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    Kommunikationsprobleme - genervter Tonfall des Partners

    Hallo liebe BriCom,

    ich hoffe auf euren Rat!

    Ich bin seit mittlerweile ~3 Jahren mit meinem Partner zusammen. Es läuft mal besser, mal schlechter, wir sind recht verschieden, haben uns soweit aber ganz gut arrangiert - und: Liebe ist von beiden Seiten da.

    Aber es gibt ein paar Dinge, mit denen ich nicht klarkomme, und die mich dazu bringen, innerlich zu verkrampfen:

    Ich habe das Gefühl, ich muss meinen Partner immer wieder mit Samthandschuhen anpacken - und trotzdem reagiert er immer wieder genervt. Das sind Banalitäten, Kleinigkeiten. Aktuelles Beispiel: Wir sitzen am Frühstückstisch, ich bemerke einen seltsam-strukturierten Belag auf dem Aufstrich, vermute, es könnte beginnender Schimmel sein, mache eine Bemerkung wie "Da ist so ein seltsamer Belag auf dem Aufstrich" und halte ihn ihm zur Ansicht und Mitbeurteilung hin - und zurück kommt, in latent angenervtem-verteidigenden Tonfall: "Was stört Dich denn jetzt daran?!" (Auch schon gehört: "Was ist denn nun schon wieder falsch?!") Ich werde dann ganz behutsam, sage: "Süßer, das war gar keine Kritik, aber ich habe vorhin schon einen anderen weggeworfen, weil er verschimmelt war." Er: "Ja, wenn Du meinst, er ist nicht mehr gut, dann schmeiß ihn halt weg!"

    Ich habe dann vorsichtig versucht, ihm zu vermitteln, dass das bei mir genervt rüberkommt, darauf er: "Ja, wenn ich jetzt nicht mal mehr fragen darf, was Dich daran stört! - Ich habe nichts gesehen, ich kann das ohne Lesebrille nicht sehen." Aha, daher wehte der Wind. Er ärgert sich nämlich außerdem, dass er seine Lesebrille vermutlich verloren hat. So beim Aufschreiben ist das direkt komisch. Er kann's nur nicht zugeben. Und mein wesentliches Problem dabei ist: Ich sage/frage etwas - er reagiert genervt. Ich spreche behutsam seine Genervtheit an - er leugnet jeglichen genervten Tonfall, unterstellt mir Genervtheit und ist nun erst recht genervt. Außerdem ist er genervt, weil ich ihn möglicherweise unterbrochen habe.

    Der Tag begann übrigens mit einer Diskussion über ein Thema, er wurde zunehmend lauter und engagierter, fuchtelte schließlich mit den Händen rum ("DU... siehst das so und so, aber..."), und ich empfinde es häufig so, dass ich seinen ganzen Brast bzgl. bestimmter Themen abbekomme. Das gilt nicht mir, das weiß ich schon, aber auch wenn seine negativen Emotionen einem Thema gelten, über das er spricht - wenn er mit mir darüber spricht oder sich in meiner Gegenwart darüber aufregt, dann kriege ich diese Emotion ab. Ich habe versucht, ihm das in solchen Situationen zu erklären. Ich habe versucht, es ihm außerhalb solcher Situationen in ganz ruhiger, friedlicher Stimmung zu erklären. Ich habe es liebevoll versucht. Ich habe ihm gesagt: "Du, ich weiß, Du hast häufig das Gefühl, niemand will Deine Meinung zu dem Thema hören - aber ich nehme Dich wirklich ernst, ich höre Dir auch zu, und ich verstehe Dich teilweise auch. Ich möchte nur Deine negativen Emotionen nicht so ungefiltert abbekommen. Ich bin nicht Dein Feind."

    Ich versuche es mit Ich-Botschaften, vermeide Du-Botschaften, mache ihm beständig Angebote in Richtung "Vielleicht bin ich da auch empfindlich, aber weißt Du, bei mir kommt das so und so an, und dann fühle ich mich..." Ich sage ihm: "Du, ich will Dich nicht kritisieren und erziehen, aber ich wünsche mir..."

