Ich weiss gar nicht wo ich anfangen soll. Mein Problem, ich kann mit meinem Partner nicht streiten.
Meine Eckdaten: 43, 1 Sohn (9), mit meinem Partner seit 7 Jahren zusammen, er ist 54. Wir wohnen zusammen.
Im grossen und ganzen geht es bei uns recht harmonisch zu, allerdings habe ich oft das Gefühl das ich zu viel schlucke. Habe mir daraufhin vorgenommen mehr zu reagieren wenn mir was nicht passt. Es geht da um Kleinigkeiten wie Haushalt usw. Meist nimmt mein Partner das an, manchmal reagiert er aber sauer und ich kann damit absolut nicht umgehen. Unser „Streitmuster“ ist auf jeden Fall merkwürdig. Und ich selber bin ein echter „Streitvermeider“.
Nun am Samstagabend ist folgendes passiert: wir hatten einen schönen kinderfreien Abend, waren in der Stadt, was getrunken, sind dann im Pub gelandet. Dort sassen wir zu zweit. Plötzlich entdeckte mein Partner einen alten Freund am Nachbartisch. Er ging zu ihm, quatschte mit ihm. Soweit so gut. Ich bin aufs Klo und dann eine Runde raus (zum rauchen). Als ich wieder rein kam quatsche er immer noch, sass am Nachbartisch. Ich sass da alleine. Das hat mich total genervt, ich fand das grob unhöflich. Nach etwa 5 Min kam er wieder zurück und ich war angesäuert. Hab ihm dann auch gesagt warum. Wieder zuhause hat dann die riesen Diskussion angefangen.
Er unterstellt mir bei solchen Streitereien dann immer sofort das ich ihm nicht vertraue. Er meinte auch dass ich erwarte er müsse sofort springen wenn ich das fordere. Er fragte: glaubst du wirklich dass ich noch ewig am Nachbartisch sitzen bleiben wollte und dich allein lasse? Er meinte ich hätte ihm nicht mal eine Chance gegeben das Gespräch mit den Freund ordentlich zu beenden. Er könne ja nicht einfach gehen.
Tja, nach langen Überlegungen musste ich ihm wohl ein bischen recht geben. Ich bin sehr ungeduldig, fühle mich sehr schnell übersehen usw. Und hab da wohl etwas überreagiert. Oder was meint ihr???
Trotzdem nervt mich unser generelles Streitmuster. Wir haben an dem Samstag abend noch fast 2 Stunden diskutiert…… und ich fühl mich bei diesen Gesprächen total von ihm in die Ecke gedrängt.
Was mich auch schockiert, mein Partner trifft des Pudels Kern, nämlich meine ewige Verlustangst und das ich immer gleich denke, alle lassen mich sitzen. Das liegt in meinem innersten verborgen und hat nichts mit meinem Partner zu tun. Er ist sehr zuverlässig und ich kann mich total auf ihn verlassen.
Wir haben das Gespräch vertagt und beschlossen nochmal ordentlich zu reden. Mein Partner meint zu spüren das irgendwas mit unserem Grundvertrauen nicht stimmt…..
Ich weiss nun eigentlich gar nicht was ich in dem Gespräch mit ihm sagen soll. Fühl mich überfordert mit einem Partner der mich dermassen durchschaut. Andererseits ist das natürlich auch eine riesen Chance.
Was ich hier eigentlich will? Weiss ich gerade auch nicht mehr. Ich fühl mich komisch und wollte mir mal die Sache von der Seele schreiben. Antworten sind natürlich sehr willkommen!
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 245
-
04.06.2013, 16:04
es hat gekracht - hab ich überreagiert?
-
04.06.2013, 16:13Inaktiver User
AW: es hat gekracht - hab ich überreagiert?
Generell hätte dein Freund zu dir rüberkommen und kurz erklären können oder dich mit an den Tisch holen. Ich mag sowas auch nicht. Bei 10 min. wäre ich aber nicht sauer gewesen.
Dass dein Freund es merkt, wo es bei dir hakt und dann auch noch bereit ist darüber zu sprechen, finde ich toll. Viele Männer scheuen das Thema doch und sind froh, wenn sie gar nicht über Beziehungsdinge sprechen müssen. Ich würde das total positiv werten und ihm das auch sagen.
