Hallo liebe Comm,
eben habe ich ein riesen Pamphlet über meine Geschichte verfasst ... und bin dann zu dem Schluss gekommen, dass ich das in der Form und Länge wirklich niemandem zumuten kann.
Deshalb nun ganz kurz meine Frage: Kann eine Beziehung ohne Reden über "du, ich und wir" funktionieren? Oder anders: Gibt es eine Chance, wenn einer großen Rededrang und der andere da eine richtige (sogar selbst so diagnostizierte) Redeblockade hat?
Klar: die mit dem Drang bin ich, der mit der Blockade ist er. Mir war lange klar, dass das schwierig ist. Doch ich dachte, selbst das können wir lösen - denn so vieles andere war so gut und so wertvoll. Der Haken: man müsste darüber reden. Schwanzkatze!
Im Kern interessiert mich die Frage: Kann man auch diese Hürde überwinden? Hat jemand Erfahrungen (womöglich sogar gute), wie so was geht? Oder ist eine Beziehung, in der extrem unterschiedliche Kommunikationsstile aufeinandertreffen, schlicht zum Scheitern verurteilt?
Danke schon mal für eure Anregungen und Gedanken!
Kathinka
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23.01.2013, 23:28Inaktiver User
Kommunikativ verhakt - gibt es da Wege?
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23.01.2013, 23:41
AW: Kommunikativ verhakt - gibt es da Wege?
Aaargh! Ich kann Dich so gut verstehen! Auch ich bin "Redefanatikerin" und bin der - durch Erfahrung bestaerkten - Meinung, durch Reden lassen sich die meisten Probleme loesen bzw. ueberwinden. Und ich kann mir gar nicht vorstellen, in einer Beziehung mir wichtige Dinge nicht zu bereden. Das meine ich woertlich: ich kann es mir wirklich nicht vorstellen.
Ist Eure Beziehung deswegen "zum Scheitern verurteilt"? Das kann ich so wirklich nicht sagen. Wie Du selbst schon schreibst, vieles ist "gut und so wertvoll". Da kann ich von Aussen nicht sagen: "Keine Chance".
Es ist ehrenwert, dass Du uns einen "Roman" ersparen willst.
Aber es waere schon interessant zu wissen, wie intensiv die Redeblockade Deines Partners ist. "Blockt" er wirklich ab, sobald es irgendwelche Diskussionen gibt? Ihr werdet ja doch Dinge miteinander besprechen, sonst waert Ihr ja ein Schweigeorden.
Welche sind das? In welcher Situation / bei welchen Themen ist er redebereit?
Hat er vielleicht eine andere Definition von "Streit" als Du und fasst gewisse Aussprachen als Konfrontation auf, waehrend Du nur abklaeren willst?
Der einzige Tipp, der mir einfiele: Falls es eine Frage von unterschiedlich empfundener Brisanz ist - er also vor "Konfrontation" zurueckschreckt, waehrend Dir "Klaerung" fehlt - koenntest Du versuchen, das fragliche Thema ausserhalb der Situation zu besprechen, wenn er sich sicher fuehlt, wenn es gerade gut fluppt bei Euch. Hach, ist schwer zu erklaeren ohne genauere Angaben. Also nur mal zum Beispiel: Statt direkt zu sagen: "Deine Blockade verletzt mich jetzt", evtl. erstmal loslassen und nach einem normalen Gespraech sagen: "Jetzt finde ich es gerade gut, wie wir das geklaert haben. Genau das (keine Konfrontation, kein Vorwurf) will ich auch zum Thema X, nur mal Deine Meinung hoeren."
Wenn das alles jetzt null hilfreich fuer Dich ist, tut's mir leid, ehrlich! Wie gesagt, ist schwierig ohne die genauen Themen zu kennen.
Ansonsten kann ich Dir nur nochmal sagen: Ich kann Dein Redebeduerfnis verstehen!
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24.01.2013, 00:28Inaktiver User
AW: Kommunikativ verhakt - gibt es da Wege?
Danke Flau, für deine prompte Antwort. Es tut einfach gut, Resonanz zu bekommen.
Vielleicht muss ich als erste Information dazusagen: Seit letzten Sonntag sind wir (so sieht es zumindest derzeit aus) Ex-Partner. Wir hatten eine Fernbeziehung (das war aber nicht das Problem), er kam am Samstag und ist am Sonntag wieder gefahren. In den knapp 24 Stunden dazwischen lag großes Drama ...
Zu deiner Frage: Wir konnten wunderbar über alles reden - außer über "du, ich und wir". Wir hatten interessante, konstruktive, differenzierte Gespräche - gar nicht unbedingt immer mit gleicher Meinung - über alle möglichen 'Sachthemen'. Nur die Frage, wer wie was in welcher Hinsicht braucht, sich wünscht oder womit es einem vielleicht nicht so gut geht ... die war mit der Zeit immer schwieriger und am Ende fast unmöglich zu besprechen.