    Genervt reagieren habe ich auch versucht - bringt gar nix. Laut werden - dann mauert er. Und ich verfalle zunehmend in eine beschwichtigende Position und mache mich klein. Im Zweifelsfalle muss ich warten, bis er sich fertig aufgeregt hat - versuche ich, zwischendrin ihn nur zu bitten, nicht so laut zu werden, ist er verärgert, dass ich eine Meta-Diskussion über sein Diskussionsverhalten starte. Außerdem habe ich ihn unterbrochen. Das hasst er: "Lass mich doch mal ausreden! / "Ich war noch nicht fertig!" Ja, dann steht er da noch eine halbe Stunde (keine Übertreibung) und hält mir einen engagiert-empörten Vortrag. (Sollte ich mich entziehen und den Raum verlassen, schnappt er beleidigt zu und verstummt, weil mich seine Meinung anscheinend nicht interessiert.)

    Nein, das alles ist nicht nur meine Wahrnehmung - das erleben auch andere Menschen mit ihm (seine Genervtheit, sein Hang zum Dozieren, seine emotionale Überreaktion auf bestimmte Themen). Und herrje, ich könnte damit leben, dass er zum Dozieren neigt - wenn ich ihn dann auch mal unterbrechen dürfte. Ich könnte damit leben, dass er mal genervt reagiert - wenn er sich anschließend dafür entschuldigt. Wenn ich ihn darauf ansprechen könnte, ohne dass er erst recht genervt ist. Und wenn er es wenigstens einsähe!

    Nicht, weil ich Recht haben will. Einfach, weil ich liebevoll behandelt werden möchte. Und wenn er mich anmault, dann soll er es wenigstens zugeben! Und weil das sonst auf Dauer für mich zunehmend ein Trennungsgrund wird. Und auch das habe ich ihm gesagt.

    Tja. Paartherapie steht im Raum. Aber vielleicht habt ihr auch noch ein paar Anregungen für mich? Praktikables für den Alltag?

    Ich bin so hilflos. Ich kenne sonst keinen Menschen, der ist, wie er - oder ich pflege keinen Umgang mit ihnen. Anfangs war er nicht so und nur bemüht um mich, aber irgendwann kam dann das erste "Lass mich doch mal ausreden!" - darauf habe ich dann heftig reagiert. Er hat's nicht verstanden. Und ich habe verstanden, dass es für ihn sehr unangenehm ist, unterbrochen zu werden - gut, kann ich ja Rücksicht drauf nehmen. Wenn er im Gegenzug das Dozieren ließe...

    Ja, und so häufte sich das alles zunehmend, und irgendwie habe ich mich mit manchem abgefunden, aber ich mag so nicht weiter!

    Die andere Seite der Medaille ist: es existiert auch viel Nähe zwischen uns, er ist bemüht um mich, ich bin's um ihn, Zärtlichkeit stimmt, Sex auch. Sonst wäre ich wohl schon lange weg.

    Und nun?

    Gruß und vielen Dank für's Lesen und eventuelle Anregungen

    Melencolia

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    AW: Kommunikationsprobleme - genervter Tonfall des Partners

    Hi, Melencolia!
    Wow, beim Lesen hab ich gedacht, du musst die neue Freundin meines Ex-Stiefvaters sein!
    Der hat so ziemlich das gleiche Verhalten an den Tag gelegt, wie dein Freund: Das ständige Rummaulen, eine gewisse Grund-Unfreundlichkeit ohne konkreten Anlass, das Reinsteigern in belanglose Themen samt bedrohlichem Rumfuchteln und aggressivem Tonfall. Meine Mutter und ich hatten 8 Jahre lang unsere liebe Not mit dem Herrn, konnten ihn irgendwann echt nicht mehr ernstnehmen, wenn er so angefangen hat, was natürlich zu noch mehr Fuchteln und Schreien geführt hat...
    Bei ihm war es so, dass er wirklich Probleme hatte, abzuschätzen, wie er bei seinem Gegenüber ankommt und inwiefern das, was sich in seinem Kopf abspielt auch für andere klar ist. Dein Aufstrich-Beispiel scheint da sehr nahe zu kommen: Er sitzt da, ärgert sich, dass er nix sieht, weil Brille verloren, dann hältst du ihm noch was unter die Nase, was er visuell beurteilen soll, obwohl du doch wissen müsstest (weil er es ja in seinem Kopf weiß!), dass ihn das gerade fürchterlich nervt!
    Meine Mutter hat sich dann von einer Psychologin beraten lassen (erstmal alleine), die dann meinte, so ein Verhalten grenzt schon an Autismus und da ist mit Kommunikation nicht viel zu machen, weil es nicht bis zu ihm durchdringt. Schließlich hat sie sich von ihm getrennt, sie konnte nicht mehr (die Beziehung war aber auch insgesamt viel liebloser, als du deine beschreibst!).
    Möglicherweise ist dein Freund aber kein ganz so schwerer Fall Sieht er denn (wenn die Wut dann verflogen ist) ein, dass er sich danebenbenimmt? Wäre er bereit, eine Paartherapie, ein Seminar oder ähnliches mit dir zu besuchen? Wenn nur du etwas ändern willst und er nicht mitzieht, wird dir nichts anderes überbleiben, als weiter zu buckeln und unter ihm zu leiden, oder zu gehen... sprich ihn mal darauf an, mal sehen, wie er reagiert!
    Wünsche euch alles Gute!
    Radisi
    Du bist ein lebender Mensch, eine Frau, und kannst irren und zweifeln und gut sein. (Erich Fried)

