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  1. Inaktiver User

    In jeder Mücke den Elefanten sehen

    Liebes Forum,

    vor einigen Monaten suchte ich hier Rat weil ich einen tollen aber für mich z.T. unverständlichen Mann kennengelernt hatte. Wir sind weiterhin zusammen auch wenn es aufgrund unserer sehr unterschiedlichen Temperamente manchmal nicht einfach ist. Wir führen gute Gespräche darüber und manches was schief lief läuft jetzt besser. Das sollte ich mir öfter klarmachen. Er ist sehr bemüht und versucht auch an sich zu arbeiten. Ich liebe ihn sehr und kann mein Glück manchmal kaum fassen, dass ich jemanden so einzigartiges und tolles gefunden habe. Egal wie sehr ich jetzt gleich den Problemteppich ausrolle, ich weiß was ich an ihm habe, ich weiß dass nicht alles schlecht und problematisch ist. Ja, wir sind sehr verschieden, beide nicht einfach (wer ist das schon) und manche Eigenschaften bieten großes Konfliktpotential. ABER wir wollen zusammen sein und an uns arbeiten. Und es insgesamt sehr schön mit ihm, wir sind uns auf der anderen Seite auch ähnlich, verstehen uns gut, lachen viel, unterhalten uns stundenlang, unternehmen schöne Dinge.

    Ein Problem von mir beschäftigt mich allerdings sehr. Meiner Meinung nach ist es der Kern vieler anderer Probleme ist, ist das es mir wahnsinnig schwerfällt loszulassen. Das zeigt sich auf unterschiedliche Weise. Manchmal fällt es mir schwer, ihn schlichtweg in Ruhe zu lassen auch wenn ich weiß, dass es besser wäre. Manchmal bin ich wahnsinnig empfindlich, lege jedes Wort auf die Goldwaage, sehe überall Probleme (die dann lang und ausführlich ausdiskutiert werden müssen). Ich sehe schlechte Muster bevor sie überhaupt entstehen können. Ich versuche alles richtig zu machen und unsere Beziehung vor allem möglichen zu bewahren (dass wir uns zu wenig sehen, dass es langweilig wird, etc.). Ich flippe wegen Kleinigkeiten aus weil ich meine dahinter ein grundsätzliches Problem zu erkennen. In den letzten Tagen war ich sehr anstrengend. Gestern war ich scheinbar grundlos genervt und habe es den ganzen Tag an ihm ausgelassen. Er hat versucht mich aufzuheitern und es war eigentlich so ein schöner Tag. Ich nehme dann alles zum Anlass ein Fass aufzumachen, gebe nicht nach, bohre tiefer, rege mich auf, weine. Ich nehme am Rande war, dass er sich bemüht, dass er Dinge die ich gerade falsch interpretiere nicht so meint, dass ich aufhören sollte. Es gibt irgendwie so einen Punkt wo ich weiß, jetzt hörst du auf, es ist klar wohin das führt. Und dann mache ich weiter und denke, jetzt ist es eh egal, jetzt ist die Stimmung eh hin.

    Ich weiß, dass mein Verhalten ihn z.T. bedrängt, dass er sich manchmal kontrolliert fühlt, dass es ihn frustriert und enttäuscht. Wir haben beide ein sehr anstrengendes Studium und am Ende vom Tag will man ja nicht noch private Anstrengung haben sondern sich entspannen. Nach jedem Mal wie gestern habe ich gute Vorsätze und nehme mir ganz viel vor und scheitere immer wieder. Ich weiß, dass es Zeit braucht um Verhalten zu ändern, dass es schwer ist aber irgendwie erwarte ich trotzdem immer sofort eine Veränderung von mir selbst. Ich habe Angst ihn zu verlieren wenn ich so weitermache. Er ist gestern wahnsinnig wütend geworden und es hat mir einen solchen Schreck eingejagt. Ich hoffe, dass der Schreck lang genug anhält dass es dieses Mal klappt.

