.
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15.09.2016, 22:44
AW: Recht/Unrecht - realistische Einschätzung sehr willkommen.
ich finde schon, dass dich die Tatsache stören darf, dass du mehr Energie aufwendest als er.
Ich finde auch, dass du es ansprechen solltest.
Allerdings denke ich, er ist da so einfach mal der Typ an dem du dir diesbezüglich eher die Zähne ausbeißen wirst als dass er etwas ändert. Und dann, wenn sonst alles andere überwiegt und ihr glücklich seid und du ihn so liebst, dann würde ich vorschlagen,- liebe ihn noch ein bisschen aber baue nicht zu sehr auf eine gemeinsame Zukunft.
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15.09.2016, 23:04
AW: Recht/Unrecht - realistische Einschätzung sehr willkommen.
Du stehst mitten in der Berufswelt. Er ist noch Student. Da ist eine Kluft zwischen euch. Auch an Erfahrung. Die du mit den 80% untermauerst. Denn du siehst: Er gewöhnt sich bereits an dein "ihn mit-versorgen".
Sobald er arbeiten geht: Lass IHN die 80% tragen. Lass IHN mehr "an die Front".
Sonst mutierst du - ob du willst oder nicht - mittelfristig zur Mutti.
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15.09.2016, 23:15Inaktiver User
AW: Recht/Unrecht - realistische Einschätzung sehr willkommen.
Das ist aber ein echtes Problem. Es war Deine eigene Idee, von Deinem Arbeitsplatz wegzuziehen und eine längere Anfahrt in Kauf zu nehmen. Wenn die Initiative von Dir ausgegangen ist, dann kannst Du nicht unbedingt damit rechnen, dass Dein Freund Deinen Einsatz wertschätzt. Vielleicht wäre er mit einer vorübergehenden Fernbeziehung auch ganz einverstanden gewesen?
Ich finde es sowieso ungewöhnlich, dass Du als Berufstätige an den Wohnort des Studenten gezogen bist. Nach dem Abschluss wird er sich doch voraussichtlich ohnehin anderweitig umsehen müssen, oder was ist dann geplant? Wäre es nicht effizienter gewesen, wenn er zuende studiert und sich dann einen Job in Deiner Nähe gesucht hätte?
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15.09.2016, 23:16
AW: Recht/Unrecht - realistische Einschätzung sehr willkommen.
Das denke ich manchmal auch. Und mit dem Gewöhnen an die finanzielle Sicherheit stimmt ebenfalls
Allerdings bin ich meistens Initiator von kostspieligen Sachen... Also Urlaub oder Essen gehen.. Es ist halt so schwierig die Waagschale zu halten: ich will schöne Sachen machen - mit ihm-, muss dann aber halt finanzieren.
Klar, alternativ geht es ja auch mit anderen Personen. Aber er ist halt mein Lieblingsmensch... Blöder Begriff, aber passt halt.
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15.09.2016, 23:20
AW: Recht/Unrecht - realistische Einschätzung sehr willkommen.
Dass er auf dem zweiten Bildungsweg studiert und wie er sein Leben lebt, wusstest du doch wohl, bevor du zu ihm gezogen bist. Ein Semester finde ich nun auch nicht soviel. Ich verstehe schon, dass dich das nervt, aber ich verstehe nicht, was du an Wertschätzung von ihm erwartest bzw. wie konkret die aussehen sollte. Du scheinst momentan wirklich mehr Energie aufzuwenden als er, aber was sollte er tun?
Ihr habt eben momentan unterschiedliche Lebenstile, weil ihr an anderen beruflichen Punkten im Leben steht. Das wirst du akzeptieren müssen. Die Frage ist, was genau dich daran stört.... gefällt dir dein Leben nicht? Gefällt dir das Leben mit ihm nicht? Würdest du dich besser fühlen, wenn er auch um 6.00 Uhr aufsteht um dir Frühstück zu machen und danke zu sagen? Du sagst, du bezahlst eure Freizeitaktivitäten zu 80%. Ich nehme mal an freiwillig, weil sie sonst nicht auf die Art stattfinden könnten. Oder gibt er sein Geld lieber nur für sich aus und setzt beim Rest auf dich und das ärgert dich? (Könnte ich verstehen.)
Denkst du, du bist in der Beziehung generell der treibende und gebende Part? Ist abzusehen, dass das nur eine Phase ist und es alles ausgeglichener wird, wenn er auch im Berufsleben steht (was ja, wenn er den Master noch macht, noch eine Weile dauern wird) oder hast du Angst, dass es immer so bleibt?Don't let them dictate to you the definition of yourself.
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15.09.2016, 23:23
AW: Recht/Unrecht - realistische Einschätzung sehr willkommen.
Das kann ich erklären: ich mag und möchte die alte Stadt noch nie. Eher ländlich geprägt und nur für 2 Jahre meine Heimat. Seine, jetzt unsere, Stadt ist super. Ich liebe es da und vor allem die Distanz zum Arbeitsort. Daher ist das Pendeln etwas wirklich gewolltes von mir - und auch der Grund warum ich überlege, ob ich überhaupt Wertschätzung erwarten darf.
Das Studium geht ja bei ihm mit dem Master noch 1,5 Jahre weiter. Das ist genau der Zeitraum nachdem sich bei mir beruflich auf was tun wird.
Soviel zum Hintergrund.


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