Thema geschlossen
Seite 10 von 10 ErsteErste ... 8910
Ergebnis 91 bis 92 von 92
  1. Moderation Avatar von Sternenfliegerin
    Registriert seit
    21.06.2013
    Beiträge
    4.938

    AW: "Darf" ich den Besuch seiner Eltern ablehnen, um mich emotional zu schützen?

    Zitat Zitat von blubb80 Beitrag anzeigen
    Liebe te, seid ihr noch zusammen? Wie ging das weiter?
    Wie kamst Du nach sooo langer Zeit auf diesen alten Strang und das alte Thema?

    Puh, da hast Du mich mit Deinem Nachfragen nochmal tief in meine dunkelste Phase "gestoßen" , ich habe gerade selbst den ganzen Stang nochmal durchgelesen.

    Aber da ich es selbst schön und sinnvoll finde, wenn es zu einem Thema eine Art letzte Rückmeldung gibt und mir das bei anderen Nutzern manches Mal auch geholfen hat, gebe ich diese Zusammenfassung - zumal es, in meinen Augen, eine sehr schöne ist.

    Ja, wir sind noch zusammen und wir als Paar haben im darauffolgenden halben Jahr langsam so gut wie alles Wichtige aufgearbeitet und es geht uns mittlerweile wieder sehr gut miteinander.

    An der Liebe meines Partners habe ich nie zweifeln müssen.
    Damals aufgrund der Umstände eher an meiner, ich war mir nicht sicher, ob mir nur seine Liebe "reicht", wenn ich nicht gleichzeitig auch die Art von Loyalität bekomme, die ich vermeintlich brauch(t)e.

    Aber ich wurde zu mir selbst bedingungslos loyal, es gibt einiges, was nicht mehr verhandelbar war - und ist.

    Ich habe im Laufe der Jahre unserer beider Altlasten und daraus resultierende Prägungen verstanden und warum wir uns da (unbewußt) aneinander rieben, uns gegenseitig weh taten, völlig ohne böse Absicht, einfach weil wir beide Kinder aus völlig verkorksten Familien waren.

    Mein Partner hätte sich nie so tief in die Thematik hineingegraben, weil es auch für ihn selbst alles sehr sehr schmerzlich ist. Aber durch meine Entwicklung und meinen Drang, all das in aller Tiefe wirklich zu verstehen (siehe meine Fußzeilen seit damals ), um etwas verändern zu können, wurde er sozusagen mitgezogen und er ist diesen Weg dann auch bereitwillig mit mir gegangen.
    Wir haben seitdem so ehrlich wie nie (in Bezug auf unsere Familien) miteinander gesprochen.

    Seine Eltern haben dieses Haus nie wieder betreten, ich habe sie nie wieder gesehen, mein Partner besucht sie allein und ich war auch nicht auf der Beerdigung, als eines seiner Elternteile starb (wobei ich das meinem Partner angeboten habe).

    Diese Unversöhnlichkeit und Konsequenz meinerseits beruht in erster Linie darauf, daß seine Eltern ihm gegenüber weiterhin verletzend, gedankenlos und lieblos blieben, sonst hätte es von meiner Seite durchaus einen Weg zurück zu einem neuen Kontakt geben können.

    Wir haben im Laufe der Jahre viele Gespräche geführt - was sich verändert hat, was ich verändert habe, ist die Ehrlichkeit und Ungeschöntheit, die ich nun auch ihm gegenüber habe.
    Eigentlich wünschte ich heute noch, daß sie nie notwendig gewesen wäre, aber das ist nunmal so.
    Und besser das, als daß wir uns verloren hätten.

    Früher habe ich geschwiegen oder die Wahrheit nicht deutlich formuliert, weil ich ihm nicht zusätzlich weh tun wollte.
    Ich schrieb es hier irgendwo im Strang, ich wollte ihn nicht gewissermaßen doppelt verletzen, zusätzlich zu den üblen, verletzenden Aktionen seiner Eltern dann noch aufzeigen und sozusagen in der Wunde bohren, was sie da tun, wie sie ihn behandeln und was das für ihn als Sohn eigentlich bedeutet- und ihn damit zusätzlich verletzen.

