Ich bin seit etwa einem halben Jahr mit einem Mann zusammen, der eine TCM-Ausbildung (Traditionelle Chinesische Medizin) hat. Er ist sehr empfindsam (was ich an ihm schätze), leidet aber darunter, dass die alternativen Medizinformen nicht anerkannt sind.
Als wir uns kennen lernten bot er mir seine Hilfe bei meinen Bauchproblemen an. Ich hatte eine Arztodysee und zahlreiche Diäten und Auslassversuche hinter mir, die alle nicht gewirkt haben. Ich wurde von seinem Lehrer untersucht und begann erneut eine Diät (ich leide unter starken Verdauungsproblemen mit Krämpfen, Durchfall und starken Blähungen). Die Ratschläge des TCM-Mannes machten Sinn: Nur leicht verdauliche Lebensmittel, nur gegarte Lebensmittel, nichts was zurzeit nicht bei uns wächst. Außerdem sollte ich auf Milchprodukte (esse ich viel) und Kaffee (2 Tassen am Tag tun sooooo gut!) verzichten. Zunächst sollte ich mich von Knochmarksuppe und Haferschleim ohne alles ernähren, nach und nach sollte ich gegartes, leicht verträgliches Obst und Gemüse hinzufügen. Ich hielt das 3 Wochen lang durch, mangels Erfolg bzw. auftgrund verstärkter Probleme stellte ich meine Ernährung wieder um auf das, was ich meine und fühle vertragen zu können.
Mein Freund war enttäuscht. Er meint, ich hätte die Diät 1 bis 2 Jahre durchhalten müssen, nach 3 Wochen könne man noch nicht erkennen, ob sie anschlägt. Insbesondere Kaffee sei Gift, auch die kalten Getränke und die Eiscreme, die ich im Urlaub (bei 30 Grad) zu mir genommen hatte, seien Gift und ich müsse mich nicht wundern, wenn meine Bauchprobleme nicht besser werden. Die Aussicht, 1 bis 2 Jahre lang so widerliches, wenig Spaß machendes Zeugs essen zu müssen schreckte mich ab und war ein weitere Grund, die Diät nicht fortzusezten. Da sterbe ich lieber ein paar Jahre früher.
Nun, ich glaube nicht (mehr) an diese Therapie für mich. Ich weiß mittlerweile, dass der TCM-Mann vergessen hat, mir einige Fragen zu stellen (eine OP ist völlig unter den Tisch gefallen, bei dem ein Stück Darm entfernt wurde, das musss doch eine Rolle spielen?), meine Zunge konnte er nicht richtig untersuchen, da ich zuvor dunkelroten Johannisbeersaft getrunken hatte, der meine Zunge verfärbt hatte. Die Zungendiagnostik spielt in der TCM eine wichtige Rolle, hat bei mir aber praktisch nicht stattgefunden. Ich glaube, dass ich Verwachsungen durch die OP habe, außerdem wurde ein Gebärmuttermyom diagnostiziert. Wahrscheinlich sind diese Dinge für meine Probleme verantwortlich.
Mein Freund leidet sehr, wenn ich morgens den verbotenen Kaffee trinke und mir Quark aufs Brötchen schmiere. Ich leide, weil ich ihn seiner Gegenwart nicht mehr genussvoll essen kann. Ich finde, er sollte sich aus meine Ernährungsgewohnheiten heraushalten, ich gucke ja auch nicht traurig, wenn er etwas isst, was ich für ungesund halte.
Darüber hinaus glaubt er, dass er - laut Traditionelle Chinesische Medizin - im Alter von Mitte 40 höchstens 2 Mal in der Woche ejakulieren darf. Alles andere schwächt (laut TCM) den Körper. Ich finde im Internet keine Angaben darüber, aber mir kommt das sehr merkwürdig vor. Außerdem rasiert er sich auch nicht die Körperbehaarung (kann ich mit leben): Wenn er die Haare z.B. auf der Brust abrasiert, dann müssen sie nachwachsen, und das kostet auch wieder Kraft. Das nun ist etwas, was ich für vollkommenen Blödsinn halte.
