Liebe Community,
ich bin schon eine ganze Weile stille Mitleserin. Seit einiger Zeit treibt mich etwas um, zu dem ich gern eure Meinungen wissen möchte.
Ich habe im vergangenen Jahr über eine online-Plattform einen Mann kennengelernt. Wir sind +/- 50, haben erwachsene Kinder und beide gescheiterte Beziehungen hinter uns.
Ich hatte anfangs Zweifel, ob das mit uns funktionieren kann, weil ich zu viele Unterschiede zwischen uns gesehen habe. Er hat Interessen, mit denen ich wenig anfangen kann. Er ist kontaktfreudig, hat eine Menge Freunde, Verwandte und Bekannte, zu denen er den Kontakt pflegt. Ich bin eher der introvertierte Typ.
Ich mag nicht von Beuteschema sprechen, so festgelegt bin ich (eigentlich) nicht. Aber ich bevorzuge schon Männer, zu denen ich (körperlich) aufschauen kann und die dürfen dann auch ein wenig breiter sein. Er ist nur wenige Zentimeter größer als ich und eher schmal.
Auch in anderen Dingen sind wir verschieden: er ist ein optimistischer Typ, der sich kaum aus der Ruhe bringen lässt, während für mich das Glas eher halb leer bin, ich schnell auf die Palme gehe.
Ich halte ihn für recht unkonventionell. Ich mache mir Gedanken, wie ich auf andere wirke.....
Ich habe meine Zweifel zwar nicht ganz verloren, trotzdem sind wir seit über einem halben Jahr ein Paar. Wir führen allerdings berufsbedingt eine Fernbeziehung und sehen uns etwa jedes 2. Wochenende.
Die gemeinsame Zeit genießen wir beide sehr. Zwischendurch haben wir viel Kontakt, mailen oft und telefonieren lange.
Ich mag diesen Typen sehr. Ich mag ihn berühren, die Art, wie er mich ansieht, mit mir redet, seine Stimme, seine Hände. Er ist aufgeschlossen, ehrlich und unkompliziert, hilft und kann Hilfe annehmen, nimmt Anteil an anderen. Wir können über alles reden, haben ähnlichen Humor und ticken auch sonst in vielerlei Hinsicht gleich. Wir gehen respektvoll miteinander um, mögen Nähe, fühlen uns wohl miteinander, haben erfüllenden Sex - alles toll.
Wir haben über Zusammenleben und gemeinsam Alt werden und Heiraten gewitzelt. Das sind alles im Moment keine ernsthaften Themen, da sind wir uns beide einig. Er sagt, dass er mich liebt, gern mit mir zusammen bleiben und alt werden möchte.
Und hier beginnt mein Problem: ich weiß nicht, was ich fühle, was ich denke, was ich will.
Ich mag diesen Mann sehr, er ist nicht nur (m)ein Freund, es geht mir sehr gut mit ihm, ich begehre ihn und ich möchte ihn nicht missen. Ja, ich möchte auch gern mit ihm zusammenbleiben, vielleicht auch irgendwann unter einem Dach mit ihm leben und jeden Tag zusammen einschlafen und aufwachen - auch wenn ich mir das heute ganz und gar nicht vorstellen kann.
Aber irgendwie fühle ich mich nicht verliebt. Es ist eine ganz tiefe Zufriedenheit, Sicherheit und Freude, die mir diese Beziehung vermittelt.
Nun frage ich mich, ob das ausreicht für die Zukunft, ob das Verliebtsein noch kommt (wann?), ob sich mit zunehmendem Alter und (positiven wie negativen) Erfahrungen auch Empfindungen und Gefühle derart verändern oder anders anfühlen, Prioritäten sich verschieben oder, oder, oder.
Vielleicht bin ich ja auch verliebt, obwohl ich keine Schmetterlinge im Bauch habe?
Vielleicht traue ich mich auch nicht, Gefühle zu erkennen oder zuzulassen. Das letzte Mal, als ich richtig verliebt war und mich in einer Beziehung wirklich angekommen fühlte, hat sich mein damaliger Partner Knall aus Fall getrennt. Das hinterlässt natürlich Spuren und macht vorsichtig, vielleicht auch überkritisch.
Hat jemand so etwas auch schon erlebt? Wie seid ihr damit umgegangen?
