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Thema: Freiräume

  1. User Info Menu

    Freiräume

    Hallo, ich lese in letzter Zeit sehr viel in diesem Forum und würde gerne eine neutrale Meinung zu meinem Problem hören, dazu muss ich aber ein wenig ausholen.

    Ich bin 44 und wohne mit einem 20 Jahre älteren Mann zusammen, mit dem ich auch zusammen arbeite. Als wir uns kennenlernten war ich 23 und bis über beide Ohren in ihn verliebt. Fand es toll, dass er alles besser wusste und mir die Welt erklärt hat. Ich habe sehr viel von ihm gelernt und bin ihm dafür auch sehr dankbar.

    Bis zum 26. Lebensjahr habe ich zuhause gewohnt, danach 10 Jahre alleine und nun seit 8
    Jahren mit ihm. Wir haben vor zwei Jahren ein wunderhübsches, sehr renovierungsbedürftiges Haus gemietet, das wir in mühevoller Kleinarbeit hergerichtet haben.
    Schon bevor wir diese Strapazen auf uns nahmen, hatte ich ein großes Unwohlsein in unserer Beziehung. Ich habe das aber immer wieder verdrängt und gehofft, dass es sich wieder legt.

    Der sehr große Kraftakt (Renovierung) hat aber letztendlich dazu geführt, dass ich erkannt habe, dass ich mit ihm als Partner mein weiteres Leben nicht mehr gestalten möchte. Er hat viele Ansichten und Verhaltensweisen, die ich einfach nicht (mehr) teile. Das weiß er, hegt aber vermutlich noch die Hoffnung, dass sich alles wieder zum Guten wendet.

    Da wir das Haus aber beide über alles lieben und es für uns ein Objekt ist, wie wir es wahrscheinlich nie mehr im Leben haben werden, haben wir uns darauf geeinigt, noch weiter zusammen in dem Haus zu wohnen. Die Alternative wäre gewesen, dass wir beide wieder ausziehen, das wäre aber in erster Linie dem Vermieter zugute gekommen.

    Mein Problem ist, dass wir eine sehr unterschiedliche Auffassung darüber haben, wie nun unser Zusammenleben aussehen soll. Im Moment ist es so, dass ich abends später nach Hause komme als er, er dann vor dem Fernseher sitzt und schon darauf wartet, dass es etwas zu essen gibt. Für mich ist das eine einzige Hetzerei und ich würde mich auch lieber erst einmal gemütlich hinsetzen, aber ich mache es so, wie er will. Nach dem Essen wasche ich dann ab und er sitzt weiter vor dem Fernseher. Er geht dann meist so gegen 22.00 Uhr schlafen (wir haben jeder ein eigenes Schlafzimmer), während ich gerne noch länger aufbleibe. Es kann sein, dass ich vor dem Fernseher einnicke der einfach nur lesen oder z.B. bügeln möchte. Obwohl ich sowieso versuche, keinen Krach zu machen, „stört“ ihn alles, und zwar so lange, bis ich stocksauer und freiwillig ins Bett gehe. Er könnte der Einfachhheit halber auch einfach seine Schlafzimmertür zumachen, aber das kann/will er nicht.

    Es gibt noch viele andere Beispiele, aber die Lebensqualität in diesem Haus ist für mich so hoch, dass ich das bislang billigend in Kauf nehme. Ich richte alle meine Arbeiten im Haushalt so aus, dass ich ihn möglichst nicht belästige, z.B. staubsauge ich, wenn er im Garten ist etc. Wenn ich am Wochenende putze und z.B. zwischendurch mit dem Hund Gassi gehe, dann sage ich „Lass bitte den Putzeimer hier stehen, ich brauche ihn nach dem Spaziergang noch“, ansonsten räumt er ihn mir weg, weil ihn „stört“, dass etwas herumsteht.

    Er stellt sich unter Zusammenleben vor, dass ich quasi einen Zeitplan aufstelle und ihn explizit informiere, wenn ich etwas ohne ihn vorhabe und das möglichst mit genauer Zeitangabe („ich bin am Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr nicht da... und treffe mich mit ...“) - angeblich, um besser planen zu können. Halte ich den Zeitplan nicht ein, erwartet er, dass ich ihn anrufe, denn es könnte ja sein, dass mir etwas passiert ist. Ich finde das reichlich kindisch und komme damit überhaupt nicht klar, denn ich bin ein etwas unorganisierter Mensch, gerne spontan und freiheitsliebend. Dazu gehört, dass ich mich vielleicht nach der Arbeit kurzentschlossen mit jemandem treffen oder shoppen gehen möchte. Das ist in meinem Fall ziemlich schwierig, denn das soll ich rechtzeitig ankündigen. Und dann muss ich ja auch noch sehen, dass zumindest etwas für ihn im Kühlschrank liegt.

    So vergeht mir immer mehr die Lust, etwas spontan zu unternehmen, weil mir diese Art und Weise viel zu umständlich ist. Er ist in dieser Hinsicht unbelehrbar und besteht darauf, dass seine Sichtweise die richtige ist und ein Zusammenleben nur so funktionieren kann. Er selbst sitzt übrigens meistens zuhause. Wenn er sich, höchst selten, mit einem Freund trifft, erwartet er - wie früher - dass ich auch mit von der Partie bin und bestimmt so nach wie vor über mein Leben.

    Er will mich immer noch so unter Kontrolle haben wie zu der Zeit, als wir ein Paar waren. Damals ist mir das nicht so aufgefallen, denn wenn man jemanden liebt, sieht man nicht immer so genau hin und macht vieles freiwillig und gerne.

    Auch wenn wir also kein Paar mehr sind, würde ich gerne von Euch wissen, wieviel Freiraum Ihr in Eurer Beziehung habt. Gibt es Streit, weil ein Partner etwas ohne den anderen unternehmen möchte?
    Ich freue mich auf Eure Antworten – danke!

  2. Inaktiver User

    AW: Freiräume

    So ganz kurz und knapp: kein noch so schönes Haus auf der Welt würde mich dazu bringen, mich derart zu verbiegen!
    Es ist doch gar nicht so, dass ihr nicht mehr zusammen seid, wenn du ihn sogar noch auf Wunsch sofort nach Heimkehr bekochst. Sowas halte ich für Augenwischerei. Wenn ich du wäre, ich würde lieber in einem möblierten Monteursappartement wohnen als mir DAS anzutun, was du da beschreibst!

    Richtig interessant wäre aber, wenn ihr kein Paar mehr seid, aber so weitermacht - wie die Lage wohl aussieht, wenn einer von euch beiden einen potentiellen neuen Partner mit "nach Hause" brächte, das Recht dazu hättet ihr nach beendeter Beziehung ja auch beide.

    Bist du sicher, dass das Haus der einzige Grund für dieses seltsame Arrangement ist? Oder ist das nur vorgeschoben, weil keiner sich traut, so richtig auszubrechen?

  3. User Info Menu

    AW: Freiräume

    Zitat Zitat von mitbuergerin Beitrag anzeigen
    Im Moment ist es so, dass ich abends später nach Hause komme als er, er dann vor dem Fernseher sitzt und schon darauf wartet, dass es etwas zu essen gibt. Für mich ist das eine einzige Hetzerei und ich würde mich auch lieber erst einmal gemütlich hinsetzen, aber ich mache es so, wie er will. Nach dem Essen wasche ich dann ab und er sitzt weiter vor dem Fernseher. Er geht dann meist so gegen 22.00 Uhr schlafen (wir haben jeder ein eigenes Schlafzimmer), während ich gerne noch länger aufbleibe. Es kann sein, dass ich vor dem Fernseher einnicke der einfach nur lesen oder z.B. bügeln möchte. Obwohl ich sowieso versuche, keinen Krach zu machen, „stört“ ihn alles, und zwar so lange, bis ich stocksauer und freiwillig ins Bett gehe. Er könnte der Einfachhheit halber auch einfach seine Schlafzimmertür zumachen, aber das kann/will er nicht.
    Hallo liebe Mitbürgerin!

    Das ist ja ein grauenvolles Szenario!

    Du warst also 20 Jahre quasi seine Sklavin und er hat jetzt keine Lust mehr, ohne zu sein, sehe ich das richtig?
    Du lässt dir also weiterhin dein Leben planen und machst alles, wie er es will, nur um das schöne Haus zu halten ... aber bist du glücklich in dem hübsch renovierten Käfig?

    Zitat Zitat von mitbuergerin Beitrag anzeigen
    Auch wenn wir also kein Paar mehr sind, würde ich gerne von Euch wissen, wieviel Freiraum Ihr in Eurer Beziehung habt.
    Ungefähr eine Million mal mehr als du, aber was nützt dir das .....

    Zu deinem Fall fällt mir nur ein: alles hat seinen Preis und man kann nicht alles haben - Haus plus eigenes Leben, da müsstest du deinen Herren komplett umkrempeln und das wird er nicht zulassen.

    Zitat Zitat von mitbuergerin Beitrag anzeigen
    Mein Problem ist, dass wir eine sehr unterschiedliche Auffassung darüber haben, wie nun unser Zusammenleben aussehen soll.
    Dein Problem ist aber lösbar. Du kannst dich entscheiden, wie du weiter leben willst. Hat aber Konsequenzen. Zu was tendierst du?
    see you on be friends online!

  4. User Info Menu

    AW: Freiräume

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Wenn ich du wäre, ich würde lieber in einem möblierten Monteursappartement wohnen als mir DAS anzutun, was du da beschreibst!
    Ich glaube, ich würde sogar mein restliches Leben lieber zelten .....
    see you on be friends online!

  5. Inaktiver User

    AW: Freiräume

    Ich kann verstehen, dass Du an dem Haus hängst, ich kann aber nicht verstehen, dass Du Dich so verbiegst, so derart kommandieren und - tut mir leid, wenn ich es so deutlich forumuliere - als "Hausangestellte" behandeln lässt. Kein Haus der Welt würde mich dazu bringen, mir das anzutun.

    Was nützt Dir denn das schöne Häuschen, wenn so ein Tyrann darin wohnt...

    Natürlich will er nicht ausziehen, denn dann würde ihm ja eine Menge Lebensqualität flöten gehen. Keiner der für ihn kocht, keiner der bügelt usw. . Aber ich frage mich, warum ziehst Du nicht aus und beginnst ein neues, entspanntes Leben??

    In meinen Beziehungen gab es keinen Ärger, wenn mein Partner etwas alleine unternommen hat. Und ich konnte auch alleine ausgehen, Freunde treffen usw. . Ich hätte mir das allerdings auch nicht verbieten lassen!

  6. Inaktiver User

    AW: Freiräume

    Zitat Zitat von Rotweinliebhaberin Beitrag anzeigen
    Mein Problem ist, dass wir eine sehr unterschiedliche Auffassung darüber haben, wie nun unser Zusammenleben aussehen soll.
    Dein Problem ist aber lösbar. Du kannst dich entscheiden, wie du weiter leben willst. Hat aber Konsequenzen. Zu was tendierst du?
    An der Stelle würde mich mal noch interessieren, was denn passiert, wenn die TE eben nicht kocht, den Kühlschrank füllt und auf Wunsch des Herrn brav schlafen geht.
    Was passiert denn, wenn sie einfach nein sagt? Und dann auch konsequent dabei bleibt, tatsächlich nicht kocht oder anruft oder was auch immer.
    Da kann der Herr doch dann nichts tun. Oder kettet er sie in der Küche an den Herd?
    Freiräume muss man sich nicht gnädig erteilen lassen, man kann sie sich einfach nehmen.

  7. User Info Menu

    AW: Freiräume

    Hallo Mitbürgerin,

    ich frage mich gerade, was für ein fantastisches Haus das sein muss.... trotzdem würde ich mir so ein Leben nicht antun wollen. Als ich mich von meinem Mann getrennt habe, musste ich zwangsweise mit ihm und den Kindern noch 9 Monate im Haus zusammen leben, DAS war schon schlimm und selbst da hatte ich wesentlich mehr Freiraum als du.

    Seit ihr denn wirklich getrennt?

    Ist es dir denn finanziell möglich, alleine klar zu kommen (also ggf. mit einer eigenen kleinen Mietwohnung)?

    Wäre es alternativ möglich, das Haus so umzubauen, dass es zwei getrennte Wohnungen sind?

    Als allererstes aber würde ich mal ganz fix damit aufhören, deinen EX zu bekochen und als Putzhilfe zu dienen!! Wenn ihr getrennt seid, seid ihr jetzt eine WG und so ist auch das Zusammenleben zu organisieren.

    Am liebsten würde ich dir ne Handvoll Selbstvertrauen rüberschmeissen!

    Gruß
    Schnurpsel

  8. Inaktiver User

    AW: Freiräume

    Zitat Zitat von mitbuergerin Beitrag anzeigen
    (...) Im Moment ist es so, dass ich abends später nach Hause komme als er, er dann vor dem Fernseher sitzt und schon darauf wartet, dass es etwas zu essen gibt. Für mich ist das eine einzige Hetzerei und ich würde mich auch lieber erst einmal gemütlich hinsetzen, aber ich mache es so, wie er will. Nach dem Essen wasche ich dann ab und er sitzt weiter vor dem Fernseher. Er geht dann meist so gegen 22.00 Uhr schlafen (wir haben jeder ein eigenes Schlafzimmer), während ich gerne noch länger aufbleibe. Es kann sein, dass ich vor dem Fernseher einnicke der einfach nur lesen oder z.B. bügeln möchte. Obwohl ich sowieso versuche, keinen Krach zu machen, „stört“ ihn alles, und zwar so lange, bis ich stocksauer und freiwillig ins Bett gehe. Er könnte der Einfachhheit halber auch einfach seine Schlafzimmertür zumachen, aber das kann/will er nicht. (...)


    Mitbürgerin, ich finde das hört sich furchtbar an. Lieblos und kühl. Ich meine jetzt die Art des Zusammenlebens. Für mich hört es sich an, als hätte er sich schon in den Ruhestand (in jeglicher Form) begeben, du bist aber noch in der Mitte des Lebens - prosaisch ausgedrückt.
    Ist dir denn in den 20 Jahren davor nicht aufgefallen, dass es nicht passt? Das kann ich gar nicht glauben. Na ja, das Haus gegen Liebe aufzuwiegen, ist ne schwierige Sache, denke ich. Denn was hast du von dem schönen Haus, wenn du nicht gerne in ihm lebst?

    suzie

  9. User Info Menu

    AW: Freiräume

    Liebe mitbuergerin,

    das klingt wirklich gar nicht gut, was du schreibst. Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen, unter solchen Bedingungen zu wohnen, hat mit selbstbestimmtem Leben nichts mehr zu tun.
    Wie fühlt er sich denn mit der Situation? Kann er es wirklich gutheißen, dass du ihn bekochst und hüpfst, wenn er pfeift, dich wegduckst (nur Staubsaugen, wenn er im Garten ist)...
    Kannst du dir gar nicht vorstellen, eine schöne EIGENE Wohnung zu beziehen? Er müsste dich schließlich auch auszahlen, wenn ihr beide ins Haus investiert habt...
    Ich könnte so niemals leben.
    Auf jeden Fall würde ich meine "Dienste" einstellen, nur für mich kochen bzw. gemeinsam wie Freunde/WG, eben auch spontane Unternehmungen machen ohne mir ein schlechtes Gewissen einzureden.
    Du bist eine erwachsene, eigenständige Frau in den besten Jahren, und das solltest du auch leben!

    Ich wünsche dir alles alles Gute!

  10. Inaktiver User

    AW: Freiräume

    ich lese im ersten posting keinen wunsch diese wohngemeinschaft aufzugeben.

    du wirst letztendlich nicht drumherum kommen dir zu überlegen was dir wichtiger ist: deinen freiraum, dein leben- oder dieser vermeintlich goldene käfig.

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