Hallo,
ich weiß gar nicht recht, ob ich überhaupt einen Rat suche. Ich möchte wohl "nur" meinen Kummer niederschreiben können.
Wir sind seit über 10 Jahren ein Paar, sind beide vollzeit berufstätig, bewohnen ein schönes Haus. Alles okay...soweit...
Mein Dilemma fing im Grunde zu Beginn des Jahres an: meinem Partner wurde ein neuer Job in der gleichen Firma (also keine Probezeit,...) angeboten. Es war von Anfang an klar, dass diese Position mit ein paar Dienstreisen im Jahr verbunden sein würde. Wir haben das beratschlagt und ich fand das völlig akzeptabel - freute mich auch ein bißchen auf Abende, in denen ich mal ohne meinen Partner sein würde.
Soweit dazu.
Nun ist das erste Jahr fast rum und mir gehts schrecklich: die "paar" Dienstreisen belaufen sich mittlerweile auf 1-2 Wochen im Monat. Häufig verschieben sich dann nochmal Termine, so dass wir nun schon einige Male den Fall hatten, dass ich bspw. alleine "mein" Geburtstagsgeschenk (Freunde hatten mich + Partner zu einem ganz besonderen Event eingeladen) antreten musste und nun auch meine Überraschung für seinen Geburtstag ins Wasser fällt: wieder einmal wurde ein Reisetermin verschoben...
Gut, denke ich mir manchmal - das kann man ja vielleicht alles auch noch ausbalancieren; sicher kommen auch wieder andere Zeiten mit weniger Reisen.
Allerdings entwickelt sich jetzt für mich erschwerend noch hinzu, dass mein Partner in den Auslandsdependancen schnell Anschluss bei den dortigen Mitarbeitern bekommen hat und man sich augenscheinlich gut versteht: neben den dienstlichen Reisen unter der Woche kommen nun auch verstärkt Reisen übers Wochenende hinzu: mal ein Festival in xyz, mal eine Vernissage in ABC... dazu noch die (für sich allein genommen richtige!) Entscheidung meines Partners, seinen Vater in Zukunft häufiger am anderen Ende der Republik zu besuchen und mit ihm mal den Urlaub zu verbringen (ich habe keinen Kontakt zu dem Mann).
Und es addiert und addiert und addiert sich.
Die Bewältigung des Alltags, das "Wir" bleibt völlig auf der Strecke. Ja, Alltag...puuuuh, wie schnöde.
All die kleineren und größeren Dinge, die eben im Alltag auch mal für uns all Paar anfallen, müssen dann natürlich auf die wenige uns verbleibende Zeit konzentriert werden - auch mal die nicht so schönen Dinge wie z.B. Keller ausmisten, den Garten in Schuss halten,...
Aber stattdessen höre ich nun immer häufiger "wann soll ich denn das noch machen!? Jetzt bin ich mal gerade 3 Tage im Lande und dann auch noch das?!".
Die Alternative: ich wuppe mittlerweile "unser" Leben alleine: ich entrümpel den Keller, ich habe die Renovierungsarbeiten des Hauses alleine geleitet und die Handwerker dirigieren müssen, ich mache Sperrmülltermine aus und stelle den Sperrmüll zusammen...
Ich habe ihn am vergangenen Wochenende dann mal zur Seite genommen und gefragt, was er eigentlich glaubt, was das hier gerade noch ist: eine Wäschewechselstation mit gefülltem Kühlschrank? Ich fühle mich abgehängt, zurück gesetzt, erstmal kommen alle anderen und all die tollen neuen Dinge - und dann gaaaaanz weit da hinten in der Prio-Liste kommt dieses Bäh-Wort "Alltag"... igittigittigittt.
Ja, aber ich kann ihm nunmal nicht jeden Tag eine große Show bieten...
Er meint, er verstünde, was ich meine und er fänds auch irgendwie doof - das müsse sich ändern, er habe schließlich eine Beziehung und würde das auch so empfinden. Naja... und nun kam dann heute wieder der Tiefschlag, dass ich die Überraschung zu seinem Geburtstag allein antreten darf, weil sich mal wieder eine Dienstreise ergeben hat.
