Liebe Community,
mich interessieren Gedankenanstöße, Meinungen, Erfahrungsberichte... zu einem Thema das mich aktuell betrifft:
Ich bin seit weit über 10 Jahren mit meinem Ehemann zusammen, wir haben uns mit Mitte 20 kennengelernt und zusammen das klassische Familienprogramm verwirklicht. Jobs, Haus, Kind. Waren beide lange Zeit vollkommen zufrieden damit.
Spätestens seit der Geburt unseres Kindes haben wir uns als Paar sehr aus den Augen verloren, rückblickend betrachtet ging es vielleicht auch schon vorher los.
Die Baby- und Kleinkindzeit war sehr anstrengend, mein Mann auch aufgrund anderer Probleme (aus seiner Herkunftsfamilie, mit dem Stress in seiner Arbeit) v.a. psychisch sehr belastet.
Zudem waren wir unterschiedlicher Meinung was die weitere Familienplanung anging (ich wollte ein weiteres Kind, er nicht).
Trotz allem hatten (und haben) wir kaum Streit, sind ein gutes Team und es gibt wenig, was wir am anderen total schrecklich finden.
In dieser Situation lernte ich 2015 einen anderen Mann kennen und habe mich total in ihn verknallt. Diese "Affäre " - von der mein Mann wusste - war auch sehr kompliziert und keine Option für einen Wechsel direkt in eine neue Beziehung.
Meine Gefühle für meinen Mann nahmen immer mehr ab in Richtung Freundschaft. Wir hatten früher schon nicht mehr sehr viel Sex, jetzt hatte ich gar keine Lust mehr auf ihn als Mann.
Anfang des Jahres bin ich in einer ziemlichen Hauruck-Aktion mit unserer Tochter (bald 5) aus unserem Haus ausgezogen. Ich hatte dringend das Bedürfnis raus zu müssen, mich zu sortieren, Abstand zu brauchen.
Wir hatten vorher ein paar Termine bei einem Paartherapeuten, so richtig weiter gebracht hat uns das auch nicht.
Für meinen Mann - der mich immer noch sehr liebt und unsere Ehe und Familie unbedingt erhalten will - stand all das unter dem Aspekt dass wir wieder zusammenbringen. Selbst der Auszug - in der Hoffnung, dass ich mir klarer werde, ihn vielleicht vermisse und feststelle was ich an ihm habe. Er litt sehr unter der ganzen Situation, was er mir auch immer sehr deutlich gezeigt hat.
Und auch ich habe keinen endgültigen Schlussstrich gezogen, ihn jedoch als Mensch oder Partner nicht vermisst.
Parallel habe ich mich wieder mit meinem Affärenmann getroffen, mit dem es langsam immer besser lief.
Mein Mann begann eine Therapie für sich, v.a. auch um die Probleme aus seiner Herkunftsfamilie und mit dem Stress in der Arbeit zu lösen.
Nun kam vor kurzem ein großer Streit mit meinem Mann, er sehr leidend (bis dahin dass ihm Gedanken durch den Kopf gehen wie er sich das Leben nehmen könne...), aber auch mal wütend und daraufhin ein sehr emotionaler Brief an mich wie sehr er sich wünsche dass es mit uns nochmal was wird. Wenn ich mir das gar nicht vorstellen könne er aber zeitnah insbesondere den Verkauf des Hauses wolle da er nicht alleine dort bleiben will.
Das hat mich ziemlich umgehauen und ich habe mich recht spontan und aus dem Bauch heraus dazu entschieden, uns nochmal eine Chance zu geben.
Habe die Affäre beendet - sehr schweren Herzens, das zu tun war bis dahin völlig unvorstellbar für mich, und ich vermisse ihn auch sehr. Etwas "leichter" ist es dadurch dass allein wg. der Entfernung zwischen uns derzeit keine Beziehung im klassischen Sinn möglich ist.
Ich habe meinem Mann gesagt, wir sollten nun wieder mehr zusammen unternehmen, sowohl mit Kind als auch nur wir beide, und schauen was passiert.
Ob bei mir wieder Gefühle zurück kommen. Gefühle für ihn als Mann, nicht nur als Freund.
Ich habe derzeit v.a. den Eindruck, ich traue mich nicht den Schritt einer endgültigen Trennung zu wagen aus Angst/ein bisschen Bequemlichkeit, schlechtem Gewissen und Mitleid.
Er hat nichts konkretes falsch gemacht in unserer Beziehung. Es ist nicht so dass ich seit Jahren versuche, die Ehe zu beleben o.ä. und er macht nur nicht mit. Auch ich war ganz lange zufrieden so wie es bei uns lief. Auch wenn mir das jetzt nicht mehr reichen würde, damals war es ok - für uns beide.
Meine Gefühle sind "einfach" weg. Ich habe ihn lieb, liebe ihn aber nicht mehr als Mann. Ich könnte mir aktuell nicht vorstellen ihn zu küssen oder mit ihm zu schlafen.