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    AW: Kommunikationsprobleme - genervter Tonfall des Partners

    Hallo Radisi!

    Danke erst mal, das tut gerade gut!

    Ähm ja, also auch er hat eine Ex...

    Ja, das mit der Außenwirkung, die er schwer einschätzen kann - das mag sein. Was ich nur nicht verstehe: wenn mir mein Partner sagte, dass er mit einem bestimmten Verhalten meinerseits ein Problem hat - dann bemühe ich mich, es zu lassen. Ich will ihm doch keinen Kummer bereiten!

    Er ist nicht aggressiv, er wird nicht richtig wütend (also nicht so, wie Du Deinen Stiefvater beschreibst) - es ist dieses Latente, was mich (fast?) noch hilfloser macht. Es stimmt ja, er brüllt nicht wirklich rum. Ich habe ihn einmal - nicht mir gegenüber - wirklich ausrasten und brüllen sehen: ich habe echt Angst bekommen! Da ist soviel aufgestaute Wut und Aggression in ihm! Und nein bzw. ja, ich mache mir keine Sorgen, dass er mir gegenüber aggressiv werden könnte. Er wird ja nicht mal richtig laut. Aber dieses genervt-defensiv-aggressive Verhalten - ich kann damit echt nicht! Und vorgestern - vor der Frühstücksgeschichte - dachte ich auch, er hätte es ein bisschen verstanden. Er sagte, er wolle sich bemühen. Aber die Frage ist auch: wenn ein Verhaltensmuster so tief drin ist in einem Menschen...

    Und nein, irgendwie glaube ich nicht wirklich, dass er es versteht und bei sich selbst sieht. Ja, er möchte mit mir zur Paartherapie. Das kam auch und sogar zuerst von ihm - steht aber schon länger im Raum, ohne, dass was draus wurde. Nun haben wir uns aber geeinigt, es wirklich anzugehen. Indes... ich bin ehrlich: ich zweifle am Erfolg.

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    AW: Kommunikationsprobleme - genervter Tonfall des Partners

    Körperlich aggressiv war mein Stiefvater (zum Glück) auch nicht... aber diese Aussage hat mich sehr an ihn, bzw. meine Mutter und ihre Beschwichtigungsversuche erinnert:
    "Du, ich weiß, Du hast häufig das Gefühl, niemand will Deine Meinung zu dem Thema hören - aber ich nehme Dich wirklich ernst, ich höre Dir auch zu, und ich verstehe Dich teilweise auch. Ich möchte nur Deine negativen Emotionen nicht so ungefiltert abbekommen. Ich bin nicht Dein Feind."
    Manche Menschen regen sich über etwas auf und reden sich so in die Sache rein, dass ihnen nicht mehr bewusst ist, wer da vor ihnen steht, wer gerade ihre Wut oder Genervtheit abbekommt und dass diese Person garnichts dafür kann!

    Bei uns war es so, dass er es einfach nicht gemerkt hat, wie verletzend und unsensibel er oft war. Er wollte das sicher auch nicht, er hatte uns sehr gern und hat dann auch sehr unter der Trennung gelitten. Aber wenn meine Mutter mit Büchern, Therapie etc. gekommen ist, kam nur "Was soll ich mit dem Blödsinn, es passt doch eh alles!"