Ich liebe meinen Freund, aber hier streiten wir uns regelmäßig. Ich halte seinen Glauben an TCM mittlerweile für eine Art Ersatzreligion und finde es unerträglich, dass er sie mir nun auch aufdrücken will. Ich bin mit seiner Diät nicht klargekommen, sie hat mir eher geschadet, ich mag auf meinen Kaffee und Quark etc. nicht verzichten. Was kann ich tun, um glücklich mit ihm zu bleiben?
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 231
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23.03.2012, 09:27Inaktiver User
Er "glaubt" an TCM, ich nicht
Geändert von Inaktiver User (23.03.2012 um 09:34 Uhr)
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23.03.2012, 09:36Inaktiver User
AW: Er "glaubt" an TCM, ich nicht
Rein praktisch: Vereinbare mit ihm, dass ihr das Thema TCM komplett außen vor lasst. Das scheint mir die einzige Möglichkeit, damit umzugehen.
Allgemein gesprochen: Ich persönlich könnte keine Lebenspartnerschaft mit einem Menschen eingehen, dessen Weltsicht ganz grundsätzlich von meiner abweicht. Hier geht es ja nicht um Quark und Kaffee, sondern im Fall deines Freundes tatsächlich um eine Art Religion. Nicht umsonst ist die "Gretchenfrage" ein geflügeltes Wort im Deutschen: Eine Beziehung, in der einer intensiv einer Religion nachgeht, die der andere anzweifelt, ist schwierig. Kann klappen, muss nicht.
Grüße, Cariad
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23.03.2012, 09:44
AW: Er "glaubt" an TCM, ich nicht
Das Thema TCM aus dem Alltag herauszuhalten, ist aber wohl kaum möglich (bestimmt schliesslich auch die wöchentliche Beischlafsequenz
).
Ich könnte nicht mit jemandem leben, der in alltäglichen Dingen eine so festgefahrene, alternativlose Meinung hat wie Dein Freund. Der würde mir sämtliche Lebenslust nehmen.
Du wirst wohl entscheiden müssen, ob Du mit ihm leben willst. Er ist offensichtlich untrennbar mit seiner Ideologie verbunden. Da gibts vermutlich keine Möglichzeit für Euch BEIDE, ohne dass einer ganz erhebliche Abstriche machen muss.
Lg, amazone
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23.03.2012, 09:55
AW: Er "glaubt" an TCM, ich nicht
Mir fehlt da etwas, dass ich im Umgang mit Menschen - egal wie Nahe sie stehen, für eine sehr entscheidende zwischenmenschliche Kitkomponente erachte: Toleranz, Akzeptanz und Respekt.
Wo ist das Wir? Wo bist Du? In seiner Welt.
Das liest sich ja fast nach Psychoterror.
Wie lange ist er denn schon auf diesem Trip - und wie wahrscheinlich ist es, dass es irgendwann den nächsten gibt?Now, bring me that horizon.
Mein Avatar zeigt Euch Smashie. - Sie wurde nur 3 Jahre alt.
Sie kam als Streuner mit einem Trichter um die Beine, den sie sich dann selbständig ausgezogen hat.
NYC's ACC platzierte sie auf der berüchtigten **Kill List**
Kein Foster - keine Rettung.
Smashie starb am 17.09.2016.
Ihre grünen Funkelaugen gibt's nicht mehr.
Sie war eine sehr liebe, menschenliebende zarte Fee.
Es ist ein Privileg die tägliche **Kill List** zu bekommen.
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23.03.2012, 10:08Inaktiver User
AW: Er "glaubt" an TCM, ich nicht
Die Beziehung ist (nicht nur dadurch) kompliziert und ich hab schon mehrmals den Impuls gehabt, wegzulaufen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es keine Alternative gibt.