Außerdem fange ich jetzt für mich allein eine Gesprächstherapie an, darin will ich versuchen herauszufinden warum wohl die Gefühle weg sind, ob sie wiederkommen könne, ggf. unter welchen Voraussetzungen oder ob ich mir irgendwann sicher bin, nein das war es jetzt. Und was dann kommt.
Meine Eltern z.B. sind der Meinung, wir sollten schon allein wg. des Kindes zusammenbleiben und uns irgendwie (wie genau?) arrangieren.
Gibt es Frauen oder Männer hier, denen es auch so ging oder aktuell geht?
Die Liebe ist irgendwann gegangen, und man weiß nicht so recht warum?
Hat man noch nie so richtig zusammengepasst oder passt es einfach jetzt nicht mehr?
Besteht Hoffnung dass man das noch/wieder ändern kann?
Was wenn man feststellt: nein, ich glaube das kommt nichts mehr an Gefühlen zurück?
"Darf" man sich dann trennen, trotz Kind und Mann, der gerne an der Ehe festhalten würde?
Antworten
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19.08.2016, 12:12
Ehe, Kind, Haus... was tun wenn einfach nur die Liebe weg ist?
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19.08.2016, 12:16Inaktiver User
AW: Ehe, Kind, Haus... was tun wenn einfach nur die Liebe weg ist?
ich würde so nicht leben wollen und auch nicht können.
Und für ein Kind ist so ein Beispiel sicher auch nicht gut.
Eltern die nur noch zusammen sind weil? Ja warum eigentlich? Wegen des Kindes?
Zu wenig, viel zu wenig!
Trennt euch, gebt euch die Chance auf neues Glück!
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19.08.2016, 13:03
AW: Ehe, Kind, Haus... was tun wenn einfach nur die Liebe weg ist?
Du weißt doch (und schreibst es auch) , dass du keine Gefühle mehr hast. Und das du nicht mehr willst.
Aus schlechtem Gewissen deinem Mann gegenüber lässt du dich auf eine halbgare Situation ein.
Was andere (Eltern etc) meinen, ist nicht von Belang. Es ist DEIN Leben.
Ja, man darf sich trennen, auch wenn der andere noch will. Wenn es dir leichter fällt, weil du dann alles probiert hast, kannst du einen Zeitraum mit ihm ausmachen, zB sagen ok, wir versuchen es jetzt 3 Monate und ihr zieht dann Bilanz.
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19.08.2016, 13:23
AW: Ehe, Kind, Haus... was tun wenn einfach nur die Liebe weg ist?
Danke für eure Antworten.
Wart ihr beide schon mal in einer solchen oder ähnlichen Situation?
Bzgl. der Frage "Darf man sich trennen?" oder auch eher "Sollte man trotzdem zusammenbleiben?" gibt es ja offenbar durchaus unterschiedliche Ansichten - berücksichtigt man euch beide und meine Eltern steht es nun 2:2.
Aber klar, ich muss meine eigene Antwort darauf finden.
Und ich bin mir auch ziemlich sicher dass ich ganz persönlich es in einer Ehe, die nur noch Zweckgemeinschaft/WG ist, nicht aushalten würde. Ich will ja auch wieder große Gefühle erleben und nicht nur hin wieder ein Sex-Abenteuer im Rahmen einer offenen Beziehung o.ä.
Aber ich hätte schon große Schuldgefühle... die durchaus aus meiner Erziehung und dem Verhältnis zu meinen Eltern herrühren könnten.
Dafür ist es wohl nicht schlecht der Ehe nun noch eine Chance einzuräumen... eben um es wirklich versucht zu haben. Ich bin mir nur nicht sicher ob ich offen genug dafür bin oder es nur aus Pflichtgefühl tue. Was ja aber vielleicht auch egal da eh nicht willentlich zu beeinflussen ist.
Puhh, ganz schön konfus...
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19.08.2016, 13:27
AW: Ehe, Kind, Haus... was tun wenn einfach nur die Liebe weg ist?
Ja, ich war schonmal in so einer Situation, allerdings damals noch ohne Kind.
Ich habe auch eine Paartherapie angefangen, um alles versucht zu haben. Obwohl ich in mir drin wußte, es war einfach zu spät.
Aber es half mir dann auch abzuschließen. Ich hatte alles getan, was mir möglich war. Dann konnte ich gehen.
Und ich habe es nicht bereut. Nun hatte ich aber natürlich auch noch kein Kind, das ist sicher etwas , was den Schritt schwerer macht.
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19.08.2016, 13:30
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19.08.2016, 13:33Inaktiver User
AW: Ehe, Kind, Haus... was tun wenn einfach nur die Liebe weg ist?
Wenn Dir an deinem Mann und deiner Ehe etwas gelegen wäre, dann hättest Du um deine Ehe gekämpft und zusammen mit deinem Mann einen gemeinsamen Weg zur Lösung beschritten.