    Ich denke mein Verhalten ist ein Symptom meiner Unsicherheit, meiner Angst loszulassen, die Kontrolle zu verlieren, nicht geliebt zu werden. Diese Wurzeln kann ich nur alleine bewältigen. Das hat mit mir zu tun. Die Symptome aber beeinflussen unsere Beziehung und dafür brauche ich jetzt konkrete Schritte. Mir ist klar woher mein Verhalten kommt, was ich damit anrichte, wie es abläuft. Ich möchte jetzt daran arbeiten ihn dem nicht mehr so auszusetzen und habe mir eine Liste gemacht mit Strategien. Ich hab mir das an meine Pinnwand über den Schreibtisch gehängt damit ich das sehe.

    -vermeintliche Probleme aufschreiben statt ihn damit zu löchern
    -Ablenkung, z.B. joggen, lesen, spazieren gehen, einen Film schauen, Musik hören, lernen
    -die Reißleine ziehen wenn ich merke, dass ich schlecht drauf bin, d.h. Abstand halten, allein sein, lieber die Verabredung absagen
    -in mich hineinhorchen, d.h. mich fragen woher die negativen Gefühle in der konkreten Situation kommen, mir sagen, dass die Gefühle legitim sind
    -meine beste Freundin anrufen statt ihn
    -ein schönes Ereignis pro Tag aufschreiben
    -konkrete kleine Ziele aufschreiben für jeden Tag/ jede Woche
    -konkrete Fortschritte aufschreiben, z.B. Situationen deren Eskalation ich verhindert habe, gute Reaktionen von mir

    Was haltet ihr davon? Kennt jemand eine solche Situation? Was hat euch da geholfen?

    Ich bin über alles dankbar. Über Tipps, Zuspruch, was auch immer. Ich glaube es ist einfach besser mir mal anders Luft zu verschaffen statt es so oft bei ihm zu machen.

    Liebe Grüße
    Hyazinthentulpe

    PS Heute scheint die Sonne, später kaufe ich einen Strauß Pfingstrosen. Das sind schon zwei schöne Dinge für einen Tag.

  2. Inaktiver User

    AW: In jeder Mücke den Elefanten sehen

    Zu Deinem Grundproblem kann ich nichts sagen, aber die Idee, die Beziehung davor zu beschützen, finde ich gut, und auch Deine Ideen dazu.

    Ich finde aber, Du solltest nicht versuchen, das im Alleingang zu regeln, sondern den Partner miteinzubeziehen. Also, hast Du schon mit ihm über Dein Verhalten und Deine Überlegungen gesprochen? Das wäre der erste Schritt.

    Im zweiten Schritt solltest Du ihm nicht nur erlauben, sondern ihn auch darum bitten, dass er sich selbst abgrenzt. Also, dass er dann auch gehen darf und sollte, wenn Du wieder ausrastest. Dass er sich aus diesen schrecklichen Situationen zurückzieht und nicht denkt, er müsse irgendwie für Dein Wohlergehen sorgen. Denn das kann er nicht an solchen Tagen, wenn ich Dich richtig verstehe, er arbeitet sich also sinnlos ab. Es ist wichtig, dass er das weiß und sehen darf und es auch lassen darf, finde ich.

    Von mir selbst kenne ich solche Schräglagen auch, die äußern sich anders und punktueller (plötzliche Wutanfälle wegen Lappalien), und es wird immer nur noch schlimmer, wenn sich dann der andere um mich bemüht. Für mich ist es tatsächlich am besten, wenn ich dann auf mich zurückgeworfen bin. Ich beruhige mich auch schneller, wenn nicht jemand vor mir steht und wartet und hofft, dass die Harmonie zurückkommt.

