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  1. Inaktiver User

    Männer und Angst vor Emotionen

    ich glaube, ich muss mir einfach mal etwas Frust von der Seele schreiben... ich weiß auch gar nicht, ob das hier das passende Forum ist, daher bitte einfach verschieben, wenn es nicht hierher gehört...

    vielleicht als Auslöser oder Parallele zu meiner eigenen Situation... momentan lese ich mit meiner Oberstufe "Agnes", einen Roman, der von einer unglücklichen Liebesgeschichte handelt, in der sich ein beziehungsunfähiger Mann in eine jüngere Frau verliebt, das Ganze aber letztendlich scheitert, weil er nicht wirklich in der Lage ist, sich auf die Gefühle einzulassen. Einer meiner Schüler meinte dazu, das wäre doch so "unrealistisch", SO sind Menschen/Männer doch nicht... und mein erster Gedanke war, hast du eine Ahnung... vor Jahren hätte ich das wahrscheinlich auch nicht glauben wollen...

    Irgendwie habe ich das Gefühl, in meinem Umfeld der Mitte 30 bis Mitte 40-Jährigen wimmelt es nur so von solchen Männern, die Schwierigkeiten haben, sich auf Gefühle einzulassen... die einen gehen Beziehungen dann konsequent aus dem Weg, weil sie erkennen, dass das auf diese Art und Weise nicht funktioniert. Das sind aber die wenigsten. Viele erscheinen auf den ersten Blick sehr gefühlvoll, weichen aber bei mehr Nähe aus.

    Ich lebe sogar mit einem besonders "tückischen Exemplar" zusammen... vordergründig ein sehr warmherziger, liebevoller Mann, der sogar über Gefühle reden kann... der aber gleichzeitig wahnsinnig Angst hat vor "Kontrollverlust", vor intensiver Emotionalität und Gefühle am liebsten "reguliert" hätte, auch um den Preis, dass sie dann nur "lauwarm" sind. Ich merke mit der Zeit immer mehr, dass ihm das Reden mehr dazu dient, Gefühle zu rationalisieren, sie kontrollierbar zu machen. Letztendlich führt das aber dazu, dass das unmittelbare Erleben verloren geht! Ich habe das Gefühl, in einem Korsett zu stecken und immer mehr zu erstarren. Das wird in solchen Augenblicken umso deutlicher, in denen ich den Unterschied spüre, in denen er mal tatsächlich "unmittelbar" ist. Ich weiß nicht, ob ihr überhaupt nachvollziehen könnt, was ich meine? Wir sind da schon recht weit "fortgeschritten" in der Thematik, können uns immer wieder reflektiert darüber unterhalten. Ich habe auch einen guten Freund, der unter dem gleichen Problem leidet, eine psychologische Ausbildung hat, alles ganz klar und deutlich erkennt - und trotzdem seit Jahren nichts daran ändern kann!

    Ich sehe, was alles eine Rolle spielt... die Erfahrungen und Vorbilder, die sie in den Ursprungsfamilien hatten... was dahintersteckt, nämlich die Angst/Unfähigkeit zu vertrauen und daraus resulierend der Versuch, sich "abzusichern", alles im Griff zu behalten, nichts zu riskieren etc. Aber eine Beziehung funktioniert doch nicht ohne Vertrauen! Eine Beziehung beinhaltet nun mal immer ein Risiko! Und man kann nicht selektiv nur die positiven Gefühle ausleben und gleichzeitig alles andere, alles was nur im entferntesten Sinne bedrohlich und beängstigend seine könnte, aussperren, im Griff behalten!

    Manchmal frage ich mich, kenne nur ich solche Männer?? Oder ist das ein weiter verbreitetes Phänomen? Bin ich das Probem, weil ich das so deutlich wahrnehme und mich daran störe und es eigentlich zum "Zeitgeist" gehört? Weil dieses Verhalten eigentlich die "vernünftigere", bessere, erfolgversprechendere Herangehensweise ist??