Ich möchte mich von dem Mann nicht trennen, dafür gibt es meiner Meinung nach keinen Grund. Aber ich möchte auch nicht aus Bequemlichkeit mit ihm zusammensein oder vielleicht gar aus Angst, keinen anderen zu finden. Ich habe mich ernsthaft schon gefragt, ob das so ist, aber so fühlt sich das absolut nicht an.
Tut mir Leid, dass es so lang geworden ist. Fragt nach, wenn es Fragen gibt.
Vielleicht habt ihr ja ein paar Anregungen oder Denkanstöße für mich - ich bin für (fast) alles offen.
Danke für eure Meinungen.
uhu2015
Antworten
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Thema: Weiß ich, was ich will?
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18.03.2015, 14:04
Weiß ich, was ich will?
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18.03.2015, 14:36
AW: Weiß ich, was ich will?
Diese tiefe Verbundenheit zeigt eine reife Liebe an. Du hast die meisten Stürme deines Lebens gemeistert. Jetzt bist du in einem ruhigeren Fahrwasser, das aber sicherlich auch noch die eine oder andere Überraschung für dich bereit hält.
Wie oft denkst du an diesen Mann? Täglich einmal? Oder fast andauernd? Kreisen deine Gedanken viel um ihn, weil es ihn gibt?
Dann liebst du bereits. Die Schmetterlinge kannst du spüren, wenn du ganz tief in dich hineinhorchst: Sie flattern kurz vor eurem Wiedersehen.
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18.03.2015, 14:47Inaktiver User
AW: Weiß ich, was ich will?
Liebe TE
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als ich anfing zu lesen, dachte ich erst: Das wird nix. Nicht dein Typ, nicht deine Art zu denken, nicht deine Art auszusehen...und dann aber das hier:
Merkst du das? Du sprichst wirklich alles an, was eine Beziehung haben sollte. Hast du vielleicht das erste Mal jemanden als Partner, der gar nicht diesem körperlichen Bild, das du geschildert hast, entspricht? Der dir nicht auf den ersten Blick ähnlich ist, weil er auch introvertiert und mit "halbem Glas"-Denken auf dich zukam, sondern so anders schien?
Dann ist doch die Möglichkeit sehr naheliegend, dass er sich schlicht und ergreifend sprichwörtlich in dein Herz geschlichen hat. Dass da nicht ein sofortiges, hormonelles Ansprechen war, weil er deinem "Traummann" ähnelt und weil er dich in deinem Denken spiegelt, sondern ein ganz anderes aufeinander Zugehen. Und offensichtlich tut dir das gut-jedenfalls kann man nichts anderes herauslesen.
Man muss nicht Hals über Kopf in eine Beziehung stürzen. Und wahrscheinlich tut man das noch weniger, wenn man schon geschieden ist und oftmals enttäuscht wurde. Warum sollte man dann immer wieder so tief fallen wollen, anstatt mal vorsichtig zu sein?
Kann es sein, dass dir gerade das auch so guttut, dass er so anders ist? Und dass es glücklicherweise nicht so ist, dass du ihn deswegen ausgesucht hast, sozusagen als Gegenentwurf, sondern gemerkt hast, dass du genau so eine Ergänzung zu deiner Sichtweise brauchst? Und dass du vielleicht auch ganz schön findest, dass ihr beide eure Leben habt und autark seid?
Lies der den zitierten Abschnitt noch einmal durch. Und dann sage mir, was für eine Diagnose du einer guten Freundin stellen würdest, wenn sie dir das so sagen würde über ihre neue Beziehung
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18.03.2015, 15:01
AW: Weiß ich, was ich will?
Also, ich hab' letztens hier irgendwo in einem Strang gelesen (weiß aber nicht mehr, in welchem), dass während der Wechseljahre der Abbau von einem für Verliebtheit und Lust auf Sex zuständigen Hormon Oxytocin beginnt. Dieses Hormon spielt wohl eine entscheidende Rolle für Partnerbindung, Liebe und Sex. Fand ich etwas erschreckend, die Vorstellung, dass mein Körper ja merkt: so, Fortpflanzung ist nicht mehr, dann brauchst Du auch keinen hormonigen Schmetterlingsrausch und eigentlich auch kein Verlangen nach Sex mehr.