  3. Inaktiver User

    AW: In jeder Mücke den Elefanten sehen

    Ja, ich habe mit ihm schon darüber geredet. Ich glaube er hat langsam auch keine Lust mehr sich mit mir da auseinanderzusetzen, weil es ja, wie du schon meintest, nichts bringt. Ich hab es bisher nur selten geschafft dann zu gehen. Ich weiß auch, dass es mehr Raum geben muss in unserer Beziehung, mehr Freiheit. Er muss sich abgrenzen können ohne dass das für mich so ein Drama ist, bzw. er darf von dem Drama nicht mehr so viel mitkriegen. Ich möchte so gerne, dass wir uns beide mehr fallenlassen können, dass es unverkrampfter wird, wir uns weniger streiten, es alles alltäglicher wird, entspannter. Ach, mein Kopf weiß und will so viel. Er wollte mich gestern rauswerfen, er meinte es sei besser, ich ginge. Ich konnte das nicht und habe schrecklich geweint. Es wäre richtig gewesen zu gehen. Er meinte heute morgen, dass er nicht weiß, ob es mir leid tut. Ich habe versucht ihm zu erklären, dass ich das nicht mit Absicht mache, dass ich ihn nicht verletzen will, wie hilflos ich mich fühle und wie sehr ich mich da ändern möchte und wie furchtbar ich es finde, wenn es passiert. Ich habe jedenfalls heute morgen gesagt, auch wenn es schwerfiel, aber es war wichtig so, dass wenn er allein sein möchte, wenn er Abstand will, ich das respektiere und er Bescheid sagen soll. Er hat gesagt, dass er jetzt allein sein möchte (wir sehen uns dann später in der Vorlesung) und er mich am Wochenende aber sehen will (da übernachten wir auch immer bei einander).

  4. Inaktiver User

    AW: In jeder Mücke den Elefanten sehen

    Vielleicht sollte ich wegfahren. Einfach eine Woche weg hier, raus, irgendwohin. Ein paar Sachen ins Auto packen und los. Oder nur ein paar Tage. Einfach mal Funkstille, Alleinsein, den Kopf frei kriegen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das wirklich was bringt, ob ich nicht total verzweifelt bin ohne Kontakt und mir noch mehr Gedanken mache.

    Gerade hat er sich gemeldet und gefragt, ob wir zusammen zur Uni fahren.

  5. Inaktiver User

    AW: In jeder Mücke den Elefanten sehen

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Gerade hat er sich gemeldet und gefragt, ob wir zusammen zur Uni fahren.
    Das ist doch gut! Fahr mit ihm zusammen - und versuche, ihn mal wieder zu sehen. Ihn als Mann, den Du liebst - nicht die ganzen Gedanken in Deinem Kopf. Sehen und fühlen.

  6. Inaktiver User

    AW: In jeder Mücke den Elefanten sehen

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Das ist doch gut! Fahr mit ihm zusammen - und versuche, ihn mal wieder zu sehen. Ihn als Mann, den Du liebst - nicht die ganzen Gedanken in Deinem Kopf. Sehen und fühlen.
    Ja, das werde ich tun. Er sagt, dass er langsam weniger wütend ist und sich noch überlegt, ob er Abstand will. Vielleicht würde mir Abstand auch gut tun. Vielleicht sollte ich das Wochenende alleine verbringen, auch wenn ich nicht wegfahre. Ein Teil von mir glaubt, dass das gut wäre. Der andere hat einfach Angst davor. Wie als ob ich dann gefangen bin und nicht mehr da rauskomme wenn ich das so vorschlage.

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    AW: In jeder Mücke den Elefanten sehen

    Nach dem, was Du so schilderst, würde ich vermuten, dass Dein Freund oder die Beziehung an sich bei Dir irgendwelche tiefliegenden Ängste triggert und Du deshalb ausrastest und Dich nicht im Griff hast.

    Du kannst versuchen, dass über die von Dir überlegten Dinge zu kontrollieren, wirklich auf die Spur wirst Du dem Muster vermutlich nur mit professioneller Hilfe kommen.

