Liebe Leserinnen, Leser
mein Partner hatte jetzt den 2. Schlaganfall. Er hat Glück gehabt (kann sprechen, eingeschränkt gehen..). Jetzt geht es mit dem neuen Alltag, dem doch so veränderten Zusammenleben weiter. Es ist schwierig. Wie macht Ihr das? Wie kommt man damit zurecht, wo soll es lang gehen...? Es ist alles sehr komplex. Deshalb würde ich mich freuen, hier jemanden zu finden, mit dem ich evtl. sprechen, mich austauschen kann - gibt es die/den?
Liebe Grüße
mixtwix
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Thema: Schlaganfall und dann...
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02.08.2006, 22:30
Schlaganfall und dann...
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04.08.2006, 09:04
AW: Schlaganfall und dann...
Hallo Mixtwix,
ich kann nun nicht wirklich aus derselben Erfahrung sprechen. Aber ich habe hautnah erlebt, wie die Beziehung meiner Mana zu ihrem Lebensgefährten verlief, als meine Mama schwer krank geworden ist. Ihr Liebster hat sich vor, während und nach den Chemos immer sehr fürsorglich verhalten. Aber: niemals bemitleidet, sondern sie ständig mit Gesten, Worten und Taten aufgefordert, den Lebenswillen nicht zu verlieren. Trotzdem wurden immer viele Dinge unternommen- Spaziergänge, Kino, sogar kleine Radtouren, Theater- Kabarett..Geburtstagsfeiern. Und im "normalen" Alltag hat er ihr nur die Arbeit abgenommen, die sichtlich zu anstrengend war (schwere Einkäufe), Fenster putzen, Gartenarbeit).
Jahre vorher, als meine Mama noch gesund und mein Vater an derselben Krankheit schwer erkrankt war, hat sie sich genauso ihm gegenüber verhalten. Es war , meiner Meinung nach, genau richtig. Egal bei welcher schweren Erkrankung: der Partner sollte versuchen, ein "normales" Alltagsleben wieder einkehren zu lassen- soweit es möglich ist. Ständiges Bemitleiden und in Watte packen ist, glaube ich, das Falsche, der Kranke soll sich nicht hängen lassen, sondern merken, daß er nicht als "unbrauchbar" eingetütet wird! Natürlich ist es immer hilfreich, wenn genügend sellische Unterstützung für beide auch vom Rest der Familie und Freunden kommt. Nur "ooooch, das tut mir aber leid...Dir gehts ja sichtlich schlecht....Du siehst aber gar nicht gut aus, kann ich Dir was bringen"- hilft gar nix, da MUSS man als Kranker ja in Lethargie verfallen. Besser: "Hey, Du siehst schon viel besser aus heute, lass uns nen Spaziergang machen!" Sowas in der Art, meine ich. Und auch im Haushalt auffordern, kleine Dinge zu erledigen, wie Müll runterbringen, oder saugen....damit sich der kranke Partner nicht nutzlos fühlt. Das ist zumindest meine Meinung und Erfahrung bisher.LG Erna
Alles kann, Nichts muss!
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04.08.2006, 10:58
AW: Schlaganfall und dann...
Hallo Erna,
danke für deine Worte. Es ist gut dies zu lesen. Ja, es ist wichtig, den Partner im Alltag einzubeziehen, ihn nicht zu sehr zu "betütteln" oder zu viel abzunehmen. Das ist gar nicht so einfach, wenn der Partner nicht, wie soll ich es sagen, die geistigen und körperlichen Kapazitäten hat. Z.B. ist er oft nach dem Aufstehen/Anziehen und Frühstücken wieder kaputt. Einkaufen gehen ist noch anstrengender (Autofahren ist nicht).
Positive Worte sind auch von Bedeutung - da müsste ich noch mehr dran arbeiten, denn mich hat das alles auch ziemlich mitgenommen und jetzt immer für zwei denken und handeln zehrt.
Wir sind noch jung, nicht verheiratet, er ist gerade 40.
Na, dann mal sehen... wenn du/Ihr noch was habt, freue ich mich über Nachrichten!
VLG
mixtwix
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04.08.2006, 11:17
AW: Schlaganfall und dann...
Liebe Mixtwix!
Leider kann ich dir auch keine Erfahrungen über einen Partner mit Schlaganfall berichten, aber vielleicht hilft es dir, wenn ich dir über den Schlaganfall meines Papas berichte. Der war vor 2,5 und so schlimm, dass er ihn fast nicht überlebt hätte. Es hat auch vor allem sein Sprachzentrum betroffen, er konnte tagelang überhaupt nicht sprechen. Aber das war uns natürlich erst mal total egal, Hauptsache er lebte. Das Sprechen hat er dann wieder mühsam in der Reha erlernt. Er war so oft so verzweifelt, dass er die einfachsten Sachen nicht sagen konnte. Es gehört definitiv zu den einschneidendsten Erlebnissen in meinem Leben, meinen Papa aus Verzweiflung weinen zu sehen.
Ich glaube, was man am meisten braucht, ist Geduld, und die aufzubringen ist manchmal verdammt hart. Das war für mich als Tochter, aber auch für meine Mama als seine Partnerin unendlich schwer. Es ist auch schwer zu akzeptieren, dass das Leben einfach nicht mehr so wird wie früher. Es ist jetzt anders. Und das müssen alle Beteiligten einmal "checken".
Meinem Papa geht es jetzt gut, aber er hat seither extreme Stimmungsschwankungen. Das ist so und wird auch so bleiben. Weil ein zentrales Ventrikel eingebrochen ist, das nicht mehr richtig verheilen kann (wegen seinem Alter und dem vorherigen Lebensstil), hat er sozusagen ein "Loch im Kopf" (das ist übrigens schon ein running gag bei uns in der Familie....wenn meinem Papa mal einfache Sachen wie z.B. Wochentag nicht einfallen, dann sagt er "tschuldigung, wisst´s eh, ich hab ein Loch im Kopf).
Für meine Mama war und ist das allerdings nicht leicht. Erst einmal ist sie (sind wir) plötzlich mit der Vergänglichkeit eines geliebten Menschen konfrontiert worden. Dann war mein Papa verzweifelt und hat sich nach der Reha richtig gehen lassen (nur mehr vor der Glotze etc.). Jetzt ist meine Mama auch mittlerweile pensioniert und seither geht es besser. Sie unternehmen viel miteinander, gehen auf Reisen, machen was ihm Haus etc.
Aber manchmal erzählt sie mir auch im Stillen, wie alles teilweise unerträglich ist. Die beständige Angst um den Partner, seine Stimmungsschwankungen, die sie immer natürlich als Erste abkriegt, die Tatsache, dass der geliebte Partner auch ein Stück weit ein Pflegefall geworden ist...aber sie ist seine Frau, seine Partnerin und ist natürlich für ihn da. Aber es ist auch sehr belastend.
Ach, was soll ich dir sagen. Es ist schwer. Sei einfach für ihn da, aber behalte dich und deine Grenzen auch im Auge. Du musst jetzt nicht alles können und wollen. Euer Leben hat sich verändert, klar, aber du bist auch wichtig. Die Krankheit wird in eurem Leben immer eine Rolle spielen. Aber rutscht nicht in ein Patient - Pfleger-Verhältnis ab (wie das tw. bei meinen Eltern zu beobachten ist, da spielen beide sehr gut mit), sondern bleibt auch Partner, ein Liebespaar. Und lasst euch Zeit und habt Geduld (mit dem Anderen und mit euch selber). So wie NochNeErna gesagt hat: das "in Watte packen" und bloss kein böses Wort, weil "er ist ja so krank" bringt keinem was. So weit es geht, normaler Alltag.
Ach ja, jetzt wo ich bei NochNeErna gelesen habe, ist mir noch was eingefallen. Für meinen Papa war sein Schlaganfall praktisch sein Pensionsbescheid. Es ist mitten bei der Arbeit, während eines Telefongesprächs passiert. Er hatte noch den Hörer in der Hand, als der Notarzt kam. Als er nach drei Monaten Klinik und Reha zurückkam, war er plötzlich allein zu Hause. Praktisch mitten vom Berufsleben in die Pension. Da verfiel er gleich in eine Lethargie. Meine Mama war damals (noch 1,5 Jahre lang) nicht pensioniert. Da es so natürlich nicht weitergehen konnte, hat sie ihm täglich irgendwelche Aufgaben gegeben. Eine Sache im Haushalt erledigen. Eine Sprachübung machen (mit seinem PC-Sprachübungsprogramm). Einkaufen gehen und bei der Feinkosttheke was bestellen (eine Riesenherausforderung, das war erst später). Nachdem er Hobbytischler ist, hab ich ihn mal beauftragt ein einfaches Regal zu bauen für meinen Abstellraum. Alle diese Dinge haben ihm das Gefühl gegeben, nützlich zu sein, nachdem ihm ja der Beruf "weggenommen" wurde. Am Anfang war es für uns sehr komisch, meinem Vater fast wie einem Kind Aufgaben zu geben ("mach deine Sprachübungen und zeig sie mir dann"), aber wie wir gesehen haben, wieviel ihm das gibt und bringt, hat uns das bestärkt. Auch der Neurologe und die Psychologin haben uns das bestätigt, wie wichtig sowas für Schlaganfallpatienten ist.
Alles erdenklich Gute,
Käuzchen
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04.08.2006, 12:16
AW: Schlaganfall und dann...
Liebes Käuzechen,
in deinen Schilderungen erkenne ich sehr viel wieder.. es ist immer sehr einschneidend und verändernd. Dies habe ich nach dem 1. Schlaganfall erfahren. Das war schwer, haben wir aber gemeistert. Jetzt nach dem 2., ich hatte mich doch gerade erst vollkommen erholt, bin ich doch recht fertig. Es ist jetzt extrem hart auf mich gekommen. Auch wenn ich das 2mal um sein Leben gebangt habe (und dies ist hart), weiss ich nun nicht, wie es weiter gehen soll. Es ist jetzt ein halbes Jahr her, er ist in (s)einem Loch (Desinteresse, Lustlosigkeit, ... Depression ? - schaut nur TV, schläft und schläft - Arztgespräch war dazu). Es ist eine einseitige Beziehung geworden - ich möchte/kann nicht nur geben, ich brauche auch jemanden. Von Sex mal abgesehen. Es ist auch eine einseitige Belastung, die mir immer mehr zu schaffen macht. :-(
Ob dies auch sein Pensionsbescheid wie bei deinem Vater ist - wahrscheinlich ja. Allerdings mit 40. Soll dies unser bzw. mein Leben sein - mit 35? Puhh, ist das schwer...
liebe Grüße
mixtwixSchau nicht zurück, sondern mal Dir ein Bild von einer fröhlichen Zukunft.
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04.08.2006, 18:04
AW: Schlaganfall und dann...
Liebe Mixtwix!
Pfuuhh, das ist hart. Ich verstehe, was du meinst, deine Gedanken und Bedenken. Du denkst sicher, ob das jetzt euer weiteres gemeinsames Leben ist. Du pflegst ihn "bis zum Umfallen", gibst alles, und er macht gar nix. Du bleibst über.
Gibt es gar nix, was ihm Spass machen könnte? Irgendwelche Hobbies von früher? Freunde? Irgendwie muss er aus dem Loch raus. Ist es ausgeschlossen, dass er wieder arbeiten geht (später)? Auch wenn es vielleicht eine andere Arbeit ist (Büro, Dogsitter oder was weiß ich was).
Mhhhmm, kannst du mit deinem Mann einfach mal offen drüber reden, dass du dich momentan überfordert fühlst? Von der Situation, deiner Angst um ihn, von seiner Depression und Lustlosigkeit. Dass er dir als Partner (und Sexualpartner) fehlt?
Oder ist er da wegen Schlaganfall oder seiner Persönlichkeit eher unzugänglich?
Wie gesagt, ich kann deine Gedanken gut nachvollziehen. Ich würde mich - glaub ich - dasselbe fragen. Du bist keine Fulltime-Pflegekraft, du hast ja trotzdem auch deine Bedürfnisse. Du brauchst da absolut kein schlechtes Gewissen haben.
Echt schwierig.....
Vielleicht findet ihr was, was ihn wieder "aufstachelt" oder redet mal drüber.
Liebe Grüße,
Käuzchen
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04.08.2006, 19:22
AW: Schlaganfall und dann...
Mixtwix, ich solltest ganz ehrlich zu dir sein. Was kannst du leisten, was willst du leisten, wie stellst du dir dein weiteres Leben vor?
Du bist noch sehr jung, vielleicht hast du sogar einen Kinderwunscht gehabt? Das kann doch nicht unter dem Tisch fallen, nur weil dein Partner plötzlich ein Pflegefall geworden ist. Liebe und Treue zum Partner ist die eine Sache, aber deswegen sein eigenes Leben und seine Träume aufzugeben, eventuell für immer?
Ich bin ganz ehrlich, auch wenn ich dafür Schläge bekomme, ich weiß nicht, ob ich eine solche Partnerschaft aufrechterhalten könnte. Wenn es jetzt meinem Mann passieren würde, würde ich meine Verpflichtung wahrnehmen und zu ihm stehen. Wir haben geheiratet, gemeinsam vieles erlebt, ein Haus, ein Kind, das bin ich ihm einfach schuldig, ganz klar.
Aber wenn ich noch ungebunden wäre, auf ein Kind hoffend und mich nur noch in der Rolle einer Pflegekraft finden würde, dann wäre das keine Grundlage für die nächsten 20 Jahre. Ich denke, es wäre Mitleid statt Liebe und das kann auf Dauer nicht gut gehen, es sei denn man hätte etwas von Mutter Theresa in sich oder ähnlich karitative Charaktereigenschaften.
Wenn sich eure Situation und auch dein Freund so nachhaltig verändert hat und dich nur noch als Pflegekraft sieht, wäre es vielleicht sinnvoller, er würde diese Tätigkeit auf einen anderen Menschen verlagern und dich freigeben. Ob er diese Großmut noch aufbringen kann, lässt sich nicht sagen. Schlaganfallpatienten verändern sich nicht nur körperlich, sehr oft sind es auch andere Menschen geworden, je nachdem welches Gehirnzentrum gelitten hat. Sie verändern sich in ihrer Persönlichkeit und das Zusammenleben kann eine enorme Belastung bringen, ich sehe das bei meiner Mutter.
Eine schwierige Entscheidung, ich hoffe du findest für dich den richtigen Weg."Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
(John D. Rockefeller)
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04.08.2006, 21:15
AW: Schlaganfall und dann...
Hallo Ihr Lieben,
danke für eure Worte. Es gibt noch viele offene verzwickte Fragen, auf die Ihr mich gestossen habt - u.a. ist es wirklich noch Liebe oder Gewohnheit, Mitgefühl (kann ich mir die kommenden 20 Jahre (!) Liebe ohne guten Sex vorstellen (wie soll das denn gehen???). Das "Dableiben" bin ich ihm ganz bestimmt nicht schuldig.
Offen reden - ja, versuche ich, habe allerdings das Gefühl das er das nicht (be)greifen kann/will. Das macht es schwieriger, da ich so vieles selber mit mir ausmachen muss, leider.
Jetzt hab ich erst mal wieder neue Gedanken,
wünsche Euch ein schönes Wochenende!
mixtwixSchau nicht zurück, sondern mal Dir ein Bild von einer fröhlichen Zukunft.
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09.08.2006, 06:08Inaktiver User
AW: Schlaganfall und dann...
ich würde es mal im Schlaganfallforum probieren, da gibt es viel angehörige, auch jüngere, sie sich darüber austauschen.
Sehr zu empfehlen: http://www.das-schlaganfall-forum.de/
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14.08.2006, 16:51
AW: Schlaganfall und dann...
Hallo Mixtwix
Habe deine Postings gelesen... ich wäre auch froh, mich ein bisschen auszutauschen.... bin leider gerade daran, ähliche Erfahrungen wie du zu machen. Ich bin 41 Jahre alt, mein Mann 52, und wir haben einen Sohn, 10 Jahre alt. Mein Mann hat Ende Februar einen SA gemacht, ziemlich schweren SA, kann aber auch sprechen, Gehen nur schwerlich, das viel Spastik....
Tausende Probleme... viele Fragen....
Hast du Lust auf private Mails ?
meine Mailadresse: sandraurwyler@dplanet.ch
Ich bin aus der französisch sprechenden Schweiz.
Au revoir und ich freue mich auf deine Mail, Mixtwix !
Sandra


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