Hallo, ich bin bisher nur eine "gelegentlich Mitleserin", jetzt aber doch in einer Situation, in der ich selbst einige unvoreingenommene Gedanken gebrauchen könnte.
Zu diesem Weihnachtsfest bin ich buchstäblich "vergessen worden" und nun frage ich mich, was ich damit machen werde.
Ich bin eine durchaus gestandene Frau von 43 Jahren, habe drei Söhne großgezogen, vierzehn Jahre davon durchaus zufrieden ohne Paarbeziehung, beruflich selbstständig. Seit zwei Jahren lebe ich in einer partnerschaftlich sehr schönen Beziehung, die ich mir nicht gesucht habe, aber genießen kann, mein Mann hat allerdings einen neunjährigen, behinderten Sohn, der bei ihm lebt und unser aller Leben durchaus dominiert. Wir sind die praktischen Veränderungen sehr langsam angegangen, wohnen inzwischen aber zusammen und wollen heiraten. Praktisch ist die Belastung im Alltag sehr hoch, mein Mann hat beruflich viel Druck, der Junge ist unter anderem stark verhaltensauffällig und wird in den letzten Wochen zunehmend von den unterstützenden Stellen (Schule/Hort/Psychologin) aufgegeben, das belastet natürlich sowohl innerlich als auch im äußeren Ablauf. In meinem Freundeskreis ist mein Mann herzlich willkommen und sehr geschätzt, dennoch werde ich oft mit der (sicher auch berechtigten) Frage konfrontiert, ob ich mir das alles wirklich antun muss. Mein eigenes Leben stand vor einer anderen Herausforderung: die Zeit des Weggangs meiner Kinder und der Lust auf ungebremste Möglichkeiten in meiner beruflichen Arbeit, stattdessen habe ich meine begonnene Weiterbildung noch einmal unterbrochen, viele berufliche Ideen auf Eis gelegt, bin sehr eingebunden in die Förderung des Kindes. Finde ich soweit auch richtig, weil ich wie damals bei meinen eigenen Kindern der Meinung bin, dass ein paar Jahre in meinem Erwachsenenleben nicht so entscheidend sind, wie die Entwicklungszeitfenster bei Kindern und bei dem Jungen ist bis vor zwei Jahren fast nichts an Förderung gelaufen, mangels Wissen und mangels Strukturen, da ist viel verpasst worden.
Mein Liebster und ich können sehr gut mit (diesen) Belastungen umgehen, wir haben einen ähnlichen Humor, können gut miteinander reden und bemühen uns beide, die Beziehung zwischen uns nicht aus dem Blick zu verlieren. Er bringt mir durchaus auch mal ein Buch oder ein paar Blumen mit, wir versuchen, wenigstens ab und zu ein Wochenende zu zweit wegzufahren, uns ist die Gefahr, nur noch ein gut funktionierendes Team zu werden durchaus bewusst und auch Gesprächsthema.
Und nun hatten wir einen besch... Advent mit seinem Jungen, der uns wirklich jeden Ansatz von Gemütlichkeit vereitelt hat, es ist Heilig Abend und wir sind alle zusammen (meine Jungs natürlich auch), der Baum ist geschmückt, die Lieder gesungen (bei mir war und ist Weihnachten sehr wichtig), es gibt auch Geschenke, nur ich bekomme nichts vom Liebsten. Ich sehe, dass es ihm bewusst ist, er sagt aber nichts. Später im Bett sage ich ihm, wie irritiert ich bin und da sagt er doch tatsächlich: es täte ihm leid (was nicht zu übersehen ist), aber er hätte mich einfach vergessen! Er hätte schon immer mal daran gedacht, dass er nichts für mich hat, dass er mich vielleicht im Januar ins Theater einladen könnte oder so etwas (was ja nur drei Mausklicks entfernt gewesen wäre), aber dann wäre das Thema eben wieder weg gewesen.
Ich brauche kein großes Geschenk, aber ich bin zutiefst irritiert darüber, dass ich (anwesend und in Aktioneinfach übersehen werde. Jetzt frage ich mich, ob ich das (wozu ich stets schnell bereit bin) verständisvoll als stress- und mannbedingt abtun und mich befrieden soll.
Natürlich haben wir geredet und natürlich ist er betroffen, über meine Verletzung und dass ich diesen "Fehler" als Ausdruck von Achtsamkeit und Wargenommensein interpretiere.
Ich bin jetzt ein paar Tage später auch nicht mehr so im Fühlen wie in den ersten Stunden und doch kann ich mich nicht entscheiden, ob ich es als Signal zu Gehen oder als Beziehungsneubeginn betrachten soll, einfach weiter wird definitiv nicht gehen für mich, dafür ist "vergessen werden" eine Nummer zu groß.