    Vielleicht reicht es für den Anfang, wenn Du Dich an die psychologische Beratungsstelle Deiner Uni wendest. Dort kannst Du dann schildern, was Dir so zu schaffen macht und kriegst evt. eine Idee, wie Du das langfristig lösen kannst. Wenn Du dann noch mehr Hilfe brauchst, kannst Du Dir auch einen Therapeuten vermitteln lassen (die Beratungsstellen führen oft Listen von niedergelassenen Psychologen).

    Lg, amazone

  8. Inaktiver User

    AW: In jeder Mücke den Elefanten sehen

    Zitat Zitat von amazone41 Beitrag anzeigen
    Nach dem, was Du so schilderst, würde ich vermuten, dass Dein Freund oder die Beziehung an sich bei Dir irgendwelche tiefliegenden Ängste triggert und Du deshalb ausrastest und Dich nicht im Griff hast.

    Du kannst versuchen, dass über die von Dir überlegten Dinge zu kontrollieren, wirklich auf die Spur wirst Du dem Muster vermutlich nur mit professioneller Hilfe kommen.

    Vielleicht reicht es für den Anfang, wenn Du Dich an die psychologische Beratungsstelle Deiner Uni wendest. Dort kannst Du dann schildern, was Dir so zu schaffen macht und kriegst evt. eine Idee, wie Du das langfristig lösen kannst. Wenn Du dann noch mehr Hilfe brauchst, kannst Du Dir auch einen Therapeuten vermitteln lassen (die Beratungsstellen führen oft Listen von niedergelassenen Psychologen).

    Lg, amazone

    Es stimmt, dass er z.T. Ängste triggert und ich habe da auch bereits professionelle Hilfe in Anspruch genommen. Ich weiß woher es kommt und warum. Daran arbeite ich, das ist die Wurzel. Ich muss nur auch schauen, dass ich ihn vor den Symptomen mehr schütze. Deshalb ja die praktischen und vielleicht oberflächlichen Dinge, die ich mir vorgenommen habe.

  9. User Info Menu

    AW: In jeder Mücke den Elefanten sehen

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Es stimmt, dass er z.T. Ängste triggert und ich habe da auch bereits professionelle Hilfe in Anspruch genommen. Ich weiß woher es kommt und warum. Daran arbeite ich, das ist die Wurzel. Ich muss nur auch schauen, dass ich ihn vor den Symptomen mehr schütze. Deshalb ja die praktischen und vielleicht oberflächlichen Dinge, die ich mir vorgenommen habe.
    Die Dinge, die Du machen willst, finde ich gut.
    Besonders Sport macht den Kopf freier finde ich.

  10. Inaktiver User

    AW: In jeder Mücke den Elefanten sehen

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich muss nur auch schauen, dass ich ihn vor den Symptomen mehr schütze. Deshalb ja die praktischen und vielleicht oberflächlichen Dinge, die ich mir vorgenommen habe.
    Du könntest ihn mit einbeziehen und ihm erlauben, Dich aktiv zu stoppen, wenn Du wieder "Deine 5 Minuten" kriegst.
    Vielleicht könnt Ihr verabreden, wie er Dich in der akuten Situation auf Dein Verhalten aufmerksam machen kann, z. B. durch ein vereinbartes Zeichen, ein Wort, einen Satz.
    So kann er auch erkennen, dass es Dir enst ist, etwas zu verändern.

    (Das klappt übrigens sehr gut mit meiner pubertierenden Tochter, die manchmal zur Dreijährigen regrediert und das hinterher auch selber blöd und peinlich findet. Wir haben verabredet, dass ich sie dann mit ihrem Kleinkindkosenamen anreden werde, um ihr klarzumachen, dass sie sich gerade wie ein Kleinkind benimmt. Es wirkt!!)

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