Bisher dachte ich, einen sehr loyalen und vertrauenswürdigen Partner zu haben.
Vor einigen Wochen musste ich psychologische Hilfe in Anspruch nehmen und mehrere Tage stationär bleiben. Ich leide immer mal wieder unter depressiven Episoden und war sehr dankbar, dass mein Partner mich so unterstützte. Seine Familie weiß davon (noch) nichts und fragte nach mir und ich erklärte, im Krankenhaus zu sein und nach meiner Entlassung persönlich mit ihnen sprechen zu wollen. Ich wollte also selbst das Gespräch mit ihnen über meinen Hintergrund führen.
Und gestern treffe ich die Mutter meines Partners auf der Straße, und sie fragt: und, geht es dir besser mit den Depressionen? Ich war total perplex. Sie sagte, mein Partner habe es ihr schon mitgeteilt.
Wenn er mir wenigstens ehrlich gesagt hätte, dass er schon mit seiner Familie gesprochen hat - aber so werde ich mitten auf der Straße auf ein Thema angesprochen, das mir unangenehm ist und das man eben mal nicht so eben ausplaudert.
Mein Partner äußert sich nicht weiter dazu, sein Argument ist, seine Familie hätte eh schon was geahnt. Na toll... Ich bin echt sauer und enttäuscht. Sehr ihr das auch als Vertrauensbruch? Oder ist das übertrieben?
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 129
Thema: Enttäuscht
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12.11.2014, 08:39
Enttäuscht
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12.11.2014, 08:47Inaktiver User
AW: Enttäuscht
Ich finde es übertrieben.
Natürlich bekommen Verwandte die Stimmungsschwankungen mit. Und wenn dann jemand Deinen Partner geradezu fragt, da würde ich es komisch finden, wenn er es entweder verneint oder sagt: Das muss sie euch selbst erzählen.
Hast Du ein schlechtes "Gewissen" wegen Deiner Krankheit? Warum machst Du sonst so ein Geheimnis draus?
Wir haben es doch nicht selbst in der Hand, wenn es uns trifft. Und wenn die Anderen wissen, was los ist, kann es auch keiner persönlich nehmen, wenn man sich wieder mal zurückzieht.
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12.11.2014, 08:56Inaktiver User
AW: Enttäuscht
ich kann zwar nachvollziehen, dass es dir etwas unangenehm ist.
aber dein partner muss in dieser situation auch für sich sorgen dürfen, und wenn dazu gehört, dass er mit seiner familie spricht, dann solltest du das akzeptieren.
das ganze ist für ihn ja auch nicht einfach.
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12.11.2014, 09:15
AW: Enttäuscht
Mich stört am meisten, dass er mich damit in eine unangenehme Lage gebracht hat. Ich kenne seine Eltern erst seit kurzer Zeit und Depressionen sind nun mal ein heikles Thema, mit dem ich nicht hausieren gehe bei Menschen, zu denen noch gar kein Vertrauensverhältnis besteht. Ich hätte mir gewünscht, dass er mir sagt, dass sie es schon wissen. So hat er mich einfach in eine Situation gebracht, die ich als unschön empfand.
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12.11.2014, 09:21
AW: Enttäuscht
Auf mich macht es den Eindruck, Du hast Dich bereits entschieden, es nicht übertrieben zu finden. Was willst Du jetzt machen, wenn Du so enttäuscht von Deinem Freund bist?
Ich finde es übertrieben, wie Du reagierst, immerhin warst Du in der Klinik, was für Deinen Freund bestimmt auch nicht leicht war, es ist bereits aufgefallen, was willst Du verstecken?
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12.11.2014, 09:22Inaktiver User
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12.11.2014, 09:25
AW: Enttäuscht
Kaum zu glauben, aber es gibt Menschen, denen es schwer fällt, andere zu belügen. Wenn jemand im Krankenhaus ist, wird doch nachgefragt, warum.
Ich finde nicht das Verhalten deines Freundes problematisch, sondern dass du meinst die "Volkskrankheit" Depression sei etwas, das man verheimlichen müsse.
Severus
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12.11.2014, 09:25Inaktiver User
AW: Enttäuscht
Ich empfinde das ebenfalls als Vertrauensbruch. Ein Depressiver schämt sich ja auch dafür, Depressionen zu haben und tut alles, um diese geheimzuhalten. Und dann mal eben auf der Straße angesprochen zu werden, ist daher sehr verletzend.
Ich finde, wenn ein Depressiver selbst darüber spricht , ist das o.k., wenn das andere für ihn machen , definitiv nicht,
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12.11.2014, 09:25Inaktiver User
AW: Enttäuscht
auf der einen seite kann ich deine enttäuschung verstehen.
eine krankheit ist ein sehr sensibles thema, welches man nicht mit allen teilen möchte.
sicher wäre es geschickter gewesen, wenn du das selbst, zumindest in der familie, thematisiert hättest.
ein klinik aufenthalt ist ja nicht so einfach zu "vertuschen".
ich kann deinen freund auch verstehen, dass er mit jemandem darüber spricht.
er muss auch irgendwohin mit seinen sorgen. und vielleicht will er auch nicht lügen?
was soll er denn sagen wo du bist/warst?
vielleicht tut es dir gut, wenn du ganz offen über deine krankheit sprichst?
ich glaube kaum, dass dir jemand was böses will. und du hast sicher auch anderes zu tun, als deswegen sauer zu sein.
schau auf dich.
er hat es dir nicht gesagt, dass seine eltern wissen.
das kind ist in den brunnen gefallen.
verzeihe ihm. was anderes bleibt dir nicht übrig. oder die beziehung deswegen beenden.
willst du das? wie lange seid ihr zusammen?
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12.11.2014, 09:32
AW: Enttäuscht
Ich kann dein Unbehagen nachvollziehen. Vor allem, wenn er wusste, dass dir das Thema unangenehm ist und du es lieber selbst der Familie erklären willst. Da ist es ein Vertrauensbruch, wenn er trotzdem mit seiner Familie ohne dein Wissen über deine Krankheit spricht.
Auf der anderen Seite kann ich mir gut vorstellen, dass er garnicht wahrgenommen hat, dass er dich damit vielleicht vor den Kopf stötzt, weil es für ihn nichts Schlimmes ist, er dich gut versteht und unterstützt. Für ihn ist es nichts Beschämendes (ist es ja auch nicht, eine seelische Krankkeit ist nicht weniger ernst als eine körperliche, es sind alles Krankenheiten die einen treffen, ohne es zu wollen). Darum hat er mit der Familie gesprochen, um sie und auch sich selbst zu beruhigen, ohne sich dabei etwas zu denken.
Versuch, in einem ruhigen Moment mit ihm darüber zu sprechen, damit er weiss, dass du über deine Krankheit oder andere persönliche Dinge lieber selbst redest.


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