Ob das jetzt so stimmt, oder nicht, weiß ich nicht. Aber falls es so sein sollte, könnte das ja vielleicht ein Grund sein, dass sich das Verlieben mit 40+ eben (leider) nicht mehr so anfühlt, wie mit 25?
Wobei natürlich sicherlich auch die Erfahrungen und Enttäuschungen, die man in diesem Alter bereits gemacht hat, auch eine Rolle spielen, dass man sich nicht mehr so schnell und vielleicht auch nicht mehr so mit Haut und Haar auf jemanden einlassen will?
Hmm... ich weiß es nicht.
Auf jeden Fall Herzlich Willkommen in der Bri, @uhu2015!
"Wir hoffen immer, und in allen Dingen ist besser hoffen als verzweifeln." (Johann Wolfgang von Goethe)
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18.03.2015, 15:12Inaktiver User
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18.03.2015, 15:18Inaktiver User
AW: Weiß ich, was ich will?
Es ist schon komisch, alles stimmt und Du zweifelst.
Ich finde es doch besonders gut, dass uns mit 50 nicht mehr so die Sinne vernebelt werden. Man so ein wenig die Außenansicht behält. Die Abstürze, die man in jungen Jahren hat, die finde ich viel schlimmer.
Wenn ich mir mein Gefühl anschaue, welches ich jetzt nach fast 2 Jahren neuer Partnerschaft habe, ist das auch ein anderes als früher.
Ich hatte immer das Gefühl, ich habe es eher "im Griff". Nicht mehr so ausgeliefert. Aber Sehnsucht und Freude auf das Wiedersehen hatte und habe ich immer. Dieses Gefühl von Angekommensein.
Ich würde sagen, nehme es an. Du hast jemanden gefunden, mit dem Du vielleicht bis zum Ende gehen kannst.
So viel wichtiger als diese Wahnsinnsverliebtheit.
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18.03.2015, 15:20Inaktiver User
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18.03.2015, 15:23
AW: Weiß ich, was ich will?
Wenn du nicht weißt, was du willst, muss aber auch nicht unbedingt nach Fehlern suchen. Du fühlst dich wohl und gut mit dem Mann und nun .......?
Ich bin eine Raupe und du ein Reh. Doch ich werd ein Schmetterling und du wirst Filet.
Die Sache mit dem streiten ist die, wenn man etwas zurückhält, arbeitet es auf lange Sicht gegen euch (Dalai Lama)
Wenn du jemand anderem vergibst, dann tust du dies deinetwegen, nicht weil der andere das verdient. (Doris Wolf, Psychotherapeutin)
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18.03.2015, 15:40Inaktiver User
AW: Weiß ich, was ich will?
Ich habe mich kürzlich ganz ungeplant verliebt und kann dir versichern, es fühlt sich genauso - nein, eigentlich noch viel besser an als das letzte Mal vor knapp 30 Jahren (ich bin Mitte 50). Mit einem Unterschied: Dieses Rumhirnen - liebt er mich auch, woran merke ich das, wie geht das mit uns weiter? - ist nicht mehr dabei. Ich lebe diese Liebe von einem Tag zum andern, bin mir und ihm gegenüber sehr viel offener und ehrlicher, als ich das mit Mitte 20 sein konnte, schließlich kenne ich mich besser inzwischen. Ich habe keinerlei Bedürfnis mehr - damals hatte ich das noch -, mir mögliche Reaktionen von ihm auf das, was ich so sage und tue, stundenlang vorher auszumalen. Mit andern Worten: Ich lebe jetzt nicht mehr in der Hätte-Könnte-Würde-Welt, sondern JETZT.
Davon lese ich nichts bei uhu2015. Sie sehen sich regelmäßig, sie begehrt ihn, sie fühlt tiefe Zufriedenheit, sie kann sich mehr = zusammenleben vorstellen. Was fehlt denn da noch? Doch nicht dieses magenkranke Gefühl der Verliebtheit? Nicht mehr essen, nicht mehr schlafen können, Konzentrationsstörungen... All das braucht doch kein Mensch. Wenn das Verliebtheit ist - nein, danke!...dass man sich nicht mehr so schnell und vielleicht auch nicht mehr so mit Haut und Haar auf jemanden einlassen will?
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18.03.2015, 17:28


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