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Ergebnis 1 bis 10 von 97
Thema: Ich bin "vergessen" worden
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30.12.2014, 13:09
Ich bin "vergessen" worden
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30.12.2014, 13:23
AW: Ich bin "vergessen" worden
ohne auf die Umstände einzugehen, die du bewundernswert annimmst: ich kann die Verletzung nachempfinden. Drei Mausklicks. DAS müsste doch möglich sein; auch mir bedeuten gerade die Advents- und Weihnachtsrituale sehr viel
Du wahrscheinlich nicht, aber ich habe schon gelegentlich die einfachen Dinge hintangestellt - und vergessen. Wenn mir kein "richtiges" Geschenk einfällt - und das ist relativ häufig der Fall - wird es regelmäßig verdammt eng. Es ist mir noch nicht passiert, aber ich kann verstehen, dass ihm erst bei der Becherung aufgefallen ist, dass er das verpennt hat; hätte er vermutlich nicht, wenn ihr zu zweit oder dritt gefeiert hättet.
So wie du eure Beziehung schildert, ist dieses Vergessen nicht symptomatisch. Er vergisst nicht Dich, er hat ein Geschenk vergessen. Tut diese Verletzung so weh, dass sie eure Beziehung erodieren kann? Bedeutet dir diese Verletzung mehr als das, was die Beziehung dir gibt? Würdest du sie aufgeben wollen, weil du nicht genügend wertgeschätzt wurdest?
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30.12.2014, 13:31Inaktiver User
AW: Ich bin "vergessen" worden
Antonia,
wieso hast du den behinderten Sohn in deiner Geschichte erwähnt?
Es geht doch hier um das vergessene Geschenk, oder?
Ist es für dich zu entschuldigen, weil er so viel um die Ohren hat (Sohn), dass er es deshalb vergessen haben mag.
Ich würde mich mal in mich einfühlen und nachfühlen, ob du dich von ihm geliebt, begehrt, geschätzt und geachtet fühlst?
Karla
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30.12.2014, 13:33
AW: Ich bin "vergessen" worden
nicht Antonia: dieser Sohn spielt in der Beziehung und für das Leben der TE eine ganz erhebliche Rolle
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30.12.2014, 13:33
AW: Ich bin "vergessen" worden
Ich denke auch, nicht Du bist vergessen worden, sondern das Geschenk.
Nun mag er zerknirscht o.ä. sein, und an Heiligabend war er nicht in der Lage, noch schnell etwas herbeizuzaubern. Aber seitdem sind einige Tage vergangen... er hat gesehen, verstanden, dass Du ein Geschenk von ihm gewünscht hattest. Ich schreibe extra gewünscht und nicht erwartet, denn ein Geschenk kommt ja von Herzen für Herzen. So würde ich darauf schauen, wie er sich seit Heiligabend verhält.
Also in Richtung: fällt ihm überhaupt etwas ein, womit er Dir eine Freude machen könnte, und noch wichtiger:
setzt er es um? Evtl bekommst Du auch zum Jahreswechsel ein liebevoll ausgesucht/-gedachtes Geschenk.
Gedanken würde ich mir machen, wenn gar nichts mehr kommt.
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30.12.2014, 13:35Inaktiver User
AW: Ich bin "vergessen" worden
Mir ist Weihnachten nicht wichtig. Wir schmücken das Haus kaum, wir schenken uns nichts. Die großen Dinge kaufen wir zusammen, es gibt immer mal Kleinigkeiten - das ganze Jahr hindurch, ich brauche den Hype nicht zu Weihnachten, ich denke auch so an meinen Mann.
Was ich allerdings gar nicht verstehe (und das ist nur meine Sicht der Dinge!) du lernst einen Mann kennen der ein damals 7jähriges Kind hat (behindert oder nicht!) obwohl deine Kinder aus dem Haus sind, du vieles noch machen willst, auch beruflich und verzichtest auf das alles um wieder Mutterkuh zu spielen? Wo ist die Mutter des Kindes?
Du magst recht haben mit dem Zeitfenster des Jungen - aber dein Leben gibts auch nur dieses eine Mal. Du legst das etwas auf Eis und ich bin ziemlich sicher wenn der Junge in 10 Jahren oder so euch nicht mehr so braucht (was ich annehme, nicht weiß) wirst du nichts mehr von dem machen was du dir vorgenommen hast, du bist dann 53 und damit ist die Luft beruflich zumindest ziemlich raus.
Und das alles im Zusammenhang mit dem Vergessen eines Geschenkes für dich?
Keine Ahnung wie du genau reagiert hast, aber ich wäre sehr sauer gewesen und ich hätte mit Sicherheit nicht gewartet...
Es ist dein Leben, du scheinst glücklich mit dem Mann, und ich finde er sollte dich auf Händen tragen für das was du da so alles für ihn und seinen Sohn machst - stattdessen vergißt er dich?!
Liebe ist nicht alles.... und manchmal reicht Liebe allein einfach nicht.
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30.12.2014, 13:43
AW: Ich bin "vergessen" worden
Hallo Antonia,
ich kann Dich gut verstehen und wäre sicher auch verletzt und enttäuscht
Ich bin jemand, der gerne schenkt und auch geschenkt bekommt und es geht mir dabei nicht um den Wert des Geschenks sondern um die Wertschätzung, um das "Du bist mir wichtig und ich habe mir etwas für Dich überlegt".
Was mich an Deiner Geschichte allerdings fast noch mehr stört als das vergessene Geschenk ist, dass Dein Partner nicht von selbst mit Dir gesprochen hat, obwohl er unterm Weihnachtsbaum wohl sehr gut gemerkt hat, dass Du enttäuscht bist
. Hätte er Dich vor der Bescherung zur Seite genommen und Dir gesagt, dass er leider vor lauter Stress (den er ja nach Deiner Beschreibung sicher tatsächlich hat) nicht dazu gekommen ist, etwas Schönes für Dich zu besorgen bzw. dass er nicht einfach "irgendwas" schenken wollte und Dich dafür im Januar schön ins Theater, zu einem schönen Wochenende o. ä. einlädt, sähe die Sache für mich anders aus.
Aber so kann ich Deine Enttäuschung sehr gut verstehen. Warum hat er nicht einfach mit Dir gesprochen
?
Wenn die Beziehung ansonsten gut und stimmig ist, ist es sicher kein Grund deshalb gleich an allem zu zweifeln aber ich würde ihm schon unmissverständlich zu verstehen geben, dass ich sehr enttäuscht bin und er was gutzumachen hat.
Liebe Grüße vom
Wassernixlein
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30.12.2014, 13:46
AW: Ich bin "vergessen" worden
Ich komme aus einer Vergangenheit, in der ich oft wichtig in meiner Funktion war, nicht in meiner Person und in der ich das gesprochene "Ich liebe dich doch" höher bewertet habe als erlebte Lieblosigkeit.
Mit diesem Mann habe ich mich sehr gemeint und geschätzt gefühlt. Was ich gerade nicht mehr beantworten kann ist die Frage, wo der Irrtum liegt: in der Episode jetzt oder in meiner Wahrnehmung bisher?
Ich will jetzt nicht sofort Entscheidungen fällen, aber wie fängt man mittendrin neu miteinander an ? Geht das?
Wenn es im Grunde so ist, dass ich nicht als Person wertgeschätzt werde sondern nur in meinem Beitrag für die Beziehung/Familie würde ich ohne weiteres gehen, weil ich gut allein sein kann. Wahrscheinlich würde ich mich trotzdem nicht völlig aus der übernommenen Verantwortung lösen, aber dafür muss ich keine Beziehung führen, die ja dann auch nicht wirklich eine ist, wie ich finde.
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30.12.2014, 13:52Inaktiver User
AW: Ich bin "vergessen" worden
in deinem eingangsposting schreibst du ja sehr ausführlich über die belastungen, die ihr miteinander teilt.
kann es sein, dass das lieben und schätzen schon seit einer weile in den hintergrund getreten ist und die beziehung insgesamt in eine schieflage geraten ist?
dann würde ich da etwas zu ändern versuchen und das geschenk als symptom betrachten.
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30.12.2014, 13:53
AW: Ich bin "vergessen" worden
Dein Engagement in Ehren, aber meinst Du nicht, dass Du Deine Entscheidung, Deine berufliche Weiterentwicklung zurückzustellen, nicht einmal sehr bereuen wirst? Es ist nicht Dein Kind, es ist aber Dein Leben. Und mit 43 zu sagen "ein paar Jahre sind nicht so entscheidend" hinsichtlich beruflicher Entwicklung, halte ich für etwas blauäugig.
Und dann noch bei der Bescherung vergessen zu werden - da würde ich ganz ernsthaft meine Prioritäten neu überdenken. Es ist eine typische Frauenfalle, zu schnell eigene Belange hinter einer Partnerschaft zurückzustellen.Islabonita
Moderation im Freundschaftsforum, Umgangsformen, Familiensache, Mietforum und in Rund um die Bewerbung - ansonsten normale Userin


einfach übersehen werde. Jetzt frage ich mich, ob ich das (wozu ich stets schnell bereit bin) verständisvoll als stress- und mannbedingt abtun und mich befrieden soll.
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