    Meist sind sie kein Thema mehr, aber wenn er sie zum Thema macht, weil ihn wieder etwas getroffen hat, dann bin ich jetzt relativ offen und schonungslos und halte ihm auch einen Spiegel vor, liebevoll, aber ehrlich.

    Wir als Paar sind in diese Misere geraten, weil ich so lange der Überzeugung war, ihn schonen zu müssen.
    Seit ich das nicht mehr tue, hat sich vieles verändert.

    Auch und vor allem sein eigener Blick auf seine Eltern, seine Wahrnehmung, was sie da eigentlich abzogen, abziehen, wie egoistisch sie sind und wie wenig sie ihm je gute Eltern waren. Das ist ihm mittlerweile alles bewußt und er spricht es auch offen aus, nicht nur mir gegenüber.

    Er kannte es nie anders, es war ja immer seine einzig bekannte Realität und verständlicherweise brauchte auch er Kraft und Zeit, diese ungeschönt anzusehen, sich ihr zu stellen.
    Denn schmerzhaft ist so ein Prozeß ohne Frage, kenne ich ja selbst.

    Diese Wahrheit läßt er jetzt (schon einige Jahre) vor sich selbst zu und auch mir gegenüber- und seitdem geht es auch ihm besser, weil er sich nicht mehr jederzeit als willenloser Sohn vor ihren Karren spannen ließ.

    Seit er diese Wahrheit auch bereit ist zu sehen, zu akzeptieren, ging und geht auch er - endlich - ganz anders mit seinen Eltern um. Er setzte besser (wenn auch in meinen Augen immer noch nicht ausreichend) Grenzen, ist sich bewußt, mit was für Charakteren er es zu tun hatte und hat und reagiert seitdem anders auf sie.
    Positioniert sich besser, widerspricht, läßt sich weniger benutzen.

    Die Akzeptanz dieser Wahrheiten hat uns als Paar extrem gut getan.
    Wir haben unsere Kraft und unseren Fokus endlich auf uns, nicht mehr auf dem Verstehen der jeweiligen Eltern-Kind-Konstellationen und was sie für uns bedeuten.
    Das brauchte es, es hat Jahre gedauert, aber jetzt sind wir so gut wie durch damit, wir sind an der Wurzel- und seit wir die Wurzel alldessen bei uns selbst und unserem Partner endlich verstanden haben, können wir vieles ganz anders sehen und damit umgehen.

    Wir beide sind - unseren Eltern gegenüber - gewissermaßen emotional sehr sehr spät wirklich erwachsen geworden, weil wir unsere Familien geschützt haben, auch vor unserem eigenen, letztlich emotional vernichtenden Urteil.
    Wir haben uns spät getraut, uns all die familiären Dramen anzuschauen, wahrscheinlich, weil wir selbst vorher nicht "erwachsen und stabil" genug dafür gewesen sind.

    Weil für uns beide damit einherging, einhergehen mußte, daß wir die Dysfunkionalität und Verkorkstheiten unserer Herkunftsfamilien erstmal für uns selbst in dieser heftigen Dimension erkennen und annehmen mußten, in meinem Fall führte das zu einer sehr weitreichenden emotionalen Entfernung von meiner Herkunftsfamilie, etwas, was ich mir noch 2012 nie hätte vorstellen können. Undenkbar sozusagen, von der Gefühlsdimension ganz zu schweigen.

    Viele andere Menschen verdrängen sowas aus Selbstschutz oder weil ihnen die Kraft fehlt, sogar ihr Leben lang, insofern sind wir zwar spät drangewesen, aber immerhin haben wir uns alldem überhaupt gestellt und uns entsprechend weiterentwickelt und neu positioniert und nun geht es uns weit besser damit und mit unserem Leben.