Bezüglich deiner Verlustängste könntest du natürlich für dich mit Hilfe eines Therapeuten ergründen, woher das kommt. Aber solange ihr im Gespräch seid, ist das vielleicht gar nicht nötig.
-
04.06.2013, 16:14Inaktiver User
AW: es hat gekracht - hab ich überreagiert?
Hinterher ist man immer schlauer, und von außen sowieso - trotzdem frag ich mich: wieso bist du nach dem Rauchen wieder allein an den Tisch, anstatt zu den beiden zu gehen? Hat schon ein bisschen was trotziges, finde ich.
Ich hätte von einem Partner erwartet dass er entweder dann zu mir kommt - oder wenn er sich allein an den Tisch setzt das auch so will und damit klarkommt.
-
04.06.2013, 16:22
AW: es hat gekracht - hab ich überreagiert?
Beim Lesen habe ich mich auch gefragt, was Dich gehindert hat, Dich zu den Herren zu gesellen ?
Ich mag es auch nicht, sitzen gelassen zu werden und Löcher in die Luft zu schauen. Versehe ich schon.
Ihn aber auch, dass er den Freund begrüßen wollte und dass ein Schwatz dem, der sich unterhält, kürzer vorkommt, als dem Wartendenen liegt auf der Hand. Ich finde es daher schwierig ein "richtig" zu finden.
Magst Du was zu der Frage oben sagen ?
-
04.06.2013, 18:06
AW: es hat gekracht - hab ich überreagiert?
Ja, Du hast überreagiert.
Mache ich auch ab und zu, aus den gleichen Gründen wie Du.
Du sagst Du fühlst Dich jetzt komisch.
Ich habe gelernt, "danach" nicht so streng zu mir zu sein.
Also ich verzeihe mir irgendwie selbst, und das macht es finde ich auch
für den Parnter leichter, zu verzeihen und einen mit so einer "Macke" anzunehmen.
Leider drücke ich mich schon lange vor einer Therapie,
weil meine Anfälle drastisch weniger geworden sind,
und somit eine Partnerschaft lebbar ist.
In der Partnerschaft sage ich klar, was mit mir nicht stimmt.
Ich weiß, daß der Partner auch Schwächen hat, die ich durchschaue.
Das ist dann wie ein patt.
Aber vielleicht mags Du ja mal über Therapie nachdenken
?
-
04.06.2013, 18:14
AW: es hat gekracht - hab ich überreagiert?
Also ich finde das Verhalten des Partners unpassend und ich hätte mich auch aufgeregt.
Ich hätte mich auch nicht zu den Beiden an den Tisch gestellt, eher habe ich mir beim Lesen die Frage gestellt, warum der Bekannte nicht zu Azurblau und Freund an den Tisch gekommen ist, sondern der Freund sie alleine hat sitzen lassen?
@Azurblaub, kannst Du dazu bitte noch was schreiben, ich denke da fehlen uns Informationen.
Ich finde übrigens nicht, dass Du über reagiert hast oder Deine Reaktion etwas mit Verlustangst zu tun hat.
Wenn man in einer Gruppe unterwegs ist und einer schwatzt mal hier und dann mal da, ist das okay, aber wenn man einen Zweierabend macht, weil die Kinder mal untergebracht sind und der Mann lässt mich dann alleine sitzen, selbst nur 10 Minuten, finde ich das nicht in Ordnung.„Das Sinnen und Gedankenmachen hat keinen Wert, und man tut ja auch nicht, wie man denkt, sondern tut jeden Schritt eigentlich ganz unüberlegt so, wie das Herz gerade will.“
(Siddhartha)
„Man hat nur Angst, wenn man mit sich selber nicht einig ist.“
(Meine Erinnerung an Knulp)
„Schritte, die man getan hat, und Tode, die man gestorben ist, soll man nicht bereuen.“
(Heimat)
Hermann Hesse
-
04.06.2013, 21:45
AW: es hat gekracht - hab ich überreagiert?
Hi, Azurblau!
Überreagiert? Hm... vielleicht ein bisschen.
Der erste und einzige Streit, den ich bisher mit meinem Freund hatte (ja, wir sind auch solche übervernünftigen Nichtstreiter!) war interessanterweise in einer sehr ähnlichen Situation.
Wir wollten Zeit gemeinsam verbringen (eh nur eine halbe Stunde), da kam eine alte Freundin von ihm und verwickelte ihn in ein Gespräch, ich blieb doof daneben stehen und war dann - obwohl er sich dafür entschuldigt hat - den ganzen Abend ziemlich angepisst.
Mir war völlig klar, dass es sich um einen ungeplanten Zwischenfall handelte und obendrein um eine Kleinigkeit. War ja nicht unsere Hochzeitsreise sondern bloß die gemeinsame Mittagspause in der Arbeit, die da flöten ging. Trotzdem war eine dermaßene Enttäuschung und Wut auf meiner Seite da, dass ich nicht anders konnte, als so zickig zu sein, dass mein Freund - friedlichster Mann auf Welt! - sich zu einem lauteren Wortgefecht provoziert fühlte.
Im Nachhinein - ja, war doof von mir, hätte mich auch zusammenreißen können, ABER: In dem folgenden Streitgespräch kamen viele wichtige Punkte zur Sprache, die wir wohl sonst weiter totgeschwiegen hätten. Meine manchmal übersteigerte Erwartungshaltung, die wenige Zeit, die wir für einander haben, seine Angst, mir deshalb nicht zu genügen... Das musste einfach mal raus!
Also mach dir nix draus, du bist ein Mensch und dein Freund auch - Ihr dürft beide mal emotional, irrational oder sonst wie blöd sein, manchmal hilft das sogar, sich nicht weiter davor zu drücken, ein schwieriges Thema anzusprechen. Denn offenbar hatte deine Reaktion ja eine tieferliegende Ursache und wenn die nun angesprochen wurde, hat der Streit schon seinen Zweck erfüllt!

glg RadisiDu bist ein lebender Mensch, eine Frau, und kannst irren und zweifeln und gut sein. (Erich Fried)
-
04.06.2013, 21:52
AW: es hat gekracht - hab ich überreagiert?
Höflich und umgänglich empfinde ich es, wenn man den anderen vorstellt und mit an den Tisch holt und dann zusammen ein paar Worte wechselt.
Sitzen lassen ohne beide gegenseitig vorzustellen zumal man zu zweit unterwegs ist?
Geht gar nicht. So etwas finde ich schon bei Bekannten unhöflich, beim Freund: nogo.
Lass dich nicht kleinkriegen.
PS: und das mit der Verlustangst, ne ne ne. Er hat sich ein bisschen blöd verhalten und hat nicht den Schneid einfach Entschuldigung zu sagen.Geändert von _Farmelli (04.06.2013 um 22:20 Uhr)
-
04.06.2013, 22:21
-
05.06.2013, 08:42
AW: es hat gekracht - hab ich überreagiert?
Wenn ich das alles lese bin ich hin und her gerissen zw: ja ich hab überreagiert und, ich finde es unhöflich von ihm. Ist wohl so ne Mischung aus beiden. Nur, meine Reaktion war trotzdem unangemessen. Ich habe ihm sofort gesagt was mir nicht passt, als er zurück kam. Damit wär die Sache eigentlich durch gewesen. Konnte es aber einfach nicht ad acta legen und damit hat sich dann dieser Streit entwickelt.
Warum ich nicht einfach zu den beiden hin bin? Tja, ich wollte da nicht reinplatzen, fühlte mich total unsicher mit der Situation. Hab ich meinem Freund dann auch gesagt. Ich hasse es wenn ich mich unsicher fühle.
Und er wollte den bekannten nicht an unseren Tisch holen, da wir weiterhin zu zweit sein wollten und wenn man sich mal jemand an den Tisch geholt hat, dann kann man ihn ja schlecht wieder weg schicken.
Ich kann mich inzwischen ganz gut selbst beobachten und dann auch "zerlegen". Wenn man diesen wunden Punkt in mir trifft (also wenn mich jemand "verlässt") dann löst das eine total starke, trotzige Reaktion aus. Es ist echt ganz heftig. Fast wie bei einem Kind. Daher glaube ich schon dass es etwas mit meiner Verlustangst zu tun hat. Ich hab schon öftern gedacht ich sollte das mal angehen, versuche immmer noch mich selbst in den Griff zu bekommen. Inzw sehe ich diese Dinge zumindest.
Trotzdem finde ich so ein Verhalten unhöflich. Ich mag nicht sitzen gelassen werden und werde es ihm auch weiterhin mitteilen, aber eben versuchen mein inneres Kind etwas zu zähmen.
Was meint ihr?


Zitieren