    Ich finde das ganze jedenfalls wahnsinnig anstrengend und frustrierend. Konflikte können kaum angesprochen, geschweige denn wirklich gelöst werden, weil Konflikte gleich "bedrohlich" wirken und daher lieber von vornherein unter den Teppich gekehrt werden (aber dort gären sie schön vor sich hin und treiben dann manchmal ziemlich unschöne Blüten). Es können aber auch kaum Pläne gemacht werden, weil, man könnte sich darauf freuen, und es könnte was passieren, sie könnten nicht verwirklicht werden und die Enttäuschung wäre dann noch größer etc (das weiß ich inzwischen dank vieler, geduldiger Gespräche... früher war ich nur immer wieder vor den Kopf gestoßen, habe mich gewundert, warum einer so komisch, im Sinne von widersprüchlich handelte... auf der einen Seite klammerte, auf der anderen Seite nie verbindlich war).

    Mir ist bewusst, dass ich im Augenblick ziemlich frustriert bin und vor allem diesen negativen Aspekt vor Augen habe. Ich würde es mir aber sehr wünschen, daran etwas verändern zu können. Ich gehe ja nicht in eine Beziehung mit der Absicht, jemanden über den Tisch zu ziehen oder zu verletzen (mein Freund hat von seiner Mutter den Spruch „man muss aufpassen, dass man nicht über den Tisch gezogen wird“ sehr oft gehört. So tritt sie ihrem Mann auch nach über 40 Jahren Ehe gegenüber, so geht sie an alle Beziehungen heran). Ich habe eine „gescheiterte“ Beziehung hinter mir und wir haben einen Weg gefunden, auch mit dem Ende der Gefühle, mit unterschiedlichen Wünschen und Zielen umzugehen, wir sind heute kein Liebespaar mehr, aber gute Freunde, die sich auch weiterhin vertrauen, die weiterhin aufeinander bauen können. Ich dachte immer, so etwas wäre für einen neuen Partner ein Zeichen dafür, dass der Partner in der Lage und gewillt ist, auch im Falle dass die Hochgefühle aufhören, den anderen respektvoll und fair zu behandeln.

    Wie gesagt, wenn wir darüber reden, ist meinem Freund bewusst, in welchen Mustern er steckt und er äußert immer wieder den Wunsch, das zu ändern, da herauszukommen. Aber immer wieder stellen wir fest, dass das verdammt schwer ist. Und natürlich beeinflusst das Verhalten des einen auch den anderen. Daher habe ich vielleicht doch eine konkrete Frage… was kann ich dafür tun, um „vertrauenswürdiger“ zu werden, denn offenbar bin ich es noch nicht?

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    AW: Männer und Angst vor Emotionen

    Das Problem liegt nicht so sehr an "Männern", denn die sind so unterschiedliche in ihrem gemüt wie auch Frauen.

    Ich sehe, was alles eine Rolle spielt... die Erfahrungen und Vorbilder, die sie in den Ursprungsfamilien hatten... was dahintersteckt, nämlich die Angst/Unfähigkeit zu vertrauen und daraus resultierend der Versuch, sich "abzusichern", alles im Griff zu behalten, nichts zu riskieren etc. Aber eine Beziehung funktioniert doch nicht ohne Vertrauen! Eine Beziehung beinhaltet nun mal immer ein Risiko! Und man kann nicht selektiv nur die positiven Gefühle ausleben und gleichzeitig alles andere, alles was nur im entferntesten Sinne bedrohlich und beängstigend seine könnte, aussperren, im Griff behalten!
    Es beschreibt in erster Linie, wie Du mit Beziehung umgehst. Du möchtest Sicherheit von Männern, die gibt es nicht, wenn man selbst unsicher ist.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  3. Inaktiver User

    AW: Männer und Angst vor Emotionen

    männer haben genausoviel angst oder genausowenig wie frauen auch.

    es gibt tonnenweise literatur darüber was heutzutage von männern alles erwartet wird. und die männer die heute erwachsen sind- wurden auch von frauen erzogen. in den kindergärten- überwiegend frauen, in den grundschulen- überwiegend frauen. wenn die jungs in die pubertät kommen------- sind die väter am arbeiten und rackern sich für ihre familien ab. tun in ihren augen das richtige- die versorgung.

    was mir immer wieder auffällt, auch hier in der bri-com: die unsicherheit mancher männer wie sie sich verhalten sollen. eben weil frauen ihnen sehr unterschiedlich begegnen.