    Uns war unsere Beziehung wichtiger als weiter diese "anerzogenen und geprägten Lügen" zu leben, zu bestimmten Zeiten wäre eine Trennung, ohne in den Wunden zu bohren, ganz sicher die leichtere, weniger schmerzhafte Wahl für uns gewesen.
    Aber dafür waren und sind wir einander viel zu wichtig.

    Ich schrieb hier im Strang von schweren Depressionen, ja das waren sie damals, ja, es ging mir damals sehr schlecht, aber heute würde ich diese Zeit anders betrachten.

    Es gibt diesen Spruch: "Bevor du dir selbst Depression diagnostizierst, stelle sicher, dass du nicht einfach nur von Arschlöchern umgeben bist." Wobei es natürlich keine Selbstdiagnose war.
    Das ist natürlich überspitzt ausgedrückt, aber in meinem Fall würde ich das heute recht ähnlich sehen.

    Ich war von lauter - sehr geliebten - Menschen umgeben, die mir zumindest in wichtigen Bereichen nicht gut taten, weil ich (unbewußt und teilweise später auch bewußt) ihre Lasten und Entscheidungen teilweise ein Leben lang, teilweise viel zu lange mittrug, weil ich im Leben gar nichts anderes gekannt hatte.

    Das war mein Verständnis von Loyalität, bis ich begriff, daß ich mit meiner Loyalität zu ihnen mich selbst im Stich ließ.
    Der Prozeß, sich davon zu lösen war wiederum schwer und schmerzhaft, aber ich glaube, auch das habe ich großteils geschafft.

    Ich habe vieles, was in mir unbewußt schwelte, nicht hochkommen lassen, weil es meine Herkunftsfamilie in ihren Grundfesten erschüttert hätte, meine ganze Kindheit, Jugend UND Famlie in Frage gestellt hätte - und hat.
    Mein Partner ebenso.
    Es erforderte viel Mut und Kraft, sich diesen Erkenntnissen ehrlich zu stellen und die Familienkostellationen ungeschön und ohne den früheren Selbstschutz zu betrachten.
    Erst als ich erkannte, daß ich selbst diese dysfunktionalen Systeme stützte, zu massivsten Lasten meiner seelischen Gesundheit und mich für meine Gesundheit entschied und mehr nicht für das Stabilisieren anderer Masken und Beziehungen, da wurde es besser - und dafür brauchte ich auch keine äußere Unterstützung und Begleitung mehr.

    Als ich die Kraft fand, mich dieser Thematik offen und mir selbst gegenüber endlich absolut ehrlich zu stellen, da verstand ich, was und warum vieles in meinem Leben so gelaufen ist wie es sich entwickelt hatte.

    Es war und ist nur logisch.
    Und damit hatte und habe ich endlich einen Schlüssel, daß ich dem nicht mehr so ausgeliefert bin, wie ich es damals war, weil ich jetzt in dem Moment, wo etwa triggert oder wehtut sofort weiß, was da abläuft und warum und wie ich mich zu positionieren habe.

    Mein Partner und ich haben damals auch finanziell alles geklärt, ich bin in der Firma angestellt, seit damals zusätzlich finanziell abgesichert, weil er meinen Anteil am Aufbau und dem Gedeihen der Firma auch so gesehen, wertgeschätzt und mich sozusagen ausbezahlt hat und ich wäre im Fall einer Trennung seit längerem nicht mehr auf irgendein Wohlwollen angewiesen sondern würde mein eigenes Ding durchziehen können.

    Allerdings habe ich einen in dieser Hinsicht absolut fairen Partner, ich denke, das wäre in vielen Partnerschaften auf der Kippe (ohne Ehe) nicht so fair abgelaufen. Letztlich war das aber immer etwas, worauf ich (vielleicht naiv) vertraut habe - und er hat sich dieses Vertrauens zum Glück als würdig erwiesen.
    Rechtlich hätte ich wenig Grundlagen gehabt, meinen Anteil einzufordern.
    Als wir das regelten war noch nicht klar, ob wir als Paar es schaffen, das war zeitlich ungefähr zur selben Zeit, als dieser Strang entstand bzw. es entwickelte sich auch aus diesem Strang.