    Dass er sich zu einer Paartherapie bereiterklärt, finde ich super! Das zeigt doch, dass er sich sehr wohl darüber im Klaren ist, dass er etwas ändern muss! Gib die Hoffnung nicht jetzt schon auf, zieht das gemeinsam durch, holt euch gute Tipps von einem Profi. Es kann schon ein hartes Stück Arbeit werden, aber wenn ihr das beide wollt, könnt ihr bestimmt etwas verbessern!
    Geändert von Radisi (14.10.2012 um 12:46 Uhr)
    Du bist ein lebender Mensch, eine Frau, und kannst irren und zweifeln und gut sein. (Erich Fried)

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    AW: Kommunikationsprobleme - genervter Tonfall des Partners

    Zitat Zitat von Melencolia Beitrag anzeigen
    Ja, er möchte mit mir zur Paartherapie. Das kam auch und sogar zuerst von ihm - steht aber schon länger im Raum, ohne, dass was draus wurde.
    Lass es nicht im Raum stehen - mach Termine klar! Super! Nagel den fest!!

    Weil sonst: um des lieben Friedens Willen wirst du immer samthandschuhiger, vermeidender, kleiner, lauernder – solche vereinnehmende Egodozierer und Dauermeckerer sind ja weit verbreitet, wie man hier liest. Da blieb sonst nur der Auszug für die Rettung der eigenen Lebensqualität.
    see you on be friends online!

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    AW: Kommunikationsprobleme - genervter Tonfall des Partners

    OK - Termine werden morgen ausgemacht.

    @ Rotweinliebhaberin: echt, so ein Verhalten ist verbreitet? Mir ist es so sonst nicht bekannt - und ich krieg es auch nicht zusammen mit Liebe und Zuneigung. Das ist mir einfach nicht verständlich. Und da er das Problem nicht bei sich sieht, suche ich bei mir, und sicher habe ich auch Macken - aber klein machen will ich mich nicht! Und ich merke, dass ich es teilweise doch tue und beschwichtige und... ja, wie Du es eben beschreibst.

    Ach ja: und glücklicherweise leben wir nicht zusammen.

  7. Inaktiver User

    AW: Kommunikationsprobleme - genervter Tonfall des Partners

    Manno Mann, er hat ein Problem im Umgang und dann gehen beide(!) zur Paartherapie ????

    Bei mir wäre da nix mit Paartherapie, ich würde meine Zeit mit Dingen verbringen, die mir guttun und nicht mit Problemen anderer Leute..... Oder mich allerhöchstens alleine beraten lassen, wie mit solchen Verhaltensweisen umzugehen ist.

    Er macht den Vorschlag zur Paartherapie ? Logo, hat mein Ex auch gemacht. Sein Ziel war, dass die Therapeutin mir sagt, was ich falsch mache.....

    Zitat Zitat von Melencolia Beitrag anzeigen
    ....Die andere Seite der Medaille ist: es existiert auch viel Nähe zwischen uns, er ist bemüht um mich, ich bin's um ihn, Zärtlichkeit stimmt, Sex auch...
    Sorry, aber das sind Basics einer Beziehung, die würde ich nicht extra erwähnen....

    Zitat Zitat von Melencolia Beitrag anzeigen
    .... Mir ist es so sonst nicht bekannt - und ich krieg es auch nicht zusammen mit Liebe und Zuneigung. Das ist mir einfach nicht verständlich.....
    Eben. Mir auch nicht.

    Gruß, Elli
    Geändert von Inaktiver User (14.10.2012 um 13:13 Uhr)

  8. User Info Menu

    AW: Kommunikationsprobleme - genervter Tonfall des Partners

    Nur, damit kein falscher Eindruck entsteht: er ist kein Dauernörgler! Er ist ein intelligenter, an und für sich sehr reflektierter Mann, mit dem ich auch viele schöne Stunden verlebe.

  9. Inaktiver User

    AW: Kommunikationsprobleme - genervter Tonfall des Partners

    Ich empfehle Paargespräche. Dazu hat Michael Lukas Moeller was geschrieben.
    Mit meinem Freund mache ich das immer wieder gerne. Wir reden immer abwechselnd und zwar jede/r für genau 10 Minuten. Die 10 Minuten lang schweigt der andere konsequent (Unterbrechungen sind tabu!). Das tut total gut und man erfährt mehr vom anderen, was ihn so beschäftigt im Leben, als bei anderen Gesprächsformen.
    Viel Glück.

  10. Inaktiver User

    AW: Kommunikationsprobleme - genervter Tonfall des Partners

    Ansonsten könnte es sein, dass du es mit einem "Machtmenschen" zu tun hast... Es gibt Leute, die andere abprallen lassen, um die Oberhand zu behalten. Mit so jemandem ist eine gute Beziehung nicht machbar.

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