  4. Inaktiver User

    AW: Männer und Angst vor Emotionen

    Zitat Zitat von Opelius Beitrag anzeigen
    Es beschreibt in erster Linie, wie Du mit Beziehung umgehst. Du möchtest Sicherheit von Männern, die gibt es nicht, wenn man selbst unsicher ist.
    Hallo Opelius,

    ich habe ja auch das Gefühl, dass es "irgendwie" mit mir zu tun hat... ich meine, es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass gerade solche Männer an mir Interesse zeigen und umgekehrt. Die Frage, die mich wirklich interessiert, würden DIESE Männer auch anders reagieren, wenn ich mich anders geben würde? Und was genau ist MEIN Beitrag zu dieser Unsicherheit?

  5. Inaktiver User

    AW: Männer und Angst vor Emotionen

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    was mir immer wieder auffällt, auch hier in der bri-com: die unsicherheit mancher männer wie sie sich verhalten sollen. eben weil frauen ihnen sehr unterschiedlich begegnen.
    Dass anfangs Unsicherheit herrscht, ist meiner Meinung nach normal... man muss sich ja erst kennenlernen, erst erfahren, wie der andere ist. Aber offenbar reicht das in manchen Fällen nicht aus. Und ich merke umgekehrt, wie mich dieses Verhalten beeinflusst, ich "sicherheitshalber" ausweiche, mich auch distanziere. Aber irgendwie muss man doch diesen blöden Kreislauf unterbrechen können! Nur, wie?
    Geändert von Inaktiver User (31.01.2014 um 11:47 Uhr) Grund: Rechtschreibfehler

  6. Inaktiver User

    AW: Männer und Angst vor Emotionen

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Dass anfangs Unsicherheit herrscht, ist meiner Meinung nach normal... man muss sich ja erst kennenlernen, erst erfahren, wie der andere ist. Aber offenbar reicht das in manchen Fällen nicht aus. Und ich merke umgekehrt, wie mich dieses Verhalten beeinflusst, ich "sicherheitshalber" ausweiche, mich auch distanziere. Aber irgendwie muss man doch diesen blöden Kreislauf unterbrechen können! Nur, wie?
    wenn ich meinem gegenüber klar und deutlich rüberkomme- weiss er/sie doch woran er/sie ist.

    eiere ich rum- verwirre ich ihn/sie nur.

    und da ist egal ob mein gegenübe männlich oder weiblich ist.

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    AW: Männer und Angst vor Emotionen

    Die Frage, die mich wirklich interessiert, würden DIESE Männer auch anders reagieren, wenn ich mich anders geben würde? Und was genau ist MEIN Beitrag zu dieser Unsicherheit?
    Mit dem sich-Andersgeben ist es nicht getan, Du musst selbstsicherer sein. Denn nur ein Spiel verändert nicht das eigene Verhalten.
    Ich würde, das würde sicherlich auch ein Therapeut tun, mich selbst fragen, welche Männer haben mich in Kindesalter wirklich geprägt. Das muss nicht der Vater sein. Suche ich das alte Vorbild immer wieder in meinen neuen Bekanntschaften?