    Auch das Wissen um seine Fairness trug dazu bei, daß ich mich ihm wieder viel tiefer verbunden fühlte und wieder das Verbindende spüren konnte, dieselben Wertemaßstäbe verbanden uns und das bewies er mir ja auch.

    An mangelnder Liebe lag die ganze Thematik bei uns nie, eher bei mir an dem Gefühl, daß ich etwas anderes zusätzlich auch wollte und brauchte.

    Rückblickend "krankte" ich daran, daß ich aufgrund meine Familienkostellation kein Urvertrauen aufbauen konnte, nie wirklich emotional verläßliche Menschen um mich hatte (was mir lange, lange nicht bewußt war) wie ich es gebraucht hätte- und genau dies dann bei der Konstellation mein Partner, seine Eltern und ich nochmals zum Tragen kam, weil meine Trigger diesbezüglich durch ihre Konstellation wiederum voll bedient wurden.


    Viele von Euch "kennen" mich als Nutzerin über die Jahre aus vielen Themen und ich merke es selbst, daß jedes Loyalitäts-Thema sofort eines ist, auf das ich anspringe.

    Seit ich all dies aber weiß und vor allem verstehe, ist mein rationaler und emotionaler Umgang damit ein ganz anderer und so geht es uns wieder richtig gut miteinander.

    Was ich gerade im Jetzt deutlich spüre, seit mein Partner in jetzt wieder äußerlich und emotional schwierigen Zeiten (schwerer Krankheitsfall in der Familie unter Corona) voll an meiner Seite ist und so hat sich für uns diese schwierige Zeit ganz sicher gelohnt.


    So, das war meine Antwort, ich möchte an dieser Stelle bitte auch keinerlei neue Diskussion beginnen!

    Es ist nur eine Zusammenfassung, wie ich sie als Nutzer idealerweise auch gerne als Abschluß eines Themas bekomme und da dieser Strang nun durch die Frage von blubb hochgerutscht ist, bleibe ich die Antwort auch nicht schuldig, obwohl all dies ziemlich persönlich ist, auch in der Retrospektive schmerzhaft- und ich es sonst freiwillig eher nicht nochmal hochgeholt hätte.



    Aber ich bin weit stärker geworden, ich bin weit mehr ich geworden, weil ich mich nun wirklich bis zu den Wurzeln kenne und verstehe und besser mit mir und meinem Umfeld umgehen kann.

    Und so ist der ganze Weg einer, der zwar steinig war, den ich aber trotzdem nicht missen möchte.
    I don´t know where I´m going- but I´m on my way... Carl Sagan

    Vielleicht geht es auf dem Weg gar nicht darum, irgendwas zu werden.
    Vielleicht geht es darum, alles abzuwerfen, was wir nicht sind,
    so daß wir das sein können, wofür wir bestimmt sind.
    Paulo Coelho



    Moderatorin in den Foren:
    Beziehung im Alltag, Der "gebrauchte" Mann und im Tierforum
    - ansonsten normale Nutzerin
    Geändert von Sternenfliegerin (31.03.2020 um 15:15 Uhr)

  2. Moderation Avatar von skirbifax
    Registriert seit
    30.05.2009
    Beiträge
    66.560

    AW: "Darf" ich den Besuch seiner Eltern ablehnen, um mich emotional zu schützen?

    Sternenfliegerin, vielen Dank für deine Rückmeldung.

    Ich schließe den Strang hier ab, v. a. weil er auch schon sehr alt ist. Wer ein ähnliches Anliegen/Problem hat, kann jederzeit und gerne einen eigenen Strang eröffnen.
    Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare.
    Christian Morgenstern
    In einer Stunde ruhigen Sitzens verbrennt man 73 Kilokalorien.
    - Ich habe meinen Sport gefunden.


    Moderatorin für:

    Was bringt Sie aus der Fassung?
    Beziehung im Alltag
    Trennung und Scheidung
    Über das Kennenlernen
    Forum für Alleinerziehende

Thema geschlossen
Seite 10 von 10 ErsteErste ... 8910

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •