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    Wie weit helfen bei finanzieller Not

    Hallo,

    ich führe mich zur Zeit sehr verunsichert und habe die Hoffnung, durch Impulse von außen viellicht doch ein wenig Klarheit in mir zu finden... Es geht um meinen Partner und um seine jetzige finanzielle Misere. Wir sind seit fast einem Jahr zusammen und verstehen uns wirklich gut, jeder lebt in der eigenen Wohnung, aber wir sehen uns oft und genießen die Zeit zusammen. So wie es ist, ist für uns beide passend, keiner will mehr räumlich Nähe und keiner will eine andere Form von Beziehung.

    Wir sind beide nicht mehr ganz jung (ich Anfang 40, er Anfang 60) und haben genug Lebenserfahrung um zu wissen, dass man ganz allein für sein Glück zuständig und niemand von Außen. Alles in Einem ist es eine schöne, ausgeglichene Partnerschaft auf gleicher Augenhöhe.. Nun droht dieses Gleichgewicht ein wenig zu kippen, weil M. vor 4 Monaten seinen Arbeitsplatz verloren hat und es auch nicht so einfach zu sein scheint, eine neue Stelle zu finden. Ob das mit dem Alter was zu tun hat, kann ich nicht sagen. Fakt ist, dass dieser doch so stolzer und selbstständiger Mann unter finanzieller Not leidet und die unbezahlten Rechnung häufen sich so, dass es langsam bedrohlich wird. Er spricht mit mir darüber, jedoch erwartet von mir keine Lösung seiner Probleme. Ich habe ihm bis jetzt auch schon punktuell geholfen, aber ich bin mir nicht im Klaren, wie weit ich damit gehen soll. Bis jetzt waren es über 1000 Euro.

    Meine finanzielle Lage ist gut, ich habe ein sicheres Einkommen, also es ist nicht die Rede von können oder nicht können, sondern eher von wollen oder nicht wollen... Mir ist klar, dass mir niemand sagen kann, was ich machen soll. Jedoch merke ich, dass ich es tatsächlich schwer habe wegen einigen Glaubenssätze aus der Kindheit, die aus dem Hinterkopf agieren. Sowas wie "wenn man liebt, tut man füreiannder alles. Sonst ist keine Liebe". Und nun wage ich diese Glaubenssätze zu hinterfragen....

    M. so bekümmert zu sehen bricht mir das Herz und es schwebt irgendwie eine Kummerwolke über uns, obwohl er sich ziemlich tapfer hält und keineswegs rumjammert. Nun droht er sein Auto nicht mehr fahren zu können wegen unbezahlter Versicherung. Das wäre natürlich eine relativ große Einschränkung (auch was die Arbeitssuche betrifft), jedoch nicht so gravierend wie zum Besipiel die Wohnung. Die scheint noch sicher zu sein. Aber ich kann echt nicht abschätzen für wie lange... Dazu kommt noch, dass er ziemlich stolz ist, also auch nicht gerne über seine Situation reden will. Muss aber zugeben, dass ich ihn nicht direkt gefragt habe, weil es mit in unserem Verhältnis nicht passend schien.

    Hat jemand vielleicht eine Idee, wie ich damit umgehen kann? Was würdet ihr an meiner Stelle tun? Was ist "angemessen"? Danke fürs Lesen, bin Momentan echt verwirrt...
    Viele Grüße,
    Ella

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    AW: Wie weit helfen bei finanzieller Not

    liebe Ella,
    hm, aus dem Bauch heraus würde ich sagen: finanziell nicht einstehen für ihn.
    Er scheint auf etwas zu großem Fuß zu leben, was seine derzeitige Situation angeht. und da muss er alleine raus.

    Was ich machen würde: wenn wir Dinge gemeinsam unternehmen, würde ich automatisch die Rechnung übernehmen. Ich würde ihm Kleinigkeiten mitbringen, die er sich vielleicht derzeit nicht leisten kann, von denen ich aber weiß, dass er sie schätzt (den etwas teureren Käse, Wein oder so)

    Aber seine Schulden (Versicherung, Miete, Kleidung, Auto).... da muss er wohl oder übel einen Kassensturz machen und überlegen, wo er einsparen kann. Er ist alt genug, das allein zu tun, und er weiß ja, dass Du moralisch hinter ihm stehst.

    Viel Glück!

  3. Inaktiver User

    AW: Wie weit helfen bei finanzieller Not

    Er bekommt doch Arbeitslosengeld oder?

    Abgesehen davon - ist einer knapp gibt der der mehr hat. Für mich ist das ganz selbstverständlich.

    Am Anfang war es bei uns auch mal eine Zeit so: ich hatte mehr, also zahlte ich mehr und gab auch mehr. Jetzt ist es mal umgekehrt *g*

    Wenn man lange zusammen ist spielt es keine Rolle wer was zahlt finde ich.

    Und wenn man nur kurz zusammen ist so wie ihr, dann würde ich vielleicht schriftlich festhalten was du ihm gegeben hast um es zurück fordern zu können, falls ihr euch trennt.

    Aber groß überlegt habe ich nie - ich bin aber auch nicht geizig, wenn ich Geld habe gebe ich es aus. Wenn nicht, dann nicht!

  4. Inaktiver User

    AW: Wie weit helfen bei finanzieller Not

    Ich denke auch, Du solltest einen Mittelweg gehen. Laudreys Hinweise finde ich gut.

    Füreinander einstehen - ja, aber wenn die Partner schon älter sind und jeder sein Leben schon eingerichtet hat, steht man gegenseitig vor vollendeten Tatsachen. Da kann man das mit dem Einstehen schon relativieren.

    Seine Probleme zu lösen scheint ja ein gewisses Volumen zu beinhalten - er wird seinen Lebensstandard runterschrauben müssen. Ich weiß ja nicht, wie reich Du bist, aber ich vermute doch, er braucht eine andere Lösung.

    Ich denke, Du hilfst ihm am besten, wenn Du ihn wertschätzt auch ohne Geld, Ihr Euch in Eurer Freizeitgestaltung entsprechend umstellt und Du ihm nach Kräften das Gefühl gibst, ein toller Mann zu sein auch ohne die Kohle...

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    AW: Wie weit helfen bei finanzieller Not

    Hallo Ella,

    rein gefühlsmäßig würde ich natürlich aushelfen, bis zu einer gewissen persölichen Schmerzgrenze.

    Er bekommt doch sicherlich Arbeitslosengeld? Das hilft doch erst einmal, auch wenn es nicht die Höhe der bisherigen Einkünfte erreicht. Aber dass man seine Autoversicherung nicht mehr zahlen kann, da liegt dann finanziell schon einiges im Argen. Dann hat man keinen Dispo mehr, weil man sein Konto bis zum Anschlag überzogen hat. Und dann ist schon vor der Arbeitslosigkeit einiges finanziell an den Baum gegangen.

    Ich würde mit ihm offen zu reden versuchen, zwar Hilfe anbieten, aber dann auch Klarheit über seine finanzielle Situation haben wollen.

    LG Constanze

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    AW: Wie weit helfen bei finanzieller Not

    Ella,

    kommt natürlich immer drauf an. Ich würde an deiner Stelle finanziell nichts investieren, nichtmal auf Kreditbasis, denn es bleibt zu befürchten, dass da möglicherweise nichts mehr zu holen sein wird.

    Ihr kennt euch erst recht kurz. Ihr seid nicht verheiratet, bei einer Trennung wirst du auf dich allein gestellt sein, musst also auch dein Auskommen im Auge behalten.

    Bekommt er Arbeitslosengeld ? Die Rente ist ja auch schon in sichtbarer Nähe... Oder war er selbständig und hat nicht für Notfälle vorgesorgt ?

    In einer Partnerschaft setzt natürlich der die "Standards", der weniger hat, das ist klar. Also auch du wirst dich dann einschränken müssen, was Unternehmungen etc. betrifft. Es bleibt dir ja unbenommen, ihn ab und an einzuladen in einem Umfang, der bei dir und ihm (!) ein gutes Gefühl hinterlässt.

    Gruß, Elli
    Auf der höchsten Stufe der Freundschaft offenbaren wir dem Freunde nicht unsere Fehler, sondern die seinen (F. de La Rouchefoucauld, 1613-1680)

    Fürchte dich nicht vor einem großen Schritt. Mit zwei kleinen lässt sich keine Schlucht überwinden (David Lloyd George)

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    AW: Wie weit helfen bei finanzieller Not

    Vielen Dank, ihr seit echt schnell und gut seit ihr auch :-).

    Bis jetzt habe ich mich auch so verhalten, wie Laudrey es vorgeschlagen hat. Bis auf dem bereits ausgeliehene Geld, wofür es zwar einen schriftlich Beleg gibt, aber ich ehrlich gesagt nicht mehr mit einer Rückzahlung rechne.

    Ja, er bekommt Arbeitslosengeld, allerdings nur 600 Euro, da er lange Selbstständig war und danach eher auf Provisionbasis gerabeitet hat. Er lebt bereits sehr spartanisch, aber er ist auch nicht jemand der Luxus gewohnt ist und braucht. Es gab in seinem Leben bestimmt auch viel sagen wir üppigere Zeiten, aber er hat nicht vorgesorgt und was beiseite gelegt.

    Reich bin ich nicht - wobei es mir schon klar ist, dass das reine Definitionssache ist. Im Vergleicht zu ihm fühle ich mich recht wohlhabend. Und wenn ich an meinem Patenkind in Äthiopien denke, sogar stinkreich :-). Ich habe gar keine Bedenken zu bezahlen, wenn wir ausgehen oder ein Korb voll Essen und 1-2 Flaschen Wein mitzubringen, wenn ich zu ihm fahre, das finde ich völlig normal. Und darauf kommt es echt nicht an. Aber seine Rechnungen zu bezahlen kommt mir irgendwie vor, als würde ich ihn ein Stück entmündigen... Dazu kommt, dass meinem Gefühl nach das Loch auch beliebig groß werden kann und es ist kein absehbares Ende.

    Sollte ich mich entscheiden, einzugreifen, werde ich mit Sicherheit erstmal Klartext reden (danke Constanze für den Hinweis) und den Ausmaß der Schwierigkeiten erstmal in Erfahrung bringen.

    Klingt echt bescheuert, aber es würde sich tatsächlich anders für mich anfühlen, wenn wir zusammen leben würden.... Danke euch, ihr seit großartig und sehr lieb. DANKE

  8. Inaktiver User

    AW: Wie weit helfen bei finanzieller Not

    Zitat Zitat von laudrey Beitrag anzeigen
    hm, aus dem Bauch heraus würde ich sagen: finanziell nicht einstehen für ihn.
    Er scheint auf etwas zu großem Fuß zu leben, was seine derzeitige Situation angeht. und da muss er alleine raus.

    Was ich machen würde: wenn wir Dinge gemeinsam unternehmen, würde ich automatisch die Rechnung übernehmen. Ich würde ihm Kleinigkeiten mitbringen, die er sich vielleicht derzeit nicht leisten kann, von denen ich aber weiß, dass er sie schätzt (den etwas teureren Käse, Wein oder so)

    Aber seine Schulden (Versicherung, Miete, Kleidung, Auto).... da muss er wohl oder übel einen Kassensturz machen und überlegen, wo er einsparen kann. Er ist alt genug, das allein zu tun, und er weiß ja, dass Du moralisch hinter ihm stehst.
    So sehe ich das auch.
    Ich würde ihm meine Unterstützung anbieten, mal Kassensturz zu machen und über Finanzierungs- und Einsparungsmöglichkeiten nachzudenken, aber Geld leihen oder schenken würde ich auch nicht.
    Ihr seid noch nicht lange zusammen, bei einer langjährigen Beziehung sähe das m.M.n. anders aus.

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    AW: Wie weit helfen bei finanzieller Not

    Zitat Zitat von Ella969 Beitrag anzeigen
    ...Klingt echt bescheuert, aber es würde sich tatsächlich anders für mich anfühlen, wenn wir zusammen leben würden...
    Naja, nach einem Jahr von "zusammen leben" sprechen zu wollen, ist natürlich schwierig. Wobei zusammen leben für mich nicht heissen muss "zusammen wohnen", aber das nur am Rande.

    Wenn man über Jahre zusammen lebt, dann sieht die Sache immer nochmal anders aus: man weiss genau, wie es mit den Einkünften des anderen bestellt ist, wie sich alles entwickelt hat und wie der andere arbeitet. Ich denke mal, da hast du den Einblick eher (noch) nicht.

    Ich würde es so machen wie du: Lebensmittel mitbringen zum gemeinsamen Kochen oder beim ausgehen zahlen. Aber verpflichten würde ich mich zu nichts. Das ist ein Fass ohne Boden. Er ist in einem Alter (sorry!), wo er sicher nicht mehr eine top-bezahlte Stelle findet und alles zurückzahlen bzw. zu seinem gewohnten Lebensstandard zurückfindet. Kommt aber immer auf den Beruf an, vielleicht gehört er ja zu den wenigen Ausnahmen, die im etwas fortgeschrittenen Alter nochmal durchstarten.

    Gruß, Elli
    Auf der höchsten Stufe der Freundschaft offenbaren wir dem Freunde nicht unsere Fehler, sondern die seinen (F. de La Rouchefoucauld, 1613-1680)

    Fürchte dich nicht vor einem großen Schritt. Mit zwei kleinen lässt sich keine Schlucht überwinden (David Lloyd George)

  10. User Info Menu

    AW: Wie weit helfen bei finanzieller Not

    Er ist in einem Alter (sorry!), wo er sicher nicht mehr eine top-bezahlte Stelle findet und alles zurückzahlen bzw. zu seinem gewohnten Lebensstandard zurückfindet
    Da hast du völlig Recht und genauso ist es. Daher meinte ich auch, dass es für mich es eher um Schenken handeln würde als um Ausleihen. Der Verstand sagt ganz klar, dass es total unvernünftig wäre, mich da noch reinzusteigern, aber mein Herz kommt mir schon in die Quere. Bin gerade dabei, mich von alten Glaubessätzen (siehe oben) zu befreien, die gehörn mir nicht wirklich und womöglich die, die sie ausformuliert haben, haben sogar was anderes gemeint...

    Was das Ganze noch serh erschwerend für mich macht ist, dass er mir sehr viel geholfen hat in den letzten Monaten bei einem sagen wir handwerklichen Projekt und heute denke ich eher, dass ich damals besser einen Stundensatz mit ihm ausgemacht hätte (wissend dass er Arbeitslos ist!) als jetzt mich so mit meinem Gewissen zu plagen. Nur damals kam mir das leider nicht in den Sinn :-(

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