Eine andere Frau sei nicht im Spiel - das hatte ich ihn ganz ruhig auf den Kopf zugefragt.
Manchmal beschleicht mich in den letzten Wochen der Gedanke, dass ich es besser allein hätte. Da müsste ich keine Probleme und Befindlichkeiten wälzen, die ich erst durch diese Beziehung habe. Hm.... ich weiß gar nicht, wohin mit meinen Gedanken.
Ich bin einfach nur traurig. Andererseits kann ich ihn ja auch nicht zum Jagen tragen: ich kann doch nicht um die Wiederherstellung eines für alle Beteiligten angenehmen Beziehungsstatus' betteln. Wenn das (der Antrieb, das Erkennen einer Notwendigkeit) nicht aus ihm heraus kommt, dann besteht doch da augenscheinlich gar kein Impuls mehr, oder?
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 166
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24.09.2013, 13:21
einander fremd werden... oder so
Geändert von Wiesenblume (24.09.2013 um 13:25 Uhr)
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24.09.2013, 13:45
AW: einander fremd werden... oder so
Hallo Wiesenblume,
wow, das liest sich alles sehr geballt.
Wie alt seid ihr beide?
Ich glaube, ihr befindet Euch gerade auf verschiedenen Daseins- und Entwicklungsstufen und bedingt durch die Tatsache, dass er kaum mehr "greifbar" ist, driftet ihr auch immer weiter auseinander. Er genießt dieses unbeschwerte Leben - morgen hier, übermorgen da.
Und ob nicht auch noch eine andere Frau mitmischt... Ich wäre mir da nicht so sicher. Es liest sich stellenweise so, als ob er doch recht gerne von Dir weg ist.
Was passiert, wenn er im Ausland ist? Gibt es feste Rituale? Anrufe? Skype? Schenkt er Dir auch im Ausland seine Aufmerksamkeit, oder wirst Du da nur kontaktiert, weil es sein muss? Wirkt er dort glücklicher und unbeschwerter, als wenn er bei Dir zu Hause ist?
Was macht er derzeit noch für Dich? Überrascht er Dich noch - positiv gesehen, denn negativ wohl inzwischen sehr häufig...
Habt ihr noch eine gute Paarzeit miteinander - Kuscheln, Zärtlichkeiten, Sex, lange Gespräche? Oder hast Du eher das Gefühl, wenn er bei Dir ist, ist er eher auf der "Durchreise"?
Bist Du bei den Wochenend-Trips ins Ausland mit dabei? Oder fliegt er da immer allein? Und warum kennst Du seinen Vater nicht?
Beantworte Dir all' diese Fragen selbst. Und dann siehst Du, ob er wirklich noch ein großes Interesse anhand seiner Handlungen/Taten an der Beziehung zu Dir hin zeigt.
Gruss Cube
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24.09.2013, 14:08
AW: einander fremd werden... oder so
Liebe Cube,
das waren eine Menge Fragen: ich habe sie deswegen mal durchnummeriert - dann gehts besser mit dem Antworten :o)
1.) Mitte und Ende 40
2.) Er ruft mich morgens an und meist auch nochmal abends - manchmal nochmal um die Mittagszeit. Allerdings hat sich eine unangenehme Eigenschaft eingeschlichen: meine Telefon klingelt - ich gehe ran "hallo Schatz!" - "Ja, ich bins - Du, ich habe aber gar nicht viel Zeit und muss gleich wieder los". Das hasse ich wie die Pest. Ich habe ihn mehrfach darauf aufmerksam gemacht, wie ätzend es ist, dass ich mir wie ein Sekundenfüller vorkomme. Er hatte da nicht so wahrgenommen und meinte daraufhin, dass ich da die völlig falsche Wahrnehmung hätte. Prompt beim nächsten Anruf das selbe Spiel "Ja, ich bins, Du, nur ganz kurz, ich habe keine Zeit." - Da war ich dann so sauer, dass ich ihn anblaffte "dann ruft halt an, wenns passt!" und habe ihm den Hörer aufgelegt. Jetzt geilt er sich natürlich an dieser grob unhöflichen Geste meinerseits hoch - erkennt aber noch immer nicht den Punkt, warum mir da die Nerven durchgegangen sind.