Dein Satz, dass er gewisse Aussprachen als Konfrontation auffasst, während ich nur klären will, trifft es wohl ganz gut. Ich glaube, das betrifft sowohl die Wahl der Themen (ich glaube, allein da hat er oft schon versteckte Kritik vermutet) als auch die Art, WIE man darüber spricht. Ich bin ein ziemlich impulsiver Mensch und sage oft einfach erst mal, was mir spontan durch den Kopf geht. Über das Sprechen werden auch meine Gedanken klarer - und wenn ich mich da vertan oder auch mal in der Wortwahl vergriffen habe, bin ich durchaus bereit, das anschließend wieder zu relativieren. Dazu kam ich aber zuletzt oft gar nicht mehr, denn er blieb immer wieder bei irgendeinem 'falschen' Wort hängen, das er mir dann vorwarf. Und zack-zack waren wir wieder bei der Frage, ob und wie wir miteinander reden - und weg vom ursprünglichen Thema. Umgekehrt tut er sich extrem schwer damit (ich glaube, das ist bei ihm wirklich ungewöhnlich stark ausgeprägt), sich überhaupt mitzuteilen. Er zieht sich eher zurück, denkt über alles mögliche nach, sagt vor allem (für mich gefühlt: ) ewig lang gar nichts - und kommt dann mit einem (meine Sicht: ) mehr oder weniger abgeschlossenen Vortrag. Den er sich halt so in seinen Gedanken zurecht gelegt hat. Ein Gespräch hat sich daraus sehr selten ergeben ... manchmal wollte er das sogar ausdrücklich nicht. Ich glaube, er war manchmal froh, überhaupt irgendwas geäußert zu haben. Ich war darüber dann auch froh - fand es aber dennoch frustrierend, dass der Gesprächsverlauf sich nicht gemeinsam entwickeln konnte. Und das Gespräch vor allem nicht weiter ging.
Wie gesagt, er ist sich - das erscheint mir ja positiv - durchaus bewusst, dass (auch) er da schon ein reales Problem hat. Er hat sogar mal angedeutet, dass er überlegt, sich dazu vielleicht mal professionelle Beratung zu suchen.
Trotzdem ist es mit uns nun vorbei - oder sagen wir, 90:10. Eine kleine Chance sehe ich noch ... aber ich bin wirklich ratlos, wie das gehen soll, wenn man nicht reden kann. Wie gesagt: Schwanzkatze.
Und ich sehe ja auch meinen Anteil. Deshalb meine Frage: Ist es irgend jemandem hier schon mal gelungen, diese Art von Hürde zu überwinden?
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24.01.2013, 00:51
AW: Kommunikativ verhakt - gibt es da Wege?
Also mir nicht.
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24.01.2013, 08:56
AW: Kommunikativ verhakt - gibt es da Wege?
... könnte natürlich auch damit zu haben, dass diese "gewissen Aussprachen" von deiner Seite eben tatsächlich eine Konfrontation SIND? Und er das in so fern durchaus richtig "liest"?
Wäre das denkbar?
Ich glaube, hier lügst du dir in die Tasche. In Anbetracht des Folgenden:während ich nur klären will
Also: Du bist "impulsiv" und sagst, was dir "spontan durch den Kopf geht". Und über welche Situationen reden wir hier? Doch offenbar über Situationen, in denen du stinkend sauer bist. Und was macht der Mensch üblicherweise, wenn er stinkend sauer ist auf einen anderen Menschen? Genau: Ihm Vorwürfe! Was denn sonst?Ich bin ein ziemlich impulsiver Mensch und sage oft einfach erst mal, was mir spontan durch den Kopf geht. Über das Sprechen werden auch meine Gedanken klarer - und wenn ich mich da vertan oder auch mal in der Wortwahl vergriffen habe ...
Also das mit dem "ich bin ja nur um Klärung bemüht" kannst du dir gleich abschminken. Das würde dein EGO gerne so sehen, weil es dich dann als den besseren Menschen dastehen lässt. Ist aber so wahrscheinlich, wie das die Annanaszucht in Alaska gelingt.
Wenn du für dich in der ganzen Sache einen Schritt weiterkommen willst, dann solltest du dir diese Einteilung in dort der unkommunikative Sozialtrottel und hier die selbstlose um Klärung bemühte "Gesprächs-Mutter-Therasa", selbstlos bis zum Abwinken und ohne eigene Aktien in einer Auseinandersetzung, gleich knicken. So wird es nicht sein - nach allgemeiner Lebenserfahrung.
Mal ein anderes Beispiel: Wenn ein Chef zu einem Mitarbeiter sagt: "Wir müssen reden! Und zwar sofort! Bei mir in meinem Büro!" - Dann weiß der Mitarbeiter: Jetzt gibt es einen Einlauf. Ja, was denn sonst?
Ähnlich eben in den berühmt-berüchtigten "Beziehungsdiskussionen". Wenn eine Frau zu ihrem Partner sagt: "Wir müssen reden - über unsere Beziehung!" Dann weiß der Mann: Jetzt gibt es eine Gardinenpredigt.
(Viele Männer haben diese Art von "Diskussion" fürchten gelernt)
Also: Du hast dich über ihn geärgert und machst ihm Vorhaltungen. Das wird wahrscheinlich die neutralst mögliche Beschreibung des Vorgangs sein.
Und DAS soll er dann NICHT als Konfrontation auffassen? Als was denn sonst? Als heitere Beruferaten?
"Es gibt nirgends Schildkröten!"
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24.01.2013, 09:03
AW: Kommunikativ verhakt - gibt es da Wege?
Ich bin auch über diese Zeilen gestolpert.
Wie wäre es, wenn Du diesen Kommunikationsstil ändern würdest (gar nicht mal so sehr für ihn, sondern für Dich, weil Du ja sonst eventuell wieder vor einem ähnlichen Problem stehen könntest)?
Hilfreich wäre es z.B. Dir VORHER gedanklich alles zurechtzulegen, ein Gespräch fiktiv mal in Gedanken komplett bis zum Ende zu führen, um zu einem Ergebnis zu kommen, das NACHHER präsentiert wird als Gespräch.
Einfach vorher alles durchdenken, dadurch zu einem Ergebnis kommen und das dann als Basis nehmen.
Liebe Grüße
Zio
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24.01.2013, 09:05Inaktiver User
AW: Kommunikativ verhakt - gibt es da Wege?
Was heißt das eigentlich? Ihr habt euch nur von Sa auf So gesehen und in dieser Zeit war großes Drama?
Wer hat denn warum Drama gemacht?
Ich persönlich halte nichts von Fernbeziehungen wo man sich wirklich kaum sieht - das ist keine Beziehung, das ist höchstens ein Poppdate einmal die Woche....
In dieser kurzen Zeit auch noch Paarprobleme - woher kommen die überhaupt wenn ihr euch nie seht? - zu besprechen wäre mir auch zu stressig....
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24.01.2013, 09:36Inaktiver User
AW: Kommunikativ verhakt - gibt es da Wege?
Nur kurz, muss mich jetzt gleich mal um meinen Job kümmern. Erst mal vielen Dank für die bisherigen Antworten. Ansonsten:
Ja, ich weiss, dass ich manchmal vorsichtiger mit meinen Worten sein muss - versuche ich auch und gelingt auch zunehmend, aber halt nicht immer.
Nein, es ging nicht nur um Situationen, in denen ich "stinkesauer" war.
Nein, ich halte mich nicht für Mutter Theresa und ihn nicht für einen Sozialtrottel. Ich halte uns da nur für extrem unterschiedlich, und meine Frage ist, ob es überhaupt denkbar ist, sich auf diesem Gebiet ausreichend gegenseitig (!) anzunähern.
Nein, wir haben uns in dieser Fernbeziehung nicht immer nur ganz kurz gesehen. Er wollte eigentlich die ganze Woche bleiben, ist dann aber am Sonntag (nach dem "Drama") wieder gefahren.
Ich muss wohl doch noch ein bisschen mehr erklären. Dazu habe ich aber frühestens heute am späteren Abend Zeit.
Für den Moment einen schönen Tag allerseits!
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24.01.2013, 09:51Inaktiver User
AW: Kommunikativ verhakt - gibt es da Wege?
Hallo kathinka67,
das dürfte schwer werden.
Mal weitergedacht: Ihr zieht zusammen (darauf läuft es doch über kurz oder lang hinaus, oder?), da ist dann die Problematik, dass einer von Euch sein Zuhause aufgibt (wenn ich das richtig verstanden habe), das wiederum heißt, dass der andere noch einen größeren Stellenwert als Bezugsperson haben würde. Nehmen wir mal an, Du ziehst zu ihm, anfangs musst Du Dir ein neues Umfeld aufbauen. Und das geht natürlich nur/am besten, wenn mit dem Partner geredet, geredet und geredet werden kann. Ist diese Voraussetzung nicht gegeben, wird es schwierig: Du fühlst Dich alleine, unverstanden, ungeliebt, Du wirst unglücklich, usw... Das ist eine Spirale nach unten. Wer will das schon???
Ausserdem sei mal ganz ehrlich: Du hättest doch gerne einen Partner, der Dir auch gleichzeitig Freund/in sein müsste,... Und das ist hier nicht gegeben...
Ich würde sagen: In Eurem Fall: schwierig bis unmöglich.
Sorry, so sehe ich das.
Ich wünsche Dir trotzdem alles Gute.
Genieße jetzt die Zeit und schaue nach vorne.
Gruß,
Lichtkrieger
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24.01.2013, 10:12Inaktiver User



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