Stimmt, die Toleranz fehlt. Er toleriert meinen Lebensstil nicht, ich lasse ihm jedoch seinen. Vielleicht sollte ich mal den Spieß umdrehen und traurig gucken, wenn er schon wieder heißen Tee bei 30 Grad trinkt... ;-)
Nein, ganz im Ernst, ich wünsche mir Tipps, um die Beziehung zu retten... Gehen kann ich dann immer noch.
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23.03.2012, 10:28
AW: Er "glaubt" an TCM, ich nicht
Ja, das wünschen sich viele Frauen...wobei das bei fehlender Toleranz schwierig bis unmöglich werden dürfte.
Wie sieht er denn Eure Beziehung?
Ist er in der Lage, sich selbst und seine Einstellung kritisch zu hinterfragen oder herrscht die Erziehungs- und Bekehrungsschiene vor?Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert. Albert Einstein
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23.03.2012, 10:38
AW: Er "glaubt" an TCM, ich nicht
Ich persönlich kann mit TCM, Tai Chi, Qi Gong und Akupunktur durchaus was anfangen. Wenn man sich es nur lange genug einbildet das Chi fließen zu spüren, dann klappt das auch irgendwann (hat bei mir mehrere Jahre gedauert), aber wenn eine Sache anfängt dogmatisch zu werden, wird’s für den Partner kritisch.
Ich könnte mit deinem Freund nicht leben. Nachwachsende Brusthaare schwächen seine Energie? Und Spermaverschwendung auch? Also wirklich, da hört sich alles auf.
"Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
(John D. Rockefeller)
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23.03.2012, 10:38Inaktiver User
AW: Er "glaubt" an TCM, ich nicht
Das kenne ich aus Erzählungen meines Vaters, scheint in den Tropen normal zu sein.

Mir wäre das alles zu verbohrt. 2 x die Woche Sex pfffff. Mir würde das Spontane, Lustvolle fehlen. Ich kann mit so extremen Menschen nichts anfangen. Eine Beziehung würde mir den letzten Nerv rauben. Was hält dich bei ihm?
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23.03.2012, 10:39Inaktiver User
AW: Er "glaubt" an TCM, ich nicht
Ich gehe davon aus, dass sich das auch viele Männer wünschen ;-)
Was TCM anbelangt, so scheint er zu glauben, dass es das einzig Wahre ist und dass eine Missachtung der dort festglegten Richtlinien zu einem früheren Tod führen.
Meine Güte, wo ich das so schreibe merke ich, wie krass das ist.
Ich selbst glaube, dass die TCM sicherlich in vielen Dingen Recht hat, dass sie aber nicht unbegrenzt auf jeden anwendbar ist, und dass sie, obwohl sie vielleicht Recht hat, dennoch wichtige andere Elemente außer acht lässt, die sich ebenfalls auf die Gesundheit auswirken. In meinem Fall: Ich bin davon überzeugt, dass es ungesund ist, keine Lust mehr beim Essen zu empfinden, ich bin auch davon überzeugt, dass es ungesund ist, ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man zu häufig ejakuliert ;-)
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23.03.2012, 10:43Inaktiver User
AW: Er "glaubt" an TCM, ich nicht
Tatsächlich habe ich mich erkundigt: Die Menschen in den Tropen haben einen anderen Stoffwechsel und schwitzen nicht so schnell wie wir, wenn sie heiße Getränke zu sich nehmen. Deswegen kann es für sie durchaus ok sein, bei Hitze Tee zu trinken. Wir jedoch sind nicht daran gewöhnt und leiden dann.
2 Ejakulationen pro Woche bedeuten ja nicht 2 Mal Sex pro Woche ;-) Er darf dann eben nur 2 Mal kommen.
Was mich an ihm hält: Er hat viele gute Seiten, versteht mich in vielen Dingen sehr gut, wir haben viele gemeinsame Interessen und, das wichtigste: Ich liebe ihn und er liebt mich.


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