3.) wenig - fällt mir gerade nichts ein.
4.) nein - fast gar nicht mehr. Ist er mal zuhause, dann verkrümelt er sich in sein Arbeitszimmer, muss noch ganz dringend mit der Firma telefonieren, mit einer alten Kumpeline, die so schrecklichen Liebeskummer hat, noch Skypen mit einem Kumpel, oh Training nicht vergessen und Koffer packen für den nächsten Tripp. Ich sage ja: ich komme mir mit unseren Zuhause vor wie eine Wäschewechselstation incl. gut gefülltem Kühlschrank...
5.) nein - wir sind beide vollzeit berufstätig in anspruchsvollen Jobs. Ich bin vom Typus eher so, dass ich nach einer Arbeitswoche meine Zeit gerne zuhause genieße, mich mit Freunden treffen möchte auf ein Glas Wein bzw. auch dafür am Wochenende Sorge tragen möchte, dass das Haus auch weiterhin Genuß bereitet (wie beschrieben: auch mal klar-Schiff-machen, entrümpeln, den Garten in Ordnung halten...) - die Vorstellung mich drei Tage in einer Zeltstadt auf einem Festival auszutoben, dafür in den Fliegen steigen muss mit allem Drum und Dran---brrrrrrrr..nein, ich will das nicht. Das ist für mich Stress - und den habe ich unter der Woche wirklich ausreichend. Ich mags einfach gerne eine Nummer kleiner, unspektakulärer, mehr vor der Haustür, intimer, mit Freunden...
6.) ich kenne seinen Vater, leider. Nachdem wir (der Vater und ich) uns allerdings nachhaltig und sehr unschön incl. RA's... vor Jahren verkracht hatten, habe ich jeden Kontakt abgebrochen und das tut mir gut.
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24.09.2013, 14:13
AW: einander fremd werden... oder so
Nr 4 finde ich sehr bedenklich. Ihr habt sehr wenig Zeit miteinander und die will er dann nicht mit dir verbringen.... das ist sehr traurig.
Wie war denn euere Beziehung vorher, also vor den vielen Reisen?
Sei mal ganz ehrlich: war da noch ne Beziehung vorhanden? Oder war es schon da mehr eine Zweckgemeinschaft???
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24.09.2013, 14:14Inaktiver User
AW: einander fremd werden... oder so
kann es sein, dass er sich, seit nicht mal einem jahr in dieser stelle, da gut aufstellen möchte?
dass er "ranklotzt" eben um sicher zu sein, dass er bleiben wird. sich gut fühlt eben dass er gut ankommt- es ihm auch ein stück bestätigung in seinem beruf gibt?
man hat ihm den posten angeboten- und er will auch zeigen: ich bin der richtig dafür.
männer ziehen oft mehr bestätigung ihrerselbst aus ihrer beruflichen tätigkeit als frauen.
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24.09.2013, 14:22
AW: einander fremd werden... oder so
mhmm...kannst du ihn denn nicht mal begleiten und ihr hängt einfach ein langes Wochenende an eine seiner Reisen dran: GEMEINSAM.
Festivals und Vernissagen hören sich doch interessant an. Kündige Interesse an seinem Leben an.
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24.09.2013, 14:24Inaktiver User
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24.09.2013, 14:26Inaktiver User
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24.09.2013, 14:28Inaktiver User
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24.09.2013, 14:33
AW: einander fremd werden... oder so
Na ja, ob das nun die Lösung ist. Auf mich wirkt es so dass da nicht mehr so viel kommt von ihm. Dass er viel unterwegs ist, seine Arbeit erstmal alles hinten anstellt, das kann ja noch angehen. ABer dass er dann alle anderen Aktivitäten noch vorne anstellt, z.B. andere Freunde, Konzerte und weiss der Himmel was... also das würde mich auch nerven. Und dann noch kein Einsatz zuhause und Sie muss alles wuppen???
NEIN!
Eine Beziehung ist keine Beziehung mehr wenn nicht beide gemeinsame Zeit verbringen wollen....
Ok, ein Versuch wäre es wert: mach einen Vorschlag mal ein Wochenende mit zu fliegen. Will er das dann auch nicht, dann würden bei mir echt alle Alramglocken klingeln.


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