Du hast aber lieber die Zuwendung zu einem anderen Mann vorgezogen, und bist auch jetzt noch diesem Mann sehr zugetan.
Du wirst weder Dir noch deinem Mann einen Gefallen tun, wenn Du an eurer Ehe aus Schuldgefühlen und Mitleid festhältst.
Eine größere Demütigung für den Partner gibt es kaum, als zu wissen, dass nur noch Mitleid für einen selbst vorhanden ist.
lg jaws
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19.08.2016, 13:40
AW: Ehe, Kind, Haus... was tun wenn einfach nur die Liebe weg ist?
Liebe Cocktailschirmchen,
Ich sehe das anders als meine beiden Vorschreiberinnen.
Nicht unbedingt, weil ihr ein gemeinsames Kind habt, obwohl ich auch meine, dass dann die Situation ein anderes Gewicht bekommt, als wenn es lediglich um zwei involvierte Erwachsene geht.
Ich lese in deiner Beschreibung viel von unaufgearbeiteten Problemen, bei deinem Mann, vielleicht bei dir, und bei euch als Paar.
Wenn er aus einer belasteten Ursprungsfamilie kommt, dann kann gerade die eigene Elternschaft eine schwierige Sache sein und es ist wichtig, Hilfe zu bekommen. Unabhängig davon, ob ihr zusammenlebt oder nicht, spielt er ja eine wichtige Rolle für euer Kind.
Was das und vielleicht anderes für euch als Paar bedeutet hat, ist auch eine wichtige Frage.
Und schließlich, wenn man mal die Hypothese anlegt, dass wir uns Partner suchen, die ähnlich weit oder wenig weit gekommen sind in ihrem Differenzierungsprozess - ist da auch die Frage nach dir und deinem Platz, deinen eigenen Anteilen in eurer gemeinsamen Geschichte. Auch unabhängig von einer möglichen Trennung, dich selbst wirst du mitnehmen.
Wie gesagt, ich meine nicht unbedingt, dass man sich nicht trennen soll, wenn man ein gemeinsames Kind hat. Aber die Schwelle sollte vielleicht höher liegen und die vorher unternommenenen Versuche, sich wiederzufinden und zusammen leben zu können, sollten vielleicht intensiv(er) sein.
Daher finde ich es zu früh, egal was später wird. Meine 2 øre.
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19.08.2016, 13:42
AW: Ehe, Kind, Haus... was tun wenn einfach nur die Liebe weg ist?
Das liest sich so traurig :( Es tut mir leid, dass es sich so entwickelt hat.
Ich bin aus meiner schlechten Ehe raus. Ich war nicht glücklich, und sah meinen Ex-Mann auch mehr als Bruder. Das bringt halt nix... da kommt immer jemand, in den man sich verknallt. Weil man es vermisst, und Wünsche projiziert.
Ich könnte nicht in einer Beziehung bleiben, an der ich selbst nicht mehr glaube. Aber es ist immer die eigene Entscheidung. Von offenen Beziehung halte ich persönlich nicht viel, aber wäre auch ne Möglichkeit.
Letztendlich ist es Deine Entscheidung: nicht die deiner Eltern, Freunde oder von uns. Du musst mit den Konsequenzen leben können. Meine Meinung ist aber, wenn man lange in einer unglücklichen Beziehung steckt, wird es nix mehr. Da muss man sich langsam von ihr befreien, denn so öffnet man sich neue Türen.
Ich wünsche Dir sehr viel Kraft!
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19.08.2016, 13:46Inaktiver User
AW: Ehe, Kind, Haus... was tun wenn einfach nur die Liebe weg ist?
Ich denke nicht, daß Du bleiben solltest. Und auch nicht "wegen des Kindes". Das wird immer wieder als Totschlagargument genommen - ich kann nur sagen - mein Bruder und ich waren solche Kinder - und ich hätte mir tausendmal und mehr gewünscht, meine Eltern hätten sich getrennt.
Niemand sollte in einer lieblosen Ehe verharren, die nur noch zur Farce verkommen ist, um ein Bild für die Außenwelt aufrecht zu erhalten. Eine Scheidung ist kein Stigma für das Kind.
Bemüht euch lieber um einen guten Umgang zum Wohle des Kindes nach Beendigung der Ehe.
Und laß Dir bitte nicht das Schuldbewußtsein einimpfen, für Wohl und Wehe Deines Mannes verantwortlich zu sein und durch ein Aufrechterhalten der Ehe einen Selbstmord verhindern zu müssen. Allein die Drohung wäre für mich ein Grund, diese Ehe sofort zu beenden. Wer es nötig hat, mit dieser Form von Erpressung den Status Quo zu erhalten - mit so jemanden würde ich nicht leben wollen.
(und bevor hier als Antwort von IRGENDJEMANDEN kommt, daß sich sowas leicht sagt, wenn man nicht in der Situation steckt - doch - ich weiß von was ich spreche. Und ich stehe dazu, was ich hier schreibe.)


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