    Und es ist eine Fehleinschätzung vieler Frauen, dass ihre Männer so sein sollten, wie ihr Vorbild: das hieße nämlich nur, ich will versorgt und geliebt werden wie ein Kind, sei es böse oder gut.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  8. Inaktiver User

    AW: Männer und Angst vor Emotionen

    Du meinst, auch wenn ich ohne männliche Vorbilder aufgewachsen bin spielt das eine Rolle? Denn mein Vater war die ersten fünf Jahre gar nicht da und auch später, als ich mit ihm*zusammen lebte, war er oft abwesend. Erst so mit zwölf oder dreizehn nahm er mich wahr, was sich für mich negativ auswirkte, denn da fing er noch mehr an, meine Freiheit einzuschränken. Ich war daher auch immer auf der Hut vor Männern, die "Ansprüche" auf mich erheben wollten oder mir "was vorschreiben" wollten...

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    AW: Männer und Angst vor Emotionen

    Das mag eine Erklärung sein, aber viel zu offensichtlich. Die entscheidenden Prägungen werden bis zum 5. Lebensjahr gesetzt, nicht die sich immer wiederholenden Auseinandersetzungen in der Pubertät, da ist man ja längst auf dem Weg in die Selbständigkeit.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  10. gesperrt

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    AW: Männer und Angst vor Emotionen

    Männer haben ähnliche Vorstellungen von Familie und Glück wie Frauen: gemeinsame Kinder, ein Haus, gemeinsame Unternehmungen, miteinander alt werden. Sie tragen ihren Teil dazu bei, indem sie viel arbeiten und die finanzielle Grundlage schaffen.
    Mit den Gefühlen ist es schwieriger. Denn ihre Väter haben lieber gezeigt, was sie bewegt, anstatt darüber zu reden. Dass diese "Schweiger"-Haltung nur bedingt funktioniert, haben die meisten bereits bemerkt. Sie öffnen sich, auch wenn es das Ende der (ersten bzw. langen) Beziehung bedeutet. Aber alle Einzelheiten ihrer Gefühlswelt jederzeit und immer verbal darzustellen und zu reflektieren, haben sie (noch) nicht gelernt und können das auch nicht auf Kommando. Frauen tun sich leichter, ihre Gefühle zu artikulieren, allerdings schwer, ihre Wünsche laut zu äußern.

    Bei einer gescheiterten Beziehung hat der Mann sichtbar vor Augen, dass er "versagt" hat. Er konnte die Frau an seiner Seite nicht glücklich machen und behalten. Ja, das ist bewusst überspitzt formuliert. Was kann er also tun? Mit Aktivität kennt er sich eher aus. Also ist sein Anteil an Reflexion oft noch gering. Erst in einer weiteren Partnerschaft wird er seine Gefühle aus der Vergangenheit überprüfen und so verarbeiten. Wichtiger als die Vergangenheitsbewältigung ist ihm eine erfüllte Partnerschaft, für die er wirklich alles tun will. Da er aber selten gelernt hat, sich einer Partnerin zu öffnen und wirklich alles, auch den letzten Herzenswinkel zu bereden, wird er sich mit dem Reden richtig schwer tun. Holzhacken wäre eindeutiger und einfacher und zeigt, dass er weiß, dass sie friert.
    Außerdem sind Konflikte ohne Lösung für ihn ein Graus. Ein Problem muss gelöst werden. D.h. nach einigen Reden und Überlegungen muss er mit seinen Händen aktiv werden können. Und wenn es der Hörer ist, den er in der Halt hält, damit er den Deppen in der Firma, der seine Frau so blöd angemacht hat, lauthals ausschimpfen und zur Sau machen kann. Der Mann fühlt sich danach als Held: Er hat das Problem gelöst.
    Eine Frau, die vor allem Reden von ihm verlangt, wird irgendwann auf verlorenem Posten stehen - trotz Liebe, trotz Einfühlungsvermögen, trotz einer fundierten tiefenpsychologischen Ausbildung. Sie verlangt Unmögliches von ihm - jedenfalls in dieser Minute.

    Denn manchmal braucht der Mann nur das Gefühl, dass seine Partnerin ihn als ganzen Mann ansieht und fünf gerade sein lassen kann.

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